Der durchschnittliche Steuersatz der 400 reichsten Amerikaner ist ...

... niedrig. Wie unglaublich niedrig, sage ich euch gleich ;-)

Ich hatte ja schon ein paar Mal auf die Anekdote von Warren Buffett hingewiesen, der erzählt, dass er einen niedrigeren durchschnittlichen Steuersatz habe als seine Putzfrau (äh, Raumpflegerin), wahlweise auch Sekretär. Ich wollte das am Anfang kaum glauben, aber das ist wirklich wahr.

Das liegt vor allem an einer Besonderheit in der US-Steuergesetzgebung (die so toll ist, dass wir die in 
Deutschland direkt nachgeahmt haben): Einkünfte aus Kapitaleinkommen werden in den USA niedriger besteuert (15%) als "normale" Arbeitseinkommen (sprich Löhne, bis zu 33%). Die Superreichen haben naturgemäß einen besonders hohen Anteil an Kapitaleinkünften, was den durchschnittlichen Steuersatz entsprechend drückt.

Im Fall der 400 Amerikaner mit dem höchsten Einkommen (also nicht die "reichsten", wie ich in der Überschrift zur Vereinfachung geschrieben habe, aber nach "höchstes Einkommen" sucht kein Mensch) liegt der durchschnittliche Steuersatz bei

18%.

Die Zahl schwankt etwas und je nach Jahr findet man auch 17 oder sogar nur 16%.

Die Zahlen für 2008 kann man hier nachlesen: IRS.gov: The 400 Individual Income Tax Returns Reporting the Highest Adjusted Gross Incomes Each Year, 1992-2008

Auch die Verteilung ist bemerkenswert: 2008 waren immerhin 30 der 400 Spitzenverdiener mit Steuersätzen von weniger als 10 Prozent gesegnet. 101 lagen zwischen 10 und 15% und 112 zwischen 15 und 20%. Beeindruckend! Deutlich mehr als die Hälfte der Topverdiener in den USA zahlen weniger als 20% Steuern.

Und wir reden hier von durchschnittlichen Jahreseinkommen von 271 Millionen Dollar ...

Übrigens waren sowohl die Einkommen vor 20 Jahren niedriger - fast um drei Viertel (ja, die Zahl ist inflationsbereinigt), als auch die Steuersätze höher, wenn auch mit 26% nicht sooo deutlich.
Noch in den 50er Jahren mussten die Reichsten in den USA bei einem Spitzensteuersatz von 91(!!!)% gut die Hälfte ihres Einkommens (51,2%) an den Staat abführen.  Der Trend ist also schon ein seeeeehr langfristiger. Egal ob Demokraten oder Republikaner: Daran ändert sich scheinbar nichts. Auch Obama ist mit einer Abschaffung der "außerordentlichen" Steuergutschriften für Einkommen ab 250.000 Dollar gescheitert. Damit lebt diese Bush-Gedächtnis-Steuergutschrift immer noch. Das Ergebnis: In einem Land, das 1,5 Billionen Dollar Miese im Haushalt einfährt, zahlen die 400 Menschen mit den höchsten Einkommen lächerliche 18,1% Steuern. Unfassbar.

Gefunden habe ich die Zahl in einem Video, das verspricht, die aktuellen Wirtschaftsprobleme der USA in gut zwei Minuten zu erklären. Das sei hiermit empfohlen:

Die US-Wirtschaftsproblematik in 2:15 min. erklärt... - egghat's not so micro blog

Kommentare :

  1. Das ist logisch: Kapital hat die Eigenschaft, dort hin zu wandern, wo es am geringsten besteuert wird. Das kapieren natürlich die Linken hierzulande nicht und schreien nach höheren Steuern.

    Ungerecht ist, dass die Lohn- und Einkommenssteuern extrem hoch sind. Vernünftiger wäre auch hier, diese zu senken und statt dessen die direkten Steuern zu erhöhen.

    Der Nachteil ist, dass die Empfänger niedriger Einkommen unter hohen direkten Steuern leiden würden - was die Sache noch komplizierter macht. Wie man's macht, man macht's falsch. :)

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  2. 15% Einkommenssteuer auf Kapitaleinkünfte sind pervers wenig. Über solche Summen brauchen wir nicht diskutieren. Selbst in der Steueroase Schweiz ist die Abgeltungssteuer für Ausländer höher ... Ein Staat lässt sich bei solchen Steuersätzen nicht finanzieren.

    Mir ist der niedrigere Steuersatz für Kapitaleinkünfte immer schon ein Rätsel gewesen. Ich habe dabei durchaus Verständnis für einige Ausnahmeregelungen, z.B. bessere steuerliche Behandlung der Altersvorsorge (Riester und Rürup). Ich könnte mir auch eine andere Bemessungsgrundlage vorstellen, nämlich eine inflationsbereinigte Rendite, die dann erst versteuert werden muss (wenn ich 3% Zinsen bekomme und 2% Inflation dagegenrechne, muss nur das eine inflationsbereinigte Prozent versteuert werden (dann aber bitte volle Kanne)).

    Mehr direkte Steuern sind IMHO keine Lösung mehr. Noch viel weiter kann man die Verbrauchssteuern nicht erhöhen. Dann kaufen die Leute nämlich auch im Ausland ein. Ich halte das progressive Steuersystem für eine der größten Errungenschaften des 20. Jahrhunderts. Nur haben wir schon lange kein progressives Steuer- und Abgabensystem mehr. Am oberen Ende sinken die effektiven Abgabenquoten nämlich wieder ...

    Ich würde jetzt alle Sondertatbestände abschaffen, wie es Kirchhoff will, aber die Steuersätze weiterhin steigen lassen bis sagen wir mal auf 40% oder 45% bei 250.000 Euro Jahreseinkommen.

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  3. 271 Mio mal 400 Menschen mal 10%punkte höherer Steuersatz macht nur 10 Mrd USD mehr Staatseinahmen. Mal ehrlich, das fällt bei 1.5 Bio USD Nettoneuverschuldung nicht ins Gewicht, oder?

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  4. Unrelated:
    > China reveals huge local government debt
    http://www3.nhk.or.jp/daily/english/28_04.html

    Schon gelesen egghat? Was meinst du dazu?

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  5. Ma@cT:

    Die 400 Bestverdienenden sind nur das Extrem. Der durchschnittliche Steuersatz der 4.000 oder 40.000 dürfte nur unwesentlich höher sein.

    OK ich google ... ... ... dauert etwas ... ... ... Das Top 0.1% (140.000 Steuerzahler) hatten ein Jahreseinkommen vom 6 Million Dollar und haben 1,36 Millionen Steuern bezahlt. Macht einen Steuersatz von 22,7%. Insgesamt sorgen diese 140.000 für 18,5% der gesamten Einkommenssteuereinnahmen, da wäre eine Erhöhung auf ein Niveau, das einem progressiven Steuersystem Ehre bieten würde, durchaus spürbar.

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  6. Kein Wunder, dass sich der Staatshaushalt nicht aufbessert bei solchen Zahlen. Da sollte Obama vielleicht doch noch einen zweiten Versuch unternehmen, um die Steuern einzutreiben.
    Kein Wunder, dass die einen auf der Straße sitzen, weil (bei bis zu 33% Einkommenssteuern) und die anderen sich richtig wohl fühlen in der Überflussgesellschaft.

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  7. Kapitaleinkommen ....

    dazu zählen auch die Zinseinkommen, und hier schlägt der Staat trotz des Geschreis von Rot/Dunkelrot "Steuergeschenk für die Reichen!!" effektiv mit an die 75-100% Steuerlast zu. Gegenwärtig würde ich pi mal Daumen sagen eher 200-300% Steuerlast auf vereinnahmte Zinsen.

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  8. Selbst die einkommensstärksten 140.000 Menschen würden bei einer Erhöhung 10%punkte also knapp 50% ihrer Steuern, nur 83 Mrd USD zusammenbekommen. Oder anders gesprochen, um die ganze Nettoneuverschuldung wegzubekommen, müsste deren Steuerquote von 22% auf über 200% steigen.

    Bytheway: Der Professor aus Heidelberg will auch in Deutschland einen Spitzensteuersatz von 25% einführen, was natürlich viel zu wenig ist.

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