US BIP Q01-11: +1,8%

Es ist nur die erste Schätzung, aber die Zusammensetzung ist meistens trotzdem schon so aussagekräftig, dass man diese mal genauer unter die Lupe nehmen kann.

Das Plus des BIPs der USA im ersten Quartal 2011 von

1,8% 

war in etwa wie erwartet. Ich weiss allerdings nicht, ob das auch auf die Zusammensetzung zutrifft.

Denn das Vorquartal, das mit einem Plus von 3,1% kam, war unter der Oberfläche noch besser, weil die Lagerbestandsänderungen das Wachstum um satte 3,4 Prozentpunkte drückte. Bei gleicher Lagerhöhe wäre das Vorquartal sogar mit etwa 6,5% im Plus gewesen, ein grandioser Wert (siehe US-BIP Q04-10: +3,2% (VORABSCHÄTZUNG). BEI KONST. LAGER +7(!)%, Zahlen leicht unterschiedlich, weil ein Artikel auf Basis der ersten Schätzung).
Dieses Mal ist es dummerweise umgekehrt. Denn vom schwachen 1,8%-Wachstum geht etwa die Hälfte (0,93 Prozentpunkte) auf die Änderung des Lagerbestands zurück.

Staatsausgaben senkten das BIP-Wachstum kräftig um knapp 1,1 Prozentpunkte. Der Saldo aus Im- und Exporten war dieses Mal minimal unter Null, genau wie der Wachstumsbeitrag aus Investitionen.

Calculated Risk hat recherchiert, dass der Anteil der Bauinvestitionen am BIP auf den niedrigsten Wert in der Nachkriegsgeschichte der USA gefallen ist (
Calculated Risk: Residential Investment and Non-Residential investment in Structures at Record Lows as Percent of GDP). Ganz schnell wird sich das wohl nicht ändern, dazu ist der Lagerbestand an unverkauften Immobilien zu hoch und der Staat wird wohl auch keine großen Infrastrukturmaßnahmen mehr starten, im Gegenteil, es wird wohl eher gespart werden. Allerdings: Viel tiefer können die Bauausgaben auch nicht mehr sinken.

Das Wachstum kam also fast ausschließlich aus dem privaten Konsum, der 1,91 Prozentpunkte zum Wachstum beitrug.

Der vielleicht größte Knackpunkt des BIP-Berichts für das vierte Quartal war ein sehr niedriger Preisdeflator. Damals lag der Wert nur bei +0,4%, was überhaupt nicht zur steigenden Inflation passte. Dieses Mal lag der Preisdeflator wieder bei realistischeren 1,9%, so dass man davon ausgehen kann, dass das Nettoplus auch wirklich eines war.
(Der Preisdeflator wird vom Brutto-BIP abgezogen. Mit einem zu niedrigen Preisdeflator (sprich einer zu niedrigen Inflation) kann man somit ein zu hohes Netto-BIP ausweisen, was kaum jemand merkt, weil das Brutto-BIP und der Preisdeflator in den Schlagzeilen nie genannt werden).

Bea.gov: GROSS DOMESTIC PRODUCT: FIRST QUARTER 2011 (ADVANCE ESTIMATE) PDF!

Kommentare :

  1. 1,9% Preisdeflator - wenn die Leute nichts gegessen haben und nicht ihre SUVs betankt haben kommts hin - ansonsten nicht. Aber wichtig ist, das es keine Rezession gibt, daher ist es gut die Zahlen ein wenig zu schönen (Pig with lipstick).

    Viel dieses Konsumanstiegs waren Käufe von Benzin und Lebensmitteln - und nicht amerikanische Produkte und Dienstleistungen die die Wirtschaft vorranbringen.

    Hier ein Interview mit dem Walmart - CEO - jemand der wissen muß wie der amerikanische Konsument "tickt":

    http://www.zerohedge.com/article/wal-mart-ceo-shoppers-are-running-out-money-there-no-sign-recovery

    In der Zusammenfassung: Der Umsatz bricht jeden Monat früher ein, d.h. der Gehaltsscheck hält immer kürzer. Von "Recovery" nichts zu sehen. Bei den oberen 10% dürfte es durch den Boom an der Wallstreet besser gehen als je zuvor.

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  2. Danke für den Link.

    Zu den Deflatoren musss man aber auch noch ergänzen, dass andere Deflatoren wesentlich höher liegen, teilweise bei fast 4%. Als Durchschnitt erscheinen mir die 1,9% auf jeden Fall wesentlich realistischer als die 0,4% im Vorquartal.

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