Warum steigt (stieg) der Yen?

Mir wurde diese die Frage gestern mehrfach zugetragen, deshalb schreibe ich mal kurz was dazu.

Die nahe liegende Überlegung ist ja diese: Nach einer Katastrophe wie der in Japan ist das Land und die Wirtschaft stark geschwächt. Eigentlich sollte eine Währung darauf mit Schwäche reagieren.

Das passiert in Japan aber nicht, weil Japan über hohe Devisenreserven verfügt. Zum Beispiel liegt Japan auf Platz drei der größten Auslandsgläubiger der USA (hinter der Fed und China, wobei die Reihenfolge hier unklar ist, siehe WER HÄLT DIE MEISTEN US-ANLEIHEN? CHINA? JAPAN? NEIN!). Auch bei den Anleihen der PIGS Staaten in Europa zählte Japan in den letzten Monaten zu den zuverlässigsten Käufern.

Nun braucht Japan aber Geld für den Wiederaufbau nach dem Erdbeben und dem Tsunami. Daher lösen die japanischen Verbraucher und Unternehmen Vermögen auf (und damit eben auch Auslandsvermögen) und investieren das Geld im Inland. Sie verkaufen also Dollar und Euro und kaufen im Gegenzug Yen. Diese steigende Nachfrage lässt den Yen steigen und die anderen Währungen fallen.

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag trieben diese Käufe (und ein Haufen Spekulation und Panik) den Dollar in einem Flash-Crash auf ein Nachkriegstief von etwa 76,50 Yen. Auch wenn sich der Kurs anschließend wieder erholte, stoppte der Abwärtstrend seit dem Erdbeben nicht. Und ganz nebenbei war der Yen auch vorher schon tendenziell überbewertet.

Für die japanische Wirtschaft ist ein derart starker Yen eine (zusätzliche) Katastrophe. Die japanischen Exporte werden teurer und von den niedrigeren Importpreisen hat Japan nichts, schließlich steckt Japan schon seit gut 2 Jahrzehnten praktisch permanent in der Deflation. Japan bräuchte also genau das Gegenteil, sprich einen schwachen Yen und importierte Inflation.

Daher haben sich die 7 führenden Industriestaaten  (G7) heute Nacht entschlossen, gemeinsam gegen den Yen zu intervenieren, um den Yen zu schwächen und somit die japanischen Exporte zu stärken. Die Aktion ist kurzfristig erfolgreich, der Dollar sprang um fast 4% nach oben.
Aber mittelfristig sieht man schnell, dass die Notenbanken den Yen gerade einmal zurück auf den Stand von Montag bzw. Dienstag gedrückt haben. Außerdem ist fraglich, ob sich die Notenbanken gegen die globalen Geldflüsse stemmen können. Denn dass die Japaner jetzt zusätzliches Geld benötigen, ist nicht wegzudiskutieren oder wegzuintervenieren ...




Japan: Flashcrash bringt Dollar-Yen auf Rekordtief - Devisen & Rohstoffe - Finanzen - Investor - FAZ.NET



Japanische Währung: G7 helfen Japan mit Intervention am Devisenmarkt - Hintergründe - Wirtschaft - FAZ.NET



Kommentare :

  1. die wahrheit ist tatsächlich ärgerlich: die banken entwickeln sich immer mehr zu den aasgeiern der katastrophen. bankenzocker kauften den yen fast auf, um den kurs in die höhe zu treiben. sie wissen, das japanische versicherer ihre dollaranleihen in yen umtauschen werden, um die schäden in japan bezahlen zu können. darauf spekulieren die hyänen der bankenwelt.
    siehe auch meinen kommentar zur akw-debatte: Atomenergie nutzen = Fliegen ohne Landebahn

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  2. Naive Frage:
    Spielen die vor einem Jahr oft erwähnten carry-trades eine Rolle?

    Ich hatte das so verstanden, dass viel billig in Japan geliehenes Geld ins Ausland geflossen ist... ist das jetzt auf dem Rückweg?

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  3. @anonym.

    Ich dachte auch zuerst an eher spekulative Carry-Trades. Aber es ist wie egghat andeutet etwas Fundamentaleres. Man muss halt wissen, dass die Japaner wie dumm sparen und entsprechend viel auf der hohen Kante haben, was sie garnicht im eigenen Land investieren konnten. Und jtzt wurde ein Teil dieser Erspanisse aufgelöst.

    Zumindestens habe ich letzte Woche auch ein paar (für jp. Banken relativ kleine) Positionen gesehen, die aber nur von jp. Banken kommen können. Ein paar Trader meinten, dass die Spreads kurzfristig explodierten (weil für solche Volumen das Cash der potentiellen Käufer zu klein ist), sodass da wohl ganz schlechte Errinnerungen hochkochten. Die Verkaufabsichten jp. Investoren sind wohl in Rekordtempo durch alle Assetklassen durchgeknallt. Und der Wechselkurs hängt bei dem Volumen direkt mit dran, und war ein zusätzlicher Nackenschlag, also richtig arschig (@Lupe Das hat nix mit "Hyänen" zu tun). Die Zentralbanken haben dann alles richtig und zeitnah gemacht. Die Lage sich dann zum Wochenende wieder entspannt.

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  4. Ich glaube, die Begründung ist zu kurz gesprungen. So schnell können die Japaner ihre Auslandsanlagen gar nicht repatriieren, so dass es eine so schnelle und heftige Bewegung am Devisenmark gäbe.
    Auch brauchen sie das Geld nicht so schnell, sondern über eine längere Wiederaufbauzeit.


    Es bleiben mE zwei Erklärungsmöglichkeiten für die Kursbewegung des Yens: Erstens, der "Markt" erwartet diese Bewegung, und positioniert sich schon einmal entsprechend. Die zweite hat mit den Carrytrades zu tun. Viele Hedgefonds und Banken hatten sich in Yen verschuldet, und das Geld in mehr oder weniger riskante, auf jeden Fall rentierlichere Anlagen außerhalb des japanischen Währungsraum gesteckt. Nach der der Erdbebenkatastrophe, dem Supergau und der Instabilisierung der politischen Lage in Nordafrika werden diese Positionen liquidiert, und die Ausleihungen in Yen zurückgeführt.

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  5. @Nixda:

    Die Spekulation beschleunigt die Entwicklung natürlich. Aber dahinter steckt schon die von mir aufgezeigte Entwicklung. Japan braucht mindestens 100 Mrd. Euro wenn nicht noch deutlich mehr.

    Klar, es ist nie etwas eindimensional. Die Japaner werden jetzt womöglich noch länger bei Nullzinsen bleiben (müssen) und das könnte dann neue Carrytrades in Gang setzen. Und dann wird der Yen wieder schwach ... Wer weiss, welche Entwicklung wann die Bewegung dominiert.

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