Bankenexposure in Griechenbonds noch immer bei 100 Mrd. €?!?

Noch immer? Mehr als ein Jahr nach dem Beginn der Krise?

OK, geschätzte 50 Milliarden Euro der griechischen Staatsanleihen liegen bei den griechischen Banken. Diese haben damit eine so hohe Abhängigkeit von griechischen Staatsanleihen, dass sie nie eine realistische Chance hatten, ihre Positionen spürbar zu reduzieren. Sie können sich nicht absichern (CDS zu teuer) und sie können nicht verkaufen (Verluste werden dann sichtbar, außerdem ist der Markt illiquide).

Bei einer Restrukturierung der griechischen Staatsschulden muss man daher die griechischen Banken direkt mit restrukturieren. Das war mir aber schon lange klar, dafür gab und gibt es keine Alternative. Und das nicht erst seit dem sich immer deutlicher abzeichnenden Bankrun (Bankrun in Griechenland (geht weiter und zwar schneller) - egghat's not so micro blog).

Die andere Hälfte macht mich dann aber schon stutzig. Die nicht-griechischen Banken halten angeblich immer noch ähnlich viele griechischen Anleihen wie vor einem Jahr. Ein paar Banken werden sicherlich etwas verkauft haben, ein Teil hat aber scheinbar sogar noch zugekauft!

Als Mensch mit einem halbwegs sauber arbeitenden Gehirn fragt man sich natürlich, warum zum Teufel man solch einen Schrott kaufen sollte. Aber das ist am Ende ganz einfach, man muss nur abgebrüht genug sein ...

Reuters zitiert einen Berater einer Bank mit den Worten
"One chief financial officer told me I was a complete idiot not to be buying bonds and that was only back in April"
Grund dieser Aussage: Die Griechenlandanleihen notieren an der Börse (zeitweise) deutlich unter dem Wert, mit dem man sie bei der EZB zur Liquiditätsbeschaffung hinterlegen kann. Ich kann also für 50 Euro z.B. eine zehnjährige Griechenlandanleihe kaufen und mir darüber 70 Euro Bargeld bei der EZB besorgen, wenn ich die Anleihe bei der EZB hinterlege (Zahlen nur als Beispiel, ich hatte das Prinzip im Zusammenhang mit Irland mal beschrieben (DROHT ALLEN IRISCHEN BANKEN DER "MASTBRUCH"?)).

Im Endeffekt beruht die "Lücke" auf der Tatsache, dass für die Menge des Bargelds bei der Hinterlegung das Rating einer Ratingagentur maßgeblich ist. Das Rating hinkt in einer Abwärtsspirale wie im Fall von Griechenland aber immer dem Börsenkurs hinterher.

Eigentlich ist das ganze natürlich ein komplett schwachsinniges Geschäft. Die Banken kaufen sich risikoreichen Schrott, nur um ihn bei der EZB gegen (mehr) Bargeld zu hinterlegen. Damit landet das Risiko am Ende bei der EZB.

Die Banken machen das, weil sie genau wissen, dass ihnen nichts passieren kann, weil sie mit der (ebenfalls nicht abgesicherten) EZB in einem Boot sitzen.
"They know they will get rescued"
Man muss halt nur abgebrüht sein ...

Greece's 100 billion-euro shadow over banks | Reuters
gefunden über FT Alphaville » Complete idiots

Möglicherweise geht das ganze Spiel aber noch viel weiter und betrifft nicht nur die 100 Milliarden Griechenbonds, sondern noch viel mehr Papiere. Zumindest kann man das nach der Lektüre eines Spiegelartikels vermuten.

Die Notenbanken scheinen nämlich nicht nur Griechenbonds zu überhöhten Kursen akzeptiert haben (Wobei sich die Lücke im Fall von Griechenland durch die zeitliche Verzögerung der Ratingherabstufung ergibt, nicht durch eine Falscheinordnung der Notenbank).

Laut Spiegel scheinen manche Zentralbanken Sicherheiten generell ziemlich großzügig zu akzeptieren. Der Spiegel nennt 25 ABS-Papiere der Depfa, die mit einem zu niedrigen Abschlag von der irischen Notenbank akzeptiert wurden. Auf einen Hinweis der Spiegels hin will die Notenbank den Abschlag beim nächsten Geldgeschäft erhöhen, also weniger Bargeld auszahlen.

Da der Spiegel aber weder sagt, wie hoch der Abschlag vorher war (wenn man von 42,5% auf 46% gehen würde, wäre das wenig dramatisch), noch die Summe nennt, die diese Papiere ausmachen, kann man nur weiter wild spekulieren, wieso der Spiegel daran die Geschichte aufhängt.

Denn die Tatsache, dass die Banken Unmengen von zweifelhaften Papieren bei der EZB (bzw. den nationalen Notenbanken) ablagern, ist schon alt und ich meckere darüber schon lange.

Es begann hiermit im März 2010 (Griechenbonds werden auch als Sicherheit akzeptiert, wenn Rating unter A- sinkt):

EZB SCHONT GRIECHENLAND ...

und endete (vorerst) hiermit (EZB akzeptiert eigentlich jeden Mist, wenn auch mit Abschlägen)

SORGT EUCH NICHT! WIR HABEN VOLL STRENGE RICHTLINIEN!

Um es klar zu machen: Die Risiken in der Bilanz der EZB (und den nationalen Notenbanken) entstehen nicht ausschließlich über die Tatsache, dass die Notenbanken zu niedrige Haircuts berechnet haben, sondern auch (oder sogar überwiegend?) dadurch, dass sie diese (Schrott-)Papiere überhaupt akzeptieren.

Unter Umständen interpretiere ich in den Artikel von Spiegel Online auch zu viel hinein und der Originalartikel im Print-Spiegel ist klarer und gehaltvoller. Zumindest deutet das eine Zusammenfassung in der FTD an, die sich fragt, warum die EZB zu den Vorwürfen nicht Stellung nimmt. Das frage ich mich allerdings auch ...

Schuldenkrise: Der "Spiegel"-Bericht, die EZB und ihr Schweigen | FTD.de

Übrigens geht es bei den Wertpapieren zu geldpolitischen Zwecken um insgesamt 444 Mrd. Euro. Dazu könnten auch noch die 471 Mrd. Euro Wertpapiere kommen, zumindest die unter Punkt 7.1 genannten 137 Mrd. könnten unter die oben genannten Hinterlegungsregeln fallen (kann ich aber auch nicht genau sagen).

Bundesbank: KONSOLIDIERTER AUSWEIS DES EUROSYSTEMS ZUM 6. MAI 2011

Eine solch hohe Summe gibt wilden Spekulationen natürlich eine gute Grundlage ... Eine Stellungnahme der EZB wäre daher angebracht.

Update (23:11):

Es gibt übrigens neue Zahlen von Fitch, was das Exposure der deutschen Banken gegenüber dem griechischen Staat angeht. Danach sollen es nur 9,5 Milliarden Euro sein:

Wieviel Griechenrisiko halten die deutschen Banken denn nun? - egghat's not so micro blog

Kommentare :

  1. "Damit landet das Risiko am Ende bei der EZB."

    Warum haftet die EZB am Ende für das Risiko? Und womit?

    Wenn die verpfändeten Anleihen weniger Wert sind, hat doch erst einmal die hinterlegende Geschäftsbank ein Problem. Dass die auf dem Risiko nicht sitzenbleibt, ist ein anderes Thema, defacto das Geschäftsmodell der Banken.

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  2. Das meinte ich. Indirekt bzw., am Ende steht die EZB (oder ein Bailout-Fonds) dafür gerade.

    Für den Teil der Anleihen, den die EZB aufgekauft hat, haftet sie natürlich auch direkt.

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  3. Ich verstehe das nicht ganz: KAUFT die EZB diese Papiere oder gibt sie KREDIT mit den Papieren als SICHERHEIT? In ersterem Fall müsste das Risiko tatsächlich auf die EZB übergehen, in zweiterem Fall sollte es bei der Geschäftsbank verbleiben.

    lg - urriegel

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  4. Bei den Geldgeschäften hinterlegen die Banken die Papiere als Sicherheit bei der EZB. Danach hat die EZB eine Sicherheit (was auch die wert ist) und die Bank Bargeld. So lange die Bank liquide ist, ist das kein Problem. Macht die Bank aber die Grätsche, hat die EZB die Sicherheiten.

    Im Fall einer Pleite von Griechenland würden wohl ale griechischen Banken pleite gehen und damit wären die gesamten "Sicherheiten" der griechischen Banken in den Händen der EZB.

    (Daneben gibt es noch die direkten Aufkaufprogramme der EZB, da hat die EZB das Risiko direkt in den Büchern).

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  5. Danke für die Erläuterung!

    lg - urriegel

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  6. Moin moin.

    Der Weber hat sich geäußert. Langsam verstehe ich warum er zurückgetreten ist.

    http://www.handelsblatt.com/politik/international/weber-rechnet-mit-euro-rettern-ab/4220168.html

    Ich teile seine Haltung auch, dass aktives Schulden ankaufen, nicht mit einer unabhängigen Zentralbanktätigkeit zu tun hat und nicht stattfinden darf/sollte.

    Weber zeigt mit dem Finger vor allem auf Deutschland und Frankreich, weil diese ein schlechtes Vorbild waren und (als eine der ersten) gegen die Maastricht-Kriterien verstießen. So ein Fehlverhalten von den Zugpferden macht dann Schule. Eigentlich ist jeder deutsche Politiker der sich nun über PIGS aufregt ein Heuchler. Es waren nicht die PIGS die den "Euro" gefährden, sondern Deutschland und Frankreich die dies nicht nur nicht verhinderten, sondern durch eigene Larifari-Schuldenpolitik auch kein Argument hatten.

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