Griechenlands Statistiken taugen immer noch nichts ...

Nachdem das Staatsdefizit Griechenlands für 2009 mehrfach nach oben korrigiert wurde (von etwa 6 Prozent auf schlussendlich 15,4%), droht jetzt auch für 2010 ein Korrektur, natürlich nach oben. Allerdings wird diese wohl wesentlich schwächer ausfallen. Bisher gelten 9,4% des BIPs als Minus für das Jahr 2009, nun will die europäische Statistikbehörde Eurostat aber weitere Lasten berücksichtigen. Eines der Löcher befindet sich in der Rentenkasse. Danach soll das Minus griechischen Medienberichte zufolge mehr als 10% des BIPs betragen.

Immerhin kann man für 2011 erwarten, dass das Defizit schon früher angehoben wird ;-) Denn es zeichnet sich bereits jetzt ab, dass die 7,4% Minus, die eigentlich geplant wurden, nicht erreicht werden können. Die Steuereinnahmen liegen wegen des BIP-Rückgangs von 4,5% im letzten Jahr deutlich unter Plan.

Handelsblatt: Die Griechenland-Krise ist zurück

Der Handelsblatt Artikel ist ziemlich lang, aber eine Sache vergisst er IMHO: Daran zu erinnern, dass beim EU-Gipfel vor gut zwei Wochen die Bedingungen der griechischen Notkredite geändert wurden: Erstens wurden die Laufzeiten deutlich verlängert (7,5 statt 3 Jahre) und zweitens der Zins um 100 Basispunkte gesenkt. Technisch ist das übrigens (wenn es normale Anleihen wären) ein Default, für die CDS ein Credit Event. Die Kreditausfallversicherungen würden also zahlen.




Der Grund für die Senkung war übrigens (zumindest offiziell) die erfolgreichen Sanierungsbemühungen Griechenlands. Der IWF zeigte sich "zuversichtlich" (Handelsblatt: IWF will verschuldete Staaten stützen), Merkel lobte die "Verankerung einer strikten Schuldenbremse" (Spiegel: Euro-Staaten stärken Rettungsfonds). Würde man heute wohl anderes beurteilen. Aber solche zeitlichen Abläufe in der Politik sind kein Zufall ... Erst einmal die Entscheidung treffen und sich dann von der Nachricht "überraschen" lassen ...

Kommentare :

  1. Offtopic:

    Linktipp: Where the Bank Bailout Went Wrong - NYTimes.com (TARP)
    http://www.nytimes.com/2011/03/30/opinion/30barofsky.html

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  2. Offenbar zähle ich zum ziemlich einfältigen Menschenschlag, aber bisher habe ich einfach keine Erklärung verstanden, warum Griechenland das schaffen sollte.

    Und je länger ich dem Treiben zusehe, desto wahrscheinlicher erscheint mir ein gewaltiges EURO-Problem. Vermutlich kommt eine Art Totalreform mit "kalter" innerer Abwertung.

    lg - urriegel

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  3. @urriegel:

    Du bist nicht einfältig. Griechenland hat keine Chance. Die Staatsschulden an sich sind schon zu hoch, dazu kommt aber noch, dass die Griechen immer noch (also nach den Sparmaßnahmen) ein Leistungsbilanzdefizit produzieren. Die haben halt nichts, was sie verkaufen können ... Ein Beispiel (extrem, weil der Winter für Griechenland immer extrem schlecht ist): Im Januar haben die Griechen für 4,6 Mrd. Euro Waren im Ausland gekauft und nur für 1,4 Mrd exportiert. Griechenland refinanziert gerade mal ein Drittel(!) seiner Importe ... (Die Dienstleistungsbilanz ist positiv, aber im Winter nur mit 300 Millionen, im Sommer mehr. Insgesamt geht Handelsbilanz + Dienstleistungsbilanz aber selbst in der Hochsaison (Tourismus) so gerade eben mal ins Plus).

    Irland hat - obwohl auch die eigentlich eine zu hohe Staatsverschuldung haben - durchaus noch eine Restchance. Weil die irische Handelsbilanz *dick* im Plus ist. Durch die Sparmaßnahmen sinken die Einkommen und damit die Importe und das Plus wird noch größer. Daher: Irland schreibe ich weiterhin nicht ab. Die Lage ist äußerst kritisch, aber die Wende nicht unmöglich.

    Portugal hingegen ist Griechenland Nr. 2. Hohe Schulden + hohe Handelsbilanzdefizite + mangelnde Wettbewerbsfähigkeit. Portugal ist nicht ganz so krass wie Griechenland, aber im Kern genau das gleiche. Spanien ist Griechenland Nr.3, aber noch mal schwächer ausgeprägt. Vielleicht so schwach, dass der Turnaround dort noch klappen kann ...

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  4. Und wenn wir schon von Spanien reden:

    Die Situation dort sehe ich aber auch nicht gerade rosig. Denen ist das Geschäftsmodell (Bau von leerstehenden Wohnungen) weggefallen - mit allen unschönen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Ich fürchte, bis das so einigermassen reorganisiert ist, wir die relative Staatsschuld wohl die 100 %-Marke erreichen.

    Deshalb glaube ich, dass Spanien wohl die nächste (und vermutlich erste wirklich heftige) Probe für den Bestand des EURO sein wird.

    lg - Urriegel

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  5. Spanien ist aber nicht so schlimm wie Griechenland ...

    Die griechische Handelsbilanz war im Dezember mit 5% des BIPs im Minus, im Januar mit 15%. Die spanische hingegen "nur" mit 2,5%.

    Ich will nix beschönigen, aber im Vergleich zu Griechenland sehen fast alle gut aus ;-)

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