Nicht ganz 2 Billionen ...

Ich wollte eigentlich nichts mehr schreiben, aber irgendwie ... Und es ist nicht einmal mehr eine Zahl des Tages nötig, die habe ich ja schon verbraten. OK, trotzdem:

Wie ich im letzten September schon unkte, wird wohl bald die 2 Billionen Euro Grenze bei den Staatsschulden Deutschlands (Bund, Länder und Gemeinen) gerissen. Und wie ich ebenfalls damals schon schrieb, sind die Bad Banks der Banken daran massiv beteiligt (siehe ZAHL DES TAGES (23.09.10): 2.000.000.000.000).

Genau gesagt gehen 189,6 Mrd. Euro auf die FMS, die Bad Bank der Hyporealestate, zurück. Und 42,6 Mrd. Euro auf die Bad Bank der WestLB, die erste Abwicklungsanstalt (mich macht etwas nervös, dass die Abwicklungsanstalten durchzählen ;-) ). Die Schulden der WestLB landen allerdings im Haushalt des Landes NRW, nicht beim Bund.

Damit erklären die beiden Bad Banks gut 4/5 des Anstiegs der Schulden beim Bund (230 Milliarden insgesamt) und knapp 2/3 des Anstiegs bei den Ländern (+68,6 Mrd. insgesamt).

Destatis: Öffentliche Schulden 2010 um 18% auf fast 2 Billionen Euro gestiegen

Und zu den Bad Banks kommt der wichtige Disclaimer: Diese Schulden kann man nicht 1:1 als Schulden zählen. Auch wenn die Assets der Bad Banks sicherlich ziemlich schlecht sind und die beiden Banken garantiert in die Pleite getrieben hätten (wenn sie die nicht vorher schnell an die Bad Banks verkauft hätten), sind diese nicht komplett wertlos. Genauer gesagt glaube ich sogar, dass die Assets in den Bad Banks zum großen Teil werthaltig sind.

Jetzt mögen mich wieder einige für einen elenden Permaoptimisten halten, aber für meine Annahme gibt es einen guten Grund: Gegen beide Banken ermittelt nämlich die EU. Hintergrund ist folgender: Wenn der Staat die Assets, die in die Bad Bank gewandert sind, zu hoch bewertet hat, sieht die EU das als unerlaubte Subvention an die Altbank. Und deshalb begleitet die EU sowohl die Hyporealestate als auch die WestLB kritisch. Die EU überprüft also, ob die Papiere mit fairen oder überhöhten Wertansätzen übertragen wurden. Dabei kommt die EU auf "mehr als 10 Milliarden Euro" bei der Hyporealestate, die der Staat zu viel gezahlt hat (Handelsblatt: HRE muss weiter schrumpfen). Und im Fall der WestLB auf etwa 3,4 Milliarden Euro (FTD: Hypo Real Estate in der Beihilfefalle).

Die laut EU zu viel gezahlten Beträge bleiben unter 10% der Bilanzsumme der beiden Bad Banks. In beiden Fällen sieht die EU also im Gegenzug den Großteil der Assets (> 90%) als werthaltig an. Das ist 
zwar nur eine Stichtagsbetrachtung und keine Prognose für die Zukunft, aber es deutet doch an, dass aus den gut 230 Milliarden Euro Giftmüll in den Bad Banks nie im Leben auch 230 Milliarden Verlust entstehen werden. Genauso werden aber die Assets in der Schuldenstatistik behandelt: wie ein Totalverlust.

Ich habe über diese Behandlung auch schonmal im Fall Irland geschrieben, wo die Milliarden, die in die Bad Bank NAMA transferiert werden, auch nach einer bereits erfolgten Werthalbierung noch wie komplett wertlose Papiere behandelt werden. Auch wenn Moody's und Konsorten dort kein größeres Verlustpotenzial mehr sehen.

Ergo: Etwa 200 Milliarden Euro, die aktuell in der Statistik der Staatsverschuldung stecken, dürften sich wahrscheinlich wieder in Luft auflösen. Das kann man ruhig mal im Hinterkopf behalten.

1,8 Billionen Euro, die übrig bleiben, sind aber auch nicht wirklich beruhigend. Das sind dann etwa 22.000 Euro Staatsschulden pro Kopf statt etwa 24.500, die heute überall genannt werden.

Kommentare :

  1. Nicht ganz 2 Billionen? Na ja, wer weiß, was noch herauskommt! Die Bundesregierung tut es ja gerne den Banken gleich und versteckt gerne beträchtliche Summen für die diversen Europarettungen in Zweckgesellschaften.

    Mal sehen also, was unter dem Strich steht, wenn all die Hilfsmaßnahmen mal abgerechnet werden.

    Ich denke, die Summe wird steigen!Allein Dein Beitrag von Montag mit den 338 Milliarden der Bundesbank...

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  2. Der EFSF (etc.) laufen ja gerade erst an. Die können natürlich noch teuer werden ...

    Die BuBa Nummer kann ich mir aber immer noch nicht richtig erklären ...

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  3. Immer wieder lustig wenn ich so Stehsätze wie "22.000 Euro Staatsschulden pro Kopf" lese. Oh Gott Oh Gott. Dann lese ich das Pro Kopf Vermögen in Deutschland ist 60.000 Euro. Die Verteilungsfrage lassen wir mal beiseite. Das interessiert einen neoliberalen Halbgott wie egghat ja eh nicht. Also lieber egghat Don't panic wir können noch morgen alles zurückzahlen wenn du es befiehlst. Und wieso bei egghat überall #staatspleite als Tag steht bleibt sowieso sein Geheimnis.

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  4. Soll ich die Tatsache, dass Vermögen dagegen stehen, in jedem Posting wiederholen? Außerdem: Was nützt es dem Hartz IVler, wenn seine Sozialleistungen gekürzt werden, weil die Zinsen den Bundeshaushalt auffressen?

    Und von deiner Naivität, dass man sich das einfach über Steuern von den Reichen holen könnte: Ich lach mich kaputt. Wann und wo ist das denn passiert in den letzten Jahrzehnten? Nirgendwo! Und bei jedem Versuch lachen sich die Schweizer (etc.) kaputt.

    Es sind komischerweise die selben Leute, die darüber jammern, dass die reichsten 2% 60% (oder so) des Vermögens besitzen, sich aber nicht vorstellen können, dass genau die bei 70% oder mehr Steuern einfach abhauen, bzw. ihr Geld abhauen.

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  5. Ja sollst du. Diese Unterlassung bezeichnet man landläufig als Bilanzfälschung. Scheint aber mittlerweile nicht mehr strafbar zu sein.

    Die große Kapitalflucht ist ein Mythos. Darüber gibt es 10.000 Arbeiten. OK. Ein paar chronische Geizkrägen werden flüchten. So be it. Andere parken ihr Geld in der Schweiz. Auch gut.

    Der US Beamte aus dem Taibbi Beitrag hat dazu den einzig richtigen Kommentar: "You put Lloyd Blankfein in pound-me-in-the-ass prison for one six-month term, and all this bullshit would stop, all over Wall Street," says a former congressional aide. "That's all it would take. Just once."

    Und genau das wäre mal im Fall eines Zumwinkels angesagt. Dann hört der ganze Unfug sehr schnell auf. Versprochen!

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  6. FIRMEN-schulden. nicht Staat-schulden. die BRD is kein Staat. Ihre Schulden sind nicht Deutschland-schulden.
    #
    Bundesrepublik Deutschland ist nicht identisch mit Deutschland.
    
Bundesrecht ist nicht deutsches Recht
    http://www.deutsches-amt.de/html/brd_fakten.html#LayoutBereich43LYR
    #
    BundesRepublik Deutschland GmbH,
    Eigentümer der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland
    (ehem “Regierungsitz” – 1989 von BRD Verwaltung für Westdeutschland)
    http://www.deutsches-amt.de/html/brd_fakten.html#LayoutBereich15LYR
    (darunter ist auch die BRD-Finanzagentur-GMBH eigenstandig eingegliedert)

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  7. Oh Gott, jetzt treibt sich hier auch schon so ein Spinner herum.

    @Anonym
    Bitte unterlaß diesen hirnlosen Spam.

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  8. ohne den Link gelesen zu haben: Kommissarische Reichsregierung-Irrer?

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