US-Arbeitslosenquote 01/11: 9,0% (-0,4) (Aber heftige Korrektur der 2010er Zahlen)

Auch nach dem Jahreswechsel ist die Arbeitslosenquote in den USA deutlich gesunken und liefert damit eine tolle Überschrift. Leider stecken in den Details ein paar dicke Enttäuschungen ...

Zu den offiziellen Zahlen für den Januar 2011:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: -622.000 auf 13,863 Millionen. Anzahl der Arbeitenden: +117.000 auf 139,323 Millionen ---> Arbeitslosenquote:

9,0% (-0,4).

Allerdings wurde kräftig umgebucht. So sank die Zahl der Teilnehmer, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, um 185.000, was in einem Land mit wachsender Bevölkerungszahl einigermaßen unlogisch ist. Außerdem landeten satte 319.000 potenzielle Arbeitskräfte in die NILF (not on labor force).
Die Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte auf die Gesamtbevölkerung gesehen) stieg wieder ganz leicht auf 58,4% (+0,1), gegenüber dem Vorjahresmonat ist das allerdings noch ein Minus von 0,1 Prozentpunkten. Eine kräftiger Erholung am US-Arbeitsmarkt sieht anders aus.

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, zeichnen ein nur schwach positives Bild.

Anzahl der Jobs: +36.000 gegenüber dem Dezember auf 130,265 Millionen. 712

Für die beiden vergangenen Monate gab es (erneut) kräftige Aufwärtskorrekturen: Der November von +71 Tsd. auf +93 Tsd. (erste Schätzung + 39 Tsd.), der Dezember 2010 von +103.000 auf +121.000, also insgesamt um 41.000.

Aber jetzt kommt der Hammer: Mit Beginn des Jahres gab es auch die turnusmäßige jährliche Korrektur: Und danach wurden die Zahl der Beschäftigten der Establishment Data für das gesamte Jahr 2010 nach unten korrigiert. Bereits im Januar 2010 wurden die Zahlen um 321.000 zu hoch ausgewiesen, die Lücke stieg bis Dezember 2010 auf

483.000.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche sank gegenüber Dezember um 0,1 auf 34,2, die Anzahl der Überstunden blieb konstant bei 3,1 Stunden.

Dass die Wochenarbeitszeit leicht gesunken und die Überstunden nicht gestiegen sind und die Anzahl der "NILFs" kräftig gestiegen ist (was sich auch in dem sehr schwachen Anstieg bei der Erwerbstätigenquote widerspiegelt), trübt die sehr positive Überschrift deutlich. Die NILFs sind übrigens gegenüber dem Januar 2010 um fast 2,3 Millionen gestiegen.

Übrigens ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6 ist um 0,6 Prozentpunkte auf 16,1% gesunken.

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION – JANUARY 2011

Update (16:43):

Der Standardlink auf die Grafik bei Calculated Risk mit dem Vergleich der Arbeitsmarktentwicklungen der letzten Rezessionen:

Employment Summary and Part Time Workers, Unemployed over 26 Weeks

Dort wird der Bericht übrigens für solide gehalten und das, was ich oben so dämpfend beschrieben habe, auf das Wetter zurückgeführt. Das werden wir dann im Februar vielleicht genauer wissen ...

Update (17:33):

Dass die FTD weder die wegkorrigierten 483.000 Arbeitsplätze, noch die 2,3 Millionen NILFs in 2010 mitbekommt, ist schon etwas erstaunlich. Dabei können die doch in ihrer Rubrik "Das Kapital" immer so schön mit Zahlen um sich werfen ...

US-Konjunkturentwicklung: Weniger Erwerbslose in den USA | FTD.de

Kommentare :

  1. n-tv meldet Die USA kämpfen mit einem unerwartet strengen Winter.

    Der starke Rückgang dürfte darauf beruhen, dass viele Menschen ihre Stellensuche am Arbeitsmarkt frustriert eingestellt haben und nun wieder zur "stillen Reserve" gehören.

    In BRD sind in einem Monat 330.000 Arbeitsplätze verloren gegangen und wir hatten einen Schnee reichen Monat. Der jetzt wieder wärmer geworden ist.

    Da können die Amis nichts erzählen , das Sie 36.000 neue Jobs hätten und die letzten Monate....

    Ich meine die hatten allein in den letzten 4 Wochen 5 Super Winter Stürme, da sind über 30.000 Flüge ausgefallen, Autos standen still, NY und Co. lief nichts. Stromausfälle, und 2 Kleine Städte wurden durch einen Tornado verwüstet. Eigentlich müßten sie eher 1-2mio Jobs verloren haben !!!!

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  2. Hallo
    laut deutschem wetterdienst war der Januar in deutschland deutlich zu mild,etwas zu nass und zähle mehr sonnenschein als üblich.
    Ansonsten alles statistkquatsch, hier wie dort.
    Wie sagte Disraeli
    es gibt lügen, verdammte ügen und statistiken
    gruss georg

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  3. Zu dem Wetter als Grund: Guck dir mal die unkorregierten Zahlen an, da ist schon eine riesige Jahreszeitenkorrektur drauf. Das sollte so ungefähr hinkommen.

    Die Korrektur von 483.000 haben Leser von Zerohedge & Co schon erwartet: Dies ist die Korrektur des Birth/Death Modells, das permanent während der Krise zu hohe Beschäftigungszahlen generiert.

    Dies ist im Interesse der Allgemeinheit: Die Korrektur interessiert niemanden (DOW Jones grün), das Modell generiert aber über das Jahr verteilt zu niedrige Arbeitslosenzahlen, welche die Stimmung heben sollen und hohe Aktienkurse ermöglicht.

    Im Falle eines echten Booms generiert dieses Modell zu hohe Arbeitslosenzahlen: Also erst wenn diese Korrektur sich umkehrt, ist die Krise wirklich überstanden! Dies gemeinsam mit dem Essensmarkenindikator.

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