Oh, Bill Gross sieht US-Staatsschulden aber negativ

Der Bericht des größten Vermögensverwalters der Welt ist zwar noch nicht online, aber Zero Hedge hat scheinbar schon vorab die wichtigsten Informationen erhalten.

Bill Gross, für Anlagegelder von insgesamt mehr als eine Billionen Dollar verantwortlich, hat in seinem größten Fonds, der fast eine Viertel Billionen verwaltet, den Anteil von US-Staatsanleihen auf

0 (Null)

reduziert.

Den Bargeld-Anteil hat Gross im Gegenzug mehr als vervierfacht. Die durchschnittliche Laufzeit der Anleihen im Portfolio (genauer die Duration) ist in den letzten drei Monaten von etwa 5,3 Jahren auf jetzt nur noch 3,9 Jahre gefallen.

Das ist ein ziemlicher Swing in ziemlich kurzer Zeit, vor allem für einen so großen Fonds.

Zero Hedge glaubt, dass Gross davon überzeugt ist, dass kein QE3 kommen wird (siehe QE3 VOR DER TÜRE? WENN DER ÖLPREIS WEITER STEIGT?). Ansonsten würde der Verkauf jetzt keinen Sinn machen. Man könnte ja später an die Fed verkaufen ...

Man könnte den Kurswechsel aber auch einfacher als Angst vor Inflation interpretieren.

Exclusive: Bill Gross Dumps All Treasuries, Brings Total "Government Related" Holdings To Zero, Flees To Cash - No QE3? | zero hedge

Ich würde eher zu letzterem tendieren, also weniger Angst vor der Pleite der USA, sondern mehr Angst vor Inflation. Was meint ihr?

Update (23:21):

Hah, die Jungs vom Handelsblatt waren eine Stunde schneller:

Misstrauensvotum: Pimco verkauft seine US-Staatsanleihen - Börse + Märkte - Finanzen - Handelsblatt

Kommentare :

  1. Ich glaube, dass generell die Unsicherheit & Ungleichgewichte einen dazu zwingen Duration zu verkürzen. Die Fed ist in Summe extrem unberechenbar - und wer weiß, wie sie reagieren wird, wenn die Inflation ansteigt, die Arbeitslosigkeit, Immos, Wirtschaft ect. sich aber nicht wirklich erholen...Btw. als größter Inhaber von Staatsschulden, wäre die Fed der Verlierer schlecht hin bei einer Zinsanhebung - Emma Dilemma

    Ich frage mich eh schon die Ganze Zeit, wer bereit ist die 30-100!!J Bonds zu kaufen - der Mensch ist nicht mal imstande 6m vorauszuschauen...

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  2. hm ich kann mir auch keinen echten Reim drauf machen. Kurzfristige Anleihen sehen nach Inflationserwartung aus, bei denen würde sich das ja nicht so stark auswirken. Oder er sieht einfach die Nicht-US-Anleihen als unterbewertet im Vergleich zu den US-Anleihen an (wär natürlich interessant welche da darunter sind und welche Währungen...)

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  3. Wie gehen
    "Den Bargeld-Anteil hat Gross im Gegenzug mehr als vervierfacht."
    und
    "Man könnte den Kurswechsel aber auch einfacher als Angst vor Inflation interpretieren."
    zusammen. Verstehe ich nicht.

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  4. @zingo
    Barmittel sind liquide. Man kann also, sofern die Inflation anzieht, diese sofort in inflationssicherere Anlagen umschichten (vorausgesetzt es finden sich Verkäufer).
    Hielten sie die Anleichen müßten sie in dem Fall erst noch einen Käufer finden, was deutlich schwieriger sein dürfte als jetzt einen Käufer zu finden (wo sich Inflation noch nicht zeigt).

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  5. Wieso siehst du einen Zusammenhang zu QE3?
    Was hat denn QE2 gebracht? Im November gestartet, seitdem hunderte Milliarden aufgekauft. Und der Future auf zehnjährige T-Notes ist um teils mehr als 5% gesunken.
    Darauf zu setzen, dass die Kurse bei QE3 steigen würden, wäre also riskant.

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  6. kürzlich gab es beim Handelsblatt eine dieser üblichen Bilderklickstrecken über die größten (staatlichen?) ausländischen Gläubiger der USA

    www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/anleihen/wer-den-schuldenkoenig-usa-vor-der-pleite-bewahrt/3895166.html?slp=false&p=1&a=false#image

    In Summe grob ungefähr 4,5 Billionen. Gestern irgendwo gelesen, dass die (staatlichen?) amerikanischen Pensions- und Gesundheitsfonds auch für etwa 4 Billionen US-Anleihen halten.
    Mir ist nicht ganz klar geworden, ob beim obigen ersten Posten über die ausländischen Gläubiger die Unmengen von nicht-amerikanischen Versicherungsgesellschaften, Lebensversicherern, Pensionsfonds und private Gläubiger noch dazu gerechnet werden müssen. Dann würde von den 14 Billionen kaum etwas übrig bleiben, was die Amerikaner selbst halten.

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  7. @zingo:

    Er gewinnt in Cash Flexibilität, aber du hast natürlich Recht: Wenn er das länger halten würde, wäre das wenig logisch.

    In dem "Vorabbericht" fehlt leider auch die Währungsaufschlüsselung. Wenn man jetzt wüsste, ob Gross seinen Dollaranteil reduziert hätte, könnte man vielleicht etwas mehr durchblicken.

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  8. @KBX:

    100 jährige Anleihen sind der Wahnsinn. Eigentlich. Aber es gibt viele so große Anleger, dass die sich einfach ein paar davon beimischen.

    Und sobald die 100jährige Anleihe in ein paar Indizes drin ist, müssen indexorientierte Fonds auch kaufen. Ob sie wollen oder nicht ...

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  9. @matsch

    Zahlen Zahlen Zahlen.

    Sobald du anfängst, Zahlen, die (von der Beschreibung her) eigentlich etwas Ähnliches enthalten, aber aus unterschiedlichen Quellen stammen (und damit häufig auch unterschiedlich errechnet werden), kann man da nix mehr vergleichen.

    Ich hatte vor kurzem mal ein Posting zu der Menge US-Staatsanleihen, die die Chinesen halten. Da waren es auf einmal 300 Mrd. mehr, weil aufgefallen ist, dass diese in London gekauften Anleihen nicht Briten, sondern chinesischen Fonds gehörten.

    Ergo kann man den Zahlen nicht einmal wirklich vertrauen, wenn sie aus einer Quelle stammen ...

    Wenn man jetzt aber Zahlen, die die geographische Zuordnung erklären sollen, mit Zahlen mischt, die die "Sektor"-Zuordnung erklären sollen, kommt da nur Müll bei heraus.

    Die Staatsschulden der USA liegen zu etwa einem Drittel im Ausland. Allerdings mit steigender Tendenz, wenn auch nicht dramatisch steigend, dafür kauft die Fed zu viel. Der Teil, den die USA halten, wird zum großen Teil indirekt gehalten: Von Fonds, aber auch von Altersvorsorgegeschichten wie Pensionsfonds. Selbst die Bundesstaaten sorgen ja so für ihren Pensionen vor. Direkt halten die Amerikaner wahrscheinlich nur wenige Anleihen.

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  10. Bill Gross hat alle vorherigen Aktionen der FED immer ca 3 Monate "vorhergesehen" und sich entsprechend positioniert, auch QE1 und QE2. Dies war alles auch bei Zerohedge dokumentiert anhand seiner Transaktionen.

    Daher wird dies als das nicht stattfinden von QE3 interpretiert - obwohl ich mir dies kaum vorstellen kann. Ohne weitere Injektionen von frischgedrucktem Geld wird die Aktien- und Rohstoffblase kollabieren, auch eine Neu-Aufblasung einer Immobilienblase wird dadurch verhindert.

    Da keine Strukturreformen angegangen wurde, sind die Blasen die einzige Hoffnung der USA, wieder Wachstum zu erzeugen - deswegen kann ich mir wirklich nicht vorstellen, das QE3, 4 und 5 nicht kommt.

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  11. "Da keine Strukturreformen angegangen wurde, sind die Blasen die einzige Hoffnung der USA...."

    Die Illsuion stirbt halt zuletzt...
    ...oder anders: manche zögern halt den OP Termin so weit raus, wie es geht. Bis es halt so richtig wehtut.

    Trotzdem:
    0% ist eine Hausnummer...

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