Der Laden ist auch unkaputtbar ...

Eine der zwei Firmen meiner zwei angesagtesten Pleiten des Jahres 2008 lebt ja immer noch (AMBAC hatte ja das Credit Event, das ich scheinbar nicht verbloggt habe ... ISDA body confirms Ambac Financial credit event/). Und ich verstehe das nicht einmal ansatzweise ... Beide müsste eigentlich schon tot sein, weil sie schlicht kein Geschäftsmodell mehr haben. Was will man noch versichern, wenn man selber kein exzellentes Rating mehr hat?

Bei MBIA standen im vierten Quartal Einnahmen von 144,5 Millionen Dollar Ausgaben in Höhe von 311,6 Millionen gegenüber. Weil aber gleichzeitig hohe Gewinne auf Kapitalanlagen eingefahren wurden, gab es am Ende einen dicken Gewinn: 451 Millionen Dollar oder 2,24 $ pro Aktie. Die Aktienanalysten erwarteten einen Verlust von 27 Cent je Aktie. Dass die Aktie nach der Bekanntgabe der Zahlen nachgab, muss man wohl unter "die Börse ist nicht logisch" verbuchen ...


Man muss bei der "Rettung" der Firma aber eines bedenken: Die Neustrukturierung des Geschäfts hat der Firma zwar das Überleben gesichert, ist aber noch lange nicht in trockenen Tüchern. MBIA hat bekanntlich sein Rückversicherungsgeschäft in zwei Bereiche aufgespalten, einen der Anleihen öffentlicher Schuldner versichert (was mal ursprünglich das einzige (übrigens hochprofitable) Geschäft von MBIA war), und einen zweiten, in dem die hypothekenbesicherten Anleihen landeten, also das Geschäft, das MBIA fast den Nacken gebrochen hätte. Das über eine Kapitalerhöhung eingesammelte Geld wurde dann ausschließlich in den Bereich gesteckt, der öffentliche Anleihen versichert. Das ist dann wohl das Geschäft, das MBIA langfristig am Leben halten soll (und vielleicht sogar wird).

Das gefiel den Kunden, die Versicherungen im anderen Bereich abgeschlossen haben, natürlich nicht. Denn diese haben jetzt eine teure Versicherung bei einem Laden, der völlig unterkapitalisiert ist und im Zweifelsfall die Versicherungssumme eh nicht mehr auszahlen kann.
Die Banken, die dort Versicherungen abgeschlossen haben, klagen auch gegen die Restrukturierung. MBIA ließ sich aber auch nicht lumpen und klagte zurück: Die Banken hätten bei der Qualität der versicherten Hypotheken gelogen und die hohen Risiken verschwiegen. Hört sich - wenn man an die Auslöser der Krise zurück denkt - nicht ganz unlogisch an ...

Vielleicht sind die Gegenklagen auch der Grund, warum sich immer mehr Banken aus den Klage gegen MBIA zurückziehen. Aktuell war es am Anfang des Monats die Citigroup:

Reuters: Citigroup withdraws from MBIA restructuring case

Die Liste der Banken, die noch weiter klagt, ist aber immer noch beeindruckend: Bank of America, BNP Paribas, ABN Amro, HSBC, UBS Wells Fargo, ...  Die der "Rückzieher" aber auch: JP Morgan, Citigroup, Barclays.

Ich hätte ehrlich gesagt nie geglaubt, dass eine solche Restrukturierung, bei der man ein Geschäft massiv mit Kapital versorgt, während man das andere, das eigentlich dem Untergang geweiht ist, darben lässt, durchkommt. Ich hätte das tendenziell unter  Insolvenzbetrug abgeheftet ...
Aber es wäre nicht ganz unlogisch, wenn die staatlichen Regulierer hier beide Augen gleichzeitig zugedrückt hätten. Denn eine Pleite von MBIA hätte hohe Schäden verursacht. Diese konnte man mitten in der Krise einfach nicht gebrauchen. Also hat man dem Laden irgendeine Restrukturierung erlaubt, Hauptsache der Kapitalmarkt kann irgendwie angezapft werden. Vielleicht kann die Firma so überleben, zumindest verschiebt sich die Pleite etwas nach hinten. Es wird einfach auf Zeit gespielt, weil die Gerichte ein paar Jahre brauchen, bevor sie ihr Urteile fällen. Und dann 2012, 2013 oder später sind die Bilanzen der Banken (hoffentlich) wieder so weit gefüllt, dass sie eine Pleite des Hypotheken-Versicherungsteils von MBIA verkraften können.

(Der Artikel war eigentlich für gestern Abend geplant, ist aber irgendwie in der Queue hängen geblieben ...)

Kommentare :

  1. Ach Gottchen:

    "Bei MBIA standen im vierten Quartal Einnahmen von 144,5 Millionen Dollar..."

    Eine Firma mit einem "Umsatz" i.H.v. hochgerechnet 550 Millionen $ - wieso lässt man die nicht einfach pleitegehen? Sowas gehört in D. zu den KMU...

    Grüße,

    Hardy

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  2. Weil die Zig Milliarden Anleihen versichert haben.

    Die Märkte haben das aber eingepreist. Auf die Garantien der Kreditversicherer verlässt sich niemand mehr (außer wenn die Versicherung vom Buffett kommt).

    Jetzt könnte der Laden ruhig pleitegehen, das würde nicht mehr sonderlich stören. 2008 in mitten der Krise wäre das aber wohl anders gewesen ...

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  3. MBIA ist seit der Fastpleite von AIG der größte Versicherer der Welt und AMBAC ist die Nummer 2, auch ohne Neugeschäft. Beide Firmen, wenn man einen durchschnitt der Versicherungsabschlüsse von 2007 bis 2012 betrachtet, haben jeweils einen Anteil von über 15%.

    Es geht hier nicht darum eine Firma zu ruinieren, sondern sie als Policeholder - im Fall von MBIA - im Sinne von BoA zu übernehmen, auch wenn die dafür veranwortlichen CDS auf faulen CDO dafür sorgen.

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