Chinesen kaufen Gold. Ach was ...

Auch wenn die Sau heute wieder durch's Dorf getrieben wird, ist dass doch eigentlich eher eine alte Nachricht, bzw. eine Bestätigung des großen Trends.

Die Emerging Markets sind die Käufer der Edelmetalle, v.a. von Gold. Und das sowohl in China wie in Indien und da sowohl der Staat (Zentralbanken) wie auch die Privaten.

Und für die macht es auch alles Sinn: Sie vertrauen des westlichen Wirtschaften und deren Währungen nicht, weil sie diese für zu hoch verschuldet halten (siehe die Ratings der chinesischen Ratingagentur Dagong, Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Dagong stuft USA auf A herab). Auf der anderen Seite werden diese mehr als 2 Milliarden Menschen von kräftiger Inflation geplagt (China über 5%, Indien etwa 9%). Welche Wahl haben diese? Die lokale Währung wertet ab, die ausländischen wirken auch nicht besser (sofern man diese überhaupt kaufen kann ...). Was liegt da näher als Gold als Geldersatz zu kaufen?

Daher überrascht es mich nicht, dass gerade die Privaten in China kräftig Gold kaufen. Die chinesische Regierung, die den privaten Besitz von Gold Anfang des Jahrtausends noch verboten hat, ermuntert die Chinesen jetzt geradezu zum Goldkauf. Wie ich damals schrieb, ist das wahrscheinlich die wichtigste und "ignorierteste" Nachricht zum Goldmarkt (siehe Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: 买黄金!).

Auch die Notenbanken scheinen klar auf die Käuferseite gewechselt zu haben. Ich habe das schon länger genau beobachtet, allerdings vor einiger Zeit mal darauf hingewiesen, dass über die chinesische Notenbank als Goldkäufer zwar viel geredet wird, aber der Anteil von Gold an den Devisenreserven kaum steigt. Die Chinesen kauften zwar Gold, um den Anteil an den steigenden Devisenreserven konstant zu halten, aber sie schichteten nicht im großen Stile um (Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Chinas Goldreserven 75%!).

Daran scheint sich nichts geändert zu haben. Im ersten Quartal wurden 129 Tonnen Gold von den Notenbanken gekauft, bereits mehr als im gesamten Jahr 2010. Allein 93 Tonnen wanderten in die Tresore der Zentralbank von Mexiko. Der Anteil von Gold an den Devisenreserven Chinas hingegen liegt weiterhin bei 1,6%. Bisher warten die Goldbugs vergeblich auf die große Nachfrage der chinesischen Notenbank.

Positiv ist aber die (private) Investmentnachfrage aus China. Im ersten Quartal 2011 stieg diese zum ersten Mal über den Wert von Indien. Während die Nachfrage in Indien nur um 8% auf 86 Tonnen Gold wuchs, kauften die Chinesen mit 94 Tonnen satte

128% 

mehr Gold für Investmentzwecke als im Vorjahresquartal. In etwa verdoppelt hat sich übrigens auch die Goldnachfrage (ebenfalls Investmentnachfrage) in Europa, bleibt aber mit 78 Tonnen unter den Werten von Indien und China. China und Indien stellen damit mehr als Hälfte der weltweiten Goldnachfrage für Investmentzwecke.

Wenn man sich die Gesamtnachfrage der Verbraucher inkl. Schmuck anschaut, steigt der Anteil der beiden asiatischen Großnachfrager noch weiter. Fast zwei Drittel landen dann dort. Ein Teil wird als Schmuck allerdings wieder in den Westen exportiert. Die Schmucknachfrage ist übrigens (noch?) wichtiger als die Investmentnachfrage, das Verhältnis liegt bei etwa 60 zu 40.

Und im Report sind noch eine Menge anderer interessanter Details enthalten. Zum Beispiel ist die Nachfrage der ETFs nach Gold deutlich gesunken. Genauer: Die ETFs haben sogar Gold abgegeben und zwar fast 56 Tonnen. Das passt zur Theorie der total überhitzten spekulativen Goldmärkte nicht so ganz (auch wenn die Rolle der Futures in der Statistik mglw. nicht richtig abgebildet wird).

Ebenfalls (auf den ersten Blick) spannend: Das Angebot an Gold ist gesunken. Allerdings verfälscht die Statistik hier etwas: Denn die Verkäufe der Notenbanken wurden bisher immer als Angebot gezählt, weil die westlichen Notenbanken (bisher immer) verkauft haben. Nun haben diese ihre Verkäufe aber nahezu eingestellt und die anderen Notenbanken kaufen deutlich hinzu. Das wird jetzt als "negatives" Angebot behandelt, was ber ziemlicher Quark ist. Rechnet man das heraus, ist das Goldangebot um etwa 3% gestiegen (Minenförderung +7%, Recycling -6%).

Die Kurzversion des aktuellen Quartalsberichts ist einfach: Die Goldnachfrage in Papier nimmt ab, die physikalische nimmt zu. Ein Blick auf die Industrieländer hilft bei der Beurteilung der künftigen Nachfrage kaum weiter, die Musik spielt vor allem in den Entwicklungsländern.

19 May, 2011, Gold outlook positive for 2011 as diverse markets and strong fundamentals drive demand > Media > World Gold Council
Latest Issue: Gold Demand Trends Q1 2011 (PDF!)

Update (15:24):

Ich habe noch ein Detail vergessen: Die Vorwärtsverkäufe der Minen sind quasi auf Null gesunken. Damit ist ein Teilmarkt, der noch vor wenigen Jahren die Preise permanent drückte, jetzt neutral. In der jüngeren Vergangenheit dürften die Eindeckungen bzw. Glattstellungen der Minen den Goldpreis übrigens getrieben haben. Dieser positive Einfluss ist nun weg. Außerdem sagen die Minen damit deutlich, dass sie mit weiter steigenden Preisen rechnen und nicht mehr bereit sind, ihre Produktion der Zukunft zu festen Preisen zu verkaufen. Als Antizykliker wäre mir etwas mehr Pessimismus lieber ...

Kommentare :

  1. Ich weiß nicht, wie das in China so läuft, aber sollte unsere Regierung den Rat zum Goldkauf geben, würde ich sofort meinen gesamten Bestand verkaufen.

    Evt. genießt da die chinesische Regierung mehr vertrauen.

    Gruss

    Böse Tussi

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  2. Unsere Regierung wird nie zum Goldkauf raten ...

    Die chinesische Regierung aber vielleicht schon. Sie tauscht immer (aus Sicht der gesamten Volkswirtschaft) die US-Dollars (von denen sie eh viel zu viel hat) in Gold. Und wenn das die Bevölkerung macht, ist das viel schöner, weil unauffälliger als wenn die Notenbank das machen würde, denn da steht es für jeden sichtbar in der Bilanz.

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  3. Ein bisschen etwas aus der Kulturkiste (So wurde es mir zumindestens von chinesischen Bekannten & Co. erzählt): In chinesischen Kulturkreisen (z.B. PRC, TW, HK, SG, MY, und sonst über wo Chinesen rumhängen) ist es üblich, dass die Eltern des Bräutigams der Braut ganz ganz ganz viel GOLDschmuck schenken. Da werden selbst "arme" Chinesen einen verhältnismäßig großen Batzen Geld auf den Tisch legen um das Zeug der Braut zu kaufen. Das war schon immer so. Seit Jahrtausenden. Der Grund ist simpel: Wenn der Bräutigam drauf geht, dann steht die Braut mit Kind und Kegel ohne Einkommen da. Für Übergangszeit (bis Sie einen neuen Mann oder schlechtbezahlten Job gefunden) kann Sie dann ihr Gold in Geld umtauschen. Man sollte vielleicht eines erwähnen: Gibt es in PRC, TW, HK, SG, MY, etc. ein "Rentensystem", wo "Witwenrenten" rauskommen? (Die Spanne reicht von "ein bisschen" bis "garnicht") Sie werden in chinesischen Kulturkreisen generell Probleme kriegen, wenn sie bspw. "Lebensversicherungen" verkaufen wollen (Das genauso schwierig wie einen Saudi einen Kredit unterzujubeln).

    Und stelle sich mal den Führungsstab der Volksrepublikanischen Notenbank vor. Alle Vögel die dort sitzen haben für die Bräute ihrer Söhne ein Vermögen für GOLDschmuck ausgegeben. Und Frauchen daheim wäre auch sehr verstört gewesen, wenn ihr Mann nicht das ganze Gold für die neue Schwiegertochter beschafft/bezahlt hätte (Und chinesische Familien sind weit definiert. So ein Vorfall hätte unweigerlich zu einen großen Familieeklat geführt). Und nachdem dem sich der Beamte am Schreibtisch in der chinischen Notenbank so Gedanken darüber machte, wird ihm klar dass er ja garnichts falsch machen kann, wenn der Volksvermögen in GOLD anlegt.

    Es hat also weniger damit zu tun, weil Chinesen den Dollar hassen könnten oder diesen misstrauen, sondern vielmehr damit, dass sie schon immer besonders scharf auf GOLD waren.

    Die Chinesen haben schon viele Königreiche kommen und gehen gesehen. Und am Ende konnte man dann doch immer mit GOLD bezahlen.

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  4. Ich bin mittlerweile auch schon so weit, dass ich mein Geld in Gold anlege. Eine zeitlang habe ich im Devisenhandel ein bisschen ziemlich erfolgreich mitgemischt, aber das wird langsam aber sicher auch ein wenig langweilig. Ich werde mir wohl einen guten Tresor kaufen und damit mein Glück versuchen

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