Die Ausfallraten spanischer Hypotheken steigen

Ich berichte ja schon einige Zeit darüber, dass die subjektive Sicht der Größe der Immobilienblase in Spanien (und damit der anschließend zu erwartenden Probleme) und die objektiv gemeldeten Zahlen nicht zusammenpassen (zuletzt hier: SPANIEN VOR GROSSER RETTUNGSAKTION FÜR DIE SPARKASSE aber auch schon letzten Sommer SPANIEN - GENAUSO WAHNSINNIG WIE DIE USA?). So waren die Ausfallraten der Immobilienkredite von etwa 5% schlicht nicht plausibel. Bei der Größe der Blase! Bei der Menge von Hypotheken an Leute, die nie hätten eine bekommen dürfen! Bei dem Immobilienpreisrückgang!

Gut so langsam fällt auf, wie viel Dreck die Spanier unter den Teppich gekehrt haben ... Die spanische Notenbank hat jetzt die spanischen Sparkassen aufgefordert, nicht nur die Höhe ihrer Immobilienkredite offen zu legen, sondern auch die Ausfallraten zu melden. Das wird spannend ...

Creditwritedowns: Spain's Cajas to Reveal Real Estate Losses

Zwei Sparkassen haben bereits gemeldet und die dabei gemeldeten Ausfälle sehen schon ganz anders als bisher bekannt aus.

Die Banco Mare Nostrum hat 11,5 Mrd. Euro Immobilienkredite vergeben, davon sind 2,8 Mrd. Euro "akut ausfallgefährdet". Die Caja España-Duero meldete ausstehende Hypotheken in Höhe von 8,1 Mrd. Euro, von denen 1,7 Mrd. Euro überfällig sind.

Addiert man das mal zusammen, kommt man auf 19,6 Mrd. Euro Hypotheken, von denen 4,5 Milliarden ausfallgefährdet sind. Das sind fast ein Viertel aller Immobilienkredite, genauer

23%.

Das hat mit den bisher gemeldeten Ausfallraten nichts mehr zu tun (auch wenn der Schluss nach der Meldung von zwei Sparkassen vielleicht voreilig ist). Die Lage ist scheinbar, wie befürchtet, um einiges dramatischer als bisher öffentlich wurde.

Und ich erinnere jetzt nochmal ganz vorsichtig an die Gesamtsumme von etwa 1,1 Billionen Euro, die in Spanien an Immobilienkrediten ausstehen. Wenn man das mit der oben erwähnten Ausfallrate hochrechnet, drohen den spanischen Sparkassen noch ganz andere Belastungen, als bisher allgemein berücksichtigt wird.

Die Prognosen schwanken allerdings extrem. Analysten rechnen mit Gesamtbelastungen der spanischen Banken in Höhe von 20 bis 120 Milliarden Euro. Gleichzeitig wird über eine Dotierung des spanischen Bankenrettungsfonds mit 30 Milliarden Euro spekuliert, was spanische Regierungskreise aber als deutlich zu hoch kommentieren.

Genauso unklar wie die Summe ist das weitere Vorgehen. Teilweise wird über eine Privatisierung (also einen Börsengang) berichtet, teilweise aber auch vom exakten Gegenteil, nämlich einer Verstaatlichung.

Sehr verwirrend alles ... Aber irgendwie erinnert das alles an Irland. Da entfaltete sich das ganze Desaster auch nur nach und nach und am Ende lagen die reellenVerluste noch über den Prognosen der größten Pessimisten ...

FTD: Radikalkur für Spaniens Cajas

Update (21:52):

OK, immerhin scheinen sich die Pläne der spanischen Regierung zu konkretisieren. Jetzt sollen die spanischen Sparkassen gezwungen werden, ihre Eigenkapitalquote auf 8% zu erhöhen (aktuelle Mindestquote 6%). Nach Meinung der spanischen Regierung sollen dafür 20 Mrd. Euro ausreichen, die (ebenfalls nach Meinung der spanischen Regierung) komplett von privaten Investoren kommen sollen.

Alles ziemlich mutige Vorhersagen, weil die endgültige Entscheidung erst im September bekanntgegeben werden soll. Keine Ahnung woher die spanische Regierung heute - vor Beginn der Prüfung - schon weiss, was am Ende herauskommt. Vor allem wenn man sich die wackligen Hypotheken anschaut, die die zwei Sparkassen (siehe oben) schon gemeldet haben ...

FTD: Spanien zwingt Banken zu Kapitalerhöhung

Kommentare :

  1. Ohje...Ohje! (mehr fällt mir dazu echt nicht ein)

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  2. Die Fed löst eines der letzten großen Rätsel der Ökonomie

    by markusgaertner on 23/01/2011

    Jetzt wissen wir es. Seit vielen Monaten rätsele ich wie es geht, dass die US-Konsumenten bei stag-nierenden Löhnen und schwachem Arbeitsmarkt, ja bei steigenden Ersparnissen, ihren Konsum steigern. Ich hatte in Momenten bitterer Ratlosigkeit schon bisweilen gedacht, ich müsste alle Lehr-bücher wegwerfen.
    Hier die Lösung: Laut neuen Zahlen der US-Notenbank, auf die sich heute das WSJ-Blog bezieht, haben die Amerikaner zum ersten Mal seit fast sechs Jahrzehnten mehr aus ihren Investmentkonten ent-nommen als eingezahlt. Um es ganz genau zu sagen: In den zwei Jahren bis September 2010 haben die US-Konsumenten netto 311 Mrd. Dollar aus ihren Wertpapier-Konten abgezogen, um ihrem Shopping-Kult trotz der hartnäckigen Rezession weiterhin zu huldigen.

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  3. Na ja, wenn man dann noch in der Vergangenheit hier gelesen hat, wie die Banken Spaniens das Problem der überfälligen Hypotheken lösen (Übernahme in die eigenen Bücher) und die Cajas auch noch an die Börse gebracht werden sollen, dann haben wir in Spanien eine Art Nachbau von (offenen "geschlossenen") Immobilienfonds.

    Merkel sollte sich ihre Regelung für die offenen Immobilienfonds patentieren lassen - in einigen Jahren kann sie dann von Zapatero Lizenzgebühren kassieren!

    lg - urriegel

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