Umstrukturierung griechischen Schulden vom Tisch (haha)

Schon eine verdammt coole Aussage der französischen Finanzministerin Lagarde: Die Restrukturierung der griechischen Schulden sei vom Tisch. Und das nach gefühlter tausendfacher Wiederholung der Ausssage, dass man über eine Restrukturierung der griechischen Schulden nie nachgedacht habe (siehe z.B. Keine Umschuldung, kein Euro-Austritt, kein Geheimtreffen - egghat's not so micro blog). Hat man scheinbar doch ...

Dafür schwebt jetzt eine andere Idee durch die europäischen Sphären: Eine freiwillige Beteiligung der privaten Gläubiger an einer Restrukturierung. Freiwillig? Was bitte soll das denn sein? Man bietet einfach an, die Schulden jetzt zu (z.B.) 70% des Nennwerts zurückzukaufen? Und wer nicht mitmacht, hält die Dinger dann weiter? Auf die Gefahr hin, dass die Griechen dann ein paar Jahre später doch umschulden?

Juncker nennt das übrigens "ein Art Reprofiling" ... Demnächst auf Vox: Jean-Claude Juncker in "Der Reprofiler" ;-)

Ich bin mir sicher, den Politikern fallen noch viele interessante Begriffe für die Umschuldung ein, genau wie neue Definitionen des Begriffs "freiwillig" ... Vielleicht sollte man in diesem Zusammenhang mal in China nachfragen, da macht Ai Weiwei ja in einem "Gästehaus" der Polizei scheinbar eine Art Urlaub ...

Naja, wir nähern uns immer mehr einer Umschuldung, bei der der Begriff Umschuldung auf Teufel komm raus vermieden werden soll. Und ebenso der Default in der Definition der Kreditausfallversicherungen (CDS). Eigentlich geht es nur noch um die technische Ausgestaltung der Geschichte, nicht mehr um das "ob". Auch wenn das natürlich fleissigst dementiert wird.

Im Endeffekt sage ich das ja auch schon die ganze Zeit: Der Ankauf der griechischen Staatsanleihen durch die EZB war vom ersten Tag an die Vorbereitung auf eine weiche Restrukturierung: Man kauft privaten Gläubigern (v.a. Banken) die Papiere zum aktuellen Kurs ab. Bei 3 Jahren Restlaufzeit betragen die Abschläge schon 35%, bei 30 Jahren sogar über 50% . Irgendwann ist das Risiko aus den Büchern der Banken zum größten Teil "rausgekauft", ergo verschwunden. Die restlichen privaten Gläubiger restrukturiert man später genauso "weich" ohne Schuldenschnitt in der Nähe des aktuellen Marktkurses.

Oder man wartet einfach nur lange genug. Denn erstens kauft die EZB Papiere auf, auch wenndas Programm in letzter Zeit kaum ausgebaut wurde. Zweitens steigt der Anteil  an den griechischen Schulden im "europäischen Staatsbesitz" aber auch so schon quasi automatisch durch die Refinanzierung Griechenlands über den EU-Rettungsfonds weiter. 110 Milliarden sind bereits bewillig und die nächste Aufstockung wird vorbereitet. Drittens spielen eventuell auch noch die Target-2 Salden hinein (siehe Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Bundesbank verleiht 338 Milliarden Euro in die Eurozone und Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Bundesbank erklärt die 338 Milliarden Euro). Kurz: Der Anteil der griechischen Staatsverschuldung in den Händen "Europas" steigt immer weiter an, der Anteil in privatem Besitz wird immer geringer.

Die Anleihen, die bei der EZB und Rettungsfonds liegen, kann man dann härter restrukturieren. Also zum Beispiel mit Zinsverzicht und/oder verlängerter Laufzeit. Das bietet man natürlich freiwillig allen Gläubigern an, aber zu so schlechten Konditionen, dass kein privater Gläubiger das Angebot annehmen wird. Letztere wählen dann den Verkauf zum aktuellen Börsenkurs.

Bei den privaten Gläubigern dürfte man über den Marktpreis einen Schuldenschnitt von grob 35% hinbekommen, bei der EZB und im Rettungsfonds von sagen wir mal 50%. Dann sind die Griechen 40% ihrer Schulden los und landen dann grob bei einem Schuldenstand von 90% des BIPs (aktuell ca. 150%). (Alles grob über den Daumen gepeilte Zahlen)

Dazu kommt dann noch ein Verkauf des Tafelsilbers, der vom IWF im ersten Schritt auf etwa 20 Prozentpunkte des BIPs veranschlagt wird (siehe Mal was Positives zu Griechenland ... - egghat's not so micro blog) und schon sind die Griechen auf einem Schuldenniveau, das dem deutschen Wert bzw. dem europäischen Durchschnitt entspricht.

Ein Geschäftsmodell hat Griechenland danach allerdings immer noch nicht ... Ein Geschäftsmodell, das vor allem Import und Export des Landes wieder halbwegs ins Lot bringen muss. Und auch wenn viele Beiträge in meinem Fragethread zur Zukunft Griechenlands kamen (Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Was tun sprach Zeus?), war ein neues Geschäftsmodell für Griechenland erwartungsgemäß nicht dabei. Die Frage bleibt offen und die Antwort kenne ich nicht, meine Leser nicht und die Politiker erst recht nicht ...

Euro-Krise: Juncker spricht von griechischem Schuldenschnitt | FTD.de

Kommentare :

  1. frösche kochen. die platte ist bloß handwarm. da passiert schon nix.

    beste grüße,
    r.sester

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  2. Wenn die Griechen wie auch immer umschulden, dann werden sich die Iren und Portugiesen fragen, wieso sie das nicht auch tun sollten.
    Aber daran denken die entscheidenden Politiker lieber erst, wenns soweit ist.

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  3. Hallo mal wieder,

    zu Irland ein interessanter Beitrag:

    "Die irische Regierung solle alle Assets aus der nationalen irischen Vermögensverwaltung an die lokalen Banken zurückgeben und ihre Schuldscheine aus den Banken abziehen, im Klartext, sie solle ihre Position gegenüber den Banken glattstellen.

    Dann bliebe die Europäische Zentralbank, die 160 Mrd. Euro an diese Adressen ausgeliehen hat, faktisch als Eigentümerin auf den irischen Banken sitzen! Das zentrale Zitat aus dem Beitrag lautet so: “Die EZB würde dann lernen, dass man, wenn man 160 Mrd. Euro an insolvente Banken eines insolventen Staates verleiht, nicht länger Kreditgeber ist, sondern ein Eigentümer”. "

    http://blog.markusgaertner.com/2011/05/17/wenn-die-pigs-den-bettel-hinschmeisen/

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  4. seufz... die EU-Politiker sollten mehr Werbetexter engagieren... ddenen fällt bestimmt ein cooles Wort ein...

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  5. Zu dem Thema zitiere ich Walter Ulbricht:

    "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten."

    Zwei Monate später wurde sie gebaut.

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  6. @Usedomspotter:

    Es wird IMHO klar auf Zeit gespielt. Man verschiebt immer mehr griechischen Staatsanleihen in die Bücher Europas. Dann kann man freiwillig umschulden zu Bedingungen, die die privaten nicht akzeptieren, Europa aber schon. Wenn bis dahin genügend Schulden nach "Europa" gewandert sind, hilft das Griechenland schon ungemein. 40% weniger Schulden ergäbe eine Staatsverschuldung von 90% des BIPs und wäre weniger als in Belgien oder Italien ... Dazu noch ein 50 Milliarden aus Privatisierungen und die Griechen sind bei 80%, sprich bei Deutschland ...

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  7. So einfach ist das nicht - die Commerzbank + Hyporealestate + Landesbanken, die den hochverzinsten "Schrott" schon vor der Krise gekauft hatten, müßten bei einem Verkauf an die EZB die Verluste abschreiben - und neue Staatshilfen bekommen oder pleitegehen.

    Also müssen die Griechenlandhilfen weitergehen, bis alle 10-Jährigen mit Hilfe von Rettungspaket XX gerollt und zum Nennwert zurückgezahlt wurden.

    Dann erst kann man dem Steuerzahler die Rechnung präsentieren (am Besten H4 kürzen und die Mehrwertsteuer erhöhen, sowie ein paar Urlaubstage streichen und mit Arbeitsdienst ersetzen).

    Ein Geschäftsmodell haben die Griechen trotz allem noch nicht, solange sie in der harten Währung Euro sind - alle 10 Jahre wird es dann eine neue Umschuldung geben solange sie im Euro sind.

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  8. @Till:

    Ich habe noch keine verlässlichen Zahlen zu der Verteilung der griechischen Staatsanleihen in den Bilanzen der Banken gesehen. Der Stresstest lieferte einen Hinweis, aber da die Zahlen verrechnet werden konnten (Anleihe + CDS als Absicherung ergibt Null), hilft das nicht wirklich.

    Allerdings sind inzwischen mindestens 100 Milliarden der 350 Milliarden Staatschulden bei der EZB und den Rettungstöpfen. Auch sind bei weitem nicht alle griechischen Anleihen im Ausland. Und es sind nicht alle griechischen Anleihen bei den Banken, sondern auch in Fonds oder Versicherungen. Und es sind nicht alle Anleihen so verbucht, dass sie bisher nicht abgeschrieben werden mussten. Was ich sagen will: Die möglichen Abschreibungen werden immer weniger, weil immer mehr der Anleihen von den kritischen (Bank-)Bilanzen in die europäischen Bilanzen umgebucht werden. Allein die Kapitalanforderungen, die nach Basel II (und demnächst III) für die griechischen Staatsanleihen nötig sind, sollten die Banken schon zum Verkaufen bringen ....

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  9. "Dann erst kann man dem Steuerzahler die Rechnung präsentieren (am Besten H4 kürzen und die Mehrwertsteuer erhöhen, sowie ein paar Urlaubstage streichen und mit Arbeitsdienst ersetzen)."

    Die Rechnung wird größtenteils sicher nicht in Form höherer Steuern präsentiert (bei dem riesigen Umfang geht das gar nicht), sondern in Form von Inflation. Inflations- oder Vermögenssteuer könnte man dazu auch sagen.

    Und zu den 50 Milliarden aus Privatisierungen: Glaubt Ihr diesen Schwachsinn ernsthaft?? Umgerechnet auf deutsche Verhältnisse wären das Privatisierungserlöse von mindestens 500 Milliarden!!

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  10. Also ich sehe keine klare Lösung. Egal was man macht, am Schluss zahlen die europäischen Bürger. Wenn die Banken, Versicherungen, Pensionsfonds jetzt sofort die Schulden abschreiben müssen, dann muss der Steuerzahler letztendlich einspringen und wenn die EZB die Schuldentitel aufnimmt, dann erst recht. Alles was dann noch Sinn macht, ist eine Art Marshallplan der sehr langfristig gedacht hilft die griechische Wirtschaft umzubauen und sie fitter für den Weltmarkt zu machen.

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  11. Hinweis: HRE bitte nicht vergessen :)

    Siehe:
    http://www.blicklog.com/2011/05/17/interessiert-das-eigentlich-nicht-mehr-4-weitere-mrd-euro-fr-altlasten-der-hypo-real-estate-zu-lasten-der-steuerzahle

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  12. @matsch:

    Die 50 Mrd. glaube ich schon, ob es wirklich 300 Mrd. sind, wie der IWF errechnet hat, ist aber zweifelhaft ...

    So eine Telekom, Stromversorger, Straßen, Yacht-Häfen, Flughäfen, Containerhäfen, ... sind schon ne Menge wert ...

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  13. Ich finde es ja eigentlich nicht so gut, wenn ein Staat von (wirtschafts-geopolitisch motivierten) Gläubiger dazu drangsaliert wird sein Silberbesteck an "Investoren" zu verticken.
    Aber andererseits hat zumindest haben es aktuellen und alle vorigen Staatsführer den Staat durch ihre miserable Haushaltspolitik dorthin gebracht.
    Im mittelalterliche Sinn müsste dann das Volk (die eigentlichen Besitzer dieser öffentlichen Güter) diese Staatsführer den Kopf abhauen für die Veruntreuung ihres Besitzes (Jedoch sind wir ja zivilisiert genug solche Staatsführer am Leben zu lassen und fette Pensionen zu zahlen).
    Andererseits muss das Volk auch klar sein, dass auch Schuld an ihrer eigene Misere ist, weil Staatsdefizite und ansteigene Verrschuldung letztlich durch zu wenige Steuereinnahmen herrühren. Das Volk hat sozusagen "von seiner Substanz" gelebt (Und da Menschen sterblich sind, nennt man das auch "Generationen(un)gerechtigkeit).

    Eines kann ich aber garantieren. Wenn es zum Verkauf von Tafelsilber kommt, dann wird Griechenland Mekka von Autonomen. Selbst wenn das Zeug 300 Mrd "wert" sein mag, würde ein Investor dafür einen sehr sehr großen Abschlag haben wollen. Das kann quasi auch als eine Kickback in der Finanzierung des Deals verpackt werden, sodass wenigestens oben drauf ein Preisschild (von sagen wir mal 300 Mrd) dranklebt.

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  14. 50 Mrd halte ich nachwievor für unvorstellbar. Dazu müssten, auf deutsche Verhältnisse umgerechnet, Bund, Länder und Kommunen eigentlich ALLES was in deren Besitz ist, verkaufen, 500 Mrd Privatisierungserlös. Dieser gigantische Umfang würde die Preise ruinieren und massivste Proteste der demonstrations- und streikfreudigen griechischen Bevölkerung zur Folge haben, sodass das Privatisierungsprogramm recht bald abgebrochen werden muss. Und alles was werthaltig ist - du sprichst von Flughäfen, Hafenanlagen, Telekom, Straßen, Stromversorger etc. - generiert bis dato auch erhebliche laufende Staatseinnahmen. Die würden alle wegfallen.

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  15. @matsch:

    Ich suche gerade nach ein paar Zahlen zu dem Thema.

    Was die zukünftigen Cashflows angeht, hast du natürlich recht. Der Verkaufserlös heute bedeutet weniger Cashflow in der Zukunft. Aber GR braucht heute Geld ...

    Wieso nimmst du die 50 Mrd. mal 10? Anhand der Bevölkerungsgröße wäre eher Faktor 6 angebracht.

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  16. von der Bevölkerung her würde ich den Faktor 8 ansetzen, bzgl. der Wirtschafts- und Ertragskraft mindestens Faktor 12.
    Kurzfristitig spült es dringend benötigten cash rein. Aber schon im nächsten Fiskaljahr müsste bei den Ausgaben eine zweite, äußerst scharfe Sparrunde gefahren werden wenn das Defizit im Folgejahr nicht gleich wieder hochschnellen soll.

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  17. machst du garnicht mehr die zahl des tages?

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