What a crash: Silber bis zu 13% im Minus

Die Chicago Mercantile Exchange (CME) hat heute Nacht eine Erhöhung der Marginanforderungen für Silber bekanntgegeben. (Im Detail: Die Marginanforderungen der COMEX steigen von 12.825$ auf 14.513$ bzw. von 9.500$ auf 10.750$ pro Kontrakt). Damit müssen Spekulanten mehr Geld für ihre Silber-Futures hinterlegen. In der Konsequenz sinkt die Menge Silber, die man bei einer vorhandenen Menge Geld kaufen kann.

Einige Spekulanten müssen nun ihre Silberpositionen verringern. Und zwar ziemlich abrupt, wenn sie von der Nachricht auf dem falschen Fuß erwischt wurden.

Silber brach heute Nacht bei Wiedereröffnung der Rohstoffbörsen in Asien von etwa 48 Dollar (Freitagsschluss) je Feinunze auf nahezu 42 Dollar ein.  Danach gab es einen Rebound auf 45, das Minus hat sich also schon wieder in etwa halbiert.

Mich erinnert dieses Vorgehen zumindest im Ansatz an die Maßnahmen, mit der der Corner-Versuch der Brüder Hunt Anfang der 80er-Jahre zum Scheitern gebracht wurde. Das ist eine ziemlich interessante Geschichte, weil nämlich nicht der Corner an sich scheiterte (die Menge Silber, die die Hunts gekauft haben, wäre nämlich wirklich nicht lieferbar gewesen), sondern weil die Börse die Bedingungen so lange änderte, bis die Hunts ihr Spiel nicht weitertreiben konnten. Dabei hatten die Hunts eigentlich nicht Verbotenes getan: Sie haben nur schlicht die Frechheit besessen, sich das Silber, das sie per Option erworben hatten, auch ausliefern zu lassen. Was ja immerhin vertraglich vereinbart war.

Es zeigte sich schnell, dass schon Anfang der 80er Jahre die Volumina, die an den Optionsbörsen umgesetzt wurden, nicht einmal ansatzweise mehr den Mengen entsprachen, die auch geliefert werden können. Anders gesagt: An den Rohstoffbörsen wedelt zumindest in Teilmärkten der Schwanz mit dem Hund. Die "virtuellen" Geschäfte an den Börsen haben nur wenig mit dem physikalischen Märkten dahinter zu tun.

Die COMEX hat zur Bekämpfung der Hunts Anfang der 80er Jahre die Marginanforderungen mehrfach erhöht, am Ende verbot sie sogar einfach den Kauf größerer Mengen Silber. Der Verkauf blieb hingegen möglich. Ein derart asymmetrischer Markt muss geradezu crashen, was er dann auch tat.

Mission accomplished.

Dumm nur, dass damals bereits viele Spekulanten auf diese Blase angesprungen waren. Diese mussten ihre Positionen glatt stellen und brauchten dafür Bargeld. Dafür wurden dann Positionen in vielen anderen Märkten verkauft, was am Ende auch den Aktienmarkt mit nach unten zog.

Daher ist das durchaus etwas, was man ziemlich genau verfolgen sollte. Ich schätze aber, dass wir noch keine gigantische Rohstoffblase gesehen haben. Zumindest keine, die so groß ist, dass man beim Platzen mit massiven Einbrüchen in anderen Märkten rechnen muss. Ich schätze allerdings auch, dass wir eine derartige Blase durchaus bekommen könnten. Wenn ich beim Friseur auf Silber/Gold angesprochen werde, wird's kritisch. Ich sage dann Bescheid ...

Zum Hunt-Silber-Corner:
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Der Corner-Versuch im Silber der Brüder Hunt

Zu heutigen Einbruch:
Silver Futures Plunge Most Since 2008 as CME Increases Margins - Bloomberg.com

Aktueller Preis:
http://www.kitco.com/charts/livesilver.html

Gold hält sich übrigens gut und verliert nur knapp 2%. Was gerade einmal  ein Rückfall auf das Niveau von Freitagmittag ist ...

Update (21:48):

Im Rebound ging bis auf etwa 47 Dollar zurück, danach sackte der Kurs wieder ab, aktuell bei 45,30. Ganz schöne Achterbahnfahrt ...

Update (03.05.11):

Quasi lehrbuchmäßige Einschwingphase .... Jetzt, gut 30 Stunden nach der Bekanntgabe der Marginerhöhung, liegt die Feinunze Silber ziemlich exakt in der Mitte des "ausgependelten" Bereichs zwischen 38 und 32 48 und 42 Dollar:



Kommentare :

  1. Diesmal kommt der Sqeeze auch stark von Privatinvestoren, die verstärkt Münzen etc. kaufen.

    Was hier los ist kann man auf dieser Seite abschätzen (größter US-Münzverkäufer):
    http://www.apmex.com/Category/2/Canadian_Silver_Maple_Leafs_2011__Prior.aspx

    Die meisten Sachen ausverkauft, der Rest 1 Monat Lieferzeit, und 5 Dollar über dem Spotmarkt.

    Das ist eine "Hausfrauenrally", aber solange die offensichtliche Gelddruckerei in den USA weitergeht wird diese Rally laufen. Etliche staatlichen Münzanstalten haben die Prägung schon stark verzögert, mangels Silber.

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  2. @Till:

    Wie gesagt: Wenn mich mein Friseur fragt ...

    Vorher halte ich das nicht für eine Blase. Anders gesagt 1998 habe ich das ganze Internetzeuchs auch für eine Blase gehalten. Problem dabei: Es ging danach nochmal um Faktor 4 oder so nach oben.

    Die Nummer mit der Nichtlieferbarkeit ist übrigens in den letzten zwei, drei Jahren schon öfter so gewesen. Die Münzprägeanstalten hatten halt 2 Jahrzehnte lang kaum was zu tun. An das Silber/Gold kommst du immer noch, musst halt nur Barren nehmen.

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  3. Achtung, im letzten Absatz stimmen die Zahlen nicht ..."Silber ziemlich exakt in der Mitte des "ausgependelten" Bereichs zwischen 38 und 32 Dollar:"...

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  4. http://www.youtube.com/watch?v=2UV-np18uOI&feature=youtu.be unbedingt angucken und danach Wut auf die Regierung banken

    wenn ich den Film sehe, will ich die Banker und Politiker an den galgen sehen !!!!

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    1. Interessanter Film. Aber löst der Ruf nach mehr Kontrolle durch den Staat dieses oder irgendein anderes Problem?

      Die Staaten sind selbst Könige im Schuldenmachen. Wollen Sie den Meisterdieb zum Polizeipräsidenten im Kampf gegen die Taschendiebe einsetzen?

      Die Lösung hiesse Freie Marktwirtschaft. Schlechte Banken dürfen sich mit einem Knall / Konkurs verabschieden. Statt dessen wird jegliche Lösung der Probleme verschoben und die Politiker, die absolut nichts von der Materie verstehen, sie stressen sich selbst unnötig. Es werden die Verlierer sein. Es reicht nicht, GUTES zu wollen, man muss es auch KOENNEN.

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  5. Frage: Ist denn die Situation mit damals vergleichbar in Bezug auf die Handelsplätze? Kann auch heute eine einzelne Börse die Regeln so ändern, dass der Markt zusammenbricht oder würden andere Börsen den Markt am Leben halten?

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  6. Gute Frage!

    Ich schätze, dass man mit komplexer Arbitrage die Geschäfte an anderen Börsen weiterfahren könnte.

    Wenn allerdings eine Börse "die Zügel anzieht", dürfte das die Spekulanten stark bremsen. Es droht schließlich, dass die anderen (bald) nachziehen ...

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  7. guter artikel
    http://peterlbrandt.com/8-years-of-global-silver-supply-changed-hands-last-week/

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  8. Danke sethyy, ich habe das mal in meinem Tumbleblog empfohlen ...

    Vielleicht haben wir doch eine Silberblase …

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  9. Irgendwie konnte man diesen Crash in diesem Ausmaß wohl kaum vorhersehen.

    Daher bin ich mir auch sicher, dass es hier einige Großanleger ordentlich erwischt haben dürfte.

    Eventuell wird sich jetzt auch der Ein oder Andere Privatmann auch die Frage stellen ob denn die Anlage in Münzen wirklich so sicher ist, wie man vermeintlich immer glaubt.

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  10. @anonym (Frage: Ist denn die Situation mit damals vergleichbar in Bezug auf die Handelsplätze? Kann auch heute eine einzelne Börse die Regeln so ändern, dass der Markt zusammenbricht oder würden andere Börsen den Markt am Leben halten?)

    Kurze Kurzantwort: Ja.

    Kurzantwort: Wie egghat sagte, kommt es auf die Art der Arbitragegeschäft die (relevante) Marktteilnehmer auf ihren Büchern fahren und auf welchen (Kombinationen von) Handelsplätze diese ausgeführt werden. Im Falle der Silbergeschäfte kann dies schön betrachtet werden. Durch die Modifikation der Marktmikrostruktur wurden die Transaktionsaktionskosten derart gewaltig verändert, dass manche Handelsstrategien komplett durcheinandergewirbelt werden. Bei betroffenden Marktteilnehmern geht dann ein heftiger Ruck durch das Buch (z.B. sind andere Geschäfte nicht mehr richtig abgesichert).

    Aber man kann wirklich keine generelle Aussage treffen, welche Modifikation einer bestimmten/einzelnen Marktmikrostruktur zu welchen Ausmaß eines Crash führt. Die Marktmikrostruktur wird oft als Konstante von Marktteilnehmern angenommen (Ist ja auch eher geschäftspolitischer Natur), aber hat gerade in sehr wettbewerbsintensiven Handelssegmenten enorme Auswirkungen auf die Transaktionskosten, und somit auf die mittel-/langfristige Marktliquiditätsniveaus. Man braucht keine Angst vor illiquiden Märkten haben, sondern nur vor vermeidlich/scheinbar liquiden Märkten (Dort bekommt man keine Liquiditätsprämie).

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  11. @nigecus:

    Danke für die schöne detaillierte Beschreibung.

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  12. Achtung: Im letzten Update stimmen die Zahlen jetzt!!! :D
    Update gefällig?

    Bezüglich gehandelter virtueller Kontrakte verglichen mit dem tatsächlich hinterlegten physischen Material. Über das physisch verfügbare Silber der CME kann man ja nur spekulieren, da wird ja nach Belieben hin- und hergebucht.

    Im Globex Handel werden mittlerweile so gut wie täglich Welt-Jahres-Förderungen beim Silber gehandelt. Das entspricht rd. 700-800 Mio Unzen bzw. 150.000 Kontrakte zu 5.000 Unzen. Am Spitzentag im April waren es 2(!!!) Weltjahresproduktionen!!! Vor kurzem waren Tage mit 50.000-70.000 Kontrakte noch volumsmäßig starke Tage.

    Soviel dazu.

    Gruß

    Hoed

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  13. Ich wollte eigentlich auch nochmal was dazu schreiben ... Das hier ist auch interessant:

    Was that the silver reversal?

    Danach hat in der letzten Aprilwoche der Silber-ETF zum ersten Mal den S&P 500 ETF umsatzmäßig überholt! Der Mini-Markt Silber hat den Riesenmarkt S&P überholt. Wow.

    Die spekulativen Longpositionen sollen ebenfalls Ende April über die gesamte Börse (weiss nicht mehr welche, CME?) auf Allzeithoch gewesen sein.

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  14. Interessante Schlussfolgerung, die Metalle befänden sich in einer Blase. Das Argument kann man immer anbringen. Na ja, wenn es nicht eintrifft, beschliesst man einfach kreative Gesetze, wie oben beschrieben: Der Kauf grösserer Mengen wird verboten (Comex-Erlass in den 80er Jahren), der Verkauf ist hingegen erlaubt. Angebotsvergrösserung und Nachfrageverbot, das senkt die Preise nachhaltig, wenn die Blase nicht von selbst platzt, hilft man eben nach.
    Ich denke, man könnte dasselbst beim Rohöl entscheiden: Der Kauf von Oel wird verboten, der Verkauf ist erlaubt.
    Dann hätten wir bald endlich normale Preise, (1/8) des jetzigen Weltmarktpreises.

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