Warum Facebook auch schnell 200 Milliarden Dollar wert sein kann

OK, es ist einfach, die Facebook Bewertung von 50 Milliarden Dollar (siehe Facebook: 1% Kapital = 500 Mio. $ --> Gesamtwert 50 Mrd. - egghat's not so micro blogschnell für komplett irre zu halten. Deshalb machen es auch alle (eine Auswahl an Links soll reichen):

Handelsblatt: Facebook: Der Wahnsinn kehrt zurück
Netzwertig: Würdet ihr Facebook-Aktien kaufen? 
Tagesspiegel: Facebook wertvoller als Deutsche Bank 
Blicklog: Goldman Sachs baut mit Facebook an der nächsten Blase: 50 Mrd. US$ als Bewertung nicht gerechtfertigt

Allerdings weisen die FTD und Thomas Knüwer auf einen Aspekt hin, der wichtig ist:

Der Käufer ist eine Bank und natürlich bewertet man 1% anders als 100%. Denn die Bank kauft sich mit vergleichsweise wenig Geld auf die Pole Position für einen Börsengang (und der wird kommen, Facebook schmeißt mit so vielen Mitarbeiteroptionen um sich, die werden die Mitarbeiter irgendwann zu Geld machen wollen).
Außerdem gibt es in den USA gewisse Transparenzbedingungen für Firmen, die mehr als 499 Teilhaber haben. Diese lassen sich vermeiden, wenn die Stimmrechte in einem Pool zusammengefasst werden. Und ratet mal, wer das jetzt macht? Kurz: Es gibt für eine Investmentbank im Facebook-Umfeld jede Menge Geld zu verdienen. Und das verdient jetzt Goldman Sachs. (Weitere Details dazu bei Indiskretion Ehrensache).

Indiskretion Ehrensache: Warum 50 Milliarden Dollar für Facebook nur halber Irrsinn sind
FTD: Blase oder nicht - die Bank gewinnt immer

Daher muss Goldman Sachs gar nicht der Meinung sein, dass Facebook unbedingt 50 Mrd. Dollar wert ist. Vielleicht glauben die Goldmänner auch "nur" an 30 Mrd, rechnen aber prognostizierte Erlöse von 200 Millionen Dollar dagegen.

Aber ich vernachlässige das mal und rechne weiter mit 50 Milliarden. Facebook hat schon im 1. Quartal 2010 7,03% der weltweiten Internet-Nutzer erreicht, Google 7,09%. In den USA habe ich aktuellere Zahlen: Dort hat Facebook Google mit 8,93 (vs. 7,17%) bereits überholt. Rechnet man die weiteren Google Domains (vor allem Youtube) dazu, liegt Google wieder knapp vorne. Aber so genau wollen wir es nicht nehmen. Fakt ist:

Facebook erreicht ähnlich viele Nutzer wie Google.

Nun schauen wir uns mal Google an. Google ist etwa 200 Milliarden Dollar wert, also viermal so viel wie Facebook. Pro User gerechnet ist Facebook also geradezu ein Schnäppchen.

Warum der Unterschied? Google beherrscht die Suche. Die Suche ist *DER* Bereich im Internet, der mit kontextabhängiger Werbung (wie Google sie macht) gut zu monetarisieren ist. Wenn jemand bei Google sucht, ist die Werbung dort nicht nur interessant, um Leser abzugreifen, sondern auch Käufer. Deshalb gibt es nicht nur für jede noch so obskure Kombination von Suchbegriffen jemanden, der dort Werbung bucht, sondern jede Menge hochbezahlter Werbebegriffe, bei denen ein Klick mehrere Dollar einbringt (Auto+Kauf dürfte teuer sein).

Ich bin mir sicher, dass Google den dicken Batzen seines Gewinns bei der Suche (genauer bei der Werbung auf den Suchergebnisseiten) macht und der Rest deutlich weniger profitabel ist. Diesen Batzen zu haben, ist also Gold wert. (Das sieht man auch, wenn man mit Microsoft vergleicht. Die sind nämlich online fast mit ihrem gesamten Umsatz in den Miesen, auf 800 Millionen Dollar Umsatz kommen 800 Millionen Dollar Miese).

Google ist Marktführer bei der Suche, dem profitabelsten Segment des Internets.

Allerdings hat Facebook auch gewisse Vorteile gegenüber Google:

a) Die Bindung an ein soziales Netz ist höher als die Bindung an eine Suchmaschine. Der Eintrag in ein soziales Netzwerk ist eher vergleichbar mit einer E-Mail-Adresse, einer Kontoverbindung oder einer Adresse. Das soziale Netzwerk wechselt man nicht so schnell. Wenn man es streng betrachtet sogar noch langsamer als eine E-Mail-Adresse. Denn wenn ich eine E-Mail-Adresse wechsle, bin ich für meine Kontakte genau so erreichbar wie vorher (wenn sie die Änderung denn mitbekommen haben). Wenn ich aber aus dem Sozialen Netzwerk verschwinde und in ein anderes wechsle, in dem meine Kontakte nicht sind, bin ich für diese unsichtbar.

Die Suche hingegen kann schnell gewechselt werden. Die Ergebnisse von Bing sind OK und ein großer Teil der Leute, die demnächst einen Internet Explorer 9 (der erste Browser seit Jahren von Microsoft, der wieder up-to-date ist) bekommen, werden die Bing-Suche als Default bekommen. Sie werden es kaum merken, es funktioniert wie vorher. Wechselt gar Firefox auf Bing (Vertragsende Ende 2011) verliert Google schnell 10, 15 oder mehr Prozentpunkte Marktanteil.

Die Bindung an ein soziales Netz ist langfristig, an die Suche hingegen nicht.

b) Die Nutzersessions bei Facebook sind länger als bei Google. Während die Suche oft nach ein paar Sekunden beendet ist, chatten und mailen und spielen und verabreden sich die Leute bei Facebook. Die durchschnittliche Zeit, die die Benutzer bei Facebook verbringen, ist länger. In den USA hat Facebook bei der Gesamtzahl der Nutzungsminuten Google bereits überholt (siehe Mashable: Web Users Now Spend More Time on Facebook Than Google, im August 41,1 Millionen Minuten gegenüber 37,7 Millionen. Der abstand dürfte inzwischen größer sein).

Die Nutzungsdauer bei Facebook ist höher als bei Google.

c) Facebook ist ein Ökosystem. Facebook hat den sozialen Graphen gefangen, aber auf dieser Basis können externe Firmen alles mögliche machen. So wie ich Apps für ein Smartphone schreibe, kann ich auch Anwendungen für Facebook programmieren. Die Möglichkeiten sind nahezu unendlich. Ein Office Paket für die gemeinsame Bearbeitung von Texten in Facebook? Eine Fotobearbeitung? Terminplaner? Spiele? E-Commerce? Alles denkbar und in Teilen schon verfügbar und millionenfach in Benutzung.

Aber vielleicht noch wichtiger: Ähnlich wie bei Apple ist in Facebook bereits ein Bezahlsystem integriert. Heute wird das fast ausschließlich für Käufe innerhalb von Spielen verwendet (neue Waffen, ...), aber das kann auch mehr. Anders gesagt: Facebook hat einen Appstore wie Apple und erzielt damit Umsätze, von denen Facebook 30% abbekommt. Apple taucht jetzt nicht zufällig auf, ich glaube dass Facebook durch das "Einfangen" der Nutzer, der offenen Programmierung auf Basis der gelieferten Plattform und den Monetarisierungsmöglichkeiten durchaus ähnliche Möglichkeiten zur Verfügung stehen wie Apple.

Facebook hat eine Art Internet-Betriebssystem gebaut, das ähnliche Wirkungen entfalten wird wie Apples iOS/iPod/iTunes-Ökosystem.

Jetzt kann man auch Google jede Menge zu Gute halten:

  • Google verdient bereits Geld (bewährtes Geschäftsmodell).
  • Google hat sich mit Android auf DEM wachsenden Markt der Zukunft, den tragbaren Taschencomputer (Handy), exzellent positioniert und wird auch dort Geld verdienen und neue Kunden für Google Mail, Calendar, etc. generieren.
  • Google ist mehr als die Suche, auch das Anzeigennetzwerk bringt viel Geld.

Dagegen kann man dann aber wieder problemlos eine Replik setzen:

  • Facebook ist es egal, wer das Betriebssystem für Handies herstellt. Hauptsache die Facebook App ist vorhanden und wird benutzt.
  • Facebook könnte mit einem eigenen Handy kontern (Gerüchte gab es bereits und ich finde die durchaus logisch).
  • Facebook hat bereits ein Suchkooperation mit Bing. Die ist noch lame, aber da Facebook den sozialen Graphen hat, hat Facebook die Möglichkeit, den SEO (Search Engine Optimization) Müll aus den Ergebnissen zu filtern (es gibt ja Wikipedia-Rip-Offs, die bei Google vor dem Original stehen). Das kann genau so gut funktionieren wie der Spamfilter in Google Mail. Dann wäre die Facebook Suche besser als die von Google und Google hätte ein (riesiges) Problem. 

Auch darauf wird man wieder antworten können, Google Apps große Chancen einräumen, etc. pp. Aber darum geht es am Ende nicht. Weil damit nur die Anzahl von Minuten errechnet wird, die Google und Facebook erreichen können. Aber die werden bei beidde wachsen, auch wenn der Vorsprung von Facebook tendenziell größer werden dürfte.

Die entscheidende Frage ist eine andere: Kann Facebook aus seinen Nutzern ähnlich viel Geld machen wie Google?

Google setzt pro Nutzer knapp 20 Dollar im Jahr um. Ein großer Teil davon wird aus der Suche kommen. Facebook verdient im Moment pro Nutzer nur etwa ein Zehntel. Facebook hat aber das Potenzial, die Erlöse pro Nutzer deutlich zu steigern und das nicht nur über Werbung. Insbesondere ist Facebook durch das Potenzial eines Appstores in einer komfortableren Position als Google, das fast ausschließlich an Werbeerlösen (und die stark an der Suche) hängt.

Ich sehe für Facebook durchaus Chancen ähnlich profitabel zu werden wie Google. Der schwächeren Stellung auf dem Werbemarkt (kein relevanter Marktanteil bei der profitablen Suche) steht ein bereits funktionierender Appstore gegenüber. Und um so richtig profitabel zu werden, muss Facebook nicht einmal Google vernichten.

Und wenn Facebook genau so viele Benutzer erreicht und diese genau so gut monetarisieren kann wie Google und noch weiter wächst, kann man Facebook problemlos mit einem KGV von 20 (wie aktuell bei Google) bewerten und dann ist der Laden halt auch 200 Milliarden Dollar wert (wie aktuell Google) ...

Klar, kann der Wert von Facebook auch auf einen Bruchteil zusammencrashen (wenn alle auf ein anderes Netzwerk wechseln und die These der Bindung falsch sein sollte), aber er kann sich eben auch durchaus auch noch vervielfachen ...

Das schreit fast nach einer Wette ... Die Wette auf sinkende Arbeitslosigkeit in den USA wollte ja niemand annehmen, wie wär's mit der folgenden Wette:

"Facebook wird bis Ende 2012 an die Börse gehen und dann mehr als 50 Milliarden Dollar wert sein"?

Update (18:49):

Der durchschnittliche Umsatz von Google 2010 liegt bei geschätzten 24 Dollar, der von Facebook bei 4. Das Verhältnis liegt also bei Faktor 6 (und nicht bei 10, wie ich angenommen habe) und spricht damit noch eher für eine durchaus faire 50-Milliarden-Bewertung von Facebook ... (auch wenn solche Aussagen gewagt sind, solange niemand den Gewinn oder die Marge von Facebook kennt).

CHART OF THE DAY: Here's How Much A Unique Visitor Is Worth

Danke an Christoph Kappes für den Hinweis.

Update 2 (21:01):

Präzisierung der Wette:

"Facebook wird bis Ende 2012 eine Bewertung von  mehr als 50 Mrd. Dollar erreichen. Bewertung kann durch Mehrheitsübernahme oder Börsengang erfolgen".

Damit eröffne ich mir die Möglichkeit, dass Apple, Microsoft oder Google den Laden kaufen. Gibt es keinen Börsengang oder keine Übernahme der Mehrheit, habe ich verloren.

Wetteinsatz: Flasche Wein oder Six-Pack lokale Bierspezialität frei Haus. (Mehr kann ich nicht machen, es geht mir eher um die Strafe, die Wette zu verlieren und die Pakete zur Post schleppen zu müssen).

Maximal 5 Slots.

Sind eigentlich außer m106 die Wetter der Immobilienwette noch hier?

Update 3 (06.01.11):

So langsam wird klar, wie Goldman Sachs mit dem Deal Geld verdienen will ... 4% Gebühren beim Einbringen von Anteilen in den Investorenpool, 5% beim Entnehmen ...

Investmentbanken: Die modernen Wucherer

Kommentare :

  1. >Die Wette auf sinkende Arbeitslosigkeit in den USA wollte ja niemand annehmen, ...

    Komisch? War wirklich niemand so blöd diese Wette anzunehmen?

    Facebook-Wette:
    OK. Ich wette dagegen. Facebook wird bis Ende 2012 nicht an die Börse gehen und wenn doch wird der Wert 30 Tage nach IPO unter 50 Mrd US$ liegen.

    Jetzt brauchen wir natürlich noch einen Wetteinsatz. Wenn ich verliere lade ich dich und deine Frau zu einem all-inclusive Wochenende nach Wien ein.

    Was setzt du?

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  2. Hallo Egghat,

    ich wette zu den gleichen Bedingungen wie Stephan und setze eine Flasche Saint-Emilion Grand Cru 2005. Den genieße ich übrigens gerade :)

    Gruß,

    Hardy

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  3. Du trinkst eine Flasche Saint-Emilion Grand Cru 2005 jetzt? Bist du wahnsinnig? Wir schreiben erst 2011! Diese Weine werden nicht zum unmittelbaren Genuss produziert. In Zukunft bitte viel Veltliner trinken und Grand Crus 2005 frühestens 2020 öffnen.

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  4. Also ich wette gegen mehrere und mehrere Wetten gleichzeitig. Und außerdem ziemlich gegen den Konsens. Da kann ich solche Einsätze nicht bringen ...

    Also wie bei den Wetten vorher eine Flasche Wein oder ein Sixpack lokale Bierspezialität. Es geht mir eher um die Strafe, zu Post latschen zu müssen ;-)

    Die 30 Tage kann ich nicht akzeptieren. Wenn dann läuft die Wette bis Ende 2012, egal wann Facebook an die Börse kommt. Der zeitliche Aspekt läuft ja eh schon gegen mich. Kommt kein Börsengang zu Stande, kuck ich doof aus der Wäsche. Eigentlich sollte ich die Bedingungen auch noch auf "öffentlich bekannter Übernahmepreis" für eine Mehrheitsübernahme ändern. Also wenn Apple oder Microsoft Facebook für 51 Mrd. Dollar kaufen sollten, habe ich auch gewonnen.

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  5. Hallo Stephan,

    och, keine Bange, meine Vorräte reichen auch bis 2020. Warum hat man wohl mal in Frankreich gelebt? :)

    Gruß,

    Hardy

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  6. Hallo Egghat,

    "Und außerdem ziemlich gegen den Konsens."

    BITTE??? Du wettest MIT den Goldmännern!? Die SIND der Konsens (oder machen ihn notfalls dazu)!

    Gruß,

    Hardy

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  7. Typisch Investment Banker: ein asozialer Schnorrer. Wieso nicht gleich ein Tetra-Pack Wein? Zuerst grossartig aus dem Fenster lehnen (Wieso nicht 200 Mrd US$?) und dann geht der Arsch auf Grundeis. Das ist echt ziemlich billig! Ich bin enttäuscht.

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  8. Du immer mit deinem Grundeis.

    Ich ändere meinen Wetteinsatz nicht. Der war mehrfach erwähnt. Wer den nicht will, soll es lassen.

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  9. @Hardy:

    So gesehen hast du natürlich Recht. Scheiss Konsenswette ...

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  10. Du hast da eine falsche Annahme: "Ein soziales Netzwerk wechselt man nicht so schnell".

    Das stimmt definitiv nicht! Also ich war schon bei so vielen sozialen Netzwerken während meiner Internetlaufbahn gewesen und dann später einfach weiter gezogen bin. Und zwar bin nicht nur ich weiter gezogen, sondern auch alle meine Kontakte in diesen Netzwerken. Zwar nicht alle sofort und auf einmal aber langsam aber sicher.

    Als erstes war da MySpace, dann kam StudiVZ und man hat sich eine Zeit lang auf beiden Netzwerken getummelt. Ist ja auch nicht so schwer. Dann kam Wer-Kennt-Wen und der MySpace Account wurde langsam aber sicher irrelevant und der Account irgendwann gelöscht. Dann waren ich und meine Freunde nur noch StudiVZ und WKW unterwegs. Bei WKW war irgendwann fast jeder den ich auch bei StudiVZ als Kontakt hatte und so wurde auch der StudiVZ Account gelöscht. Zu guter letzt kam Facebook und der WKW Account wurde überflüssig und ruht seit Monaten.

    Da finde ich es weitaus schwieriger die Suchmaschine zu wechseln. Glaube mir ich habe früher Google gehasst und habe sooooo oft versucht und mir fest vorgenommen Google nicht mehr benutzen und trotzdem habe ich es nicht lange ohne Google geschafft. Und all das war bevor ich GMail, Google Reader usw. genutzt habe.

    Aber davon abgesehen bin ich deiner Meinung, dass Facebook 50 Mrd. Wert sein kann. Und ja ich glaube auch dran, dass Facebook auch bald 100 Mrd. und mehr Wert sein werden kann.

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  11. @m106:

    Du hast natürlich irgendwo Recht. Allerdings würde ich einen anderen Vergleich ziehen: Ich habe ich auch mehrere Accounts bei Auktionshäusern (u.a. Ricardo, hood.de und wahrscheinlich noch andere, an die ich mich nicht mehr erinnere ...). Das war in der Phase der Marktkonsolidierung normale. Aber jetzt ist die Nummer ebay der einzige. Den Rest braucht man nicht mehr.

    Facebook ist das ebay des Social Networkings. Es wird vielleicht noch ein paar Spezialisten daneben geben. Aber so breite wie wkw, die VZs, etc. braucht niemand mehr. Weil Facebook über die Apps in alle Richtungen erweiterbar ist. Nummer 1 forever (also zumindest bis Ende 2012 ;-) ).

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  12. Das Problem mit facebook ist: Die site ist so groß, dass das Böse der Welt in sie hineinkommt. Noch werden solche Meldungen kaum beachtet:

    "Facebook Crimes Soar Over 100,000 In Five Years" [nur in GB]
    http://www.eweekeurope.co.uk/news/facebook-crimes-soar-over-100000-in-five-years-16022

    "Woman commits suicide on Facebook... and none of her 1,082 online friends help"
    http://www.dailymail.co.uk/news/article-1263021/Number-crimes-involving-Facebook-leaps-346-cent-year.html?ITO=1490

    Und zudem ist facebook mittlerweile degressiv wachsend.

    Das schließt natürlich eine Börsenblase nicht aus, aber auch nicht das Gegenteil.

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  13. @hacedeca

    Facebook braucht aber nicht unbedingt immer mehr Nutzer. Es reicht auch eine intensivere Nutzung. Aber selbst das ist nicht vorrangig. Wenn Facebook aus den Nutzern so viel Geld generiert wie Google, ist der Laden bei einem KGV von 20 halt auch 200 Mrd. wert. Das war eigentlich meine Kernaussage ...

    Den Artikel zu dem "Crime" werde ich lesen, aber das ist natürlich auch irgendwo logisch: Facebook ist im Kern eine Kommunikationsplattform. Und beim Telefon redet auch niemand darüber, wie viele kriminelle Geschäfte über das Telefon abgewickelt werden. Das ist irgendwo eine schräge Logik ...

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  14. @egghat

    Ja, nur ist die Frage, ob das Telefon und facebook vergleichbar sind: Das Telefon ist auf jeden Fall heutzutage essentiell, google auch (zumindest für mich). Bei facebook kann man sich da nicht so sicher sein.

    Noch herrscht ja Euphorie bzgl. facebook, aber man weiß ja, wie die Medien sind: Plötzlich ist dann alles voller schlechter Meldungen, wie der von mir gebrachten, die Kunden wenden sich ab, auch die Werbekunden...

    Und ach so, ich habe da einen falschen zweiten link angegeben. Der richtige ist:

    "Woman commits suicide on Facebook... and none of her 1,082 online friends help"
    http://www.dailymail.co.uk/news/article-1344281/Facebook-suicide-None-Simone-Backs-1-082-online-friends-helped-her.html

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  15. @egghat: Gleich mal eine Frage vorweg: Wann hast du eigentlich Zeit für solche Analysen und fundierten Überlegungen. Ich schätze, das diese nicht zu deinen originären Aufgaben deines Berufsalltags gehören? Aber immer wieder schön zu lesen.

    Bin allerdings der Meinung, dass facebook definitiv mehr Nutzer braucht. Eine intensivere Nutzung wird es nicht geben, da die Nutzung in den USA den peak schon überschritten hat (weiß leider nicht mehr, wo ich das gelesen habe, dass die Aktivitäten dort pro Nutzer weniger werden [weniger Bilderupload, commenting, etc.]).

    Darüberhinaus wird facebook immer mehr zum Marketing-Instrument und verringert dadurch seine Attraktivität als wirklich soziale Plattform. Eine weitere Ausrichtung auf Profitabilität geht sicher mit einem höheren Nerv-Grad einher.

    Googles Praktiken sind etabliert und haben sich - Gott sei dank - auch nicht groß verändert. Nur weiter ausgedehnt (Stichwort: Mobile Apps, Android und so).

    UND DANN wartet erst mal ab, bis Diaspora fertig ist. Dann wird sich zeigen, was so eine Bindung an so ein Netzwerk wirklich wert ist.

    Den einzigen erhöhten Bindungsgrad den ich bei facebook sehe (und das war dann auch der Grund der Migration von StudiVZ) ist der der Internationalität. Es wird schwerer alle seine Freunde zum Umziehen zu bewegen, wenn diese in unterschiedlichen Teilen und Kulturen der Welt zuhause sind.

    Es bleibt daher eine spannende Wette. Wenn ich in die Kugel schaue sage ich, dass der Kauf für über 50 Mrd. zustande kommen wird, wenn sie sich beeilen. Schon 2012 wird faceboook abschmieren, wenn Diaspora am Start ist.

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  16. Diaspora hat durchaus Chancen.

    Allerdings ist Diaspora NUR social Network (was auch ein Vorteil sein kann), aber eben kein "Internet OS".

    Die Monetarisierungsmöglichkeiten bei Facebook (und das ist der entscheidende Gedanke) sind noch nicht annähernd ausgeschöpft.

    Ein kleines Beispiel: In Amerika macht Groupon ortsbezogene Werbung (geh in den nächsten drei Tagen in Geschäft x und bekomme 20% Rabatt) und allein der Laden soll 6 Milliarden wert sein (Google war angeblicher Käufer). So eine Funktionalität an Facebook zu stricken, ist trivial, wenn in Facebook Ortsinformationen vorhanden sind.

    Ich hoffe, dass Diaspora was wird und ebenfalls eine Art "Internet-OS" wird wie Facebook, aber bis dahin ist noch viel viel Zeit ... Google Killer per Open Source (es gab mal so eine verteilte Suchmaschine) sind auch grandios gefloppt.

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  17. Diaspora hat durchaus Chancen.

    Allerdings ist Diaspora NUR social Network (was auch ein Vorteil sein kann), aber eben kein "Internet OS".

    Die Monetarisierungsmöglichkeiten bei Facebook (und das ist der entscheidende Gedanke) sind noch nicht annähernd ausgeschöpft.

    Ein kleines Beispiel: In Amerika macht Groupon ortsbezogene Werbung (geh in den nächsten drei Tagen in Geschäft x und bekomme 20% Rabatt) und allein der Laden soll 6 Milliarden wert sein (Google war angeblicher Käufer). So eine Funktionalität an Facebook zu stricken, ist trivial, wenn in Facebook Ortsinformationen vorhanden sind.

    Ich hoffe, dass Diaspora was wird und ebenfalls eine Art "Internet-OS" wird wie Facebook, aber bis dahin ist noch viel viel Zeit ... Google Killer per Open Source (es gab mal so eine verteilte Suchmaschine) sind auch grandios gefloppt.

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  18. Was mir hier etwas fehlt ist ein Vergleich zu Amazon. Amazon ist nämlich im Prinzip auch so eine Art "soziales Netzwerk", nur dass hier die User nicht untereinander interagieren. Aber Amazon selbst sieht anhand der Bestellungen, was aktuell "Renner" sind und kann so sein Angebot jederzeit optimieren. Amazon schafft es daher auch derzeit pro User knapp 190$ im Jahr zu generieren. Die Aktie wird trotzdem gerne als "zu teuer" angesehen, dabei ist Amazon derzeit noch weniger wert als Facebook und Google. Insofern hätte die Aktie noch Luft genug, um auch eine Market Cap. von 200 Mrd. US-Dollar zu erreichen, was eine nochmalige Vervielfachung des aktuellen Kurses bedeuten würde...

    Apple hingegen ist im Vergleich m.E. viel zu teuer, die Aktie ist langsam ein Shortkandidat!!

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  19. Apple und Google haben aber eine ganz andere Marge als Amazon ... Und Apple fährt bereits beim Verkauf des Geräts Gewinne ein und die werden über die Produktlebensdauer noch höher ... Und der Kunde ist relativ fest gebunden an das Apple Ökosystem.

    Wenn ich bei Amazon kaufe (und das mache ich (zu) viel), ist der Konkurrent doch nur einen Klick weit entfernt.

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  20. @egghat

    Eine sehr gute Analyse - Sie hat mir super gefallen und die Punkte, die du bringst sind stichhaltig.

    Du darfst nur eins nicht vergessen: Der Internet Darwinismus spielt sich in (very very) "fast forward" Modus ab. Und ein schlaues Bürschchen könnte morgen mit einer noch unbekannten Idee Facebook vom Thron werfen....

    Imo. wird der IPO (falls er kommt) eines der Spektakel, wo es free money zu angeln gibt. (wenn man was vom Kuchen bekommt) & weil viele so denken wie ich- ist es gar nicht mal so unwahrscheinlich, dass ein Wert jenseits der 50bn. zustandekommt. Die Frage ist, wie lange er bleibt . . .


    Btw.

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  21. @KBX:

    Wie lange sich sowas hält, weiss man nie. Aber Google ist seit 7 Jahren nach Ansicht vieler zu teuer. Und Microsoft war es ein Jahrzehnt vorher wahrscheinlich auch immer.

    Das wichtigste Idee in meinem Posting: Facebook hat viele Monetarisierungsmöglichkeiten, die noch ungenutzt sind. Um die Wachstumsmöglichkeiten richtig abzuschätzen, greift es zu kurz, wenn man nur auf die (endliche) Nutzerzahl schaut.

    Klar, kommt ein Facebook Plus, wird es schwierig. Allerdings ist Facebook halt auch eine Plattform. Und ein soziales Netz zu bauen, macht ja keinen Sinn, wenn man keine Nutzer hat. Welche neuen Features will man da einbauen? Es ist doch für einen Innovator viel einfacher, seine Features auf Basis von Facebook zu stricken ...

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  22. @Gregor:

    Mich würde übrigens interessieren, wo du das von der abnehmenden Zahl von Nutzeraktivitäten gelesen hast.

    Ich habe nur die letzte beeindruckende Zahl von 750 Millionen Fotouploads auf Facebook über den Jahreswechsel gelesen ...
    Cnet

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