Wie groß ist eigentlich die irische Bankenkatastrophe?

Ich finde solche Vergleiche immer sehr hilfreich, daher möchte ich diesen hier mal kurz erwähnen ... (auch wenn ich dem Artikel bei FT Alphaville inhaltlich wenig hinzuzufügen habe).

Auszahlungen von Versicherungen für Schäden aus Naturkatastrophen 2010: 43 Mrd. Dollar.

(Quelle Swiss Re, z.B. hier: Swiss Re: Katastrophen kosten 2010 Versicherer über 43 Mrd USD (Dow Jones Deutschland)). (Übrigens gehen 40 Mrd. auf Naturkatastrophen und 3 auf "Menschen gemachte" Katastrophen zurück, wobei der Übergang natürlich fließend ist).


Kosten für die irische Bankenrettung seit 2008: 96 Mrd. Dollar. (68,5 Mrd. Euro)

Mithin mehr als das Doppelte!

Jetzt kann man die Zahl allerdings noch aus vier anderen Blickwinkeln betrachten.

Mehr Drama, Baby:

a) Wir vergleichen hier einen Schaden eines Landes mit 4,5 Millionen Einwohnern mit der ausgezahlten Versicherungssumme für die ganze Welt ...
b) 2010 war ein katastrophenreiches Jahr und die ausgezahlten Prämien 60% höher als im Vorjahr und selbst das wird geschlagen.
c) Die Kosten des Bankenstresstests sind in den Kosten noch nicht drin (wenn ich es richtig verstehe) (siehe Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Nochmal 24 Milliarden Euro für die irischen Banken).

Stay cool, Man:

d) Die irische Bankenrettung läuft jetzt schon seit 4 Jahren, der Vergleich mit einem Jahr ist etwas schief.
e) Die von den Versicherungen ausgezahlte Summe ist wesentlich kleiner als der Schaden. Der Schaden lag bei 218 Mrd. Dollar, ein großer Teil davon (v.a. in den Entwicklungsländern) war aber nicht versichert. Man sollte das - auch wenn es naheliegt - nicht durcheinanderwerfen.

Jaja, Vergleiche und Einordnungen sind nicht so einfach und wenn man will, kann man die (fast) immer in die gewünschte Richtung schieben. Aber nicht hier. Da muss man sich selber den gewünschten Grad der Dramatik aussuchen ;-)

Aber richtig undramatisch bekommt man das selbst als Permabulle nicht hin. Die Größe, besser gesagt Winzigkeit von Irland macht das einfach immer dramatisch. Die Daumenregel für die Umrechnung auf amerikanische Verhältnisse (also inkl. Dollar und größerer Bevölkerungszahl) ist eine Multiplikation mit dem Faktor 100 ... 68,5 Mrd. Euro in Irland entsprechen also grob 6,85 Billionen Dollar in den USA ...

Autsch.

FT Alphaville » Ireland — a double-size banking catastrophe

Kommentare :

  1. Vor vielen jahren - zwischen 5 und 10 - las ich in der "Zeit" einen Artikel von Bono. Genau, dem Gutmenschen Bono, zufällig ja auch Ire. In diesem Artikel hielt er uns dummen Deutschen sein Land als Paradebeispiel vor, das Land in dem schier Milch und Honig fließen, in dem jeder bestens gelaunt, die Steuern niedrig und die Entfesselung der Banken zum Wohlstand für alle geführt hat. In Deutschland hingegen - Produktion. Mechanik. Dreck. Körperliche Arbeit. Hohe Abgaben. Deutschland - das Land der Absteiger.

    Jetzt hat es eine aufs Maul gegeben, und ich sage ehrlich: Zu recht. Das irische Geschäftsmodelll bestand daraus, anderen Ländern mit Niedrigststeuern die Firmen wegzulocken (das Siemens-Halbleiterwerk ist Legion!) und das BSP mit Bau- und Bankentätigkeit zu erwirtschaften. Sie sind gescheitert. Hoffentlich lernen sie daraus.

    Gruß,

    Hardy

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  2. Zur Zeit ist China ja das Land wo Milch und Honig fließt, alles viel viel besser ist als in unserer verkrusteten Demokratie wo man nichts mehr beschließen kann. Eine KP ist da viel viel besser.

    Wie war das noch einmal? 30% vom BIP wird durch die Bauwirtschaft ermittelt? Aber in China ist ja alles anders(so wie 1999 am neuen Markt alle alten Gesetze nicht mehr gegolten haben). Immobilien steigen nicht in aller Ewigkeit um 20-50% im Jahr, selbst dann nicht wenn sie leer stehen(beliebtestes Anlageobjekt in China)?

    Meiner Meinung nach: 2-5 Jahre, dann tut es einen richtig großen Knall. So wie bei der irischen Arroganz, ich hatte auch Bekannte die dort gearbeitet haben. Es war dort auch alles besser, eine "anything goes"-Wirtschaft.

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  3. @Hardy:

    Ich glaube aus der Krise kann man mindestens eine Erkenntnis ziehen; Staatsquoten unterhalb der von Deutschland sind langfristig nicht haltbar ... Auch die irischen nicht.

    @Till:

    Die Gefahr in China ist da. Aber die Chinesen bremsen auch schon. Keine Zweitwohnung mehr auf Kredit, höhere Zinsen, etc. Mit Glück gibt das eine weiche Landung. Der Rückblick in die Geschichte zeigt allerdings, dass weiche Landungen selten sind.

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  4. @Egghat:

    Ich habe gehört, das die Chinesen (nicht die Regierung) um das zu umgehen ein Schattenbankensystem von Geldverleihern aufgebaut haben:
    Man leiht sich dann 50% vom Geldverleiher und geht mit dem Bargeld zur nächsten Bank -> Fertig.

    Bei 20% und mehr Wertsteigerung im Jahr ein gutes Geschäft, auch wenn man beim Verleiher mehr zahlen muß.

    Man sollte da noch einmal recherchieren.

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  5. @Till:

    Das ist natürlich durchaus möglich ...

    Die Ersparnisse sind ja vorhanden. Man kann ja auch seinen Freunden, Bekannten und Familienmitgliedern als "privater" Finanzhai Geld leihen. Solange alle drin glauben, dass es risikolos ist, kann sich eine solche Spirale durchaus weit drehen ...

    Ich habe in die Richtung aber noch nichts gelesen. Wenn du mal was dazu findest, kannst du mir das gerne zukommen lassen.

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