Griechenland 2010 mit 10,5% Minus des BIPs

Das ist deutlich schlechter als es die ursprünglichen Planungen der Regierung von 9,4% vorgesehen haben (wofür sie sich übrigens im Januar noch fleissig selber auf die Schulter geklopft hat). Auch die Schätzungen des IWF, der noch vor kurzem 9,6% Minus schätzte, wurden mit der Berechnung von Eurostat übertroffen.

Damit summierte sich der Gesamtschuldenstand zum Ende des Jahres 2010 auf 142,8% des BIPs. Zur Erinnerung: Es ist noch nicht lange her, dass die Ratingagenturen eine Wende Griechenlands bei einem Schuldenstand von weniger als 150% des BIPs erwarteten. Das scheint inzwischen ziemlich unrealistisch zu sein. Allein die BIP-Schrumpfung, die auch 2011 noch weitergehen wird, fügt schon wieder ein paar Punkte zum Schulden/BIP-Verhältnis hinzu. Und das Defizit ist 2011 ja auch nicht auf einen Schlag weg ... Die 150% sind übrigens auch die Grenze, ab der der IWF den Anstieg der Staatsverschuldung für nicht mehr umkehrbar hält.

Kein Wunder, dass bis auf die Politiker niemand mehr an eine Rettung von Griechenland ohne Restrukturierung der Schulden glaubt. Die Rendite von mehr als 25% für die zweijährigen griechischen Staatsanleihen spricht Bände ...

Auch in Portugal gab es ein paar Tage vorher eine ähnliche Meldung. Statt 8,6% wie von der portugiesischen Regierung ursprünglich errechnet, kommt Eurostat jetzt auf 9,1% Neuverschuldung bezogen auf das BIP. Der Gesamtschuldenstand Portugals liegt damit bei 93,0%.

Wo ich gerade dabei bin, direkt noch ein paar weitere Zahlen:

Irland: -32,4%, 96,2% gesamt.
Spanien: -9,2%, nur 60,1% gesamt (da wird aus den Banken bzw. Sparkassen noch was dazukommen).
Großbritannien: -10,4%, 80,0% gesamt (da sind die Banken schon drin).

Deutschland reisst 2010 mit 3,3% Neuverschuldung/BIP die Maastrichtgrenze von 3,0%. Die Gesamtverschuldung hingegen klettert mit einem Anstieg von 73,5% auf 83,2% wesentlich stärker, weil die Lasten der Bad Banks von HRE und WestLB in der Gesamtverschuldung auftauchen, in der laufenden aber nicht (das war schon einige Male Thema hier).

Für Gesamteuropa liegen die Werte bei minus 6,4% und minus 80,0% (gesamt), die Eurozone bei minus 6,0% bzw. 85,1%.

Eurostat: Öffentliches Defizit im Euroraum und in der EU27 bei 6,0% bzw. 6,4% des BIP (PDF!)

Schade, dass die Eurostat keine Werte für die USA ausrechnet. Mich würde mal brennend interessieren, wo die USA lägen, wenn die Lasten (u.a.) von Fannie Mae und Freddie Mac oder auch die TARP-, QE1- und QE2-Papiere in der Fed-Bilanz richtig eingerechnet würden ... Dabei würde wohl eine dreistellige Zahl herauskommen ...

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