Was tun sprach Zeus?

OK, Griechenland ist Pleite. Was nun? Euro-Austritt? Schuldenschnitt? Beides? Oder gar nichts?

Meine Meinung zu Griechenland dürfte inzwischen bekannt sein. Ein Schuldenschnitt ist ausgemacht. Länder mit einem Schuldenstand von fast 150% des BIPs (mit weiter steigender Tendenz) können den Turnaround kaum schaffen. Vor allem wenn die Bedingungen so schlecht sind wie in Griechenland. Es gibt kaum wettbewerbsfähige Industrien. Im Winterhalbjahr sind die Importe im Schnitt dreimal so hoch wie die Exporte und selbst im durch den Tourismus stärkeren Sommerhalbjahr gibt es nur ein oder zwei Monate ein Plus.

Griechenland erinnert mich damit frappierend an Ostdeutschland. Dank des gemeinsamen Währungs- und Wirtschaftsraums kann die Wettbewerbsfähigkeit nicht einfach magisch erhöht werden. Eine Investition in West- und Ostdeutschland hat im Endeffekt sehr vergleichbare Rahmenbedingungen und damit Renditen. Es gibt damit wenig Gründe in Ostdeutschland zu investieren. Und das ist IMHO auch das Problem in Griechenland.

Warum zum Teufel soll dort jemand investieren? Es ist schön, wenn ein Marschallplan für Griechenland gefordert wird (Süddeutsche). Oder Hilfe zur Selbsthilfe (DiePresse). Nur was nützt das?

Mal etwas konkreter: In der Süddeutschen werden zum Beispiel die Branchen Logistik, Schiffbau und Solarenergie genannt.

Schiffbau? Ich lach mich scheckig: Die Mayer Werft in Papenburg, eine der technologisch besten der Welt, hat schon Angst vor der Aufholjagd der Chinesen, die (wie in vielen anderen Gebieten auch) schon lange kein Billiganbieter mehr sind.

Logistik? Ich habe selten ein Land gesehen, das weniger geeignet für Logistik ist. Viel zu gebirgig. Welche Produkte sollen da ankommen (wohl aus Asien) und wohin sollen die transportiert werden? In das wirtschaftlich starke Hinterland (Bulgarien, Mazedonien, ...)? Lach! Bei der Infrastruktur, die schon in Griechenland nicht gut ist, aber auf dem Balkan noch viel schlechter wird? Da kann man das Schiff besser nach Italien fahren lassen oder direkt nach Rotterdam.

Solarenergie? OK, es wäre sicherlich sinnvoller die teuer geförderten Zellen in Griechenland auf die Dächer zu setzen als in Deutschland. Das wäre aber "nur" Installation und der Import würde die Handelsbilanz zusätzlich schwächen. Neue Fabriken in einer Branche zu bauen, die bereits von massiven Überkapazitäten und Preisverfall durch den Wettbewerb aus China gekennzeichnet ist, scheint mir ebenfalls wenig sinnvoll zu sein ...

Die Presse hingegen schlägt Hilfe zur Selbsthilfe vor. Es müsse vor allem die Wettbewerbsfähigkeit "nach innen" erhöht werden. Die Vorschläge sind zwar durchaus sinnvoll, aber das bringt für den Export nichts aber auch rein gar nichts.

Was bleibt an Möglichkeiten? Die geografische Lage Griechenlands ist aus wirtschaftlicher Sicht denkbar schlecht. Kaum Absatzmärkte in der Nähe, dafür aber auf dem Balkan und in der Türkei jede Menge Niedriglohnkonkurrenz direkt vor der Türe.

Bin ich zu skeptisch?

Griechenland ist schon lange größter Nettoempfäger von EU Zahlungen. Es waren 6,4 Mrd. Euro in 2008 (Quelle), 5,1 Mrd in 2006 (Quelle) und auch die Jahre zuvor sahen nicht besser aus ... In den 90er Jahren waren die Transferzahlungen der EU (prozentual aufs BIP gesehen) noch höher, teilweise kamen Transferzahlungen in Höhe von 4% des BIPs direkt aus Brüssel (Quelle: IW Köln(PDF!)).

Was hat das bisher genutzt? Scheinbar wenig ...

Aber ich will eigentlich gar nicht so pessimistisch sein. Nur wenn ich Griechenland und Ostdeutschland vergleiche, fallen mir doch einige Parallelen auf. Und wenn ich mir anschaue, wie lange und wie viel Geld in Ostdeutschland investiert wurde und wie wenig das bisher bewirkt hat, frage ich mich ernsthaft, wie die europäischen (oder griechischen) Politiker den Turnaround schaffen wollen. Ein Turnaround, durch den der Export in etwa verdoppelt werden muss. Und gleichzeitig noch etwa zwei Drittel des Haushaltsdefizit weggespart werden muss.

Also mal konstruktiver: Wie ist das Geschäftsmodell für Griechenland? Was sollen die Griechen in Zukunft machen, was der Rest Europas (oder noch besser der Welt) kaufen soll? Wann soll das beginnen zu wirken? Wie viel Geld ist dafür notwendig?

Dieses volkswirtschaftlich theoretische Gerede von "Man darf Griechenland nicht totsparen" ist ja schön. Nur: Was sonst? Ein Riesenprogramm wie in Ostdeutschland? Mit Hunderten von Milliarden, die in den nächsten ein oder zwei Jahrzehnten in die Hand genommen werden müssen?

Ist das politisch durchsetzbar? Vor allem, wenn droht, dass nach Griechenland auch Irland, Portugal und wer weiss ich noch drohen.

Und dabei denke ich nur an die Länder, die bereits drin sind. Was sagen wir Bulgarien, Polen, etc., wenn wir die nicht reinlassen? Pech gehabt, ab jetzt kommen wirklich nur noch Länder in die Eurozone, die ich auch wirklich darein passen? Neben den Maastricht-Kriterien kommt auch noch eine Mindestwirtschaftskraft dazu, z.B. von 2/3 des Eurozonendurchschnitts?

Ich bin ratlos. Was meint ihr? Wo liegt die Chance für Griechenland, wenn das Niveau der Löhne  und Kosten durch den Euro in etwa auf dem Niveau bleibt wie heute? Vorschläge erwünscht!

(Eigentlich sollte der Beitrag schon gestern raus, aber Blogger war down und hat alles gelöscht, was seit Mittwoch online gegangen ist. Unter anderem iesen Beitrag und leider auch ein par Kommentare. Ich hoffe, dass jetzt trotz des ungünstigen Veröffentlichungszeitpunkts noch Feedback kommt ...)

Kommentare :

  1. Der Vergleich mit Griechenland=Ostdeutschland passt leider sehr gut. Mir fällt da auch keine andere Möglichkeit ein, als so viel "interne Abwertung", bis da Exportgüter wettbewerbsfähig hergestellt werden können.

    Von Wirtschaftssteuerung (Subvention einzelner Industrien, z.B. Werften) halte ich nicht viel. Besser finde ich es, den Staat gar nicht zu helfen und Grundeinkommen direkt an die Bevölkerung zu verteilen. Die können dann niedrigere Löhne akzeptieren und der Lebensstandard sinkt nicht ganz so stark. Vor allem stärkt die Hilfe die produktiven Kräfte im Land (die Leute im arbeitsfähigen Alter) und nicht die unproduktive Bürokratie.

    Jedenfalls ist klar was passiert, wenn es einfach so weiter geht. Das gleiche wie in Ostdeutschland. Wer kann wandert aus.

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  2. Hmm wer kann wandert aus? Dann lösen wir also unsere demographieprobleme auf Kosten von Griechenland, Portugal und Irland...

    Aber vielleicht bekommen wir auf dem weg einen echten Europäischen Arbeitsmarkt...

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  3. Griechenland hat .. Land. Sollen sie einzeln ihre kleine Inseln verticken .. irgendwann ist alles auf die bisherigen Geberländer aufgeteilt und gut ist.

    Portugal und Irland sind nicht so der Renner mit ihren Inseln, aber Spanien hat Inseln die schon fast in deutscher Hand sind. Ok, nur eine Insel. Wird dann 17. Bundesland.

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  4. Boy,

    Wir haben doch auch 2 Billionen Schulden. Dann können wir bei der nächsten Krise(irgendwann verzockt sich bestimmt die nächste Lehman) auch einfach unser Land an die Leistungsträger verkaufen zum Tilgen der Schulden.

    Die kriegen dann, je nach Größe der Grundstücke Titel wie "Baron" oder "Herzog", und die zufällig darauf wohnenden Leute werden registriert und dürfen den Wohltätern beim Erhalt ihrer Grundstücke helfen, so 30% ihrer Arbeitszeit im Jahr, ist ja nur angemessen da sie die Frechheit haben auf ihrem Privatbesitz zu wohnen ist das nur angemessen.

    Alles so wie im 16. Jahrhundert.

    Bevor das passiert, kauf ich mir eine Fackel und ne Mistgabel - und ich hoffe viele andere Leute auch.

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  5. "Wer kann wandert aus. "

    Depressives Fazit ... Und die Schuldenrückzahlung macht das auch nicht einfacher ...

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  6. @Boyfrombeach: Die Inseln vertickern senkt zwar die Schulden, aber ein neues Wirtschaftsmodell hat Griechenland dann immer noch nicht ... Das ist ja auch das Problem am Schuldenschnitt: Selbst diese Radikalmaßnahme senkt nur die Zinslast, die restlichen Defizite laufen weiter und irgendwann ist wieder Schicht ...

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  7. Hmm. Ist es nicht fast billiger griechenland zum bürgergeldprojekt in europa zu machen? Unbürokratisch €1000 an jeden bürger direkt aus brüssel geben und 5 jahre zuschauen was passiert bevor mans bewertet. Das kostet 55 milliarden über 5 jahre. Vergleichsweise nix ....

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  8. Ich wundere mich ja immer wieder, dass die EU(wenn wir schon eine gemeinsame Währung haben) nie das Steuersystem zentralisiert & vereinheitlicht hat. Imo wäre das hier z.B. eine Möglichkeit (wenn man schon nicht mehr über die Währung steuern kann) Wettbewerb zu verlagern, in dem man den Griechen den anderen EU Staaten steuerliche Vorteile zugesteht.

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  9. Zeugt der passende Vergleich mit Ostdeutschland nicht auch davon, daß es Probleme gibt, die weit über Griechenland etc. hinausreichen und nicht bewältigt werden (können), obwohl sie es müßten ? Denn die Strategie, über Abwertung einer selbständigen Währung wieder international marktfähig zu werden, muß zuletzt doch auf die Länder zurückschlagen, die ungern Transfers zahlen wollten - weil der neue Billiganbieter, wenn er richtig vorgeht, den Hochpreisländern auf dem Markt lästig werden muß. In Ostdeutschland gibt's nicht mehr Rendite als in Westdeutschland ? Gut so, denn sonst würde es einen Aufschwung Ost geben, der doch einen fühlbaren Dämpfer West mit sich bringen müßte !?
    Haben wir nicht inzwischen auch ökonomisch - nicht nur hie und da 'gefühlte' - Überproduktion ? Alle Märkte sind mit Überfluß an Waren verstopft und wer nicht hypersupererstklassig anbieten kann, bekommt gar keinen Fuß mehr auf den Boden.
    Als die deutsch-deutsche Währungsunion erfolgt war, gab es über Nacht für knapp 17 Mio. Menschen nagelneue Waren. Aber wahrscheinlich hat kaum ein westdeutscher Hersteller oder Lieferant deswegen Wochenendschichten fahren müssen. Die Maschine war so produktiv, daß sie mal eben schnell zehn Prozent mehr ausstoßen konnte, ohne heißzulaufen.
    Vielleicht gibt es gar nichts besseres mehr als gesteigerte Umverteilung ? (advocatus diaboli, ich weiß.)

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  10. "Hmm. Ist es nicht fast billiger griechenland zum bürgergeldprojekt in europa zu machen?"

    Aber das hat man doch bereits in den letzten Jahren gemacht. Nur gab es deutlich mehr als 1000 EUR pro Kopf.

    Ja, was soll Griechenland machen? Ein wenig extensive, arbeitsintensive Landwirtschaft (vielleicht Öko, zumindest die Qualität erhöhen), Tourismus, tatsächlich Logistik (allerdings fahren die meisten griechischen Reederer unter Billigflaggen, das müsste man eben ändern), mal so etwas wie eine Verwaltung etablieren, die nicht aus Kleptokraten und Schummlern besteht (also auch das Steuersystem ausmisten) etc. Hoffen, dass die Auswanderer viel Geld überweisen ... . Am Ende hätte man dann vielleicht ein besseres Sizilien.

    Eine andere Möglichkeit wäre natürlich ein Militärputsch und ein begrenzter Krieg mit der Türkei: Hilft gegen die Jugendarbeitslosigkeit und bringt Aufschwung für die Bauwirtschaft ... .

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  11. An die beiden Anonymen: Zu BGE und den Hilfen:

    Griechenland hat im letzten Jahr, das mir bekannt ist (siehe Artikel), *netto* etwa 6 Mrd. Euro aus Brüssel bekommen. Auf 11,3 Mio. Einwohner sind das 532 Euro pro Einwohner pro Jahr, ergo 44 Euro pro Monat pro Griechen. Also weit weg von 1.000 Euro oder einem Bürgergeld.

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  12. mir klingt hier permanent die naive Vorstellung durch, Griechenland könne man mit geeigneter Unterstützung den ökonomischen Abstand zu den "entwickelten Ländern" verkürzen lassen. Man müsse nur Geld hineinpumpen und natürlich auch Know How und die Peitsche nicht vergessen, aber letztlich gäbe es auch für Griechenland eine ökonomische Perspektive.

    Meine Skepsis bleibt: Griechenland wird Griechenland bleiben. Dort lebt man schon seit Menschengedenken sehr kommod, mit eigenem Gemüse- und Obstgarten, schöner Terrasse für die lauen Abende, lässt es sich gut gehen, genießt das Leben. Der Ehrgeiz, zu Regionen wie in Norditalien, Slowenien, Teilen Spaniens aufschließen zu wollen, ist dort schlicht nicht vorhanden. Warum bildet man sich ein, man müsse Griechenland mit einer Art Marshallplan (rausgeschmissenes Geld!!) heranführen?? Deutschland gibt rund 0,4% BIP für Entwicklungshilfe für weit, weit ärmere Länder als GR (und PT, IR, ES etc.) aus. Warum zum Teufel denkt man, dass 'reiche' Länder wie GR ein Anrecht auf dauerhafte Alimentation hätten? ES BRINGT NICHTS

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  13. Natürlich war das eine schwachsinnige Bemerkung von mir (den Ironie-Tag habe ich vergessen), wobei sich die EU-Beihilfen seit Griechenlands EU-Beitritt zusammen schon auf über 1000 EUR/Kopf belaufen dürften, oder? Eine Gesamtübersicht habe ich allerdings nicht gefunden ... die EU-Webseiten machen es Nicht-Insidern aber auch schwer an Infos zu gelangen bzw. darin nicht zu ertrinken ;-)

    Aber fragen wir doch insgesamt mal anders herum, bezugnehmend auf @matsch: Welche Vorteile hat Griechenland eigentlich davon, sich auf die nächsten Jahrzehnte in EU-Schuldknechtschaft zu begeben? Konkret, wie hoch werden Lebensstandard und soziale Sicherungssysteme sein, wenn die griechische Regierung ihr Programm knallhart durchzieht?

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  14. @matsch:

    'es bringt nichts'

    naja, aber wer soll denn all unsere schönen sachen kaufen, die hier so günstig produziert werden? 'gerecht ist, was arbeit schafft', und so. das bring schon 'was'. finanziert wird die nachträgliche konsumhilfe durch den steuerzahler. das ist doch 1a umverteilung, hier bleiben(!) die löhne unter druck mit dem argument 'exportfähigkeit' und auf der anderen seite verdient sich die industrie blöde, und die zeche zahlt - nochmal und diesmal rückwirkend - der normale steuerzahler. ich finde das konzept für eine gewisse zielgruppe schon ideal. die verblüffung, daß dieser prozess jetzt nicht im interesse der allgemeinheit stattfindet, erstaunt mich. zufälligkeiten sehe ich jedenfall keine.

    im feld 'freie märkte' und auch dem der 'freien meinungsbildung' ist viel ideologie im spiel: was nicht sein darf, kann auch nicht sein! die offensichtlichkeit, das ungleich starke, mitteinander konkurrierende märkte innerhalb einer währung ein strukturelles problem sein könnte, wie will man das schön reden? und warum? weil 'wer' sehr gut daran verdient? für mich ist das bestens organisierte kriminalität, auf sehr hohem niveau. und das man dieses problem in der öffentlichkeit schon mit der europa-frage verknüpft (quasi synonym benutzt und die idee 'europa' auf das monitäre unzulässig verkürzt: alles oder nichts!) zeigt doch nur, wie gut die propaganda dieser partikularinteressen funktioniert. also nicht meckern matsch, und griechenland retten und dem herrn ackermann so seine 25%+ ermöglichen! auf, in die hände gespuckt, auch wenn der weg zur arbeit wegen der schlaglöcher dann etwas länger dauert!

    es gibt einen schönen text von habermas zu dem problem, wo er explizit auf die mangelnde demokratische legitimation verweist, wenn 'sparanordnungen' von 'europa' in die länder getragen werden und deren regierungen diese exekutieren müss(t)en.

    bitte sehr: http://www.blaetter.de/aktuell/dokumente/juergen-habermas-ein-pakt-fuer-oder-gegen-europa

    beste grüße!

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  15. Unter einer gemeinsamen, europäischen Währung kann sich Griechenland nicht entwickeln, so wie sich Ostdeutschland unter der D-Mark nicht entwickeln konnte.

    Die Bürger der damaligen DDR wollten Westprodukte mit Westgeld kaufen, weil die Ostmark keine Kaufkraft hatte und die Ostprodukte, salopp gesagt, schrottig waren. Dass hinter der Kaufkraft ihre eigene Produktivität stand, die sich in eben schrottigen Produkten äußerte, und dass hinter diesen Produkten ihre Arbeitsplätze und ihr Einkommen standen, haben sie wohl übersehen.

    Die Buindesbank hat es damals nicht übersehen, jedoch gab es auf Grund der kulturellen Gemeinsamkeiten, insbesondere der Sprache, eine starke Mobiltität gen Westen, was die Wirtschafts- und Währungsunion letztlich erzwang. Es gab die Befürchtung, der Osten verliere vor allem gut ausgebildete, junge, mobile Arbeitskräfte, es drohte ein Braindrain, der das Entwicklungspotential der DDR-Wirtschaft zu mindern im Stande war. In der Rückschau jedoch erwies sich die gemeinsame Währung mit Westdeutschland als Mühlstein auf den Schultern der ostdeutschen Wirtschaft. Trotz Anschubinvestitionen von hunderten Mrd. Euro ist der Osten bis heute auf jährliche Transferleistungen in Milliardenhöhe angewiesen.

    Griechenland konnte sich jetzt 10 Jahre der Illusion hingeben, dass die Bananen in Brüssel wachsen, dass die eigene Produktivität und Kaufkraft hoch wären und Arbeitsplätze keine Rolle spielen. Es besteht derzeit keine Gefahr, dass nach einer Rückkehr zur Drachme eine Auswanderungswelle das Land erfasst. Ökonomisch sinnvoll wäre, nach außen abzuwerten. Ein Exportsektor wird sich von alleine herausbilden. Das Schöne am Außenahndel ist, dass es irgendwo einen komparativen Vorteil gibt. Der Schlüssel zur Ausnutzung des komparativen Vorteils liegt in flexiblen Wechselkursen. Welcher Politiker möchte sich anmaßen zu behaupten, er könne für 17 Euro-Länder die wechselseitigen Produktivitätsrelationen bestimmen und über die Lohnhöhe entsprechende Preisrelationen festlegen?

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  16. nach außen tüchtig abwerten? aber die verbindlichkeiten lassen wir uns doch weiter in euro zurückzahlen, oder? klingt fair.

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  17. @egghat

    Ja, 1000€ ist illusorisch. Ein paar mehr Euro als 45€ wären aber sich drin. Ich hatte mal 75€ vorgeschlagen.

    Der Kardinalfehler bei den bisherigen Griechenlandhilfen ist doch, dass da gar kein Geld bei den Griechen ankommt. Jeder Euro an die Griechische Regierung landet entweder zum Großteil in der Bürokratie oder (noch schlimmer) bei ausländischen Banken.

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  18. Die Griechen müssen ihre Philosophen wieder ausgraben.

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  19. Die anderen Länder sollen mal schön zahlen. Denn so löst man doch seit jeher alle Probleme.
    Wenn sich dann alle genug in die Tasche gesteckt und sich die Hucke vollgelogen haben explodiert der ganze Mist dann vielleicht mal.
    Seltsam, dass alle Lösungsansätze das System an sich immer erhalten wollen...

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  20. 2 Anmerkungen.

    1) Warum soll GR raus? Der Euro leidet doch vor allem an D. Warum nicht D raus? Weil: Was ändert der Austritt von GR? Dann heisst das Sorgenkind P. Und danach SP. Usw.

    2) Der Vergleich Ostdeutschland und Griechenland ist unpassend. GR hat kein funktionierendes Steuersystem und wird von den eigenen Eliten in den Boden gebohrt. Sieht man ja u.a. daran, dass Rettungsmaßnahmen für GR eigentlich Rettungen nicht nur der europäischen Banken, sondern auch der griechischen Oligarchen sind. In Ostdeutschland wurden die Ostbetriebe verramscht (meist an den direkten Wettbewerber *facepalm* - kann ich gern nen Artikel dazu schreiben) und die Lasten der Einheit den Sozialkassen auferlegt. Das ist nur oberflächlich vergleichbar. Die Griechen sind eine Nation. Die Ostdeutschen wurden von den allierten Westmächten in der Scheixxe sitzen gelassen...

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  21. @MNB:

    Wenn Deutschland aus dem Euro rausgeht, gehen Lux, FIN, NL und A sicher mit raus. Die werden sich die Blöße nicht geben, mit einer Weichwährung rumzuwurschteln. Und ob Frankreich, Belgien, etc. in der dann Weichwährung Euro bleiben, bliebe abzuwarten ...

    Sicherlich gibt es Unterschiede zwischen Deutschland und Griechenland. Aber in Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit sehe ich kaum welche. Und auch in Hinblick auf die Anpassungsmöglichkeiten, sehe ich schwarz.

    Und wenn die Griechen jetzt ihren Staatsbesitz verkaufen, was meinst du, wie man das bezeichnen würde: Verramschen an direkte Wettbewerber?

    It's all just a little bit of history repeating ...

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  22. So rein aus dem Gefühl würde ich MNB Recht geben. OStdeutschland saß viel tiefer in der Patsche als Griechenland jemals war. Zuerst wurde die Ex-DDR in einem atemberaubenden Maße deindustrialisiert. Durch die geringen Entfernungen innerhalb Deutschlands sind innerhalb kürzester Zeit die Arbeitskräfte in den Westen abgehauen, wobei viele aufgrund der Entfernung zu Wochenpendlern wurden. Diesen massiven braindrain, der in der Geschichte wohl einmalig ist wird Griechenland wahrscheinlich nicht über sich ergehen lassen müssen.

    Aber ein entscheidender Unterschied ist wahrscheinlich das Vorhandensein von Vermögen und Besitz im Falle Griechenlands (im Gegensatz zur Ex-DDR). Selbst wenn sich Leute selbstständig machen wollen ist es schwierig, wenn man keine Sicherheiten hat um einen Kredit aufzunehmen.

    Die Lage Ostdeutschlands war also in meinen Augen viel schlimmer. So gesehen haben die eine kleine Erfolgsstory hingelegt. Denn immerhin ist die Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland jetzt niedriger als in Kalifornien, zumindest laut Economist.

    Zu Griechenland: Nachteile können auch Vorteile sein. Bspw. in der Logistik-Branche. Das Fehlen eines wirtschaftlich starken Hinterlandes macht die griechischen Häfen als Ausgangspunkte für Feederschiffe interessant. Für die Fahrt nach Athen wird ein Schiff der Panama-Klasse vollgeladen und dann in Athen auf kleinere Schiffe, die nach Slowenien, Kroatien und in die Türkei gehen, umgeladen. Ebenfalls eine interessante Entwicklung ist, dass die großen Nordseehäfen Riesenprobleme mit dem Hinterlandverkehr haben. Sprich es wird in Zukunft schwierig werden, Container via Rotterdam oder Hamburg nach Bayern oder Österreich zu bringen. Die Össis haben darauf reagiert und begonnen die Containerschifffahrt auf der Donau zu fördern. Da wird in Zukunft viel Containerverkehr via Constanza laufen, der über Feeder von Athen oder einem anderen großen Seehafen im östlichen Mittelmeer versorgt werden kann.

    Wichtiger aber als Logistik wird meines Erachtens die Energieproduktion und -verteilung werden. Solarmodule sind billig? Umso besser. Förderprogramm auflegen und rauf aufs Dach. Mit Italien hat man nen Stromimporteur direkt vor der Haustür. Und sollte in Zukunft Desert Tec zumindest in Ansätzen Realität werden könnten die Griechen ein wichtiger Energieknotenpunkt werden. Hier sehe ich eine ganz große Chance. Sollten die E-Autos wirklich kommen, wird die EU wirklich viel Strom benötigen. Und wo wenn nicht in Griechenland sollte sich die Solarmodule rentieren.

    Die extensive Landwirtschaft und natürlich auch der Tourismus werden auch wichtige Felder bleiben.
    Vielleicht könnte sich in Zukunft noch energieintensive Industrie ansiedeln, sollten die Strompreise in D steigen. Wobei Frankreich auf die lange Sicht das wahrscheinlichere Ziel dann wäre.

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  23. So, bisschen spät, aber von mir auch noch was.
    Die Eu-Transferzahlen find ich ehrlich gesagt nicht so aussagekräftig, das können doch auch einfach Landwirtschaftssubventionen sein? Das wäre ja nicht unbedingt ein Beitrag für die Wettbewerbsfähigkeit.

    Ich denke, das Totsparen ist auch deswegen ein Problem, weil Griechenland ohne funktionierende Binnenkonjunktur noch schlechter dran ist, da die Möglichkeiten nun mal nicht so gewaltig sind.
    Was heute schon läuft, sind v.a. Touristik und Handelsschifffahrt und ich denke, das könnte man versuchen auszubauen.
    Warum keine Bildungsfahrten nach Griechenland finanzieren, da kann man gleich die Kultur und historische Bildung mitfördern. :)
    Bei der Schifffahrt könnte man endlich endlich gegen die Ausflaggung vorgehen und vielleicht könnte man auch von den neuen Verhältnissen in Nordafrika profitieren, bzgl Handelsabkommen o.ä.
    Vielleicht ist dann auch der Schiffbau nicht ganz so illusorisch, ich denke da aber nicht unbedingt an Supertanker, sondern eher an kleinere Handels- und Fährschiffe. Damit halten sich die Chinesen wahrscheinlich auch gar nicht erst auf.^^
    Das ist jetzt natürlich auch nicht so masterplanmäßig, aber irgendwie sehe ich keine wirklichen Alternativen?
    Das Land vor die Hunge gehen zu lassen und zu gucken, wieviel die Griechen wohl mitmachen, bevor sie die Revolution ausrufen find ich jetzt auch nicht so die Super Idee

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  24. Eine Idee zur Frage nach Griechenlands Geschäftsmodell: so könnte aus meiner Sicht ein Turnaround-Projekt gestaltet werden - http://wp.me/pEnjx-bz - Anregungen und Ideen ausdrücklich erwünscht :-)

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  25. "Ein Projektleitungsgremium ohne Finanzfachleute und Experten"

    Das wird ja ein Hammererfolg!

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