Kommt jetzt der Backlash für die Fotovoltaik?

Zumindest in Europa sieht's so aus ...

Ich habe in den vergangenen Jahren viel darüber geschrieben und habe so ziemlich alles, was die FAZ im folgenden Artikel zusammengetragen hat, auch hier schon verbloggt. Aber statt 100 Links auf mich selber gibt's da eine gute Zusammenfassung:

Energiewirtschaft: Die spektakulären Erfolge der Solar-Lobby - Wirtschaftspolitik - Wirtschaft - FAZ.NET

Nun haben wir Solarschulden von 100 Milliarden Euro. Und erzeugen trotzdem nur einen Bruchteil unseres Stroms aus der Fotovoltaik.

Zwar argumentiert die FAZ an einer Stelle (etwas arg) ungenau und stellt nicht klar, dass zwar die EEG-Vergütung 13,5 Mrd. Euro pro Jahr kostet, aber das ist in einem Artikel nur über die Solarenergie irreführend, denn die Fotovoltaik ist ja nur ein Teil davon (bessere Rechnung: ZAHL DES TAGES (01.10.10): 94.960.000.000).

Nun kommt der Backlash. Das Pendel schlägt zurück. Und zwar gewaltig. Die Solarlobby hat schon von sich aus eine stärkere (9%) und vorgezogene (6 Monate) Kürzung der Vergütung vorgeschlagen. Umweltminister Röttgen war auch zufrieden. Trotzdem scheint der Vorschlag auf Widerstand zu treffen.

Jetzt wird nicht nur eine viel stärkere Senkung gefordert, nein schlimmer: Eine Deckelung des Ausbaus. Und zwar auf magere

1.000 Megawatt.

Zum Vergleich: 2010 wurden wohl 7 Gigawatt Fotovoltaikleistung neu installiert.

Solarförderung: Sachverständigenrat für stärkere Deckelung - Wirtschaftspolitik - Wirtschaft - FAZ.NET

Die FAZ schreibt dazu folgenden Kommentar: Solarenergie: In den Fängen der Lobby - Der Kommentar - Wirtschaft - FAZ.NET.

Ich bin da gar nicht so überzeugt. Das Problem der Vergangenheit kann man so auch nicht mehr lösen. Besser wäre es gewesen, früher auch mich zu hören ;-) (siehe VORSCHLAG: EINSPEISEVERGÜTUNG FÜR EEG DYNAMISCH UND AUTOMATISCH ANPASSEN).

Naja, aber man muss nicht so skeptisch für die Auslastung der chinesischen Solarzellenfabriken sein. Die können in Zukunft die USA beliefern. Denn Obama will bis 2035 zu 80% auf erneuerbare Energien umstellen.

Solar: Obama Calls For Clean Energy ‘Apollo Mission’ - Tech Trader Daily - Barrons.com

Ich glaube man merkt wie frustriert ich bin. Erst wird viel zu viel gefördert und jetzt würgt man das alles wieder ab. Da sag mir noch mal einer, nur die Finanzmärkte könnten Blasen und den anschließenden Crash produzieren ... Das schaffen unsere Politiker auch ...

Update (27.01.11):

MNB hat einen interessanten Kommentar hinterlassen, den ich hier nochmal einfüge. Er erklärt gut, warum ein Deckel (wie ihn Spanien gemacht hat) dämlich ist: Er sorgt nicht dafür, dass die Preise sinken. Sinkende Preise erreicht man am besten, in dem man die Vergütungen so schnell wie möglich, aber eben auch nicht zu schnell runter fährt. Damit scheiden die ineffizienten Fabriken aus (erwünscht, weil eh zu teuer), für neue Fabriken mit besserer Technologie und niedrigeren Kosten gibt es aber weiterhin einen Markt. Deshalb ist das (VORSCHLAG: EINSPEISEVERGÜTUNG FÜR EEG DYNAMISCH UND AUTOMATISCH ANPASSEN) auch besser.

Unter dem Einfluss der Solarlobby hat das EEG sein Ziel aus den Augen verloren: Die Technologie so schnell wie möglich wettbewerbsfähig zu machen. Und nicht möglichst früh unter völliger Vernachlässigung der Kosten so viele Solarzellen auf die Dächer zu bekommen.

Deutschlandfunk - Hintergrund - Solarstrom - Ja bitte?

Update 2:

Aus dem Deutschlandfunktranskript:

"Wir [Die Solarbanche] werden damit zu einer tragenden Säule der Energieversorgung schon in 2020, ohne dabei (die Belastung ) der Stromkunden mehr als zwei Cent pro Kilowattstunde zu belasten"

Häh? Wie wollen die das denn schaffen? Die EEG-Umlage liegt bereits für dieses Jahr bei 3,5 Cent je KWh und davon gehen gut 40% auf die Fotovoltaik-Förderung zurück. Damit sind wir bereits bei 1,5 Cent/KWh. Es ist völlig ausgeschlossen, dass selbst bei einer stark gebremsten Ausbaugeschwindigkeit und stark gesenkten Förderung die 2 Cent nicht überschritten werden. Bei einer Halbierung der Ausbaurate von 2009 und 2010 in der Zukunft werden sich die Solarschulden jedes Jahr trotzdem um 15-20% erhöhen und damit auch die Umlage.

Klar, das sinkt mit zurückgehender Vergütung auch. Aber mit einer Halbierung des Zubaus wären wir bei 4 GW im Jahr. 4 GW * 25 Cent/KWh wären aber schon wieder 1 Milliarde Euro Förderung pro Jahr. Und damit ein Anstieg von knapp 20% der Gesamtförderung. Auf die 1,5 Cent aktueller EEG-Förderung addiert, wären das bereits 1,8 Cent.

Die 4 GW würden eine Senkung der Vergütung um 3% 2012 bedeuten. Damit würde die Förderung kaum zurückgehen. Es würden also erneut 0,3 Cent hinzukommen. Und dann sind wir schon bei 2 Cent.

Auch wenn ich das mit 8GW durchrechne, ändert das nichts. Zwar sinkt die Vergütung dann stärker, aber die 2 Cent Grenze wird dann fast schon 2011 gerissen ...

(Ich weiss, die Rechnung ist ungenau, ich habe z.B. die Kosten für den normalen Strom nicht berücksichtigt. Dazu müsste ich meine Solarschuldenrechnung komplett aktualisieren und das mache ich erst, wenn der endgültige Zubau für das 2. Halbjahr 2010 feststeht. Zur Überprüfung der 2-Cent-Grenze muss man nicht so genau rechnen. Es ist eindeutig, dass man für die Einhaltung der Grenze irgendwelche magischen Rechentricks verwenden muss).

Kommentare :

  1. man muss genie sein um irgendwann zu verstehen, dass ALLES was vom saat gefördert ist, NICHT zu gunsten des bürgers ist und letztendlich eine abzocke darstellt!

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  2. Beitrag dazu im DLF: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/1370105/

    Tenor: Die Deckelung in Spanien hat dort den Solarmarkt zusammenbrechen lassen. Der Punkt scheint der zu sein: "Ein Deckel bedeutet das Ende der Kostendegression. In dem Moment, wo sie den Markt deckeln, kann ja ein neuer Produzent mit einer neuen Fabrik nichts mehr verkaufen. Dass heißt, er wird auch diese neue Fabrik nicht bauen. Die neue Fabrik ist aber die, die den Solarstrom billiger fabriziert als die alte. Das heißt, der Deckel ist das Ende der Kostendegression."

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  3. Der Mist kommt halt immer, wenn man alles in die Zukunft verschiebt - irgendjemand wird es da schon zahlen.

    Eine niedrige Eispeisevergütung und ein hoher Direktzuschuß hätte es auch getan - nur dann hätte man die Kosten sofort gehabt, so konnte man es unter den Teppich kehren, wie bei vielen unseren heimlichen Verschuldungen.

    Anderes Thema: Jetzt vermieten sie viele Autobahnen an Privatkonzerne zum sanieren und treten dafür für 20,30 Jahre die Maut ab. Dies ist auch nur versteckte Staatsverschuldung zu extra hohen Zinsen (Gewinn der Baukonzerne + deren höhere Finanzierungskosten gegenüber AAA-Rating Kredit des Bundes). Aber im Grunde auch nichts anderes als die Solarförderung, Ausgaben in die Zukunft schieben.

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  4. @MNB:

    Danke, gut erklärt. Ich war gestern Abend nicht mehr in der Lage, alles nochmal auseinanderzudröseln. Auch, weil ich es schon geschrieben habe.

    Exakt: Ein Deckel ist extrem dämlich. Wir müssen die Preise runterkriegen, nicht den Markt kaputtmachen. Es ist nicht schlimm, wenn jedes Jahr 20 oder 30% der unrentabelsten Fabriken schließen müssen. Im Gegenteil: Genau das muss das Ziel sein (oder hätte das Ziel sein müssen): So schnell wie möglich mit so wenig Geldeinsatz die Kosten so weit wie möglich runter. Und erst dann richtig loslegen mit dem Ausbau.

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  5. @Till:

    Ich stimme dir voll zu. Politiker sind eh nicht in der Lage, richtig und frühzeitig zu reagieren. Wenn man das Konstrukte baut, die ihre Wirkung erst verzögert entfalten, ist die späte Reaktion erst recht natürlich.

    Von den Erfindern des EEG war das clever eingefädelt, denn das war ja genau die Absicht: Die Milliardenzuschüsse intransparent zu machen, damit es erstens der Verbraucher nicht merkt und zweitens damit die EU das nicht als Subvention kassiert.

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  6. Tut mir leid, wenn du über Fotovoltaik schreibst ohne den Merit-Order-Effekt zu erwähnen, muss ich hier wieder rummaulen. Nach Schätzungen des BEE sparen die Energieversorger 3,6 bis 4 Milliarden Euro jährlich durch die Einspeisung erneuerbare Energien. Diese Einsparungen müssen den Kosten gegengerechnet werden.

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  7. @Wirtschaftswurm:

    Ich glaube die Merit-Order Schätzung nicht. Ich kann das nicht ansatzweise nachvollziehen.

    Ich kenne Merit-Order-Schätzungen für die Windenergie, die ich für plausibel halte und die in ähnlicher Größenordnung liegen. Nur liegen die Strommengen, über die wir bei Wind sprechen, auch etwa viermal so hoch.

    Wenn der Solarstrom teuren Strom verdrängt, darf man auch nicht so tun, als hätte das keine Folgekosten. Man muss ja das Kraftwerk, dessen Strom man verdrängt, trotzdem weiter betreiben für Tage, an denen die Sonne nicht scheint.

    Und: Bei Merit Order wird so getan als würde der gesamte Strom über die EEX gehandelt. Das sind aber nur knapp 20%. Der große Teil des Stroms wird zu anderen Konditionen gehandelt. Wenn in Leipzig bei hohem Stromverbrauch am 4.3. um 12:00 Uhr 20 cent aufgerufen werden, muss das noch lange nicht heißen, dass alle Stadtwerke an diesem Zeitpunkt auch 20 Cent zahlen.

    Ich weiss, es gibt die Grenzkostenannahme, Die halte ich aber für eine Annahme. Schon aus einem Grund: Wenn Stromhersteller durch die Ínbetriebnahme teurerer Kraftwerke den Preis für den GESAMTEN Strom erhöhen könnten, würden die das doch absichtlich machen. Die klemmen einfach ein paar Kraftwerke zu 10 Cent ab, um häufiger die 20er ans Netz nehmen zu müssen, und verdienen dann mit dem Großteil der Kraftwerke (zu 5 Cent) auf einmal das Dreifache. Klingt irgendwie arg seltsam für mich.

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  8. Zu den Grenzkosten: Solange es noch ein bisschen Wettbewerb unter den Stromkonzernen gibt, funktioniert das natürlich nicht mit den 20-Cent-pro-KWh-Kraftwerken. Außerdem kritisiere ich (wie viele andere), dass die Stromkonzerne den Merit-Order-Vorteil gerade nicht an die Verbraucher weitergeben.

    In meinem Blog findest du übrigens nun MEINEReplik auf diesen unsäglichen FAZ-Artikel und auf dein Lob dafür.

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