Wie lange wartet ein Insider, bis er seine Insiderinformation weiterplappert?

Und wie viel Mühe gibt er sich, diese Tatsache zu verstecken?

OK, er wartet nur

23 Sekunden

und gibt sich sowas von gar keine Mühe, etwas zu vertuschen, dass es echt weh tut. Er wartet nicht bis zum Mittagessen oder bis zum Drink in der Bar und flüstert es die Informationen weiter. Er nimmt nicht einmal ein privates Zweithandy, sondern das normale Telefon am Arbeitsplatz.

So lauten zumindest die Vorwürfe im Fall des ehemalige Goldman Sachs Vorstandmitglieds Rajat Gupta. Dieser soll sowohl das große Investment von Warren Buffett als auch schlechte Ergebnisse umgehend an Raj Rajaratnam, den Chef des Hedgefonds Galleon Tech Funds, weitergegeben haben. Vor dem Buffett Einstieg kaufte der Fonds noch schnell (das musste schnell gehen, zwischen der "Nachricht" um 15:53 und Börsenschluss um 16:00 blieb nicht viel Zeit), im anderen Fall hatte er mehr Zeit und konnte am nächsten Morgen noch in Ruhe verkaufen.
Ich habe die Aufnahme der Ermittlungen vor etwa 18 Monaten verbloggt (ZAHL DES TAGES (18.10.09): 20.000.000).

Da fragt man sich, was schlimmer ist. Dass der Mann korrupt war oder dass er sich seiner Sache so sicher war und scheinbar nichts zu befürchten hatte. Denn das würde ja bedeuten, dass an der Wall Street quasi alle korrupt sind und die Ermittlungsmaßnahmen nur im Ausnahmefall eine Wirkung entfalten.

Businessinsider: Guess How Many Seconds Rajat Gupta Waited Before Calling Raj After Blankfein Told Him Q4 2008 Earnings Were Bad

gefunden über:

Twitter / @Verlorene Generation: Es dauert 23 SEKUNDEN, bis ...

Update (02.03.2011):

Die Anklageschrift gibt's übrigens hier:

http://www.sec.gov/litigation/admin/2011/33-9192.pdf

Der entgangene Verlust + zusätzlicher Gewinn durch die beiden Vorfälle lag bei 17 Millionen Dollar.

Kommentare :

  1. Ich kann dieses Buch empfehlen, um die Denk- und Arbeitsweise von Betrügern ein bisschen besser verstehen zu können:

    http://www.amazon.com/Big-Story-Confidence-Man/dp/0385495382/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1299054294&sr=8-1

    Dazu sollte man noch diesen Film gesehen haben (hat hoffentlich jeder schon):

    http://www.imdb.com/title/tt0070735/

    Das ganze übertrage man auf die Finanzwelt und man ist der Erleuchtung einen kleinen Schritt näher.

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  2. Gut dass die Jungs teilweise noch zu dumm sind Methoden einzusetzen, dass man ihnen nicht auf die Schliche kommt. Die jüngere Generation wird da smarter sein, denk ich.

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  3. @Tubl:

    Ich befürchte eher, dass sich gar nichts ändert. Ein paar Dumme werden erwischt, der Rest kommt durch. Damals wie heute wie in Zukunft.

    Das ganze ist einfach zu lange zu durchgängig korrupt, der Verlockung ist zu groß und die Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden, zu klein, und die Wahrscheinlichkeit, verurteilt zu werden, noch kleiner ...

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  4. @egghat
    ich stell mir das aber auch schwer vor. Da sitzt man als grosse Invest- und Geschäftsbank wie eine Spinne in einem riesigen Informationsnetz. Kriegt zwangsläufig fast in Echtzeit alles über Geschäftsbeziehungen, Konten und Aufsichtsratsposten mit was in den Firmen und Märkten läuft, und soll dann als maximal gewinnorientierter Manager/Unternehmen die Füsse still halten wenn man goldene Informationen bekommt. Das ist bankintern schon ein riesiges Problem die Informationskontrolle zwischen den Abteilungen aufrecht zu halten ohne dass rechtliche grenzen überschritten werden.

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