D: BIP Q01-11 +1,5% (Vq), +5,2% (Vj)

Heute gab es die Bestätigung des Wirtschaftswachstums von 1,5% im ersten Quartal 2011.
Eigentlich ist diese zweite Meldung heute die interessantere, weil sie auch konkrete Zahlen zur Zusammensetzung des Wachstums enthält.

Dass der Anteil des Inlands am Wachstum zunimmt und das deutsche Wirtschaftswachstum nicht mehr ausschließlich am Export hängt, wurde schon in der Vorabmeldung betont. Das ist und bleibt ein Pluspunkt und man sollte das nicht wegdiskutieren.

Weniger schön ist aber die Zusammensetzung. Weissgarnix kommentiert das auch ziemlich hämisch ...

Hurra, ein Konjunkturwunder!

Denn von einem Wirtschaftswunder über wachsenden privaten Konsum kann nicht die Rede sein. Von den 1,0 Prozentpunkten, die das Inland zum Wachstum beitrug, gingen nur 0,2 Prozentpunkte auf die Verbraucher zurück. Weitere 0,2 Prozentpunkt kamen vom staatlichen Konsum, satte 0,9 Prozentpunkte hingegen von den Investitionen. Letztere setzen sich auf 0,3 Prozentpunkten aus Ausrüstungsinvestitionen und 0,6 Prozentpunkten Bauinvestitionen zusammen.

Jetzt könnte der private Wohnungsbau (und damit der Privatsektor) der Wachstumstreiber bei den Bauinvestitionen gewesen sein, was dann doch noch für eine Stärke des Privatsektors sprechen würde. Eine genaue Aufschlüsselung gibt es noch nicht, im Text wird aber darauf hingewiesen, dass der Tiefbau um fast 26% gewachsen ist. Da der Tiefbau überwiegend eine staatliche Angelegenheit ist (Brücken, Straßen, Kanalisation, Tunnel, ...), kommt wohl auch hier eher die Nachfrage vom Staat.

Der Wachstumsbeitrag des Privatsektors in Deutschland bleibt sehr niedrig und es wäre (de Bauausgaben durchgerechnet) nicht überraschend, wenn die Hälfte des Wachstums direkt auf den Staat zurückzuführen wäre.

Weissgarnix erklärt die Schwäche des Privatsektors auch sehr schön (und knapp):

Arbeitnehmerentgelte gegenüber Vorquartal ............ +1,6%
Verfügbares Einkommen der Privathaushalte ........... +0,7%
Private Konsumausgaben ......................................... +0,4%

Statistisches Bundesamt Deutschland - Ausführliche Ergebnisse zur Wirtschaftsleistung im 1. Quartal 2011

Ist der Aufschwung also beim privaten Verbraucher angekommen? Nope. Die Löhne steigen zu wenig. Den größten Teil des Anstiegs frisst die Inflation auf und der mickrige Rest (wenn überhaupt einer bleibt) wird dann noch wegbesteuert (bzw. weggesozialabgabt, ergo Krankenkasse).

Der Kommentar zum zweiten Punkt kam schon vorab von Roland Tichy (Chefsache » Blog Archive » Schöner Kapitalismus - wiwo.de), zum ersten wird wohl noch was von den Keynes-Preisträgern von Heusinger (FR) oder Mark Schieritz (Zeit) folgen ... Seid nicht zu überrascht ;-)

Update (16:36):

Der FTD sind die schwachen Konsumzahlen schlussendlich doch noch aufgefallen, nachdem sie heute morgen noch gejubelt hat ...

Schwacher Einzelhandel: Die Mär vom Konsumwunder | FTD.de

Danke an Hardy für den Hinweis!

Kommentare :

  1. Hallo,

    die FTD rudert zurück:

    http://www.ftd.de/politik/konjunktur/:schwacher-einzelhandel-die-maer-vom-konsumwunder/60056414.html

    Gruß,

    Hardy

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  2. @Hardy:

    Danke für den Hinweis, hab's im Artikel ergänzt.

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  3. pssst:

    Bad Bank der HRE macht im ersten Geschäftsjahr drei Milliarden Euro Verlust
    http://www.dradio.de/nachrichten/201105241800/4

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