Überraschungen allerorts ... (Teil 1)

Man hat sich ja an vieles gewöhnt in der aktuellen Krise, aber manchmal kommen die Nachrichten dann doch überraschend.

So fand ich zum Beispiel die Pleite der dänischen Amagerbanken doch etwas überraschend. Zwar gab es schon eine größere Pleite, die ich mitbekommen hatte (Roskilde Bank 2008), aber dass die Pleite schon die

10. Bankpleite

in Dänemark ist, liess mich dann doch kurz staunen.

Der gesamten Kosten der Pleite für den dänischen Staat sollen bei etwa 2 Milliarden Euro liegen. Das ist wohl der Teil des Assets, für die die staatliche Einlagengarantie von bis zu 100.000 Euro pro Konto greift. Eine unbegrenzte Garantie wie in Irland gab es in Dänemark nur vorübergehend.
Insgesamt hatte die Amagerbanken Assets von etwa 4 Milliarden Euro. Auf die restlichen 2 Milliarden Euro, die nicht abgesichert sind, wird ein Haircut von 41% gelegt, weil das restliche Vermögen der Bank nicht ausreicht, um alle Forderungen zu bedienen.

Interessant: Auch die Halter von Anleihen müssen bei dieser Bankpleite bluten. In Dänemark kann man also einen Haircut auf Bankschulden durchführen, während der europäische Rettungsfonds den Iren das gleiche verboten hat (Irland hat versucht, die Bankschulden zu “schneiden”). Aber die Dänen sind auch nicht in der Eurozone und können daher tun und lassen, was sie für richtig halten. Die Glücklichen!

Keine Ahnung, ob die Belastung von 2 Milliarden das AAA-Rating von Dänemark in Mitleidenschaft zieht. 2 Milliarden hören sich erst einmal nicht so viel an, aber Deutschland hat auch 15 Mal so viele Einwohner. Hochgerechnet wären das also schon 30 Milliarden. OK, auch noch nicht die Welt. Aber doch schon spürbar und es ist eben auch schon die 10. Pleite und die 9 davor werden den Staat auch schon Geld gekostet haben.

Außerdem fallen 10 Pleiten auch nicht vom Himmel. Dahinter scheint mir eine ganz schöne Immobilienblase zu stecken. Ich habe in meinem Urlaub die Immobilienpreise in Kopenhagen gesehen und wenn das die Preise nach der Krise gewesen sein sollen, reicht auch das übliche "Dänemark ist halt teuer" nicht als Erklärung aus.

Reuters: Dänische Bank Amagerbanken unter Zwangsverwaltung

1 Kommentar :

  1. In Dänemark können die Häuslebauer auch bei gesunkenen Zinsen relativ einfach refinanziern und die Banken bleiben auf dem Schaden sitzen. Mag sein, dass dies zum Bankrott beigetragen hat.

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