Frick Geschädigte erhalten nur ca. 15% des Schadens

Wenn sie denn überhaupt klagen ...

Aber der Reihe nach ...

1.) Das Urteil gegen Markus Frick (siehe 21 Monate auf Bewährung für Markus Frick - egghat's not so micro blog) ist nun rechtskräftig. Niemand hat Einspruch eingelegt.

2.) Es sind inzwischen die ersten Details aus den Schadensersatzklagen gegen Frick bekannt geworden. Im ersten Urteil gab es nur 5% Schadensersatz. Der Anwalt erwartet aber, dass sich die Summe nach der rechtskräftigen Verurteilung noch erhöhen kann.

Die bisherigen Urteile ließen auf einen Schadensersatz von etwa 20% schließen, es ist tatsächlich aber noch weniger, nämlich nur 15%, die Frick bezahlen muss. Weil aber die Anwälte (=Klägerseite) 85% der Prozesskosten übernehmen, bleibt gerade für kleinere Geschädigte wohl in vielen Fällen gar kein Geld übrig. Die Anwälte bekommen das Geld also in erster Linie selber.

Aber es kommt noch schlimmer: Der Staat hat sich etwa 42 Millionen Euro gesichert. Das Geld geht in eine Art Treuhandpool, auf den die Geschädigten ebenfalls Anspruch haben. Aber nur, wenn sie zivilrechtlich gegen Frick gewonnen haben. Die bisherigen Vergleiche waren aber ... Vergleiche, keine zivilrechtlichen Verurteilungen (das Urteil von oben war ebenfalls nicht zivilrechtlich, sondern strafrechtlich). Auf Basis dieser Vergleiche kommt man an die 42 Millionen als Geschädigter also nicht heran. Das ist bei Vergleichen aber durchaus üblich, man verzichtet halt auf alle weiteren Ansprüche. Pech!

Und als wenn man diesem Desaster nicht noch die Krone aufsetzen könnte, kommt es noch schlimmer. Denn von den 293 zivilrechtlichen Klagen gegen Frick sind nur noch 55 offen. Und diese Kläger müssen jetzt in einem bestimmten Zeitfenster gegen Frick gewinnen, um an die 42 Millionen Euro (oder einen Teil davon) zu kommen. Schaffen diese das nicht (was bei der Trägheit der Gerichte allein aus Zeitgründen durchaus möglich ist), verfällt der 42-Mio-Topf für den Schadensersatz. Aber nein, nicht an den Staat, wie man vielleicht denken könnte, sondern zurück an Frick. Und das ist ziemlich realistisch, denn die bisherigen Vergleiche haben Frick nur 4,6 Millionen Euro gekostet (und diese großzügigen Vergleiche wurden ihm beim Urteil noch positiv angerechnet). Dass bei den wenigen restlichen noch offenen Verfahren noch wesentlich größere Summen als die 4,6 Millionen entstehen können, ist ziemlich unwahrscheinlich.

Das fass ich jetzt echt nicht mehr ...

Ich glaube, dass das Verfahren gegen Frick in allen Details bestätigt, was man über Verfahren über Anlagebetrug in Deutschland geahnt hat:

Auf der Beklagtenseite ist das Urteil gegen Frick mild (nur Bewährung). Und durch die prozessrechtlichen Details gibt es gute Chancen, dass der Mann aus der Nummer auch noch als (mehrfacher) Millionär herauskommt. Und für den mehrfachen Millionär muss man noch gar keine dunklen Kanäle annehmen, es geht ausschließlich um bekanntes Geld.

Auf der Klägerseite gibt es ebenfalls nur Enttäuschungen. Kleinanleger können sich Klagen gegen Betrüger eigentlich direkt schenken, weil es meistens gar kein Geld gibt. Und falls ausnahmsweise doch was fließt, geht der Großteil an den Anwalt ...

(Die ganze Erläuterung unter dem dicken Vorbehalt, dass ich kein Jurist bin und ich mglw. nicht alles richtig verstehe (oder vielleicht sogar alles falsch). Korrekturen und Ergänzungen bitte ab in die Kommentare ...)

Urteil wegen Marktmanipulation: Frick erstattet Anlegern nur kleinen Teil ihres Verlusts | FTD.de

Update (23.09.13):

Aus diesem Artikel wurden an einer kritisierten Stelle 2 Wörter entfernt.

Kommentare :

  1. Moment mal, die 42Mio plus 420000 Privatvermoegen sind verfallen. Die gehoeren mMn. jetzt dem Staat und gehen an sonst niemanden (siehe z.B. n-tv oder Berliner Morgenpost oder Focus (wobei 80Mio sichergestellt, 42Mio verfallen, und der Rest??)). Die Zurueckgewinnungshilfe bezieht sich wohl auf die 4,6 Mio, die verschont wurden. Aus (mind.) denen muss er die Opfer entschaedigen. Bleibt ihm immer noch zuviel und so ein Urteil wirkt auch alles andere als abschreckend...
    P.S. just my 5ct. und IANAL.

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  2. Ich hatte das auch bisher so verstanden. Es wurde ziemlich überall so dargestellt. Das scheint mir aber nicht richtig zu sein. Aus der FTD:

    "Verfall Ein Gericht kann einem Täter laut Strafgesetzbuch seine Beute wegnehmen und einen Verfall anordnen. Eigentümer wird der Staat, in der Regel das jeweilige Bundesland - im Fall Frick also Berlin. Allerdings ist das nur möglich, wenn es keine Geschädigten gibt."

    Das ist IMHO ziemlic eindeutig. Wenn man seine privatrechtliche Klage gewinnt, kann man also an dieses Geld gelangen.

    Allerdings ist damit noch unklar, ob dieses Geld zurück an den Verurteilten fließt (wie ich es verstanden habe) oder beim Staat bleibt.

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  3. Den Verfallsabsatz in der FTD hab ich auch gelesen, hab's trotzdem anders verstanden. Die 42,6Mio gehen an den Staat ("Es handelt sich hierbei Veräußerungserlöse aus Wertpapierverkäufen. Die genannte Summe beinhaltet nicht nur die erzielten Gewinne, sondern auch den Wert der zum Kauf der veräußerten Wertpapiere eingesetzten Gelder." von hier. Und es steht ja auch im 3. Abschnitt des FTD-Artikels:
    "Das Gericht ließ Frick selbst knapp 2 Mio. Euro und tastete zudem 2,6 Mio. Euro der Gibo GmbH nicht an, die ihm zuzurechnen sind. Damit wollte der Richter eine "unbillige Härte" vermeiden und Frick die Möglichkeit geben, weitere Anleger zu entschädigen."
    Also sollen die Entschaedigungen aus den 4,6Mio kommen.
    Naja, wie auch immer, mir wuerde die Haelfte schon reichen ;-)

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