Spanien vor großer Rettungsaktion für die Sparkassen

Das Thema Spanien war eines der Postings, das ich eigentlich am Wochenende fertigstellen wollte. OK, in diesem Fall war es nicht ganz so schlimm, dass ich nicht fertig geworden bin, denn heute kommt eine ganz spannende Nachricht dazu ...

Es geht um die Probleme im spanischen Bankensektor, genauer bei den Sparkassen (Cajas). Hier bin ich ja schon längere Zeit der Meinung, dass die Spanier jede erdenkliche Methode nutzen, um die gravierenden Probleme unter den Teppich zu kehren.

Ich hatte auf die kreativen Methoden der spanischen Banken bei drohender Zahlungsunfähigkeit von Immobilienbesitzern ja schon hingewiesen. Sobald die Zahlungsunfähigkeit droht, bietet die Bank "Dación en pago" an. Damit versucht die Bank, die Immobilie zurück in die eigenen Bücher zu nehmen, um sie häufig anschließend direkt wieder an den ehemaligen Besitzer zurückzuvermieten. Für die Bank ist es wichtig, dass a) die Hypothek damit abgelöst ist und damit keine überfälligen Hypotheken in den Büchern stehen und b) keine neue Bewertung der Immobilie erfolgt, denn dann wären (in so ziemlich allen Fällen) Abschreibungen fällig (siehe SPANIEN - GENAUSO WAHNSINNIG WIE DIE USA?).

Bisher haben sich die spanischen Banken angesichts der tiefen Probleme am Immobilienmarkt un der Hypotheken von knapp 1,1 Billionen Euro vergleichsweise gut gehalten und selbst negative Prognosen haben den bereits geschnürten spanischen Rettungstopf FROB bisher für ausreichend gehalten (siehe ZAHL DES TAGES (13.07.10): 88.331.000.000). (Der EU-Bankenstresstest meldete eh nur einen lächerlichen Kapitalbedarf von 2(?) Milliarden Euro für die spanischen Banken, aber der Test war auch lächerlich).

Das liegt (genauer lag) womöglich auch an einer Besonderheit der spanischen Bankenbilanzierung. In Spanien mussten überfällige Hypotheken nämlich nicht sofort abgeschrieben werden, sondern erst mit einer großen zeitlichen Verzögerung. Bei Hypotheken, die 90 Tage überfällig sind, muss in Deutschland (und vielen anderen Ländern) bereits Vorsorge getroffen werden. In Spanien jedoch nicht. Dort wurde selbst auf Hypotheken, die bereits drei Jahre (!) überfällig sind, nur eine Wertkorrektur von 2% vorgenommen. Erst danach stieg die Abschreibung deutlich an und erreichte nach 6 Jahren 100% (siehe ZAHL DES TAGES (01.06.10): 2% ).

Diese ziemlich bescheuerte, weil viel zu großzügige Regelung wurde dann auch im Sommer geändert und seitdem steigen die Ausfallraten auch deutlich an. Ganz extrem zum Beispiel bei der letzten Meldung einer übernommenen Sparkasse, die in nur einem Quartal einen Anstieg der Ausfallraten von 11 auf über 15% meldete.

Jetzt ist es natürlich schwer zu sagen, was da wirklich hinter steckt. Ein Teil des Anstiegs wird wohl auf die sich immer noch verschlechternde Lage am Immobilien- und Arbeitsmarkt zurückgehen. Außerdem werden Übernahmen immer gerne benutzt, um Leichen aus dem Keller zu holen. Damit kann der Vorstand zukünftige Probleme immer auf die "unter politischem Druck" übernommene Bank abschieben. Und nicht zuletzt werden die geänderten Abschreibungsregeln ihren Teil beigetragen haben.

HSBC Trinkaus: Der Markt Heute (15.12.2010)

Aber als wäre das alles noch nicht schlimm genug, gibt es auch einige Zweifel an den Zahlen, die die spanischen Banken der Zentralbank melden. Denn interessanterweise meldet die spanische Zentralbank eine durchschnittliche Ausfallrate, die höher ist als es der Durchschnitt der Zahlen, die die Banken selber melden, anzeigt. Die großen Banken melden allesamt Ausfallraten unterhalb des Durchschnitts, den die spanische Zentralbank ausweist. Was mathematisch natürlich unmöglich ist und so einige Zweifel an der Richtigkeit der Daten aufkommen lässt. Leider finde ich den Artikel mit der entsprechenden Grafik nicht wieder (obwohl ich das ziemlich auch bei Trinkaus gesehen habe und eigentlich weiss, wo ich suchen muss).

Inzwischen führen die ganzen Unsicherheiten rund um die spanischen Banken dazu, dass diese am freien Kapitalmarkt defakto kein neues Geld mehr bekommen. Ich habe das bereits einige Mal thematisiert (z.B. hier: EURORETTUNGSTOPF FÜR SPANISCHE BANKEN) und nun scheint der Druck so groß zu werden, dass sich die spanische Regierung entschlossen hat, die Banken neu zu finanzieren. Damit möchte sie die Zweifel der Finanzmärkte "endgültig" zerstreuen.

Dabei geht es nach Ansicht von Analysten um 20 bis 120 Mrd. Euro, die nach den bisherigen Plänen eigentlich von privaten Investoren kommen sollte. Nun springt der spanische Staat ein und spanischen Medien zufolge sollen 30 bis 80 Milliarden Euro in die Cajas gesteckt werden. Das wären etwa 3 bis 8% des spanischen BIPs, die Staatsverschuldung würde also entsprechend stark steigen.

Dieses Vorgehen ist natürlich nicht ganz unkritisch. Bisher haben vergleichbare große Refinanzierungsaktionen gemischten Erfolg gehabt. In Irland ist die Nummer ziemlich schief gelaufen, in Deutschland geht es der Commerzbank hingegen vergleichsweise gut. Der Unterschied erklärt sich zum großen Teil wohl durch den Garantiegeber: Im Fall Irland vertraut auch niemand mehr der Solvenz des Staats. Und dann läuft die ganze Garantie ins Leere.

Etwas ähnliches könnte jetzt den Spaniern drohen. Müsste der Bankenstabilisierungsfonds FROB wirklich bis an den geplanten Rand (99 Mrd. Euro) gefüllt werden, reden wir immerhin über 10% des BIPs. Das ist natürlich wesentlich mehr als die Spanier bisher an Neuverschuldung eingeplant haben. Und ob die Spanier dann noch so vergleichsweise problemlos ihre Anleihen loswerden wie in der vergangenen Woche (Tagesschau: Spanien und Italien besorgen sich frisches Geld), kann man zumindest anzweifeln.

FTD: Madrid riskiert für Cajas seine Staatsfinanzen

(Und um den Teufel an die Wand zu malen: Bei 40% Wertverlust der Immobilien und Hypotheken im Gesamtwert von 1,1 Billionen Euro lassen sich noch ganz andere Krisenszenarien zeichnen, in denen selbst die 99 Milliarden nicht ausreichen ...)

Update (18.01.11):

Noch ein Kommentar zum Thema aus der FTD nachgereicht:

Krise der Cajas: Spaniens kleineres Übel | FTD.de

Kommentare :

  1. Langsam wird es also in Spanien spannend. Wird auch Zeit, schon krass wie lange die spanischen Banken die wahre Situation vertuschen konnten!

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  2. Das haben sich die Spanier bei den Kriechen abgeschaut.

    Das alles ist ja nicht neu, es wundert da schon, dass Spanien letzte Woche die Anleihen so problemlos platzieren konnte.

    Wer weiss, wie viel davon die EZB genommen hat?

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  3. @usedomspotter: 90%? Viel weniger kann ich mir nicht vorstellen. Aber wer weiss, vielleicht verteilen die Chinesen nicht nur Nettigkeiten, sondern kaufen wirklich ...

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  4. @m106:

    Krass ist vor allem, dass die Spanier bis zum Sommer sogar die passenden Gesetze für eine solche Bilanzierung hatten ...

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  5. Anders als in China wächst die Kreditvergabe in den meisten westlichen Industrieländern also nicht mehr, sondern befindet sich seit zwei Jahren in einem Schrumpfungsprozess. Wie daraus in unmittelbarer Zukunft eine galoppierende Inflation entstehen soll, bleibt mir weiterhin ein Buch mit sieben Siegeln. Sicher sorgt die großzügige Liquiditätsversorgung der Zentralbanken für spekulationsgetriebene Steigerungen unter vielen Rohstoffpreise. Allerdings wird und kann dieser Zustand nicht zur Norm werden und ewig anhalten, denn sollte es dadurch zum viel besagten Bondcrash und Flucht aus den Papierwährungen kommen, werden die Zinsen nahezu weltweit explodieren. Ein sofortiger Zusammenbruch des global in den Seilen hängenden Finanzsystems wäre die Folge. Unzählige Kreditausfälle würden Millionen von Unternehmen und Verbraucher in den Ruin treiben. Wenn dieser Crash einsetzt, wird er also deflationär ausfallen.

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  6. @Anonym:

    Die Geldmengen im Westen schrumpfen nicht mehr massiv. OK, sie wachsen auch nicht mehr wie vor der Krise, aber eine klar deflationär zu wertende Kreditschrumpfung ist nicht sichtbar.

    Letzte Zahlen zur Geldmenge und Kreditvergabe vond er EZB (PDF!)

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