Einkommen in Großbritannien sinken deutlich

Ich wollte über Großbritannien und die Lage dort eh schon länger mal wieder was schreiben. Mich interessierten vor allem die stark negativen Realzinsen in Großbritannien, nicht zuletzt im Hinblick auf mein altes Posting : NEGATIVER REALZINS - GUT FÜR GOLD!

Die Leitzinsen in Großbritannien liegen ja noch immer auf dem Rekordtief von 0,5%, die Inflation klettert hingegen immer weiter. Inzwischen steigen die Verbraucherpreise in Großbritannien mit einer Jahresrate von 4,4% (siehe Spiegel: Verbraucherpreise in Großbritannien steigen um 4,4 Prozent). Zur Erinnerung: Zielmarke ist 2% und ab einer Inflationsrate von 3% muss die englische Notenbank der Regierung Sondermeldung erstatten und die Gegenmaßnahmen erläutern. Daher rechnen inzwischen einige Beobachter mit einer zügigen Zinsanhebung in England (siehe FTD: Inflation zwingt Bank of England auf EZB-Kurs).

Die Inflation hat aber auch eine andere fiese Wirkung: Sie schmälert die Vermögen und auch die Einkommen. Bei den Einkommen gab es wegen der Krise nur kleine Steigerungen. Real sorgte die Inflation dafür, dass die Einkommen in den letzten 3 Jahren sogar um 1,6% gefallen sind. In Geld entspricht das 365 Pfund (20.398 Pfund nach 21.176 Pfund 2008).

Noch negativer wird die Betrachtung, wenn man die "normalen" Einkommenssteigerungen dagegenrechnet, die es in den letzten 50 Jahren im Durchschnitt gab. Diese lagen bei 5% im Drei-Jahres-Zeitraum. Rechnet man beides zusammen, liegen die Einkommen über

6% 

unter dem Niveau, das ohne Rezession "normal" gewesen wäre.

Telegraph: Households £365 poorer than three years ago
Telegraph: UK households face biggest income fall since 1970s as inflation bites

Und daran wird sich wohl kaum was ändern. In der Prognose für die nächsten Jahre wird nicht erwartet, dass 2013 der Stand von 2008 wieder erreicht werden kann. Hauptgrund ist natürlich das schwache Wirtschaftswachstum in Großbritannien, das durch die Sparprogramme der Regierung weiter belastet wird.

Aber was sollen die Briten auch machen bei einer Neuverschuldung von 9,9% des BIPs ...

Update (23.3.11):

Interessanterweise will die britische Regierung die Konjunktur über Steuersenkungen ankurbeln. Das passt natürlich gar nicht zur angestrebten Haushaltssanierung. Also werden auf der einen Seite Steuern gesenkt, auf der anderen erhöht. Im Fall von Großbritannien bedeutet das auf der einen Seite eine Anhebung des Steuerfreibetrags auf mehr als 8.000 Pfund für Privatleute und eine Senkung der Körperschaftssteuer von 28 auf 26%. Die Gegenfinanzierung auf der anderen Seite ist eine kräftige Anhebung der Sondersteuer of Nordseegas und -öl, die von 20 auf 32% erhöht wird.


Kommentare :

  1. Hallo egghat,

    ich habe schon lange nicht mehr kommentiert, aber relativ fleißig deinen Blog gelesen. Aber jetzt wollte ich doch noch mal was schreiben, anläßlich des letzten Satzes.
    Bzw. verweisen auf Bill Mitchells Blog, da gab es zwei Beiträge die sich auch um UK drehen:
    http://bilbo.economicoutlook.net/blog/?p=13916
    sowie
    http://bilbo.economicoutlook.net/blog/?p=13916

    Stichwort MMT. Die Regierung von Großbritannien braucht sich nicht am Markt zu refinanzieren. Sie brauchen keine Sparprogramme auflegen, eher im Gegenteil. Das Defizit ist anscheinend zu klein, um die Ausgabelücke zu schließen.

    AntwortenLöschen
  2. Hallo allerseits,

    auch von mir ein Verweis:

    http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/marktberichte/:das-kapital-die-enteignung-von-der-kaum-jemand-spricht/60029577.html

    Gruß,

    Hardy

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für Deinen Kommentar.

Sorry. Es sind leider keine anonymen Kommentare mehr möglich. Ich werde von mehr als 50 Spamkommentaren pro Tag geflutet und habe keine Lust, diese von Hand zu scannen, um darin alle drei Tage einen anonymen Kommentar zu finden, der veröffentlicht werden kann. Meldet Euch bitte an. Sorry für die Umstände.

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore