Gerüchte: Deutsche Banken unterstützen franz. Plan für Griechenschulden

Noch nicht bestätigt, aber vielleicht trotzdem ein Anlass, sich das mal genauer anzuschauen.

Die französischen Banken sollen angeboten haben, 50% der alten Griechenlandanleihen in neue umzutauschen. Diese sollen einen Zins in der Höhe der Zinsen des europäischen Rettungsfonds haben (5,7 bis 5,8%) und 30 Jahre laufen. Weitere 20% des Erlöses gehen in einen Fonds, der zur Absicherung der Griechenlandanleihen dienen soll. Dieser soll mit AAA Anleihen (also kommt nichts aus Griechenland infrage) bestückt werden. Es könnten Anleihen eines der Stabilisierungsfonds sein. Die restlichen 30% möchten die Banken lieber gleich behalten.

Die Banken wollen also nur die Hälfte des Geldes wieder in Griechenlandanleihen stecken. Ob das Angebot auch für andere private Gläubiger gelten soll, ist mir unklar.





Angesichts der Kursverluste, die die Papiere im Moment verzeichnen, ist das nicht mehr allzu viel Verzicht. Verniedlichen sollte man den Beitrag aber auch nicht, es laufen immerhin 108 Mrd. Euro bis 2014 aus, die vom Angebot betroffen wären. Allerdings halten die Banken ja nicht mehr den größten Teil der Griechenbonds.

Eigentlich wollte ich gar nichts dazu schreiben, weil mir der Kommentar hier ganz gut gefiel: Bittsteller Staat | Goowell

Allerdings scheinen mir die 20% darin falsch dargestellt zu sein, außerdem kann man den Kritikpunkt "die Zinsen sind so hoch, dass Griechenland keine Chance hat" (dem ich zustimme) durchaus noch ergänzen:

a) Um die Beteiligung fair zu berechnen, darf man nicht von den Nennwerten ausgehen, sondern sollte die Marktpreise nehmen. Die liegen deutlich unter den Nennwerten, bei Anleihen mit der längsten Laufzeit (2014) deutlich über 40%. Schätzen wir mal über die Laufzeiten (2011-2014) einen durchschnittlichen Abschlag von 20%. Dann "schenkt" die EU den Banken erst diese 20%, damit die Banken nachher wieder die Hälfte des Nennwerts investieren.

b) Die gesamte Summe an Griechenbonds, die bei den französischen und deutschen Banken liegt, dürfte kaum mehr als 50 Mrd. ausmachen (siehe Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Wer hält wie viel der Griechenlandschulden?). Davon fällt aber nur ein Teil in die Laufzeiten bis 2014 (insgesamt laufen 108 Mrd. Euro Griechenbonds bis 2014 aus). Wie soll dieser kleine "Verzicht" Griechenland helfen, wenn man die 350 Mrd. Euro Gesamtschulden Griechenlands damit vergleicht? Es sinken weder die Zinsen für Griechenland, noch die Schulden.

c) Worin genau besteht eigentlich der "Verzicht" der Banken? Sie bekommen immerhin Anleihen, die mit 4,x% verzinsen (und eigentlich Schrott sind), zu 100% zurückgezahlt. Davon tauschen sie dann die Hälfte in neue Anleihen, die fast 6% Zinsen, also mehr als bisher abwerfen.

Gut: Die Banken refinanzieren irgendwie Griechenland (und zwar auch langfristig). Und sie verzichten auch irgendwie auf Geld, wenn man die aktuellen Marktpreise heranzieht. Nur macht der Vergleich mit den Marktpreisen keinen Sinn! Denn die Banken haben die Papiere weder zu Marktpreisen in der Bilanz (sonst würden sie ja nicht vor einem Haircut warnen), noch lösen sie sie zu Marktpreisen ab, sondern bekommen völlig unrealistische 100% zurückgezahlt.

Es würde mich wundern, wenn wir bei diesem Vorschlag überhaupt noch über eine zweistellige Milliardensumme reden. Es laufen bis 2014 108 Mrd. aus, davon liegen allerhöchstens ein Drittel (eher weniger) bei den deutschen und französischen Banken, macht grob 35 Milliarden. Diese notieren an den Märkten bei 20% durchschnittlichem Abschlag mit 28 Mrd. Die Banken investieren die Hälfte der 35 Mrd. (also 17,5 Mrd.) neu in Griechenlandanleihen, bekommen dafür vorher aber die 7 Mrd. zum Nennwert wieder aufgefüllt. Wir geben den Banken also 7 Mrd., damit sie 17,5 Mrd. neu investieren. Ergo liegt der Beitrag der Banken gerade einmal bei 10 Mrd. Und das ist ja auch kein geschenktes Geld, die Banken rechnen ja weiterhin mit einer Rückzahlung, wie hoch auch immer diese sein mag.

Das Angebot wäre vielleicht diskutabel, wenn die Banken zum heutigen (Markt-)Kurs tauschen würden. Denn dann hätten wir eine Kombination aus Verzicht und langfristiger Finanzierung, wenn auch nur für einen Bruchteil der Schulden. Aber das wäre dann ja ein Haircut ... Und der ist böse, auch wenn es das einzige ist, was den Griechen helfen könnte ...

Update (21:36):

Den Vorschlag gibt es in voller Länge und unzensiert ;-) bei FT Alphaville:

FT Alphaville » Presenting … the French proposal in full


Update 2 (29.06):

Ein paar Ergänzungen aus dem Vorschlag:

Es wird vom 85,5 Mrd. auslaufender Bonds ausgegangen. Keine Ahnung woher der Unterschied zu den 108 Mrd. kommt, die von anderer Stelle genannt werden.

Davon sollen 25 Mrd. bei der EZB liegen, ergo 60,5 Mrd. bei den Banken (bzw. bei denen, für die der Vorschlag gelten soll, auch wenn mMn nicht klar wird, wer das genau ist).

Für 80% der 60,5 Mrd. könne mit Zustimmung gerechnet werden. Keine Ahnung, woher die französischen Banken das wissen, sie sprechen ja nur für einen kleinen Teil der Summe. Der größte Teil dürfte bei den griechischen Banken liegen und mir sind keine Aussagen bekannt, dass die griechischen Banken schon irgendwas angeboten haben.

Der Zinssatz soll variabel werden. Allerdings (Trommelwirbel) nach oben ... 5,5% Basiszins + Wirtschaftswachstum. So nach dem Motto: Wachsen die Griechen, können sie auch mehr Zinsen bezahlen. Sollte die griechische Wirtschaft schrumpfen,  gibt es (natürlich) keinen Zinsnachlass. Aus Risikogesichtspunkten ist das kompletter Murks. Denn eigentlich steigt ja das Risiko der Rückzahlung, wenn die griechische Wirtschaft sich nicht fängt ...

Alles in allem ist das Angebot ein mittelschwerer Affront ...

Update 3:

Société Générale diskutiert das Papier und kommt auf kaum mehr als 13 Mrd. Beteiligung der Banken und sagt kurz und knapp:
Q3. Does the plan address Greece’s solvency problem?
Not at all.

FT Alphaville » SocGen’s Q&A on the French proposal

Kommentare :

  1. Ich kann keine Zugeständnisse der Banken sehen, im Gegenteil, sie scheinen hier der Politik die Bedingungen zu diktieren: langfristig fast 6% mit Staatsgarantien im Tausch gegen Geld, das den Status von junk bonds hat - wer würde da nicht gerne zuschlagen?
    -derast-

    AntwortenLöschen
  2. Soweit ich das verstanden habe, geht es nicht um einen Verzicht der Banken.

    Die Banken investieren 50% in Griechenlandbonds und 20% in top-geratete Anleihen. Die Entität, die die top-gerateten Anleihen ausgibt (z.B. ESFS) reicht das Geld an Greichenland weiter. Insgesamt kann Griechenland aus dem Deal also 70% Refinanzierung erwarten. Fallen Teile dieser Anleihen aus, geht das so lange auf den ESFS bis 20% erreicht sind, erst danach bluten die Banken.

    Da die Banken einen Teil des Risikos (28 %) auslagern können, sind sie bereit, den Rest für 6%-8% zu leihen. Angesichts des aktuellen Marktzinses ist das Verhalten der Banken rational.

    AntwortenLöschen
  3. @HxG:

    Rational ist es natürlich immer zu versuchen, das bestmögliche herauszuholen. Allerdings ist es für den Staat genauso ;-)

    Ich würde den Kram schneiden und zwar so, dass den Banken ihr Vorschlag nicht mehr sonderlich rational vorkommt ...

    AntwortenLöschen
  4. Die Banken wissen, dass bei einem Ausfall systemisches Risiko droht. Die Banken sagen: Entweder ihr zahlt, oder wir gehen alle unter. Zudem handeln Politiker nicht im Interesse des Staates, sondern im Interesse des Machterhalts.

    Ich persönlich würde schneiden ebenfalls bevorzugen (auch aus ökonomischen Gründen), bin aber, wie Du auch, nicht in der Entscheidung.

    AntwortenLöschen
  5. Hallo,

    ich verstehe das nicht. Alle Welt(sogar die großen Zeitungen) weiß, daß Griechenland pleite und nur eine Umschuldung oder Schuldenerlass möglich sind. Griechenland kann das Geld nie zurückzahlen. Wieso handeln die Politiker nicht ensprechend? Wo sollte man denn da Druck aufbauen?

    viele Grüße

    AntwortenLöschen
  6. Wenn der Vorschlag so, wie er auf alphaville dargestellt ist, durchgeht, kommt es für die Banken noch besser als gedacht. Dann sind nicht nur knapp 30% des Investments garantiert, sondern die Risikoabsicherung steigt durch den Zerobond mit der Laufzeit gegen eine 100% Absicherung. Jetzt muss sich nur noch eine Zeitung finden, die die Subvention als Rettungsbeitrag verkauft...

    AntwortenLöschen
  7. Die Erwartung, die Banken würden etwas für die Kriechen tun, ist infantil. Die machen nur etwas für sich und ausschliesslich für sich.

    Die Politik verhält sich so, wie sie es immer getan hat bei den Kriechen: Gefälschten Zahlen wider besseren Wissens Glauben schenken. Von was soll Kriechenland diese gewaltigen Schulden jemals zurückzahlen? Das gesamte "Sparpaket" entzieht dem privaten Konsum die Kaufkraft, die Wirtschaft (soweit man das noch so nennen will) schrumpft. Ein Insolvenzverwalter würde dort schnell zum Ergebnis kommen, dass eine Sanierung nicht möglich ist und abgewickelt werden muss. Punkt.

    Schade um jeden Euro, der dort noch in dieses Fass ohne Boden reingeworfen wird. Der Staatsbankrott wird kommen, wenn der Haircut ausbleibt.

    AntwortenLöschen
  8. @Usedomspotter:

    Es will kein Politiker die A****karte ziehen und in die Geschichtsbücher als der Verantwortliche für die Pleite eingehen ... Da nimmt man das Restrisiko wohl in Kauf, dass man als Mitverantwortlicher für das Ende der EU in die Geschichtsbücher eingeht ...

    AntwortenLöschen
  9. @HxG:

    Ich war mir bisher nicht sicher, ob die 20% in den Zerobonds den Wert am Ende der Laufzeit darstellen oder am Anfang. Es sieht nach dem Anfang aus (70% sollen investiert werden). Und ja, damit wären am Ende der Laufzeit die 50% in Griechenbonds vollständig abgesichert.

    Cleverer Vorschlag der Banken, weil die damit anbieten, das Problem in die Zukunft zu schieben (langsam Verluste abschreiben, so wie sich die Zerobonds im Wert erhöhen). Und damit liegen sie ja genau auf der Linie der Politiker: Verschieben auf Teufel komm raus ...

    AntwortenLöschen
  10. Super Interview mit Homburg dazu:
    http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,770569,00.html

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für Deinen Kommentar.

Sorry. Es sind leider keine anonymen Kommentare mehr möglich. Ich werde von mehr als 50 Spamkommentaren pro Tag geflutet und habe keine Lust, diese von Hand zu scannen, um darin alle drei Tage einen anonymen Kommentar zu finden, der veröffentlicht werden kann. Meldet Euch bitte an. Sorry für die Umstände.

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore