US-Arbeitslosenquote 12/10: 9,4% (-0,4)

Mist, meine "Arbeitslosigkeit in den USA wird sinken"-Wette kann ich mir damit wohl abschminken. Nach dem Rückgang wird sich wohl niemand mehr trauen, dagegen zu halten. Dieser deutliche Rückgang war genau das, worauf ich gesetzt habe ...

Schon die ADP-Zahlen mit einem Zuwachs von fast 300.000 am Mittwoch waren sehr positiv (und massiv über dem Durchschnitt von gut 100.000 fast über das gesamte Jahr 2010). Und die 300.000 neuen Jobs in der Industrie, die die ADP Zahlen anzeigten, waren der erste Wert, der eine wirkliche Senkung der Arbeitslosigkeit anzeigte. Bei 100.000 neuen Jobs (nach ADP) bleibt die Arbeitslosigkeit wegen der steigenden Bevölkerung gerade einmal stabil ...

Zu den offiziellen Zahlen für den Dezember 2010:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: -556.000 auf 14,5 Millionen. Anzahl der Arbeitenden: +297.000 auf 139,206 Millionen ---> Arbeitslosenquote:

9,4% (-0,2).

Die Anzahl der Teilnehmer, die theoretisch dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht, ist wieder um 174.000 gestiegen (die USA sind ein Land mit wachsender Bevölkerungszahl). Davon wurden aber direkt 434.00 (!!!) in die NILF (not on labor force) "abgeschoben". Die Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte auf die Gesamtbevölkerung gesehen) erholte sich ganz leicht auf 58,3%, was sowohl ein Plus von 0,1 Prozentpunkten gegenüber dem Vormonat (November 2010) wie dem Vorjahresmonat (Dezember 2010) ist. Von kräftiger Erholung am US-Arbeitsmarkt keine Spur.

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data zeichnen ebenfalls ein positives Bild, wenn auch etwas verhaltener.

Anzahl der Jobs: +103.000 gegenüber dem November auf 130,712 Millionen.

Für die beiden vergangenen Monate gab es (erneut) kräftige Aufwärtskorrekturen: Der Oktober wurde von +172 Tsd. auf +210 Tsd. (erste Schätzung: +151 Tsd.) korrigiert, der November von +39 Tsd. auf +71 Tsd., also insgesamt um 70.000.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche blieb im Dezember konstant bei 34,3, die Anzahl der Überstunden lag ebenfalls konstant bei 3,1 Stunden. Schon erstaunlich, wie stark die Zahl aus der Überschrift schwanken kann, ohne dass das in den sekundären Indikatoren (wie der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit) Niederschlag finden.

Dass die Wochenarbeitszeit und die Überstunden nicht gestiegen sind und die Anzahl der "NILFs" kräftig gestiegen ist (was sich auch in dem sehr schwachen Anstieg bei der Erwerbstätigenquote widerspiegelt), trübt die sehr positive Überschrift deutlich.

Allerdings sollte man die Arbeitslosenquote nicht so weit einschränken, dass man behauptet, es habe keine Besserung gegeben. Immerhin gab es (weitere) Aufwärtskorrekturen in der Establishment Data um insgesamt 70.000. Und auch die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6 ist um 0,3 Prozentpunkte auf 16,7% gesunken.

Im Endeffekt das genaue Gegenteil des Vormonats: Im November stieg die Arbeitslosenquote um 0,2 Punkte, die Zahlen darunter waren allerdings überwiegend stabil. Im Dezember gibt es eine sehr positive Zahl für die Überschriften, in den Details sieht die Verbesserung aber deutlich schwächer aus (auch wenn es eine gab).

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION – DECEMBER 2010 (PDF!)

Update (17:19):

Der übliche Hinweis auf die schöne Grafik bei Calculated Risk, in der die immer noch sehr schleppende Erholung des US-Arbeitsmarkts sichtbar wird:

Calculated Risk: December Employment Report: 103,000 Jobs, 9.4% Unemployment Rate

Kommentare :

  1. >Mist, meine "Arbeitslosigkeit in den USA wird sinken"-Wette kann ich mir damit wohl abschminken.

    Mit dir wettet sowieso niemand mehr ;-) Die Aktionsware Blumenkübel beim Kodi können wir uns auch selbst kaufen.

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  2. Ein "kleiner" Schönheitsfehler dieser Jubeldaten:

    Die Unterbeschäftigung ist gestiegen,
    und zwar um gleich 0,3% gegenüber November auf 16,6%:
    http://www.zerohedge.com/article/nsa-underemployment-u-6-jumps-166-highest-july-and-deteriorating-consistently-start-qe2

    Nicht gerade eine Wirtschaftsboom.

    Der andere Indikator den ich gerne für den Zustand der US-Wirtschaft betrachte ist die Anzahl der Essensmarkenempfänger. Hier gab es seit Beginn der Krise noch keine Erhohlung - die "Recovery" beschränkt sich bis jetzt auf die 20-30% einkommensstärksten der Bevölkerung, der Rest stürzt weiter ab. Du hast diese Zahl ja auch schon öfters in deinem Blog verarbeitet.

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  3. Nachtrag:

    Hier ist die aktuelle Essensmarkenstatistik:

    Immer noch kein Erhohlungszeichen:
    http://www.zerohedge.com/article/food-stamp-usage-hits-new-high-432-million

    Mittlerweile sind es 43,2%. Wenn man genau hinsieht, steigt die Kurve vielleicht nicht mehr ganz so steil an.

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  4. @Till
    Food Stamps? Auch so ein Thema. Laut @egghat eng korreliert zu seinen Arbeitslosenzahlen. Deshalb muss er seine Jubelperser Meldungen nur 1x bringen.

    Leider ist Arbeitslosigkeit STICKY. Ist halt Okun's Law. Das ist aber sicher zu kompliziert für egghat zu errechnen. Der schaut hat lieber auf ein paar Pseudo-Statistiken.

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  5. Hey @egghat. Wie wär's mit einer anderen Wette. Laut Okun's Law wird die Arbeitslosigkeit in den USA 2020 noch 9% betragen. Ich bin nicht ganz so pessimistisch. Ich sage >8%. Wettest du dagegen?

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  6. Wetten bis 2020 machen wohl wenig Sinn. Selbst bei der Immobilienwette (etwa 2,5) ist nur noch einer von dreien an Bord. Wer sagt denn, dass ich diesen unprofitablen Blog-Mist noch 9 Jahre weiter mache?

    Ich glaube in dem Beitrag ist ziemlich klar geworden, dass die unter der Arbeitslosenquote liegenden Daten nicht so toll aussehen ..

    Und warum willst du wetten? Meine Einsätze sind dir doch eh zu niedrig oder meine Bedingungen zu blöde oder was weiss ich.

    Mich aber wahlweise als Investmentbanker zu beschimpfen oder als Geizhals macht irgendwie wenig Sinn.

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