(Jetzt doch) 7 Jahre Zahlungsaufschub für Griechenland?

Och, jetzt ist aus dem am Wochenende noch dementierten (bzw. als "wir kommentieren grundsätzlich keine internen Diskussionspapiere" ignorierten) Papier scheinbar doch mehr geworden, siehe Modell zur Griechenland Umschuldung fertig? - egghat's not so micro blog.

Laut FAZ ging das "interne Diskussionspapier" jetzt an die europäischen Amtskollegen unseres Finanzministers Schäuble. Damit ist es vielleicht noch ein Diskussionspapier, aber "intern" muss man schon interessant definieren ...

Aber die Bedingungen haben sich nicht geändert und sehen weiterhin so aus wie am Wochenende beschrieben: 7 Jahre Zahlungsaufschub für Griechenland per freiwilligem Umtausch in Anleihen mit längerer Laufzeit. Diese Freiwilligkeit soll den (technischen) Zahlungsausfall verhindern, aber Fitch und Moody's haben schon betont, dass sie sich Freiwilligkeit anders vorstellen als Schäuble. Die neuen Anleihen mit besseren Garantien auszustatten, die alten nicht mehr als Sicherheit bei der EZB zu akzeptieren oder sogar die alten mit schlechteren Bedingungen (quasi Rangherabstufung) auszustatten, um den Umtausch zu erzwingen, geht nach Fitch oder Moody's nicht. Und ich schätze, die Clearingstelle für Kreditausfallversicherungen, die entscheidet, ob die CDS fällig werden oder nicht, wird ähnlich entscheiden.

Nur: Ganz freiwillig wird niemand die Laufzeit um 7 Jahre verlängern, gerade bei einem Schuldner, der auch dann noch hoch (und wahrscheinlich zu hoch) verschuldet sein wird. Da will ich doch mein Geld eher heute als in 7 Jahren haben. Und genau da sehe ich den Knackpunkt: Wer und warum sollte da mitmachen?

Anleihetausch: Schäuble will Zahlungsaufschub für Griechenland - Europas Schuldenkrise - Wirtschaft - FAZ.NET

(Außerdem werden die anderen Probleme nicht gelöst, denn ein reiner Zahlungsaufschub um 7 Jahre wird Griechenland wohl kaum reichen. Das Land hat dicke Defizite an allen Fronten (Haushalt, Handelsbilanz, Leistungsbilanz, ...) und das auch noch in 7 Jahren. Schäuble will eine Beteiligung der privaten Gläubiger von 30 Mrd. Euro (WSJ: Greece Creditors Must Give €30 billion to Bailout). Das hört sich im ersten Moment viel an, sind am Ende aber nur wenig mehr als 8% des BIPs. Bei einer Schuldenlast, die aktuell bei 150% des BIPs liegen dürfte! Ein Tropfen auf den heißen Stein, mehr nicht).

Kommentare :

  1. "Die Ursache für das Sinken des Zinsfußes wird vorzüglich darin gefunden, daß die besonders rentablen Kapitalanlagen großen Maßstabes heute erschöpft sind und nur Unternehmungen von geringer Ergiebigkeit übrig bleiben. …Nur ein allgemeiner europäischer Krieg könnte dieser Entwicklung Halt gebieten durch die ungeheure Kapitalzerstörung, welche er bedeutet."

    (Aus der Zeitschrift des Sparkassenverbandes, 1891)

    "Trotz der heiligen Versprechen der Völker, den Krieg für alle Zeiten zu ächten, trotz der Rufe der Millionen: 'Nie wieder Krieg', entgegen all den Hoffnungen auf eine schönere Zukunft muß ich sagen: Wenn das heutige Geldsystem, die Zinswirtschaft, beibehalten wird, so wage ich es, heute schon zu behaupten, daß es keine 25 Jahre dauern wird, bis wir vor einem neuen, noch furchtbareren Krieg stehen.
    Ich sehe die kommende Entwicklung klar vor mir. Der heutige Stand der Technik läßt die Wirtschaft rasch zu einer Höchstleistung steigern. Die Kapitalbildung wird trotz der großen Kriegsverluste rasch erfolgen und durch Überangebot den Zins drücken. Das Geld wird dann gehamstert werden. Der Wirtschaftsraum wird einschrumpfen, und große Heere von Arbeitslosen werden auf der Straße stehen. An vielen Grenzpfählen wird man dann eine Tafel mit der Aufschrift finden können: 'Arbeitssuchende haben keinen Zutritt ins Land, nur die Faulenzer mit vollgestopftem Geldbeutel sind willkommen.'
    Wie zu alten Zeiten wird man dann nach dem Länderraub trachten und wird dazu wieder Kanonen fabrizieren müssen, man hat dann wenigstens für die Arbeitslosen wieder Arbeit. In den unzufriedenen Massen werden wilde, revolutionäre Strömungen wach werden, und auch die Giftpflanze Übernationalismus wird wieder wuchern. Kein Land wird das andere mehr verstehen, und das Ende kann nur wieder Krieg sein."

    Silvio Gesell, 1918

    Es dauerte tatsächlich "keine 25 Jahre" vom Ende des ersten bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges. Der dritte Weltkrieg wäre in den 1980er Jahren fällig gewesen und wurde nur durch die atomare Abschreckung bis in die Gegenwart verhindert. Durch das Ausbleiben dieser "überfälligen Sachkapitalzerstörung" hat die Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz - sowohl innerhalb der Nationalstaaten als auch zwischen den Staaten - heute ein nie dagewesenes Ausmaß erreicht, sodass genau drei mögliche Szenarien unmittelbar bevorstehen:

    Das Ende mit Schrecken (finaler Atomkrieg)
    Der Schrecken ohne Ende (globale Liquiditätsfalle)
    Die Natürliche Wirtschaftsordnung (echte Soziale Marktwirtschaft)

    Eine "vierte Möglichkeit" gibt es nicht:
    http://www.bundesbank.de/statistik/statistik_zeitreihen.php?graph_diff=relative&graph_begin=1998&graph_end=2011-04&open=ewu&func=row&tr=AV3712&showGraph=1

    Über die erste Möglichkeit gibt es nichts zu sagen, die zweite ist das Lieblingsthema aller Crash-Phantasten und die dritte ist wahrscheinlich. Der Crash-Phantast, der "zur Sicherheit" noch ein paar Goldklötzchen bunkert, weiß nicht, was es bedeutet, wenn in einer globalisierten Zinsgeld-Ökonomie mit über 6.500.000.000 Menschen der Geldkreislauf - und damit die Arbeitsteilung - mitgekoppelt zusammenbricht. Die Heilige Schrift bezeichnet dieses Ereignis als "Armageddon".

    Für die dritte Möglichkeit bedarf es der "Auferstehung der Toten". Als geistig Tote sind alle Existenzen zu bezeichnen, die vor lauter Vorurteilen nicht mehr denken können. Werden Sie lebendig: http://www.deweles.de

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  2. Hallo Egghat,

    hast Du auch folgenden Artikel in der FAZ von gestern gesehen. Deine Meinung würde mich interessieren.

    http://www.faz.net/artikel/C31640/euro-krise-deutsche-banken-bangen-mit-griechenland-30433742.html

    Stimmt es, dass deutsche Banken Ihren Bestand an Griechenlandanleihen in 2010 auf Wunsch von Schäuble konstant gehalten haben und alle anderen derweil fleissig verkauft haben (im Gesamtwert von über 22 Mrd. €!)?

    Wenn ich sowas lese, dann kommt das Stammtisch-Gen in mir hoch. Sind wir Deutschen wirklich so trottelig, dass wir für jeden und alles die Zeche zahlen?

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