Axel Weber mit Vorschlag zur Restrukturierung der Euro-Schulden

Auch wenn sich immer noch viele wehren: Irgendwie wird eine solche "sanfte" Restrukturierung kommen. Das Bundesfinanzministerium zeigte sich auch durchaus aufgeschlossen (was mich durchaus überrascht, haben die das vorher schonmal gesagt?).

Warum geht es? Der bald Ex-Bundesbanker Weber schlägt vor, dass die Staatsanleihen von Ländern, die auf den europäischen Rettungsfonds zugreifen, automatisch eine um drei Jahre verlängerte Laufzeit bekommen.
Damit würde vor allem der Rettungsfonds erheblich entlastet werden. Er müsste in den drei Jahren nämlich keine Tilgung der Altschulden finanzieren, sondern "nur" die laufende Verschuldung.
Und dass die Gläubiger auf nichts verzichten, stimmt auch nicht. Wenn die Rendite einer griechischen Staatsanleihe heute bei 14,81% liegt, der Kupon aber nur bei 4%, "verzichten" die Gläubiger auf 10% pro Jahr. Das soll wohl niemand merken ;-)

Vielleicht kommt auf die dreijährige Verlängerung noch ein Zinsverzicht, aber davon ist erstmal nicht die Regel, denn Weber betont, dass es kein Default sei. Das wäre aber (IMHO) bei einer Zinsänderung der Fall. Ich bin aber sicher, dass da noch mehr kommt ... Weil eine reine Verlängerung der Schulden am Problem zu hoher Schulden in Länder mit Leistungsbilanzdefizit nichts löst.

(Und doof auch, dass die Idee jetzt schon raussickert. Die Anleger werden doch sofort die Möglichkeit einer Laufzeitverlängerung einpreisen, kurz mehr Zinsen verlangen. Spanien und Portugal, die noch nicht auf den Fonds zurückgreifen, dürften das bei der nächsten Schuldenaufnahme zu spüren bekommen ...)

Bundesbank-Präsident Weber: Euro-Gläubiger durch längere Laufzeit beteiligen - Europas Schuldenkrise - Wirtschaft - FAZ.NET

Update (03.03.11):

Der Vorschlag von Weber aus der FAZ ist jetzt online und ein paar Sachen werden deutlicher.

Die Einschätzung, dass die Laufzeitverlängerung kein Default sei, ist richtig, weil Weber nur über *neue* Anleihen spricht, bei der diese Klausel direkt eingebaut werden könnte. Die Einschätzung mag für Default/Nichtdefault auch sehr richtig sein, nur frage ich mich, wie damit das Problem der Altschulden gelöst werden soll. Und woher die Neuschulden kommen sollen, denn am Kapitalmarkt bekommen die Krisenländer eh alle kein Geld mehr ... Das wirkt daher eher wie ein Vorschlag für die nächste Krise ...

Einen Aspekt, den ich gestern Abend noch nicht beschrieben habe, würde ich gerne noch ergänzen: Weber betont, dass eine automatische Laufzeitverlängerung um 3 Jahre (also exakt den Zeitraum, den ein Land auch Zugriff auf den ESM (European Stability Mechanism) bekommen soll), für eine gleichmäßigere Verteilung der Risiken sorgt. Jetzt ist es im Fall von Griechenland bekanntlich so, dass für den Zeitraum der Rettungsmaßnahme ein Ausfall der Altschulden eigentlich ausgeschlossen ist. Das Land kann sich schließlich vollständig refinanzieren, ohne auf den Kapitalmarkt zurückgreifen zu müssen. Falls dann doch die Schulden restrukturiert werden müssten, kämen die kurzfristigen Anleihen völlig ungeschoren davon und nur bei den langfristigen Schulden müsste geschoren werden (Haircut). Damit würde der gesamte Haircut ausschließlich bei den langfristigen Bonds abgeladen, mit der Folge, dass deren Rendite durch die Decke gehen würde. Es würden also nur noch kurzfristige Anleihen gekauft und keine langfristigen mehr, bzw. langfristige nur mit hohen Renditeaufschlägen.

(Ich beschreibe hier die Lage theoretisch. In der Praxis notieren die eigentlich sicheren 2-Jahres-Anleihen von Griechenland mit 14,8% also höher als die 10-jährigen. Das kann aber nur daran liegen, dass die Märkte den bisherigen Beteuerungen, dass der Haircut ausbleibt und das Rettungsprogramm in vollem Volumen zur Verfügung steht, kein Vertrauen schenken.)

Aber irgendwo beisst sich die Argumentation von Weber ... Wenn eine Anleihe mit einer solchen Drei-Jahre-Verlängerungsklausel ausgestattet wird, muss ich im Zweifelsfall mit einer späteren Rückzahlung des Geldes rechnen. Das erhöht mein Risiko und/oder senkt meine Rendite. Das werden die Märkte einpreisen und für die Anleihen mehr Geld verlangen.

Zusammenfassend bleiben zwei große Probleme:

i) Das Problem der Altschulden wird nicht gelöst, eine nachträgliche Änderung der Bedingungen geht nicht.
ii) Auch für die neuen Schulden mit der 3-Jahre-Klausel wird der Markt einen Risikoaufschlag nehmen. Das führt also zu höheren Refinanzierungskosten und hilft den Krisenstaaten somit nicht.

Gastbeitrag: Krisenhilfe ohne Gemeinschaftshaftung - Europas Schuldenkrise - Wirtschaft - FAZ.NET

Kommentare :

  1. Zwangslaufzeitverlängerung ist ganz klar ein Default nach Basel-II. Die Kriterien sind da eindeutig ("Material loss").

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  2. Auch wenn die Zinsen weiter gezahlt werden?

    Was erzählt der Weber denn da?

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  3. Update im Artikel:

    Weber will nur die neuen Schulden mit der Klausel ausstatten. Dann wäre es kein Default. Nur löst das das Problem der Altschulden nicht ...

    (Und das Solvenzrisiko ist natürlich auch nicht weg ...)

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