Bundesbank verleiht 338 Milliarden Euro in die Eurozone

Die Nachricht fliegt bisher völlig unter dem Radar der Massenmedien bis auf eine große Ausnahme. Ich bringe die daher auch nochmal, auch wenn es bei den Querschüssen (Prof. Sinn kritisiert die Deutsche Bundesbank » Querschuesse) schon kam.

Die Wiwo hat eine Analyse von Professor Sinn ausgegraben (oder exklusiv bekommen), in der Sinn einen auffälligen Anstieg der Kreditvergabe der Deutschen Bundesbank an andere Notenbanken in der Eurozone nachgeht.

Aus 18 Milliarden Euro im Jahr 2006 sind inzwischen

337.869.000.000 (338 Milliarden) Euro

geworden, die die Bundesbank verleiht.

Die Bundesbank begründet den Anstieg mit technischen Gegebenheiten im Rahmen der Einführung des individuellen Zahlungsverkehrs Target 2. Das ist auch nicht ganz unplausibel, denn der Anstieg beginnt tatsächlich Anfang 2007 mit der Einführung von Target 2 und nicht erst mit Beginn der Krise also z.B. im Herbst 2008 bei der Lehman Pleite.

Allerdings ging es bis zum Lehman Crash auch "nur" auf etwa 100 Milliarden nach oben, die restlichen gut 200 Milliarden Euro erklären sich so nicht unbedingt. Egal wie Zahlungen jetzt "anders" als früher abgewickelt werden, sollten sich diese doch irgendwann wieder aufheben, weil zum Beispiel schlicht beglichen werden. So ist es defakto eine immer größer werdende Kreditvergabe der Bundesbank an andere Zentralbanken in der Eurozone. Die Verbindlichkeiten steigen nämlich nicht mit.

ifo-Chef Sinn: Kritik an Krisenhilfe der Deutschen Bundesbank - WirtschaftsWoche

Bundesbank: Monatsbericht Januar 2011 (Siehe Seite 73)

Das ganze ist natürlich (wie üblich) durch nichts aber auch gar nichts legitimiert. Und am Ende genauso undurchsichtig und unverständlich wie die Aktionen, die die irische Notenbank fährt, auch wenn sich der Sprung bei den Verleihungen bei der EZB geklärt hat (Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Ursache des Anstiegs der Übernachtgeschäfte bei der EZB wohl klar).

Ich habe einen Hinweis auf diesen extremen Anstieg in einem Leserkommentar bekommen und kann ihn mir nicht erklären. Ich will zwar irgendwie glauben, dass dahinter ein rein technischer Effekt steckt. Vielleicht ist es auch eine Sache, die schon lange in einer Gegenposition bei der EZB ablesbar ist (die Bilanz der EZB explodiert ja inzwischen genau wie beim US-Vorbild Fed, das wäre also nichts Neues).

Querschuesse:PROF. SINN KRITISIERT DIE DEUTSCHE BUNDESBANK

Wir diskutieren über Rettungspakete und Ähnliches, während die nationalen Notenbanken scheinbar beginnen, wieder klammheimlich Geld zu drucken. Ich dachte, das Geldschaffungsmonopol wäre mit dem Euro an die EZB gewandert. Und (fast) niemand bekommt es mit ...

Update (11:30):

Die Berechnungen des ifo Instituts noch kurz verlinkt:

ifo: Die Auslandsposition der Deutschen Bundesbank in der Europäischen Währungsunion (PDF!) 

Es steht zwar nichts drin, was nicht auch in den Bundesbankberichten stünde, aber es ist auf einer Seite komprimiert.

Update 2 (23:02):

Ein geharnischter Kommentar von Roland Tichy dazu:

Wiwo: Umverteilungspumpe

Kommentare :

  1. Mist, hat den noch keiner hier eine plausible Erklärung für diese „gigantische“ Position in der Bundesbank Bilanz?

    Die Berichterstattung der WiWo wirft bei mir ehrlich gesagt mehr Fragen als Antworten auf. Handelt es sich hierbei um eine Art Dispo-Kredit für Zentralbankgeld zwischen den Notenbanken des Eurosystems? Wenn ja wie und warum kommt er zustande?

    Also wenn die Bundesbank mit 338 Mrd. ins Obligo gegangen ist, verstehe ich langsam wieso der Euro bedroht ist. Denn mir war bisher kein plausibler Zusammenhang zwischen möglichen Staatspleiten (Gr,Ir,etc.) und einem Währungszusammenbruch bekannt. Klar gehen Staatspleiten mit (meist) einem Währungszusammenbruch einher, allerdings weil meistens der Staat im vorhinein versucht hat sich über die Notenpresse zu sanieren und irgendwann an seinen Auslandsverbindlichkeiten „erstickt“ ist. Weil er diese nicht mehr bedienen konnte mit seiner Währung, denn diese wird in diesem Fall bald nirgends mehr akzeptiert.

    Allerdings muss es ja nicht zwangsläufig so sein, gerade innerhalb des Eurosystems sollte es m.E. nach egal sein, ob ein kleiner Staat wie Griechenland einen defauld hinlegt. Wichtig ist doch, dass das Vertrauen in die Währung aufrechterhalten wird. Z.B. dadurch dass die Notenbanken nicht die Staatshaushalte finanzieren (Ok hat ja letztes Jahr auch schon angefangen). Aber wenn die Bilanz des EZB-Systems derartig „schief“ ist dann habe ich doch meine bedenken.

    Oh man und wenn ich jetzt noch daran denke, dass der Herr Dr. Weidmann Vorstandsvorsitzender der Bundesbank wird. Und Herr Barroso noch einmal ein bisschen mehr Geld für den Rettungsfonds möchte, der am besten durch die EU-Kommission verwaltet werden sollte…

    Und was machen unsere Mainstream Medien: die Berichten über unseren Herrn Dr. a.D. von und zu Guttenberg und seine suboptimalen akademischen Leistungen und über das kleingeistige Gezanke über eine geringe Erhöhung des Arbeitslosengeld 2.

    Gute Nacht Deutschland

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  2. Es gibt eine Erklärung der Bundesbank dazu, die ich mal versucht habe, verständlich wiederzugeben: BUNDESBANK ERKLÄRT DIE 338 MILLIARDEN EURO

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