Steckte hinter dem Spiegel-Artikel zum Euro-Austritt System?

Der Artikel über das Geheimtreffen, auf dem angebliche der Euro-Austritt der Griechen diskutiert wurde, hat einige Wellen geschlagen und auch ich hatte den Artikel gebracht. Auch wenn der Artikel ziemlich vage war und deshalb auch einiges an Kritik einstecken musste (Spiegel-Online-Style: Die Informationen sind zwar falsch, aber exklusiv!)

Nun wurde inzwischen zigfach dementiert, dass der Euro-Austritt ein Thema auf der Agenda war und  wahrscheinlich können die Beteiligten den Begriff "Euro-Austritt" nicht einmal buchstabieren ;-) Zumindest würden die Beteiligten das sofort behaupten ...

Gut, wir werden nie erfahren, worüber wirklich gesprochen wurde. Daher ist jetzt meiner Meinung nach folgende Frage spannender: Die Information über ein solch geheimes Treffen sickert normalerweise nicht zufällig an die Öffentlichkeit. Man kann also immer davon ausgehen, dass das jemand gestreut hat. Und dann stellen sich die zwei klassischen Fragen: Wer hat die Information gestreut und warum.

Die Überlegungen des griechischen Ökonomen Yanis Varoufakis zielen genau auf diese Fragen.

Seine These: Die Informationsquelle ist irgendjemand im deutschen Finanzministerium, das schon oft über die Spiegel Informationen lanciert hat. Und der Grund für den Leak: Tempo machen. Scheinbar hat jemand Angst davor, dass die (aus seiner Sicht unvermeidbare und überfällige) Restrukturierung der griechischen Staatsschulden noch weiter herausgezögert und damit immer teurer wird. Also droht man mit etwas noch Schlimmeren: Dem Euro-Austritt.

Hmm, die These ist durchaus interessant. Man könnte allerdings auch auf die Idee kommen, dass die Quelle Griechenland sein könnte, um bessere Konditionen für eine Restrukturierung herauszuholen. Eine andere nicht ganz unplausible Quelle wäre der IWF, wo schon länger einige sitzen, die sich wundern, warum sich die Europäer gegen eine Restrukturierung wehren. In vergleichbaren Fällen wie Griechenland (was Schulden, Handelsbilanz, etc. angeht), würde der IWF immer zur Restrukturierung greifen.

Aber es gibt sicherlich noch jede Menge anderer Spekulationen und die Kommentare stehen für eure offen :-)

On the true agenda behind Der Spiegel’s story that Greece is thinking of exiting the euro « Yanis Varoufakis
gefunden über Twitter / @Marcus Gatzke: Lesetipp, hat einiges: Der ...

Kommentare :

  1. My money's on Greek :D

    a) die werden dort nicht über das schöne Wetter geredet haben. Evtl waren die Austrittsgerüchte sogar der Grund für das Treffen.
    b) Niemand außer Griechenland kann überhaupt damit drohen. Schließlich ist generell unklar, ob das überhaupt möglich ist oder ob man nicht komplett aus der EU raus müsste. Gegen den Willen des Landes geht das ziemlich sicher nicht.
    c) Ich sehe eigentlich überhaupt keine Vorteile für den Euro-Rest. Der Euro würde durch die Decke schießen und eine Rückzahlung der Kredite wäre noch unwahrscheinlicher und in Griechenland würde wahrscheinlich totales Chaos ausbrechen, was wohl auch niemand will.
    d) Bisher hatte ich eher das Gefühl, dass gerade Deutschland nichts von einer Umschuldung wissen will.

    Oder: die geheime Spiegel-Quelle ist der Sinn :D

    AntwortenLöschen
  2. a) Ja, so war es wohl.
    b) Austreten kann nur Griechenland selber. Man könnteaber schon Druck ausüben. 2013 ist Ende mit Rettungspaket 1 und auch dann werden die Griechen kein Geld am Kapitalmarkt bekommen. Zumindest nicht zu Zinsen, die ihnen eine Überlebenmöglichkeit schaffen ...
    c) Der Euro wäre nachher stärker. Mit allen positiven (Konkurrenz für den Dollar als Weltreservewährung, immer ein Punkt, der den USA eine Politik erlaubt, die in Europa zur Pleite von Ländern führt), aber auch denen von dir genannten negativen Auswirkungen.
    d) Es scheint zumindest Leute in D zu geben, die anderer Meinung sind.

    Oder: Der Sinn hat den "Kreisen" im Finanzministerium seine Agenda eingeflüstert ...

    AntwortenLöschen
  3. Einen Sinn hat das Ganze: Es lenkt von Spanien ab.

    Die Spanier fahren gerade die Vertuschen-Taktik, in der Hoffnung das ein schnell anziehendes globales Wirtschaftswachstum (getrieben von der chinesischen Immobilienblase) ihre eigene Immobilienblase wieder aufpumpt.

    Ansonsten schieben sich die spanischen Banken gerade gegenseitig Immobilien zu Mondpreisen hin und her, um einen Markt zu simulieren und nichts abschreiben zu müssen.

    Die Arbeitslosigkeit ist dort noch höher als in Griechenland, der Binnenkonsum kollabiert, da ist jede Ablenkung recht:
    http://www.querschuesse.de/schwache-einzelhandelsumsatze-in-europa/

    Ansonsten: Eigentlich müßte Griechenland jetzt die Hilfskredite "abgeklemmt" bekommen, da die Neuverschuldung wieder stark ansteigt, statt zu sinken. Die Wirtschaft wird halt schneller kaputtgespart, als das die Sparmaßnahmen Geld bringen.

    PS: Auf die USA trifft dies alles nicht zu, wie führende Konservative Blogger berichten. Dort kann man den Staatsetat durch Sparen ausgleichen, während gleichzeitig die Wirtschaft wächst und alles finanziert. Dies erreicht man durch Steuersenkungen!

    http://www.johnmauldin.com/frontlinethoughts/muddle-through-or-crisis/

    Bei solchen Ärzten braucht man sich um den Zustand des Patienten nicht zu wundern.

    AntwortenLöschen
  4. Meine These ist prosaischer: Da der volkswirtschaftliche Sachverstand bei SPON nicht sehr ausgeprägt ist, handelt es sich beim "Gr. raus aus dem Euro" Gerücht schlichtweg um einen journalistischen Fehler.

    Es war so: Ein Durchstecher ruft bei SPON an und benutzt lauter komische Fremdworte wie Haircut oder Debt/GDP Ratio. Der SPON Wirtschaftsfachmann kann leider nicht folgen und erinnert nur die zwei Worte Griechenland und Euro und macht daraus eine saftige Exklusivmeldung.

    Welche Botschaft tatsächlich lanciert werden sollte, werden wir wohl nie erfahren...

    AntwortenLöschen
  5. Hm naja, da bin ich mir nicht so sicher.
    Das Treffen war ja schon mal richtig, kann gut sein, dass die Quelle noch mehr wusste.

    Ich finde ja auch, dass sich die Politik selten dämlich angestellt hat. Dadurch, dass sie das Treffen schließlich zugeben mussten, sind alle Dementis nutzlos geworden. Da hätte es meiner Meinung nach mehr genutzt, gleich alle (oder jedenfalls mehr) Karten auf den Tisch zu legen.

    AntwortenLöschen
  6. @Watson:

    Der Spiegel schreibt zwar oft ziemlich schwaches Zeug, aber generell komplette Unfähigkeit würde ich denen nicht vorwerfen. Vor allem wenn der Input von woanders kommt, wird das wohl nahezu druckfertig angeliefert werden ...

    Und mal ein Hinweis auf einen guten Artikel im Spiegel:
    Was haben wir eigentlich aus der Krise gelernt?

    AntwortenLöschen
  7. @Ariane

    Mit dem zusätzlichen Kapitalbedarf Griechenlands von (angeblich) 27 Milliarden (zusätzlich zu den bereits bewilligten 110 Mrd.), der gestern bekannt wurde, haben wir übrigens einen durchaus plausiblen Grund für das Treffen am Wochenende nachgeliefert bekommen ...

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für Deinen Kommentar.

Sorry. Es sind leider keine anonymen Kommentare mehr möglich. Ich werde von mehr als 50 Spamkommentaren pro Tag geflutet und habe keine Lust, diese von Hand zu scannen, um darin alle drei Tage einen anonymen Kommentar zu finden, der veröffentlicht werden kann. Meldet Euch bitte an. Sorry für die Umstände.

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore