Wie lange bleiben die USA noch AAA?

Ich bekomme ja eine Menge Kommentare auf meine Postings über Ratings (wie gestern bei der Herabstufung Japans), dass die Ratings eh alle Mist seien und dass man denen nicht trauen könne, so lange die USA und Deutschland nach Triple-A wären.

Da scheinen doch einige Leser die Ratings der neuen chinesischen Ratingagentur Dagong deutlich sympathischer zu finden. Bei Dagong ist die USA bereits auf A+ herabgestuft (DAGONG STUFT USA AUF A+ HERAB) und auch die anderen drei großen AAA-Nationen Deutschland, Großbritannien und Frankreich werden schlechter eingestuft (GERMAA+NY, USAA, FRAA-NCE AND BRITAA-IN).

Aber immerhin muss man zur Kenntnis nehmen, dass auch Moody's (eine der zwei großen westlichen Ratingagenturen) über das Triple-A-Rating der USA nachdenkt.

Konkreter Anlass ist die Verlängerung der Steuersenkungen, die George W. Bush eingeführt hat. Obama wollte diese eigentlich nicht verlängern ("wir haben kein Geld für Steuergeschenke"), aber mit dem Verlust der Mehrheit "seiner" Demokraten hatte er keine Chance mehr. Der Deal war dann: Obama bekommt seine Verlängerung der Arbeitslosenhilfe, die Republikaner verlängern ihre Steuersenkung. Kosten der Nummer: Gut 800 Milliarden Dollar (ZAHL DES TAGES (14.12.10): 801.300.000.000).

Dieser zusätzlicher Anstieg der Staatsverschuldung der USA, den Moody's bisher nicht in den Prognosen hatte, lässt die Ratingexperten jetzt skeptisch werden. Wenn auch noch nicht so richtig skeptisch. Inzwischen kann sich Moody's bei ausbleibenden Bemühungen zur Haushaltskonsolidierung in den USA vorstellen, in den nächsten zwei Jahren den Ausblick der Ratingnote auf negativ zu senken. Wohlgemerkt: Nicht das Rating selber, nur den Ausblick.

Es wird sicherlich spannend werden: Wie weit wird Dagong die Note für die USA an dem Zeitpunkt bereits gesenkt haben, an dem sich die erste westliche Ratingagentur traut, den USA das Triple-A zu entziehen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass der Abstand zwischen den Ratings (jetzt 4 Stufen) noch größer wird.

FAZ: Moody's schließt Herabstufung Amerikas nicht aus

Zu Verunsicherung der Anleger trägt sicherlich auch die vorgestern veröffentlichte aktualisierte Prognose für das Minus des US-Haushalts für das Finanzjahr 2010/2011 bei. Dieses wird jetzt mit

1.480.000.000.000 (1,48 Billionen) Dollar

erwartet und entspricht 9,8% des US-BIPs.

Das ist nochmal mehr als 2008/2009, als 1,416 Billionen Dollar Miese eingefahren wurden oder als 2009/2010 (1,294 Billionen Dollar, gleich 8,9% des BIPs). Ein neues Rekordefizit! Und das bei wachsenender Wirtschaft!

Die Prognosen für die nächsten Jahre sehen besser aus. Aber bevor ich die bringe, erwähne ich vielleicht noch kurz, dass die oben gemeldete Prognose 40% über der Prognose aus dem Vorjahr liegt. Diese positive Prognose war schonmal ein totaler Flop. Daher sollte man die Prognosen mit einer gehörigen Portion Skepsis aufnehmen, vor allem sind Prognosen bis 2021 praktisch unmöglich. Es geht ja nicht einmal die Prognose für die nächsten 12 Monate annähernd auf. Und die Rezession wurde noch von der klaren Mehrheit der Analysten ausgeschlossen, als man schon drinsteckte (wie man im Nachhinein weiss).

Dieses Mal wird erneut eine sinkende Neuverschuldung vorhergesehen. 2012 sollen es "nur" noch 1,1 Billionen werden (7,0% des BIPs), 2013 704 Milliarden (4,3% des BIPs) und 2014 533 Milliarden (3,1%). Bis 2021 soll das Minus dann in diesem Bereich schwanken (2,9-3,4% des BIPs).

Das würde noch nicht ausreichen, um die Staatsverschuldung (in Prozent des BIPs) zu senken. Nach dem Satz von 62,1% (September 2010) auf 73,9% des BIPs (Sept. 2012) steigt die Staatsverschuldung der USA bis 2021 (wenn auch deutlich langsamer) weiter auf 76,7% des BIPs.

Von der Quelle: CBO: The Budget and Economic Outlook: Fiscal Years 2011 to 2021 (PDF!)

Zusammenfassung: Spiegel: Amerika macht 1.500.000.000.000 Dollar Miese

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