Bundesbank erklärt die 338 Milliarden Euro

Ich hatte mit etwas Verzögerung über die 338 Milliarden Euro gebloggt, die die EZB an die Eurozone verliehen hat. Verzögert, weil ich mir die Sache nicht erklären konnte und ich den dumpfen Verdacht ahtte, dass hier nur eine Position in der Bilanz der Bundesbank auftaucht, die in der permanent wachsenden Bilanz bei der EZB eh schon auftaucht: BUNDESBANK VERLEIHT 338 MILLIARDEN EURO IN DIE EUROZONE

Allerdings gab es auch eine Reihe anderer Erklärungen, u.a. dass die Bundesbank jetzt wirklich wieder eigenständig anfängt, Geld zu drucken und das ohne Legitimation an die Eurozone zu vermeiden. So die Idee von Prof. Sinn und der Wiwo, die ich zum Glück nur mit gewissen Vorbehalten weitergetragen habe ...

Heute hat die Bundesbank eine Pressemitteilung zum Thema herausgegeben. Und darin erklärt sie die erhöhten TARGET2 Zahlen. Und zwar wie folgt:

Vorab eine Klärung:  Die TARGET2-Positionen der Bundesbank stellen kein erhöhtes Risiko der Bundesbank da, a) weil die Positionen der Zentralbanken untereinander verrechnet werden und b) weil das Eurosystem immer nur als Ganzes haftet, unabhängig davon, welche Zentralbank einen Kredit vergeben hat.

Dann zur Frage, wie so hohe Forderungen entstanden sind:

1.) Vor Beginn der Finanzkrise hat die Bundesbank den deutschen Geschäftsbanken Geld zur Verfügung gestellt. Dieses Geld verliehen die Geschäftsbanken dann (überwiegend) im Euroraum weiter.
2.) Mit Beginn der Krise schwand das Vertrauen der Geschäftsbanken untereinander und der Interbankenmarkt brach komplett zusammen. Daraufhin übernahmen die Zentralbanken große Teile der Refinanzierungsaktionen der Geschäftsbanken.
3.) Das erfolgte scheinbar nicht sonderlich koordiniert und die (Noten-?)Banken liehen sich ziemlich wild untereinander Geld.
4.) Mit zurückkehrendem Vertrauen floss Geld zu den deutschen Geschäftsbanken zurück, die damit die Schulden bei der Bundesbank zurückführten. Das passierte im Ausland aber nicht und daher stehen die entsprechenden Posten heute immer noch in der Bilanz der Bundesbank.

Zumindest habe ich das so verstanden. Lest selbst:
Bundesbank: TARGET2-Salden der Bundesbank

Im Großen und Ganzen finde ich die Erklärung der Bundesbank logisch. Ich finde daran aber zwei Sachen etwas seltsam:

a) Warum hat die EZB diese Geschäfte nicht schon lange übernommen? Zeit wäre dafür doch inzwischen ausreichend vorhanden gewesen. Hat das vielleicht doch die Bilanz der EZB verkürzt, also das Ausmaß der ganzen Rettungsmaßnahmen verschleiert? (Auch wenn die EZB immer betont, dass gegen für die Geschäfte ja Sicherheiten hinterlegt werden müssen, also das quasi kein Risiko beeinhaltet).
b) Wieso leihen sich überhaupt Banken im Ausland Geld bei der Bundesbank? Sollten die nicht bei ihrer  Zentralbank bzw. der EZB fragen?

Beantworten kann ich das auch nicht. Ich habe vom föderativen Eurosystem und der Geldvergabe darin schlichtweg zu wenig Ahnung. Aber immerhin scheinen das ifo-Institut, Prof. Sinn und die WiWo auch nicht mehr Plan zu haben ... (zumindest wenn ich den Vorgang mit Stand heute richtig interpretiere ).

Über Hinweise, wenn ifo oder WiWo noch was zum Thema sagen, bin ich dankbar.

Kommentare :

  1. egghat meine Erläuterung auf WiWo, die zu 100% zur Presseerklärung der Bundesbank passt:

    von Bernd Klehn am 22.02.2011 13:04 Uhr Eigentlich darf nur die EZB Zentralbankgeld herausgeben. Sie bestimmt die Gesamtmenge und die Konditionen des Geldes unter denen dieses an die Geschäftsbanken weitergegeben wird. EZB-Geld wird für j e d e Überweisung oder Bargeldzahlung im Euroraum benötigt (Gesetzliches Zahlungsmittel). Geht dieses Geld aus, kann man nichts kaufen. Die Aussage, dass nur die EZB-Geld herausgeben darf, stimmt wiederum nicht ganz, denn die NZBs (z.B Irland) können eigene Liquidität Emergency Liquidity Assistance (ELA) auflegen um im Notfall Banken zu retten, allerdings nur, wenn dieses den Zielen der EZB nicht widerspricht. Diese kann dieses per Veto (2/3 Mehrheit) verbieten. Der Bundesbank stehen ca. 25% EZB-Geld und damit entsprechend den deutschen Banken zu. Benötigt ein Land oder eine Bank mehr Liquidität, als von der Zentralbank zugewiesen, leiht es sich dieses Geld bei anderen Banken. Nun hat z. B. Griechenland Waren in Deutschland eingekauft und bezahlt. Also wandert das Geld von Griechenland nach Deutschland. So geht, den Griechen das Geld aus und sie können sich nichts mehr kaufen, stattdessen sammelt sich das Geld in Deutschland. Nun lieferten die deutschen Banken das Geld lieber bei der Bundesbank ab, als es den Griechen zu leihen. Wäre es dort verlieben, wären die Griechen illiquide und pleite. Nun kommt Target2 ins Spiel (Liquiditätssicherung im Euroraum), demnach können sich die nationalen Zentralbanken via EZB bei anderen Zentralbanken Zentralbankgeld zu den üblichen Konditionen besorgen und gegen Sicherheiten an ihre Banken weitergeben. Dieses ist reichlich genutzt worden, somit stehen die anderen Euroländer via Bundesbank im deutschen Obligo. Der Vorgang entspricht einem Devisenaufkauf notleidender Euroländer von 640Mrd. zu DM Zeiten. Die alte Währungsschlange platze, als die Bundesbank für 29Mrd.DM Franc kaufen musste, um Frankreich zu stützen. Beim Kauf von 640Mrd. Devisen zu DM Zeiten hätten alle die Bundesbank für total verrückt erklärt.

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  2. Da warst du schonmal näher dran als ich.

    Warum nicht die EZB das Geld selber verleiht, verstehe ich aber immer noch nicht. Hat man TARGET2 eingeführt, damit man auch das Eigenkapital dr Bundesbank für die Geldgeschäfte nutzen kann? Die EZB musste ja schonmal das Eigenkapital erhöhen, um die erhöhten Anforderung durch die Finanzkrise 2.0 noch stemmen zu können.

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  3. Die Eigenkapitalhöhe spielt hierbei keine Rolle.


    Grundlage ist, dass die Bundesbank einen bestimmten Anteil an Euro-Liquidität herausgeben darf. Hier die Bestimmung für die Banknoten, die analog auch auf die andere Zentralbankliquidität anzuwenden ist.

    http://www.ecb.de/ecb/legal/pdf/l_03520110209de00260030.pdf

    Zentrale Aussagen:

    “Nach Artikel 128 Absatz 1 des Vertrags und Artikel 16 der ESZB-Satzung hat der EZB-Rat das ausschließliche Recht, die Ausgabe von Euro-Banknoten innerhalb der Union zu genehmigen.”

    “Der Gesamtwert des Euro-Banknotenumlaufs wird unter Anwendung des Banknoten-Verteilungsschlüssels an die Mitglieder des Eurosystems verteilt.”

    “Die Differenz zwischen dem Wert der Euro-Banknoten, der jeder NZB gemäß dem Banknoten-Verteilungsschlüssel zugeteilt wird, und dem Wert der Euro-Banknoten, den diese NZB in Umlauf setzt, führt zu Intra-Eurosystem-Salden.”

    Die Bundesbank darf 24,8995 % + ihren Anteil an den 8% der EZB an ihre Geschäftsbanken an Euroliquidität weiterreichen. Dieses entspricht in der Summe exakt ihrem prozentualen Kapitalanteil an der EZB. Abweichungen davon werden als Intra-Eurosystem-Salden, oder bei der Bundesbank als. Forderungen/ Verbindlichkeiten innerhalb des Eurosystems geführt. Dieses ist schon Alles. Den Rest kann man sich selber zusammenreimen.

    Die Hauptfrage, die mich in diesem Zusammenhang beschäftigt hatte, war, gibt es eine maximale Größe der Euro-Liquiditätsschieflage? Heute ist mir die Antwort eingefallen. Ja, nämlich die Schieflage (Bundesbankforderung innerhalb des Eurosystems) kann den prozentualen Anteil der Bundesbank am EZB-Kapital nicht überschreiten, da dann die deutschen Geschäftsbanken keine Euro-Liquidität mehr bei der Bundesbank abgerufen hätten, sondern sämtliche benötigte Euroliquidität aus dem Euro-Ausland erhalten hätten und somit sämtliche hinterlegte Sicherheiten von der Bundesbank zurückerhalten hätten.

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  4. Ergänzung:

    Es sei denn die deutschen Geschäftsbanken würden sogar ein Guthaben bei der Bundesbank aufbauen, davon ist aber nicht auszugehen.

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  5. Um das Ganze zu verstehen ist vielleicht ein einfaches Beispiel nützlich.

    Eine griechische Geschäftsbank besorgt sich gegen Hinterlegung der entsprechenden Sicherheit einen 100Euroschein bei der griechischen Zentralbank. Ein Grieche zieht diesen 100Euroschein aus dem Geldautomaten und kauft sich dafür eine deutsche Ware. Der Schein wird nunmehr bei einer deutschen Geschäftsbank eingezahlt. Diese gibt diesen an die Bundesbank zurück, dafür erhält sie im Gegenzug die Sicherheit zurück, die sie für einen anderen 100Euroschein hinterlegt hat. Nun kommt Target2 ins Spiel. Die Bundesbank gibt den Schein bei der EZB ab und erhält dafür von der EZB eine Target2 Gutschrift. Damit die Griechen weiter einkaufen können gibt die EZB diesen Schein an die griechische Zentralbank weiter. Im Gegenzug wird gegenüber der griechischen Zentralbank eine Target2 Lastschrift vollzogen. Die griechische Zentralbank gibt nunmehr diesen Schein gegen Hinterlegung einer weiteren Sicherheit wieder an die Geschäftsbank heraus usw. usw..... Kurzum Target2 garantiert Euroliquidität im gesamten Euroraum für 1% oder wie Daniel Gros http://www.ceps.eu/book/liquidate-or-liquefy sagt, dass weder Länder noch Banken im Euroraum pleite (illiquide) gehen können. Oder ich sage: Über Target 2 werden die Nettoauslandsschulden, Leistungsbilanzdefizite der notleidenden Euroländer zu 1% finanziert und der Rettungsschirm wurde erst notwendig als dieses Spiel ausgereizt war.

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  6. Ich halte die Beschreibung der Bundesbank nicht für plausibel:

    Kredite an Zentralbanken anderer Staaten und auch ELA gefährden das Vermögen der Steuerzahler.

    Es ist nicht auszuschließen, dass Zentralbanken aus dem EURO-Raum in Konkurs gehen.

    ELA sind darüber hinaus noch gefährlicher, da es sich um Kredite an Kreditinstitute handelt. Wenn diese Kredite gegen minderwertige Sicherheiten vergeben werden, wird die Gefahr gesteigert. Gibt die Zentralbank auch noch Kredite an Kreditinstitute anderer Staaten, um den Anforderungen des EU-Beihilferechts zu genügen, gilt höchste Alarmstufe.

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  7. Der Mechanismus ist doch automatisch - dachte ich gelesen zu haben. Es ist also nicht so, dass die Bundesbank ihr OK dafür geben muss.

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  8. Ich glaube der Bundesbank schon. Der entscheidende Punkt ist die solidarische Haftung aller Notenbank. Dann ist es ziemlich egal, wo genau die Risiken liegen, es haften eh alle zusammen.
    Zumindest solange das System nicht zusammenbricht ...

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  9. egghat

    Wie sollen Länder haften, die eh schon Nettoauslandsschulden und Leistungsbilanzdefizite haben? Es bleiben Holland, Deutschland, Österreich, Finnland. Geht langfristig gar nicht anders denke darüber nach.

    Gruß

    Bernd

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