Strategische Pleite? Tut's nicht (wir schon ...)

Hat die Geschichte in Deutschland tatsächlich niemand gebracht? Ich hab's bestimmt übersehen ...

Es geht um die "strategischen Pleiten", also diese Pseudo-Pleiten, die man als Hausbesitzer in den USA machen kann, wenn man ein Haus hat, das durch den Preisverfall weniger wert ist als die Hypothek, die noch auf dem Haus lastet. Es ist in den USA nämlich egal, ob man die Hypothek nicht mehr bezahlen kann oder ob man die nicht mehr bezahlen will. Man zieht aus, gibt der Bank den Hausschlüssel zurück und die Hypothek ist hinfällig. Wenn das Haus weniger wert ist als die Hypothek, ist das allein das Problem der Bank. (Technisch gesprochen haftet man als Hausbesitzer in den USA ausschließlich mit dem Haus, nicht mit seinem gesamten Vermögen und seinen zukünftigen Einkommen wie in Deutschland).

Das stellt sich in der Krise als ziemliches Problem heraus, denn die (Hypotheken-) Banken ersticken unter einem Berg an zurückgegebenen Häusern, was in diesem Blog auch schon einige Male als "Schattenlager" thematisiert wurde.

Genug der Einführung. Die Vereinigung der Hypothekenbanken in den USA (Mortgage Banker Association, MBA) macht sich daher schon seit einiger Zeit dafür stark, diese Regelung zu ändern. Da das für die bisher abgeschlossenen Verträge wohl kaum rückwirkend geht, wird für die laufenden Verträge an die Ehre der Besitzer appelliert, die Verträge doch bitte schön zu erfüllen. Es sei ja so vereinbart gewesen und eine Pleite quasi vorzutäuschen, wäre unmoralisch.

Jetzt könnte man als Gutmensch geneigt sein, diesem Argument tatsächlich etwas Glauben zu schenken. Aber nur bis man dieses Video über das Gebäude der MBA in New York (und was daraus geworden ist) gesehen hat ...

The Daily Show With Jon StewartMon - Thurs 11p / 10c
Mortgage Bankers Association Strategic Default
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Creditwritedowns: Jon Stewart on the Mortgage Bankers Association Strategic Default

Kommentare :

  1. "Es ist in den USA nämlich egal, ob man die Hypothek nicht mehr bezahlen kann oder ob man die nicht mehr bezahlen will. "

    Um mal den Unterschied zu anderen Ländern klarzumachen. Zumindest in Deutschland kann man da - einen Vorsatz vorausgesetzt- früher oder später mal auf den Gedanken "Erfüllungsbetrug" kommen (wenn man zwar zahlen KANN, aber nicht mehr zahlen WILL)

    Aber das kann man nicht 1:1 übersetzen. Es ist ein anderer Wirtschaftsraum mit anderen Sitten und Gebräuchen...

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  2. Ich liebe die amerikanische Doppelmoral. Das ist wieder ein herliches Beispiel dafür.

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  3. @Ano

    Es dient dazu, die wirtschaftliche Dynamik aufrecht zu erhalten:

    Kleinunternehmer, die auch in den USA die meisten Arbeitsplätze schaffen, finanzieren sich dort oft mit einem Kredit auf ihr Haus.

    Und wenn sie dann pleite gehen, können sie mit diesem Modell schneller wieder auf die Beine kommen(dann ist nur das Haus weg) - bei uns ist dann erst einmal Schuldturm angesagt.

    Jetzt schlägt das ganze nach hinten los, weil wohl die letzen 10 Jahre in 90% aller Fälle der Kredit aufs Haus in ein Spaß-SUV und nicht einen Lieferwagen gesteckt wurde.

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  4. ökonomisch betrachtet ist das nichts anderes als eine Hypothek mit Put-Option. Dementsprechend sollte der Kreditgeber - (eine illusorische?) rationale Kalkulation vorausgesetzt - eine höhere Verzinsung verlangt haben als für eine Hypothek nach deutschem Muster

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  5. Ich liebe das, hier in England kommt bei dem Video "not available in your country", dafür kann ich alle youtube-Videos sehen ...

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  6. Die Daily Show hat wahrscheinlich in UK einen Vertrieb, der darauf achtet, in Deutschland aber nicht. Was Colbert und Stewart angeht, haben wir in Deutschland ausnahmsweise mal Glück ...

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  7. @matsch:

    "rational" ist cool. Als wenn da einer Kredite rational vergeben hätte ... Die haben ja nicht einmal 5% Preisrückgang angenommen, geschweige denn 30 oder mehr.

    Technisch ist es übrigens so (nicht ganz sicher), dass bei den Hypotheken, die über die Frannies laufen, die Stillhalterposition des Puts bei denen liegt. Die beiden sollen inzwischen so in den Besitz von knapp 2 Millionen Häusern gekommen sein ...

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  8. Hier, die Welt hatte was. Obwohl sonst des Gutmenschentums eigentlich unverdächtig, beklagt sie die schlechte Zahlungsmoral und Sittenverfall der amerikanischen Schuldner :D
    Geht aber mehr um Hausbesitzer, die erstmal die Ratenzahlung abstellen und wohnen bleiben.

    http://www.welt.de/politik/ausland/article12331757/Die-neue-Zahlungs-Unmoral-der-US-Hausbesitzer.html

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  9. @Ariane:

    Der Welt-Artikel ist leider etwas undifferenziert ... Das aus dem Hausgehen und den Schlüssel abgeben finde ich völlig in Ordnung. Das hat der Gesetzgeber so gewollt. Die Option darf der Hausbesitzer ruhig nutzen, daran hätte auch die Bank bei der Hypothekenvergabe denken müssen.

    Einfach kostenlos (also ohne Tilgung oder Miete) in dem Haus weiterzuwohnen, ist natürlich nicht OK. Vor allem weil die Banken das Mietmodell gerne anbieten (siehe auch mein Posting von gestern )Abend

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