Veritabler Bankrun in Irland

Wenn ich gerade Zahlen des Tages machen würde, würde ich heute diese wählen ...

Die irischen Banken haben in den ersten 11 Monaten des Jahres

69.000.000.000 (69 Milliarden) Euro

an Kundeneinlagen verloren. Wow!

Kein Wunder, dass sich die irischen Banken nahezu ausschließlich bei der EZB (bzw. der Central Bank of Ireland) refinanzieren (138 Mrd.). Den irischen Banken bleiben übrigens noch etwa 189 Mrd. von EU-Ausländern und  247 Mrd. von Nicht-EU-Ausländern und 332 Mrd. von Inländern. Das relativiert die 69 Milliarden dann doch etwas ...

Läuft ein Bankrun heute einfach anders ab (Überweisung statt Schlangen am Schalter) oder ignorieren die Medien das Thema einfach?

Irishcentral: Irish banks lose $91 billion in deposits in 2010

Money and Banking Statistics: November 2010 (PDF!)

Update (09.10.11):

Ich habe ganz vergessen, warum ich die Nachricht gebracht habe: Ich bin der festen Überzeugung, dass sowohl in Griechenland wie auch in Irland letztendlich nicht die Unmöglichkeit der Refinanzierung des Staats den Zugriff auf den Rettungsfonds ausgelöst hat, sondern die Probleme im Bankensektor.
In Griechenland haben die Anleger Milliardenbeträge abgehoben und auf die Konten nicht-griechischer Banken (oder ins Ausland, v.a. Zypern) geschoben. Das gleiche passierte in Irland, wo sich der Bankensektor inzwischen auch nur noch über die Notenbanken refinanzieren kann.

Und zweitens ist die Nachricht interessant, weil sie nicht so recht zur Mär von den bösen Spekulanten passt, die gegen Länder spekulieren (auch wenn es die natürlich auch gibt). Scheinbar ziehen die Otto-Normal-Sparer ihr Geld sicherheitshalber genauso ab wie die Großspekulanten. Darüber will nur keiner reden, denn das würde ja bedeuten, dass das Wahlvolk den Aussagen der Politiker und die Sicherheitsfonds nicht mehr traut. Das kann man natürlich nicht zugeben. Da ist es einfacher auf ein paar Großspekulanten zu schimpfen, besonders wenn die überwiegend aus dem Ausland kommen ...

Kommentare :

  1. 69 Milliarden Bargeld gibt es vermutlich in Irland gar nicht. Der Bankrun kann nur per Überweisung funktionieren oder die Kunden kaufen Wertpapiere.

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  2. Gibt es irgendwelche Daten woher die 247 Mrd. Euronen von außerhalb der EU herkommen? D.h. wer muss (oder hoffentlich musste, jetzt wo der EU-Bailout gekommen ist) noch um sein Geld zittern...?

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  3. Also mit anderen Worten wurden pro Monat 0,75% der Einlagen abgezogen. Wieso sollte darüber irgendein Medium berichten? 0,75% liegen unter der Wahrnehmungsschwelle der Öffentlichkeit. Und auch 69 Mrd sind doch heutzutage nichts mehr, heute wird über Billionen diskutiert, als wäre es nichts. Zu Zeiten, als es noch echte, harte Bundestagsdebatten über Ein- und Ausgaben in einstelliger Millionenhöhe gab, hätte man sowas bringen können. Heute sind 69 Mrd langweilig.

    Dass da hinten dran u.U. mehrere Billionen an Assets stehen, die nun sofort aufgelöst werden müssen, weiss doch eh fast keiner.

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  4. Aus dem Artikel:

    "Investors from outside the euro area were largely responsible for the deposit collapse. Their deposits accounted for just €155 billion in Irish banks in November, a significant decrease from the €202 billion at the beginning of 2010.

    ...

    Deposits from Irish companies and savers fell €13 billion to €297billion in the same 11 month period."

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  5. @anonym1:

    Eine weitere Aufschlüsselung außer Irland, EU, Nicht-EU der Deposits gibt es (zumindest in der Statistik) nicht. Bei der BIZ könnte man u.U. etwas mehr erfahren, zumindest in den halbjährlichen Berichten.

    @anonym2:

    Im Endeffekt sind das ja sowieso No-News, weil die Notenbanken die Löcher direkt stopfen. Ich finde es aber trotzdem spannend, denn sowohl in Griechenland wie auch in Irland waren die Abflüsse bei den Banken ein wichtiger, u.U. sogar der entscheidende Faktor für das Einschreiten der Rettungsfonds ...

    @anonym3:

    Im Bericht der irischen Notenbank ist noch ein anderer ziemlich verwirrender Faktor drin: Die längerfristigen Einlagen haben (ganz im Gegensatz zu den kurzfristigen) sogar zugenommen, zumindest aus dem Inland. Mögliche Erklärung: Am langen Ende zahlen die irischen Banken vielleicht so gute Zinsen, dass die Anleger das wieder mitmachen. Ist aber eine rein spekulative Erklärung ...

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  6. @egghat: Auch für Tagesgeld zahlen die irischen Banken bombige Zinsen. Eine große deutsche Pensionskasse hatte bis kurz vor der Irlandpleite einen dreistelligen Millionenbetrag als Tagesgeld für 2,3% bei einer irischen Bank (brauchst keine Quelle suchen oder erfragen). Zur gleichen Zeit gabs bei deutschen Banken zwischen 0,1 und 0,4% auf Tagesgeld in diesen Größenordnungen.

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  7. "... denn das würde ja bedeuten, dass das Wahlvolk den Aussagen der Politiker ... nicht mehr traut."

    Wer, bitte schön, glaubt denn irgendeinem Politiker noch irgendwas?

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  8. Ich weiss auch nicht, wo die sind ... ABer es scheint welche zu geben ...

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  9. ______________________________

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