Moody's stuft Portugal auf A3 herab

Irgendwann muss ich ja mal wieder bloggen, auch wenn ich angesichts der dramatischen Lage in Japan im Moment eher auf der Konsumentenseite stehe ...

Womit soll ich besser anfangen als mit einer Spezialnachricht für Stephan Ewald? Yeah, Ratingnews!

Auch wenn es einige zu hoffen scheinen: Immer noch nicht die USA, sondern mal wieder die europäische Peripherie: Portugal. Dort reduzierte Moody's die Bewertung von A1 auf A3. Das ist nur noch 4 Stufen oberhalb von Junk. Der Ausblick bleibt weiterhin auf negativ.

Moody's nennt 4 Hauptgründe für die erneute Herabstufung:

a) Sorge um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der portugiesischen Volkswirtschaft, die zu anhaltend hohen Leistungsbilanzdefiziten führen könnte. Da der Exportsektor Portugal ziemlich klein ist, muss die Leistungsbilanz vor allem über niedrigere Importe ausgeglichen werden. Dafür muss mehr gespart werden und eine höhere Ersparnis bedeutet weniger Wirtschaftswachstum. Außerdem sieht Moody's Gefahren durch steigende Zinsen, mit denen die EZB auf die anziehende Inflation reagiert.

b) Auf der positiven Seite lobt Moody's die durchgeführten Sparmaßnahmen und Strukturreformen der portugiesischen Regierung. Positive sieht Moody's auch, dass beide großen Parteien in Portugal die Maßnahmen unterstützen. Die Sparmaßnahmen seien aber noch nicht ausreichend und das Sparziel für 2011 noch schwieriger zu erreichen als 2010, weil 2011 mit einem Rückgang des BIPs gerechnet werden muss.

c) Desweiteren hat Moody's Sorge, dass der portugiesische Staat dem Bankensektor unter die Arme greifen muss. Zwar hat Portugal keine so große Immobilienblase zu verzeichnen gehabt wie der iberische Nachbar und die Bankbilanzen sind deutlich besser, trotzdem sind die Banken schon fast seit einem Jahr nicht mehr in der Lage, Geld am Kapitalmarkt aufzunehmen. Wie bei den Banken aus Griechenland, Irland und zum Teil auch Spanien kommt das frische Geld ausschließlich von der EZB.

d) Der Zinsaufschlag, den Portugal aktuell an den Kapitalmärkten bezahlen muss, kann die langfristige Finanzierbarkeit der Schulden beeinträchtigen.

FT Alphaville: Moody’s downgrades Portugal to A3 from A1

Zum Vergleich:  S&P und Fitch haben Portugal (noch) bei A+ (=A1 in Moody's Logik), beide allerdings mit negativem Ausblick.

Kommentare :

  1. Guten Abend allerseits,

    aha, mal wieder ein Schuss aus Amerika. http://rottmeyer.de/?p=4735

    Na das gucken wir uns doch mal an:

    a) kann man 1:1 auf Amerika übertragen - mit einem Unterschied: Die Amis produzieren bereits seit Jahrzehnten Defizite an allen Fronten. Von der privaten Sparquote gar nicht erst anzufangen.

    b) In Amerika möchten die Republikaner auch sparen - aber nur bei den kleinen Leuten. Somit bliebe mehr, um Kriege zu führen.

    c) Auch in den VSA ist die FED inzwischen mit Abstand der größte Kreditgeber; die Hauspreisblase hat es dennoch gegeben.

    d) ist eine unfassbare Frechheit. Mehr muss man dazu nicht schreiben.

    Was wäre das für eine Welt ohne die Amis! Auf jeden Fall wäre sie friedlicher, freundlicher, weniger arrogant. Sie wäre besser.

    Grüße aus dem Maghreb,

    Hardy

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  2. @Hardy:

    Du hast in vielen Sachen Recht, *aber* die USA sind so gut bewertet, weil die USA gegen ihre Schulden auch hohe Vermögen haben.

    NIIP.

    Die ist zwar auch für die USA negativ, aber für Portugal (und andere) eben noch viel viel negativer ...

    Als ich zum letzten Mal nachgeschaut habe, hat sich die NIIP der USA sogar verbessert, weil die Assets im Ausland in der Erholung nach der Krise schneller an Wert gewannen als die USA ihre Schulden erhöht haben ...

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  3. @egghat:

    Die USA sind so gut bewertet, weil die Ratingagenturen amerikanisch sind, fertig. Soviel solltest doch auch Du in den letzten Jahrzehnten gelernt haben. (Stichwort: Herabstufung vor Euro-Krisengipfeln).

    Und vergiss nicht: Ein Großteil von deren weniger noch vorhandener Industrie ist Waffentechnik. Nichts sehr produktives.

    Gruß,

    Hardy

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  4. Sei nicht so skeptisch. Die USA haben eine Menge multinationaler Firmen, die rund um die Welt Niederlassungen haben. Die müssen doch nicht alles in den USA produzieren (Opel). Es reicht, wenn die Firma in Deutschland den Amerikanern gehört.

    Die USA sind nicht komplett deindustrialisiert. Die stellen selbst im ultraskeptisch angesehen Autobereich den größten Teil der Autos selber her. Toyota, Honda, Nissan, BMW und Mercedes haben alle Fabriken in den USA.

    Ja, die USA sind hoch verschuldet, aber die USA haben auch hohe Vermögen. Außerdem haben sie eine, nein DIE Währung und damit lässt sich eine Menge machen (wenn man abwertet).

    Das heisst nicht, dass ich den USA Geld leihen würde. Der Grund dafür ist aber nicht, dass ich damit rechne, dass die USA das nicht zurückzahlen können, sondern dass ich mit Währungsverlusten rechne, die (eventuelle) Mehrzinsen auffressen.

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  5. Hallo,

    "Toyota, Honda, Nissan, BMW und Mercedes haben alle Fabriken in den USA."

    Nö, haben sie alle nicht. Sie haben dort Montagewerke - ein himmelweiter Unterschied. Speziell das neue Werk von BMW in Spartanburg ist dafür ein Musterbeispiel: Es werden am Band von Ungelernten vormontierte, zugelieferte Teile zusammengeschraubt, sonst nichts. Bißchen Verwaltung, bißchen Personalwesen - das wars. Eine reine Werkbank.

    Aufwerten können sie nicht - dann machen asiatische und europäische Exporteure Kleinholz aus denen. Abwerten können sie kaum noch, da sie sich dann Inflation importieren mit ihrem hohen Defizit UND kaum jemand investieren möchte (Wechselkursverluste). Dass die FED inzwischen fast der einzige "Investor" für aktuelle Staatsanleihen ist, ist mehr als deutlich.

    Na ja, warten wirs ab - bis auf die Kirche ist noch jedes Imperium untergegangen, die Amis sind halt die nächsten.

    Gruß,

    Hardy

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  6. Bosch hat Werke in den USA, Conti, Harman, VDO, ...

    BMW hat 5.000 Mitarbeiter in den USA, Deutschland hat 70.000. Klar, das ist ein Witz im Vergleich zu uns, aber es wird in den USA produziert und zwar nicht nur Autos zusammengeschraubt, die Zulieferer sind auch da.

    Bei Mercedes dürfte das Verhältnis ähnlich aussehen.

    Toyota hat mehrere Fabriken und zwar nicht nur Montage, sondern auch für Getriebe, Motoren, ...

    VW baut gerade ein Werk in Alabama, es wird also auch investiert.

    Ja, die USA haben Probleme, aber es stimmt einfach nicht, dass die nix mehr herstellen und alles importieren.


    Und abwerten können die sehr wohl. a) will die Fed Inflation (weil eine Deflation bei dem Schuldenstand tödlich wäre) und b) müssen viele große Investoren den USA einfach weiter die Treue halten, weil sie sich bei einem Verkauf der US-Anleihen ihre eigenen Holdings in den USA vernichten würden.

    Die USA mögen ein Imperium im Fall sein, aber so ein Fall dauert sehr sehr lange ...

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  7. Hallo,

    "Frappierend ist vielmehr, dass sich die realen Wochenlöhne einfacher Beschäftigter, die sich in der Kaufkraft des Dollar zwischen 1982 und 1984 auf 296,09 Dollar belaufen, um 3,6 Prozent unter dem Ausgangsniveau der Reihe von 1964 bewegen. Einfache Arbeiter (Production and Nonsupervisory) stehen für vier Fünftel aller nicht agrarischen Stellen." (FTD, Kapital)

    Da hast Du Deine 5000 Arbeiter von BMW (die, davon abgesehen, nicht nur im Vergleich zu den 70000 deutschen sondern auch auf die Bevölkerung bezogen, lächerlich sind). Desweiteren hast Du das mit den "Montagewerken" nicht widerlegt. Wichtig ist doch: Wo sitzt die Forschung? Und die sitzt bei den Japsen, bei Bosch und BMW: Im Heimatland. Chrysler und GM, na ja, die wird es bei der nächsten Krise schon noch erwischen.

    Pimco als weltgrößter Privatinvestor hat dazu eine etwas andere Meinung. Nochmal: Nicht die Masse der von der FED gekauften Anleihen ist beeindruckend sondern dass zur Zeit kaum noch sonst jemand kauft. Wo sind denn die ganzen großen Investoren die den Amis so vertrauen?

    Der Untergang Deutschlands (schau Dir die Nobelpreiverteilung bis ca. 1940 an - das WAR ein Imperium) ging flott, der des russischen noch flotter. Warum sollte es bei den Amis anders sein?

    Gruß,

    Hardy

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