Ungarn wollte den Forint an den Franken koppeln?!?

Was 'ne irre Idee!

Die Ungarn schaffen es nicht, sich mit der Eurozone zu synchronisieren und sich an den Euro zu koppeln und wollen dann eine noch stabilere Währung als Basis nehmen? Huh!?

Bei einer Kopplung an den Schweizer Franken könnte sich Ungarn jede Art von Export direkt abschminken. Bei einer so starken Währung wäre die ungarische Volkswirtschaft komplett chancenlos.

Aber warum kommt die ungarische Regierung auf eine offensichtlich so bescheuerte Idee? Ganz einfach: Die Ungarn haben sich wie die Irren in Fremdwährungen verschuldet (wie z.B. Island oder Lettland auch). Wie die Irren heißt in diesem Fall: 57% der Privatkredite lauten auf Fremdwährungen, be den Unternehmenskrediten sind es noch 10 Prozentpunkte mehr. Und da man am besten gar keine Zinsen bezahlen wollte, begnügte man nicht mit den niedrigen Zinsen in Euro, sondern wählte direkt die noch niedrigeren Zinsen im Schweizer Franken.
Und genau das wollte man mit der Bindung an den Schweizer Franken erreichen: Die Kredite der Verbraucher sollten auf einem halbwegs akzeptablen Niveau stabilisiert werden, damit diese auch bezahlbar bleiben.

Ohne die Bindung stieg der Schweizer Franken von 141 auf 225 Forint und macht damit die Kredite um fast 40% teurer. Unter der gestiegenen Schuldenlast leiden die ungarischen Verbraucher jetzt.

Das ist die klassische Wahl zwischen Pest und Cholera. Aber es gibt auch keinen einfachen Weg, wenn eine ganze Volkswirtschaft wie ein Hedgefonds agiert und versucht, das lustige Carry-Trade-Spielchen mitzuspielen. Das knallt und zwar übel ...

Devisenmarkt: Bindet Ungarn den Forint an den Franken? - Devisen & Rohstoffe - Finanzen - Investor - FAZ.NET

Im Devisenkompass von HSBC Trinkaus im Februar waren auch vier lesenswerte Seiten zu Ungarn: HSBC Trinkaus: Devisenkompass Februar 2011 (PDF)

Update (16:10):

Till hat noch eine interessante Anmerkung in die Kommentare geschrieben: Die Idee der Bindung des Forints an den Franken ist natürlich auch deshalb total gaga, weil Ungarn nie im Leben die Mittel hätte, eine solche Bindung aufrechtzuerhalten. Die ungarische Notenbank müsste im Zweifelsfall ja mit Interventionen dagegenhalten. Nur fehlt Ungarn das Geld dafür. Die Hedgefonds würden sofort versuchen, gegen den Forint zu spekulieren. Ein gefundeneres Fressen dürfte den Hedgefonds lange nicht mehr serviert worden sein ...

Kommentare :

  1. Das ist geschenktes Geld für die Hedgefonds ... da diese Koppellung unglaubwürdig ist und jeder Anstieg des Frankens mit dem Verkauf von Franken und dem Ankauf von Forint durch die ungarische Notenbank ausgeglichen werden muß, kann mann nur den Countdown zählen, wenn Sorrows & Co dort ihr altbewährtes Spielchen treiben, dasselbe was sie in der Südost-Asienkrise und bei der Spekulation gegen die Bank of England getrieben haben.

    Dann ist die Ungarische Notenbank ihre Devisenreserven los, und der Forint noch niedriger als jetzt.

    Ich gebe dir Recht, das knallt, und zwar übelst.

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  2. Die haben es wohl (zum Glück) auch nur überlegt ... Zumindest habe ich es so verstanden ...

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  3. Statt Interventionen gingen auch Kapitalverkehrskontrollen - aber das ist genauso verrückt...

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