Moody's senkt Rating von Spanien auf Aa2

Auslöser ist der FROB, der Fonds zur Restrukturierung des spanischen Bankensektors.

Zu den möglichen Abschreibungen und dem daraus entstehenden Kapitalbedarf der spanischen Banken hatte ich ja schon ein paar Mal etwas geschrieben. Auch die offizielle Schätzung der spanischen Regierung, dass man wohl mit 20 Mrd. Euro auskommen wird, müsste hier aufgetaucht sein. Die meisten Analysten schätzen aber deutlich höhere Zahlen.

Nun erhöht auch Moody's seine alte Schätzung von 17 Mrd. Euro für die Rekapitalisierung des spanischen Bankensektors auf 40 bis 50 Milliarden Euro. Dafür gibt es zwei Hauptgründe:

a) Die Anzahl der Instrumente, die zum Tier1-Eigenkapital gehören, wird immer geringer. Das geht zum Teil wohl auf erste Vorbereitungen zu Basel III zurück. Viele Arten von Hybridkapital, die bisher zum Tier-1-Eigenkapital zählten, fallen nun raus.
b) Die spanische Regierung will jetzt auf 10% Eigenkapital bei den Banken kommen, wenn diese nicht überwiegend in privaten Händen sind (sonst gelten 8%).

Moody's kann sich allerdings auch in einem "more stressed scenario" einen weitaus höheren Kapitalbedarf vorstellen und zwar

110.000.000.000 bis 120.000.000.000 (110 bis 120 Milliarden) Euro.

10 Milliarden Minus entsprechen etwa 1% des BIPs.

Außerdem weist Moody's auf die Haushaltsdefizite der Regionen, das Defizit in der Sozialversicherung (das erste seit 1998), das magere 2011er-Wachstum von maximal 1 Prozent und die dadurch wohl auf hohem Niveau bleibende Arbeitslosigkeit hin.

Allerdings erwähnt Moody's auch positiv, dass der aktuelle Schuldenstand Spaniens bei "nur" 60% des BIPs liegt und damit wesentlich niedriger als der Deutschlands, Frankreichs oder der USA. Auch scheint der (Zentral-) Staat seine Sparvorhaben umsetzen zu können. Das Sparziel für 2011 wird womöglich sogar übertroffen, die Neuverschuldung möglicherweise um einen ganzen Prozentpunkt (auf's BIP gesehen) niedriger ausfallen als zuletzt prognostiziert.

Alles in allem geht Moody's weiterhin davon aus, dass Spanien KEINEN Zugriff auf den europäischen Stabilitätsfonds benötigen wird.

Das aktuelle Rating ist jetzt Aa2 (nach Aa1), was immer noch das drittbeste mögliche Rating ist. Der Ausblick bleibt - vor allem wegen der Unsicherheit über den Kapitalbedarf des FROBs - bei negativ.

FT Alphaville » Moody’s downgrades Spain, FROB to Aa2

(Habe eigentlich keine Zeit, sonst hätte ich die oben aufgeführten alten Artikel von mir noch rausgesucht.)

Kommentare :

  1. Hallo allerseits,

    und auch diese Abstufung kommt rein zufällig wieder kurz vor einem Euro-Krisentreffen. Ein Schelm, wer bei rein amerikanischen Bewertung Böses denkt.

    Gruß,

    Hardy

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  2. bill gross PIMCO hat doch gestern die amis und die welt geschockt, china vor einigen tagen auch.

    war doch klar mit der heutigen abstuffung :)

    die frage lautet wann stuffen sie die amis ab und um wie viel stuffen ?^^

    naja zu hocher euro kues ist schlecht für export zu niedriger würde das tanken viel teuerer machen ^^

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  3. Mal sehen was da noch kommt, am Anfang war Irland auch ganz harmlos.

    Über eine Million leerstehende Wohnungen / Häuser in Spanien: Alleine daraus würde ich einen Abschreibungsbedarf von grob 100 Mrd. Euros abschätzen.

    Dazu kommt dann noch ein 30-50%iger Haircut auf die bestehenden Immobilienpreise -> über den Daumen 500 Mrd Euros, natürlich tragen die Banken nur einen Teil davon.

    Selbst wenn nur 50% von dieser Schätzsumme abgeschrieben werden müssen(über Banken, Privatleute, Baugesellschaften), ist das die Pleite. Spanische Staatsanleihen würde ich jedenfalls nicht kaufen, spanische Bankaktien auch nicht.

    Und das man sich aus dem Schlammassel heraussparen könnte, sollte spätestens seit Griechenland widerlegt sein, aktuell und gruselig:
    http://www.querschuesse.de/griechenlands-arbeitslosenquote-steigt-auf-148/

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  4. @Till:

    Irgendeine Studie gab es schonmal (ich hab auch was drüber geschrieben): Da wurde das Szenario "irisches Szenario" genannt. Also 50% Minus bei den Hauspreisen. Damals wurde geschätzt, dass die Banken auch dann mit dem FORB (etwa 90 Mrd. maximales Volumen) auskommen könnten. Aber eben nur knapp. Daher sind die 100 Mrd. von Moody's heute auch nicht so doll viel mehr ...

    Selbst bei 500 Mrd. Wertverlust für die Immobilien ist ein gehöriger Teil der Verluste ja "nur" Buchverlust. Es sind ja nicht alle Häuser zu 100% (oder mehr) beliehen. Selbst in den USA sind nach 30% Preisrückgang die Hypotheken "nur" 70% so hoch wie die Immobilienwerte ("Loan to value"). Im Durchschnitt haben die Hypotheken immer noch 30% Puffer ... Allerdings steigt natürlich mit jedem weiteren Preisrückgang auch die Anzahl der Immobilien, bei denen es nicht nur um Buchverluste, sondern um richtiges Geld handelt.

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