Einmal Kurzschneiden bitte. So 50 bis 70% kürzer ...

Das ist die neue Modefrisur des Jahres. Passend zum Sommer. Ziemlich kurz also ...

So sieht es zumindest S&P für die griechischen Staatsschulden. 50 bis 70% Haircut dürften mehr sein als der Markt bisher eingepreist hat. Wenn auch nicht sooo viel mehr. Die zweijährigen Anleihen steigen nur leicht, nach 27 Basispunkten Plus liegt die Rendite heute 25,61%.

Aus Angst vor einer Schuldenrestrukturierung hat Standard & Poors das Rating auch nochmal gesenkt und liegt jetzt bei "B". Wie Reuters anmerkt, ist das nur noch eine Stufe über Pakistan ... Ein Land, das man mit etwas bösen Willen auch als "failed state" bezeichnen könnte ... Naja, die CDS-Preise von weit über 1.300 Punkten signalisieren eh Ratings, die eher bei CCC liegen, also nochmal 3 Stufen niedriger ... Da passt der Ausblick "negativ" schon ...

Reuters: S&P cuts Greek rating on restructuring fears | Reuters

Update (23:10):

Griechenland braucht scheinbar nochmal 27 Mrd. Euro zusätzlich zu den bisher bewilligten 100 Milliarden. Kein Wunder, wenn statt den ursprünglich mal geplanten 8,x und den danach geplanten 9,x, dann tatsächlich 10,x% Haushaltsminus/BIP eingefahren werden ...

"Die von Athen geplante Rückkehr an den Finanzmarkt 2012 wird unwahrscheinlicher."

Wer damit ernsthaft gerechnet hat, muss irgendwas gaaanz Komisches rauchen ... Das Zeug vom Orakel von Delphi ...

FTD: Ratingagenturen bringen Griechenland in die Bredouille

Die Sueddeutsche berichtet übrigens vorab, dass Fitch morgen auch das Rating senken wird ...

Update (10.05.11):

Ich verstehe die 27 Milliarden Euro inzwischen etwas besser, weil es jetzt schon 60 Milliarden sein sollen ;-) Das sind die beiden addierten Haushaltslöcher von 2012 (27 Mrd.) und 2013 (32 Mrd.). Diese sind nicht um 60 Milliarden HÖHER als erwartet, ergo neu. Es handelt sich stattdessen um das gesamte Loch, nur ist Griechenland bisher davon ausgegangen, dass wieder selber am Kapitalmarkt refinanzieren zu können. Bei aktuell 24% Rendite für die zweijährigen Staatsanleihen. Ich lach mich scheckig ...

Euro-Krise: EZB warnt Euro-Staaten vor politischem Selbstmord | FTD.de

Und noch eine Anmerkung an die Politiker und die EZB: Hört endlich auf, dauernd vor Spekulationen über Griechenland zu warnen! Präsentiert doch mal endlich einen Plan, den auch jemand, der nicht die Dämpfe in Delphi eingeatmet hat, plausibel findet. Dass Euch niemand glaubt, spiegelt nichts besser wider als Renditen von 25% und die anhaltenden Spekulationen. Wie wäre es mal mit weniger Geheimniskrämerei und mehr offener Diskussion? Stattdessen: "Die geplante Rückkehr an den Finanzmarkt 2012 wird zunehmend unwahrscheinlicher". Ja von 0,2% Wahrscheinlichkeit auf  jetzt 0,1% ...

Und wenn ihr noch ein paar Fakten braucht: Schaut mal hier:

Querschüsse: FAKTEN ZUR GRIECHENLAND-DEBATTE

Haushaltsdefizit Griechenlands im ersten Quartal so hoch wie nie zuvor. Trotz aller Sparmaßnahmen
Handelsbilanzdefizit Griechenlands im ersten Quartal verbessert, aber noch immer tief im Minus.

Worauf ich auch schonmal hingewiesen habe: Die Importe von Griechenland waren vor der Krise in den schlechten Monaten etwa viermal so hoch wie die Exporte. Jetzt sind sie noch etwa dreimal so hoch. Es ist völlig ausgeschlossen, ein derart großes Loch durch mehr Exporte über bessere "Strukturpolitik" oder Ähnliches zu schließen. OK, nicht per se ausgeschlossen, über ein paar Jahrzehnte ist sowas vielleicht drin ... In der Vergangenheit wurden solche Lücken aber fast ausschließlich über eine schwache Währung geschlossen. Und diese Möglichkeit hat Griechenland halt nicht ...

Wer mal sehen will, wie man erfolgreich aus einer deindustrialisierten Zone eine erfolgreiche Exportnation macht, schaue mal nach Ostdeutschland ;-) Dort kann man sehen, wie man mit Hunderten von Milliarden Euro so gut wie nichts erreichen kann. Und das nach 2 Jahrzehnten ...

Kommentare :

  1. Moment, die zusätzlichen 27 Mrd brauchen sie aber nicht, weil das Minus von 8,x auf 10,x stieg. So groß ist das griechische BIP nicht. Bei 230 Mrd BIP machen 2% Mehrverschuldung weniger als 5 Mrd aus.

    Wenn das BIP nur stark genug sinkt, so wie in Griechenland, dann bedeutet eine Erhöhung von 8 auf 10% sogar überhaupt keine Zusatzverschuldung.

    8 Mrd Euro Neuverschuldung sind bei 100 Mrd BIP noch 8%, bei 88 Mrd jedoch schon 9%.

    Die 27 Mrd kommen wohl eher daher, weil jemand zu optimistisch kalkuliert hatte. Warum auch nicht? 100+25+25+25+25 Mrd werden leichter bewilligt als 200 auf einem Schlag. Und dass die zusätzlichen Milliarden bewilligt werden, ist klar. Wer will schon Abschreibungen auf die ersten 100 vornehmen?

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  2. wenn ich mein Konto dick in den roten überzogen hab und die Bank berechtigte Sorge hat, dass ich meine Schulden nicht zurückzahlen kann, dann kappt sie mir den Dispo auf NULL. Und nicht etwa nur noch 500 Miese pro Monat von zuvor -1000.

    Dem schlechten Geld kein gutes hinterherwerfen - seit ich Finanzmedien verfolge, wird das dem Privatanleger als einer der wenigen eisernen Grundsätze eingebläut. Warum nicht hier? Warum wird bei Griechenland, die Monat für Monat Geld verbrennen, immer weiter gutes Geld nachgeschossen? Warum ist man glücklich ihnen jetzt nur noch 10% BIP-Defizit von zuvor -15% finanzieren zu müssen und sagt nicht null? Es gibt kein Menschenrecht auf Finanzierung seines überzogenen Konsums durch die Bürger anderer Länder! Hätte Griechenland eine eigene Währung, wäre ihnen schon längst der Kredithahn abgedreht. Wie es es unzählige Staaten vorher auch schon erleben durften und mussten.

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  3. @Anonym:

    Die 27 Mrd. kommen natürlich nicht nur aus dem einen Jahr. Aber wenn man schon das Sparziel für Jahr 1 verpasst, dann verpasst man auch das für Jahr 2 und Jahr 3 und Jahr 4 ...

    Mit dem Hinweis, dass ein schrumpfendes BIP dazu führt, dass die absoluten Schulden (in Geld) nicht unbedingt steigen, hast du zwar im Prinzip recht. Allerdings kann ein BIP gar nicht so schnell sinken, dass ein Anstieg der Schuldenquote von 8 auf 10% nicht auch einen Anstieg der absoluten Schulden nach sich zieht .... Ein Einbruch des BIPs von 5% ist schon ein Desaster ... Um einen Anstieg der Schuldenquote von 8 auf 10% auszugleichen, müsste das BIP um 20%(!) fallen. Und dann hast du zwar deine "die Neuverschuldung in Geld ist nicht gestiegen" Aussage belegt, dummerweise steigt aber die Altverschuldung aufs BIP gerechnet um 25%. GR wäre dann bei ca. 180% des BIPs ...

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  4. @Matsch:

    Mit eigener Währung hätte Griechenland die ganzen letzten 10 Jahre abwerten können (und müssen).

    Dann wären dort halt 5% Inflation gewesen und nicht 2,5%. Und die Importe wäre so teuer geworden, dass die Griechen sich den Megakonsum nie hätten leisten können. Und das nicht nur wegen der höheren Preise, sondern auch wegen der höheren Kreditzinsen (die ja mit der Inflation steigen).

    Wenn sich das jetzt zu optimistisch anhört: Nein, so soll es nicht klingen. Weichwährungsländer sind NIE reich geworden.

    Allerdings muss man inzwischen auch als Euro-Optimist wohl zugeben, dass es eine noch schlechtere Idee ist, über eine strukturelle Weichwährungswirtschaft eine Hartwährung zu stülpen. Ich bleibe bei meiner These, dass der Kern des Euro Deutschland und die D-Mark war. Und die anderen Länder, die sich irgendwann daran gehängt haben (NL, B, A, F, ...) ziemlich lange (= mehrer Jahrzehnte) gebraucht haben, um sich der deutschen Politik anzupassen und sich mit der deutschen Volkswirtschaft zu synchronisieren. Und das waren alles Länder, die ähnliche Wirtschaftsstrukturen hatten wie Deutschland. Wieso irgendwann mal jemand auf die Idee gekommen ist, dass eine Volkswirtschaft, die auf einem ganz anderen, viel niedrigerem Niveau ist, diese Anpassung in knapp 1 Jahrzehnt schaffen könnte, war, ist und und bleibt mir immer schleierhaft.

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  5. Bei Griechenland dachte man, die sind so klein, die kann man locker mit durchziehen (kommen aber noch einige andere hinzu, und mit ES und IT nicht gerade kleine Brocken).

    Völlig richtig und das Kernproblem des Euro-Währungsraumes getroffen. Hätte Griechenland eine eigene Währung gehabt, hätten sie niemals diese gigantischen Defizite anhäufen können. Weil schon weit vorher Inflation und die von den Gläubigern verlangten Kreditzinsen (als Korrektiv um solche Exzesse zu verhindern!) einen solchen Überkonsum verhindert hätten. Eine gemeinsame Währung ist eine Einladung für solche Exzesse, deckt Probleme viel zu lange zu, nicht zuletzt weil die Politik die heilsame Marktwirkung sabotiert ("ist ja für einen guten Zweck, die gemeinsame Währung"). Mit Drachme wäre der Stecker schon viel früher gezogen worden, zum beiderseitigen Wohl

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  6. Wieso irgendwann mal jemand auf die Idee gekommen ist, dass eine Volkswirtschaft, die auf einem ganz anderen, viel niedrigerem Niveau ist, diese Anpassung in knapp 1 Jahrzehnt schaffen könnte, war, ist und und bleibt mir immer schleierhaft.

    Ich glaube mittlerweile, soweit hat man gar nicht gedacht, die Griechen kaufen sich halt schöne Sachen und der Rest wird dann schon.
    Ich denke, dass die Maastricht-Kriterien einfach nutzlos sind, weil sie zu sehr auf Schulden fokussiert sind, statt die gesamte Wirtschaft einzubeziehen. Nicht zu vergessen, dass momentan schon weitere Länder kurz vor der Euro-Einführung stehen.
    Das ist das gleiche Problem wie mit der EU: statt erstmal den momentanen Stand zu stabilisieren, expandiert man munter weiter und hofft auf Besserung.

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  7. Die Maastricht-Kriterien sind doch eh ein Witz, weil es keinen Sanktionsmechanismus gibt. Es wird dann viel gelabert und dann wird doch niemand bestraft. Dass darüber inzwischen auch gar nicht mehr geredet wird, haben wir (u.a.) Merkel zu verdanken, die damals die Strafen für Deutschland abgelehnt hat.

    (Ganz nebenbei hat das im Fall GR auch nichts genützt, denn die EU hat den Griechen ja die gefälschten Statistiken abgekauft. Und in denen sah GR ja gut aus ...)

    Jetzt wurde ein (Hunderte Milliarden Euro schwerer) Rettungsschirm vereinbart und nicht einmal darin gibt es einen *automatischen* Sanktionsmechanismus. Das ist alles ziemlich unfassbar ...

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  8. wegen Maastricht-Kriterien und ausgeglichener Staatshaushalte ...
    passt nur noch am Rande hierher, muss man sich aber auch mal vergegenwärtigen: wir haben in Deutschland gegenwärtig einen Super-Boom, Steuern sprudeln noch und nöcher, an ein Lockern der Steuerschraube oder gar eine längst überfällige Steuerreform (der diabolisch grinsende Schäuble reibt sich genüßlich die Hände angesichts der automatisch immer stärker würgenden kalten Progression) wird nicht im Traum gedacht, und trotzdem schaffen wir nicht einmal jetzt die Maastricht-Kriterien. Eigentlich müssten wir 3% Budgetüberschuss erzielen! Wie soll das werden wenn der nächste Abschwung bevorsteht?! Der kommt ganz sicher. Dann ist Schicht im Schacht.

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  9. "Es ist grotesk, dass deutsche Steuerzahler für Kredite bürgen, die an den griechischen, den irischen und den portugiesischen Staat gehen. Denn diese Pleite-Staaten stimulieren damit nicht ihre Wirtschaft, sondern das Geld verschwindet in den schwarzen Löchern der nationalen Banken, die damit ihre Bilanzen stopfen und das Geld nicht an die Wirtschaft weitergeben. Kredite können das Problem nicht lösen."

    http://www.sueddeutsche.de/geld/griechenland-strategische-panik-1.1094881

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  10. Danke für diesen Artikel! Man liest selten so treffende Beiträge, die auch noch so amüsant geschrieben sind.

    lg - urriegel

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  11. Wenn ich hier "Superboom" lese: falls es einen solchen gibt, beruht er nicht unwesentlich auf den stetig immer weiter steigenden Exportüberschüssen, ein guter Teil gegenüber den anderen Euro-Ländern.

    Wir bringen uns mit unserem Boom also mit Begeisterung in eine immer exponiertere Gläubigerposition. Hinterher können wir "retten" oder ausbuchen.

    Da die "was wäre wenn"-Fragen nichts an der Realität ändern, können wir uns nur noch überlegen, ob uns die Exporterfolge wichtig genug sind, um die logisch folgenden Ausgleichsmaßnahmen aus Steuermitteln zu rechtfertigen. Quasi als nachträgliche Exportförderung.

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  12. Oh man bin wohl auch voll auf die SPON-Ente reingefallen. Habe schon damit gerechnet, daß die Politiker uns diese Woche sagen wie hoch Schuldherabsetzung sein wird.

    Es wird wohl eher so wie Argentinien werden. Die Griechen verleiben sich alles an Refinanzierung ein, was sie vom EU-Fonds und IWF bekommen, aber werden ständig gegen die Kreditbedingungen verstoßen. Und dann macht der IWF bei Fälligkeit genau das was im Kreditvertrag steht: Call! Und du bist tot!

    Die Griechen reiten sich mit ihrer Haushaltspolitik nur noch weiter in die Sch...e. Am Ende kommt es nur darauf an, daß die Griechen ihr Staatsdefizit (was überhaupt nix mit GFC zu tun hatte) in den Griff bekommen. Anstatt dessen beflunkern die Griechen sich selbst immer wieder aufs Neue.

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  13. Hey ich halte im Insolvenzfall eine Recovery von 60% schon für möglich. So eine 30% finde schon etwas zu apokalyptisch.

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  14. @nigecus:

    Nur 40% Haircut? Das bringt den Griechen doch kaum was ...

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  15. @Rob:

    Das "Schöne" an der jetzigen Politik der Exportförderung ist, dass man damit von Deutschland aus Druck machen kann. Damit wird vielleicht einiges möglich, was Deutschland sonst nie durchsetzen könnte ...

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  16. @nigecus:

    Obwohl 40% könnte man schön über eine weiche Restrukturierung hinbekommen (also vor allem über Laufzeitverlängerung), was dann wohl keine Abschreibungen für die Banken auslösen würde ...

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  17. Dieser Artikel wurde übrigens in der 'webschau' dradio wissen erwähnt, zusammen mit weissgarnix und den querschüssen.

    http://wissen.dradio.de/eu-krisenstimmung-in-europa.33.de.html?dram:article_id=10109&sid=&random=8b1062

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  18. @Markus: Danke für den Hinweis!

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