Griechenland-Schulden-Restrukturierung: Buiter pro, Dibelius (nicht wirklich) contra.

Willem Buiter, jetzt Chefvolkswirt der Citigroup, ist schon länger der Meinung, dass Griechenland angesichts der Schuldenlast an einer Restrukturierung der Schulden, konkret an einem Schuldenschnitt, nicht vorbei kommen wird. Bei gleich bleibender Zinsbelastung kann Griechenland die Haushaltkonsolidierung nicht schaffen.

Die größte Gefahr, die in einer Schuldenhalbierung liegt, ist das Aufweisen einer einfachen Lösung. Auch Länder wie Irland, Spanien oder Portugal (Italien, Belgien) könnten dann lieber eine Umschuldung anstreben als den steinigen Weg eines radikalen Sparprogramms für 10 Jahr oder mehr gehen. Buiter sieht diese Gefahr aber relativ klein, weil die meisten Staatsschulden von Inländern gehalten werden und Politikern diesen den Kapitalschnitt nicht zumuten würden. Das seien schließlich Wähler. Allerdings zeigt das Beispiel der Pleite von Jamaika sehr wohl, dass ein Land Inländer sogar schlechter stellen kann als Ausländer.

Buiter kann sich übrigens auch einen Ankauf der existierenden Staatsanleihen am Markt durch den EFSF vorstellen, wenn der Kurs der Anleihen weit genug sinkt. Allerdings notieren die griechischen Anleihen nicht so weit unterhalb des Nennwerts, dass man darüber eine Halbierung der Schulden hinbekommt, eher eine Senkung um 20 bis 30%. Dieses Vorgehen hätte aber den Charme, dass es technisch keine Insolvenz wäre.

FAZ: „Griechenland braucht eine Halbierung der Schulden“

Buiter meint übrigens auch, dass Irland ebenfalls nicht an einer Umschuldung vorbei kommt. Allerdings sollten dort nicht die Staatsschulden umstrukturiert werden, sondern die Bankschulden, da dort die Krise entstanden ist.

Zurück zu Griechenland: Der Deutschland-Chef von Goldman Sachs Alexander Dibelius sieht die Umschuldung Griechenlands auch zwingend kommen, weist aber darauf hin, dass der Zahlmeister für die Aktion Deutschland sein könne, wenn nicht gar müsse. Deutschland würde so stark vom Euro profitieren, dass selbst bei einer kompletten Übernahme der Kosten der Griechenlandsanierung durch Deutschland keine (Netto-)Belastung entstünde.

Ich bringe an dieser Stelle meinen Standardeinwurf: Vor dem Euro war Griechenland scheinbar eine führende Industrienation und Deutschland ein Schwellenland (wenn überhaupt) ...
Klar profitiert Deutschland vom Euro. Aber Griechenland eben auch: Griechenland hat durch die stabile Währung Zugriff auf die internationalen Kapitalmärkte und niedrige Zinsen bekommen. Leider wurde das Geld nicht investiert, sondern verkonsumiert (v.a. vom Staat).

FTD: Goldman-Deutschlandchef für Hellas-Umschuldung

Update (11:35)

Titel vermurkst ... Jetzt halbwegs sinnvoll ...

Kommentare :

  1. "Deutschland würde so stark vom Euro profitieren, dass selbst bei einer kompletten Übernahme der Kosten der Griechenlandsanierung durch Deutschland keine (Netto-)Belastung entstünde"

    Mir platzt regelmäßig der Kragen wenn ich dieses Mantra vorgebetet bekomme. Eine gemeinsame Währung ist für alle Länder, die Außenhandel betreiben, von Vorteil. Je kleiner ein Land, umso stärker ist es auf den internationalen Handel angewiesen. Oder sind die gefühlt 15 Klein- und Kleinststaaten des Euro-Währungsraumes etwa autark was ihre eigene Produktion von hochwertigen Industriegütern betrifft?

    Anscheinend ist es so dringend nötig den Bundesbürger mit der Euro-Propaganda zu beschallen. Keine Frage, der Euro hat eine Menge Vorteile, aber auch immense Nachteile. Die dummdreiste Propaganda erreicht das genaue Gegenteil.

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  2. @matsch

    Goldman Sachs muss dafür lobbying gebtreiben, dass Deutschland zahlt, weil die unter einem Kapitalschnitt leider würden. Sie halten wohl nicht direkt griechische Anleihen (schließlich wussten sie ja seit 2005, dass die Zahlen Schmuh sind), aber ihr Coutnerparts würden kräftig unter dem Delaveraging leiden. Das schlägt sich auch in Goldmans Bilanz nieder.

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  3. fast unisono geht es diesem Verbund aus Notenbanken, Wallstreet-Mafia, Lebensversicherern, Pensionsfonds und Politik darum Nebelkerze um Nebelkerze zu werfen bis der Großteil des Schrotts zum Nominalwert (und nicht etwa zum Marktwert) bei EZB und den staatlichen Auffanggesellschaften abgeladen und gegen werthaltige assets getauscht sind. Erst dann wird es der Masse wie Schuppen aus den Haaren regnen

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  4. Buiter spricht den Lobbyismus übrigens an.

    @matsch: Nimmt die EZB die Dinger wirklich zum Nennwert zurück und nicht zum Marktwert? Das war mir ja gar nicht klar ...

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  5. voreilig und schlampig den Mund etwas zu voll genommen (u.a. deswegen blogge ich nicht ;)

    - die EZB kauft die Olivenbonds freilich nicht zum Nennwert an, dank ihres massiven Eingriffs und ihrer Marktmacht weit höher als die Anleihen bei einem freien Markt notieren würden

    - desweiteren nehme ich an, dass PIGS-Anleihen zum (oder nahe am) Nominalwert bei der EZB hinterlegt werden können gegen Refinanzierung. Wenn die offiziell als Schrott gerateten Anleihen in absehbarer Zeit notleidend werden, wird die EZB wohl beide Augen zudrücken. Die Hinterlegung ist im Grunde nicht viel
    anders als ein Ankauf zum Nominalwert.

    - die Rettungsschirme dienen dazu die fälligen Anleihen zum Nominalwert einzulösen. Würde man die Marktkräfte walten lassen, wären diese paradiesischen Zeiten für die Gläubiger schon längst passè

    - die offenen und verdeckten staatlichen Auffanggesellschaften zahlen keine Nominalwerte, aber dennoch stark überhöhte Preise

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