EEG für Photovoltaik im Sommer erneut außerplanmäßig runter

Jetzt rächt sich langsam, dass die Politik viel zu lange gezögert hat, als 2008 und 2009 Dachflächenbesitzer mit Fotovoltaikanlagen geradezu unverschämte Renditen einfahren konnten. Die Solarschulden türmten sich immer höher (auch wenn die Berechnungen (inkl. meiner) durchaus umstritten sind). Die Summe ist aber nicht das Hauptproblem, weil die Umstellung der Energieerzeugung sowieso teuer werden wird. Die Frage ist, was man dafür bekommt ...

Und das war im Fall der Fotovoltaik ziemlich wenig. Für gerade mal 2% der Stromerzeugung in Deutschland mussten bereits (ganz grob) 100 Milliarden Euro angefasst werden (bzw. werden über die nächsten 20 Jahre fällig). Im Ergebnis werden für die Solarenergie 50% der EEG-Gelder fällig, es entstehen aber nur etwa 20% des regenerativen Stroms dadurch. Windenergie ist also wesentlich effizienter.

Die Fotovoltaik in Deutschland wurde zu früh zu stark (ohne Deckel) und lange Zeit auch zu hoch ( ohne dynamische Anpassung) gefördert.

Und es wurde richtig dämlich angepasst. Immerhin ist man - nach dem extrem peinlichen, sich über Monate hinziehenden Geschachere über die Senkung 2010 - dieses Jahr etwas schlauer.

Dem Vernehmen nach haben sich die Bundesverband der SolarWirtschaft (BSW) und das Bundesumweltministerium bei ihrem heutigen Treffen auf eine vorgezogene Anpassung geeinigt. Ursprünglich sollte die Förderung Anfang 2012 abhängig von der neu installierten Leistung gesenkt werden:

Bis 3,5 Gigawatt um 0%, ab 3,5 GW um 3%, ab 4,5 GW um 6%,  ab 5,5 GW um 9%, ab 6,5 GW 12% und ab 7,5 GW um

15%.

Das passiert jetzt schon zum 1. Juli. Errechnet wird die zusätzliche Leistung aus den Monaten März bis Mai und dann auf's Gesamtjahr hochgerechnet.

Was jetzt auf den ersten Blick wie eine drastische Kürzung aussieht, ist am Ende ausschließlich  eine vorgezogene Senkung. Die Senkung im Sommer wird nämlich mit der turnusmäßigen Senkung im Januar 2012 verrechnet. Geht die Prognose von z.B. 6 GW aus der Hochrechnung von März von Mai auch für das Gesamtjahr auf, wird im Januar 2012 nicht zusätzlich gekürzt.

(Update: Es wird doch zusätzlich gekürzt! s.u.)

Der Vorschlag kommt übrigens vom BSW selber ... Die Jungs haben also wirklich Angst, dass ihnen ansonsten die Kürzung noch stärker gestrichen wird.

Kampf gegen hohe Strompreise: Schrumpfkur für die Solarbranche | FTD.de
Weniger Förderung: Solarlobby und Ministerium einigen sich auf Kompromiss - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft

Warum man den Prozess der Kürzung nicht automatisiert, ist mir weiterhin schleierhaft. Siehe dazu meinen Vorschlag: VORSCHLAG: EINSPEISEVERGÜTUNG FÜR EEG DYNAMISCH UND AUTOMATISCH ANPASSEN.

Eine Deckelung auf 3 Gigawatt, wie sie einige fordern, wäre auf jeden Fall eine ziemlich dämliche Lösung. Die Förderung ab einer bestimmten Menge komplett einzustellen, dürfte zu kaum verkraftbaren Auslastungsschwankungen in der Industrie sorgen. Das Ziel, die Preise für regenerative Energien so schnell wie möglich zu senken, dürfte damit wohl kaum erreicht werden ...

Mehr zum Thema: Suche nach Solarenergie

Update (19.01.11):

Die FAZ meldet eine außerordentliche Kürzung im Sommer wie oben beschrieben, der eine nochmalige Kürzung um weitere 9% im Winter folgen soll. Das habe ich im Spiegel-Bericht anders verstanden.

Warten wir ab, morgen gibt es die Pressekonferenz.

Förderung: Solarindustrie einigt sich mit Bund auf Kürzung - Wirtschaftspolitik - Wirtschaft - FAZ.NET

Update 2 (20.01.11):

Die Darstellung der FAZ war richtig. Es wird im Sommer so gekürzt wie es eigentlich im Winter geplant war (bis auf die dazugekommene, höchste Stufe war das alte Regelung) und im Winter folgt eine weitere Absenkung um 9%, wenn die Prognose vom Sommer aufgeht. Die Vergütung kann also insgesamt um maximal 24% gesenkt werden. Sollte der Zubau im zweiten Halbjahr sinken und unter eine der oben genannten Stufen sinken, wird die Kürzung im Winter geringer ausfallen (es bleibt aber trotzdem bei 9% zusätzlicher Kürzung).

Sollte die aktuelle Ausbaugeschwindigkeit beibehalten werden (letztes Jahr geschätzt 7,9 GW), würde der Preis selbst für die kleinsten (sprich am höchsten geförderten) Anlagen niedriger vergütet als überÄs Netzt eingekaufter Strom (In Zahlen: Vergütung sinkt von 29,5 auf 22,4 Cent je KWh).

WICHTIGES DETAIL:

Auch Kunden von Ökostrom müssen demnächst die Umlage zahlen. Bisher gab es das sogenannte Grünstrom-Privileg, dass die Stromanbieter, die mehr als die Hälfte ihres Stroms aus regenerativen Quellen beziehen, von der Zahlung der EEG-Umlage befreit. Jetzt wird diese Befreiung auf 2 Cent je KWh gekappt. Ab Juli müssen die Kunden von Ökostrom ebenfalls EEG zahlen und zwar 1,53 Cent je KWh (3,53-2 Cent).

Das werden die Kunden (also z.B. ich) wenig toll finden. Auf den eh schon teureren Ökostrom muss also nochmal Ökostromabgabe bezahlt werden. Am Ende zeigt das nur, wie dämlich die aktuelle Förderung (vor allem die Solarstromüberforderung ist) ... Bin mal gespannt, ob Naturstrom (oder ein anderer Ökostrom-Anbieter) dagegen vorgeht ...

BWU: Eckpunkte für eine kurzfristige Änderung des EEG bei Photovoltaik und beim Grünstromprivileg zur Kostendämpfung

Kommentare :

  1. Und wenn anders herum ein Schuh daraus wird? Also das sich Solar- und Windkraft-Energie nicht über eine Einspeisevergütung rechnet. Sondern darüber, dass sich große Unternehmen ihren Strom nur für den Eigenbedarf produzieren um damit den steigenden Energiepreisen zu entgehen?

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  2. allzu lange werden bei der abzusehenden Preisentwicklung einer Kliowattstunde Anlagen zur autarken Stromerzeugung im eigenen Haus nicht mehr warten lassen. Irgendwann haben die Leute die Schnauze voll vom grünen Subventionsirrsinn, gegen den sich die Steinkohle ja geradezu bescheiden ausnimmt.
    Was dann folgt ist auch klar: Verbot von eigener Stromerzeugung

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  3. Grid Parity war doch immer das Ziel. Nur haben sich das einige wohl anders vorgestellt und auch davon geträumt, dass bei Grid Parity alle Probleme gelöst sind.

    Dummerweise reicht Sonnenenergie allein für eine verlässliche Energievorsorgung nicht aus und man braucht mindestens noch irgendeine Speichermöglichkeit. Und selbst wenn es die dann irgendwann (bezahlbar) geben sollte, muss noch jemand die Infrastruktur bezahlen. Oder die wird einfach auf die anderen Idioten umgelegt. Auch nicht schön.

    Wir sind jetzt an der Stelle angekommen, wo wir uns über die nächsten Probleme (Netzausbau, Speichertechnologie) Gedanken machen müssen. Dummerweise haben wir diese nächste Stufe der Probleme bereits viel früher (sprich bei einem niedrigeren regenerativen Stromanteil) erreicht als uns die "Ökoträumer" versprochen haben und noch dümmer hat es viel mehr Geld gekostet. Und das fehlt jetzt für die Lösung der nächsten Probleme.

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  4. Das mit dem Umlegen erreicht ja bald Größenordnungen, wo der eigene mit Salatöl betriebene Generator langsam eine Alternative wird. Die Angebote dazu auf Heim&Handwerksmessen werden in den nächsten Jahren sprunghaft zunehmen und die Politik wird dem dann mit Verboten aller Art entgegen steuern falls es nötig werden sollte. Ähnliche Geschichte übrigens: der Trinkwassersparwahn, der dazu geführt hat, dass jeder Eigenheimbesitzer sich eine Zisterne gebaut hat, die Kommunen trotz zurückgehenden Wasserverbrauchs natürlich dieselben Kosten für Trinkwasserbrunnen und Abwasser haben. Mit der Folge, dass die Wassergebühren explodieren. Grün sei Dank (aber nicht nur denen).

    Der PV-Irrsinn spart keine Kraftwerkskapazitäten, sorgt (bzw. sorgte!) für ein kurzes Strohfeuer der heimischen Solarindustrie und steht erst ganz am Anfang was seine explosiven Folgewirkungen betrifft. Wird uns die nächsten Jahrzehnte so beschäftigen wie die Ruhrsteinkohle jahrelang die Tagesschau beherrschte.

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