US-Arbeitslosenquote 02/11: 8,9% (-0,1 Vm)

Nach dem niedrigsten Wert für Erstanträge auf Arbeitslosengeld, der in dieser Woche veröffentlicht wurde, und den guten ADP Zahlen von gestern, war ein guter Arbeitsmarktbericht in den USA zu erwarten. Ohne den schlecht reden zu wollen, war er auch durchgehend und konsistent gut, einige hochfliegende Erwartungen dürften aber trotzdem enttäuscht worden sein.

Zu den offiziellen Zahlen für den Februar 2011:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: -190.000 auf 13,863 Millionen. Anzahl der Arbeitenden: +250.000 auf 139,573 Millionen ---> Arbeitslosenquote:

8,9% (-0,1).

Die Umbuchungen blieben diesen Monat vergleichsweise harmlos. Die Anzahl der Personen, die dem Arbeitsmarkt theoretisch zur Verfügung stehen, stieg um 147.000, davon landeten 60.000 auch wirklich im Pool der Leute, die Arbeit suchen/haben und 87.000 in den NILF (not in labor force). Da habe ich schon deutlich unplausiblere Zahlen gesehen ...

Die Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte auf die Gesamtbevölkerung gesehen) blieb konstant bei 58,4%, gegenüber dem Vorjahresmonat ist das immer noch ein Minus von 0,1 Prozentpunkten. Im Jahresvergleich spürt man die ganzen Umbuchungsaktionen der Vergangenheit noch. Die Arbeitslosenquote ist in den letzten 12 Monaten immerhin von 9,7% auf 8,9% gefallen, während die Erwerbstätigenquote nicht analog dazu gestiegen ist.

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, zeichnen ebenfalls ein verhalten positives Bild.

Anzahl der Jobs: +192.000 gegenüber Januar 2011 auf 130,265 Millionen. Allerdings blieb ein richtig großer Sprung aus, den nach dem enttäuschenden Januar einige erwartet haben. Im Januar soll es am winterlichen Wetter gelegen haben und für den Februar wurde teilweise eine kräftige Aufholjagd vorhergesagt.

Für die beiden vergangenen Monate gab es (schon wieder) kräftige Aufwärtskorrekturen: Der Dezember 2010 wurde von +121.000 auf +152.000 (erster Wert 103.000), der Januar 2011 von 36.000 auf 63.000 korrigiert, zusammen also um 58.000.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche blieb im Februar bei 34,2, die Anzahl der Überstunden stieg um 0,2 auf 3,3 Stunden.

Zusammenfassend ein guter, wenn auch nicht überragender Bericht vom US-Arbeitsmarkt, der in beiden Teilen (Household + Establishment), den Indikatoren aus der zweiten Reihe und den Korrekturen für die Vergangenheit ein einheitliches Bild zeichnet. Und ganz ohne komische Umbuchaktionen in NILFs (o.ä.) auskommt. Und das habe ich wirklich lange nicht mehr gesehen.

Übrigens ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6 ist um 0,2 Prozentpunkte auf 15,9% gesunken.

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION – FEBRUARY 2011 (PDF)

Kommentare :

  1. Und ich habe wieder etwas zu motzen ;).

    Von den schönen 192.000 neuen Jobs kommen 112.000 aus dem berüchtigtem
    Birth/Death Adjustment, sind also erstmal nur statistisch hinzugerechnet.

    Real also +80.000 Jobs, was ja im Prinzip auch schon etwas ist, wenn auch weniger als das Bevölkerungswachstum (ca 250.000).

    Eigentlich nicht viel, wenn man die 120 Milliarden Dollar neue Schulden betrachtet, die die US-Regierung jeden Monat neu aufnehmen muß da die kränkliche Wirtschaft keine Steuern verkraftet.

    Quelle:
    http://www.bls.gov/web/empsit/cesbd.htm
    Die Januarzahlen waren die Korrektur von 2010, fast alles von 2010 wurde damit rückgängig gemacht.

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  2. Ich habe nix gegen substantielles Motzen. Im Gegenteil!
    Besonders, wenn ich dadurch mitbekomme, dass die Birth-Death-Zahlen jetzt häufiger kommen. Bisher gab es die doch nur jährlich, oder?

    Allerdings stehen die 112.000 im Februar -339.000 im Januar gegenüber. Über die ersten beiden Monate war der Effekt also sogar positiv.

    Ich glaube aber nicht, dass sich ein dauerndes Schauen auf diese "Details" lohnt. Der einfache Check auf die Erwerbstätigenquote reicht schon aus um festzustellen, dass die Arbeitslosenquote nicht nur fällt, weil es mehr Arbeitsplätze gibt, sondern auch, weil es weniger Nachfrage gibt.

    Ich gebe dir aber im großen Bild völlig Recht: Die Erholung am Arbeitsmarkt reicht nicht aus, um den Konsum in Schwung zu bringen. Die Erholung ist für die Phase der Konjunktur relativ schwach. Und - das sagst du ja auch schon - müsste die Konjunktur an sich bei Nullzinsen + Rekordverschuldung des Staats eigentlich brummen.

    Eine kräftige Erholung, sowohl bei der Konjunktur wie bei auch am Arbeitsmarkt, sieht anders aus.

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  3. Nachtrag:

    Die Zahlen vom Janur (-339.000) wurden nicht in die Statistik hinengezogen, weil sie die Korrektur des Jahres 2010 sind - Fehler dieses Modelles sind statistisch irrelevant, d.h. das Modell verursacht zur Zeit politisch geschönte Werte.

    B/D kommt im übrigen jeden Monat, nur die Korrektur wird einmal im Jahr durchgeführt und ist dann nicht relevant für die Arbeitslosenzahlen. Verstehe das wer will.

    In einem starkem Aufschwung wie 2003-2005 verfälscht das Modell im übrigen die Zahlen nach unten.

    Ich gebe dier Recht, zur Zeit ist die Lage so "naja", und das bei diesen Riesenhilfen. Die ehrlichste Statistik dürften die Essensmarken sein - erst wenn diese Werte stark fallen kann man von Aufschwung sprechen.

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  4. Hallo mal wieder,

    auch ich hab was zu motzen: Gallup sagt nämlich 10,3%:

    http://www.gallup.com/poll/146453/Gallup-Finds-Unemployment-Hitting-February.aspx

    gefunden über (mal wieder informativ!):

    http://blog.markusgaertner.com/2011/03/05/kunstliche-realitaten/

    Grüße,

    Hardy

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