China: BIP Q04-10: +9,8%

Das war etwas mehr als erwartet und etwas deutlicher mehr als die chinesischen Behörden (angeblich) anstreben. Um eine Wirtschaftsüberhitzung und zu hohe Inflation zu vermeiden, wird dem Vernehmen nach ein Wachstum von etwa 7,5% bis 8,5% angepeilt.

Das hat die chinesische Wirtschaft aber (wieder einmal) deutlich übertroffen. Im ersten Quartal 2010 ging es 11,9% nach oben, im zweiten um 10,3%, im dritten um 9,6% und jetzt um 9,8%. Insgesamt lag das Wachstum 2010 bei 10,3%, was über den 9,2% von 2009 liegt.

Die mehrfachen Erhöhungen der Leitzinsen und der Mindestreserve, die die Banken bei der Zentralbank hinterlegen müssen, haben das Wirtschaftswachstum also noch nicht richtig gebremst. Selbst auf der Ebene vorher, also der Geldmenge, wirken sich die Bremsmanöver noch nicht wirklich aus. Die Geldmenge M2 ist im Jahresvergleich um 19,7% gestiegen. Das ist zwar ein deutlicher Rückgang gegenüber 2009 (+27,7%), aber immer noch deutlich mehr als nach der Daumenregel Wachstum+Inflation richtig wäre. Die Banken vergeben immer noch Kredite en masse.

Daneben meldete die Statistikbehörde einen Verbraucherpreisanstieg gegenüber dem Vorjahresmonat von 4,6% für den Dezember 2010, was ein leichter Rückgang gegenüber dem November (+5,1%) ist. Im Vergleich zum November betrug das Plus 0,5%. Im Durchschnitt das Gesamtjahrs 2010 betrug die Inflation 3,3%. Das Plus von 4,6% dürfte deutlich mehr sein als den chinesischen Behörden genehm sein dürfte.

Für die Arbeiter ist der Wirtschaftsboom natürlich toll: Die Lohnsumme ist um knapp 18% (!) gestiegen. Ein Teil davon wird auf neue besser bezahlte Arbeitsplätze in der Industrie zurückgehen, ein Teil auf Lohnerhöhungen. In der Folge konnten die Konsumausgaben um fast 15% gesteigert werden.

Das ist eine wichtige Änderung, weil die Chinesen zu viel sparen und zu wenig konsumieren. Mit einem steigenden Konsum sollte ind er Theorie die Abhängigkeit Chinas vom Export sinken und die Handelsbilanz wieder ins Lot kommen. Dafür sind auch ersten Anzeichen zu erkennen: Der Handelsbilanzüberschuss Chinas ist 2010 um 6,4% auf 183 Mrd. Dollar gefallen, weil die Importe um 38,7%, die Exporte hingegen "nur" um 31,3% anzogen.

Die Chinesen sollten meiner Meinung nach ihre Währung ruhig etwas kräftiger aufwerten. Das bringt die Handelsbilanz ein wenig mehr in die richtige Richtung und es dämpft die Inflation. Und es beruhigt die USA.

Noch mehr Zahlen direkt von der Quelle (die Chinesen hauen mit den monatlichen BIP-Zahlen eine Unmenge von Einzelzahlen auf einen Schlag raus, die alle für sich genommen schon wichtig wären (Verbraucherpreise, Geldmenge, ...)):

Stats.gov.cn: National Economy Showed Good Momentum of Development in 2010

Kommentare :

  1. Du könntest in diesem Zusammenhang auch mal die Türkei näher betrachten. Oder soll ich das machen? :)

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  2. Hallo,

    zwei Dinge:

    "Die Kreditmenge im Reich der Mitte wächst drei bis vier Mal so schnell wie die Wirtschaft. Das ist nicht nur ein ungesundes Verhältnis, es ist ein ausgemachtes Desaster. Ich kenne kein Land, in dem das Wachstum im Verhältnis mit so viel Geld angeschoben werden muss, sprich, wo die Effizienz des Kapitaleinsatzes so gering ist."

    http://blog.markusgaertner.com/2011/01/19/chinas-wahres-problem/

    und:

    "Das ist eine wichtige Änderung, weil die Chinesen zu viel sparen und zu wenig konsumieren."

    Diesen Unsinn erzählen uns die Angelsachsen (England (12% Defizit), Irland (de fakto bankrott) und Amerika (min. 10% Defizit alleine der Bund)) schon seit Jahrzehnten. Der Rest ist bekannt: "Für die nächsten 19 Jahre werden täglich 10.000 Baby Boomer in den USA 65 Jahre alt – 36% von ihnen haben nicht für die Rente gespart [...] 35% der Amerikaner über 65 hängen ganz von der Sozialhilfe ab …."

    http://blog.markusgaertner.com/2011/01/06/verratzt-verarmt-verrentet/

    Gruß,

    Hardy

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  3. @m106:

    Ich fliege Sonntag wieder runter (Adana), schließe mich an ;)

    Gruß,

    Hardy

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  4. @m106:

    Mach mal. Dein Account müsste noch funktionieren. Jetzt wo du kein eigenes Blog mehr hast (wie ich gestern gesehen habe ...)

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  5. @m106:

    Mach mal. Dein Account müsste noch funktionieren. Jetzt wo du kein eigenes Blog mehr hast (wie ich gestern gesehen habe ...)

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  6. @Hardy:

    Zu viel sparen ist genau so ungesund wie zu wenig.

    Zu Gärtner:

    Viermal so viel? Bei einem Geldmengenplus von knapp 20% kann das eigentlich nicht stimmen. Wenn die Wirtschaft mit 10% wächst müsste das 40% mehr Kredite bedeuten. Die müssten aber in der Geldmenge irgendwo auftauchen.

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  7. @egghat:

    Gar nicht zu sparen ist ganz sicher schlechter als zu viel zu sparen. Und die Amis sparen nicht mal "gar nicht", die Sparquote ist - wieder - negativ.

    Gruß,

    Hardy

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  8. @Hardy:
    Sparquote in den USA ist nicht negativ. Liegt irgendwo bei 5 bis 6%.

    US-BIP Q03-2010

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  9. Hallo Egghat,

    "...wenn eine Ökonomie mit negativer nationaler Sparquote,..."

    http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/marktberichte/:das-kapital-ein-amerikanischer-traum-aufschwung/50216150.html

    vom 18.01.2011

    "Nach Abschreibungen ist die nationale Nettoersparnis laut US-VGR seit dem zweiten Quartal 2008 negativ, womit das Land aus eigener Kraft nicht mal den Kapitalstock erhalten könnte. Die US-Verbraucher verprassen 126 Prozent ihres marktbasierten - Privatlöhne, Selbstständigeneinkünfte, Mieten, Zinsen, Dividenden - Einkommens vor Steuern."

    http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/marktberichte/:das-kapital-eine-grosse-und-eine-noch-groessere-schuldenkrise/50213854.html

    vom 11.1.11.

    Gruß,

    Hardy

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  10. "negativer nationaler Sparquote"

    OK, die Sparquote meinst du.

    Die war aber schon immer (also in den letzten Jahren) negativ. Dass sich die USA als Nation immer höher im Ausland verschulden, ist ja bekannt. Das sieht man ja schon an der Leistungsbilanz.

    Die Zahl aus dem zweiten Artikel kann ich nicht nachvollziehen. Wenn das BIP eine positive Sparquote ausweist, kann die in der VGR eigentlich nicht soooo negativ werden. So hoch können die Abschreibungen eigentlich nicht werden, dass das so negativ wird. Wie die Zahl hergeleitet wird, ist mir auch unklar. Kann ich nix zu sagen. (In dem Kapital bei der FTD kommen häufig solche Zahlen, die man quasi nicht beurteilen kann, weil man nicht weiss, woher die kommen und daher auch nicht weiss, wie man die beurteilen soll).

    Ich schaue lieber auf die NIIP der USA. Und die lag 2008 schon mit etwa 25% des BIPs im Minus. Inzwischen dürften 10 bis 15 Prozentpunkte dazugekommen sein. Zum Vergleich: 1982 war das noch mit 12% im Plus.

    http://en.wikipedia.org/wiki/Net_international_investment_position

    Die USA sind also gegenüber dem Rest der Welt in den Miesen. Nicht nur bei den Staatsschulden (da ist es schon länger so), sondern auch, wenn ich die Vermögen, die Tochterfirmen im Ausland, etc. pp. dagegen rechne.

    Dass die NIIP so stabil ist, liegt auch an der Abwertung des Dollars. Damit werden die Assets im Ausland aus US-Sicht wertvoller (und das sind viele Assets), die Schulden aber nicht (die lauten ja auch Dollar). Jetzt mag man das für "Betrug" halten, aber es zeigt andererseits auch, welche Macht die USA durch die Weltleitwährung besitzen. Solange die Welt den USA mit ihrer Weichwährung Geld zu diesen lächerlichen Zinsen leihen, geht das Spiel so weiter. Ich würde den USA schon lange kein Geld mehr geben. Die werten ja doch mit 3% oder mehr langfristig ab ...

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