Jon Stewart zu Griechenland

OK, die Zahlen sind auch alle so falsch wie in der Bild-Propaganda, für die die Journalisten auch seltsamerweise noch einen Preis für Wirtschaftsjournalismus bekommen haben. Journalismus und Bild in einem Satz ist schon komisch. Preiswürdiger Journalismus in der Bild ist noch komischer. Aber preiswürdiger Wirtschaftsjournalismus ist dann irgendwie nicht mehr komisch. Das ist alles ziemlich unglaublich, weil es eben auch kein Preis für eine positive Ausnahme in der sonst schlechten Bild war, sondern der übliche, tendenziöse Journalismus, für den die Bild so berüchtigt ist. Mehr dazu beim Niggemeier: Und die Eulen wollen wir auch zurück!  Und bei Coffee and TV gibt's auch noch einen ziemlich polemisch (aber leider angebrachten) Rückblick auf andere journalistische Großleistungen eines der beiden Preisträger: Coffee & TV: Jugend hetzt

Mir ist schleierhaft, wie ein angesehener Journalist wie Tichy (WiWo) sowas als Preisträger aussuchen kann ... Weder der Journalist, noch die Artikelserie hat es sich irgendwie verdient ...

Aber zurück zu Jon Stewart. Es ist ganz lustig, auch wenn die Zahlen genauso falsch sind wie in der Bild-Berichterstattung.

Leider ist nur ein Ausschnitt einbindbar:

Die ganze Sendung gibt's hier:

http://www.thedailyshow.com/full-episodes/wed-june-22-2011-mitchell-zuckoff

Leider werden auch in der Daily Show wieder die 52 Jahre Rentenalter bei 80% der alten Bezüge im Schlaraffenland Griechenland genannt. Im Schnitt sind die Zahlen in Griechenland ganz anders und zwar ziemlich genau so wie in Deutschland.

Dazu zwei Grafiken, die ich schon immer verlinken wollte.

Der Balken ist das effektive Renteneintrittsalter, das Dreieck gibt den gesetzlichen Wert an (der oft aber keine Bedeutung hat). Gelb Deutschland, Dunkelgrün Griechenland.

Effektives Rentenalter Griechenland Männer im Zeitraum 2004-2009 nach Berechnungen der OECD:



 Effektives Rentenalter Griechenland Frauen im Zeitraum 2004-2009 nach Berechnungen der OECD




Im Fall von Jon Stewart ist die Fehldarstellung wenigstens nicht ganz so schlimm. Denn die USA haben ja nur wenig Einfluss auf die Rettung Griechenlands. In Deutschland hingegen führen die Kampagnen der Bild zur konkreten Einflussnahme auf die Politik.

Traurig.

Ansonsten lacht doch lieber weiter ...

Nicht jede Party wird ein Knaller ...
Bild-Zeitungsleser wollen in Griechenland einmarschieren

Update (24.06.11):

Übrigens ist die Berichterstattung des Spiegels, der den Euro in dieser Woche offiziell beerdigt hat, auch kaum besser ...



OK, das ist nicht so tendenziös wie in der Bild (Herumwedeln mit Drachmen-Scheinen auf einem Platz in Athen), aber mindestens grob vereinfachend. Was dann dazu führt, dass nur eine Seite ausreichend beleuchtet wird. Olaf Storbeck hat eine schöne Kritik dazu:

Handelsblog: Klippschul-Ökonomie aus Hamburg

Aber das scheint keine Stärke des Journalismus (mehr?) zu sein: Der Versuch, die Medaille von beiden Seite auszuleuchten, unterbleibt fast immer. Man besetzt eine Position und lässt dafür schonmal Fakten unter den Tisch fallen. Die einmal eingenommene Position verteidigt man dann auf Teufel komm raus. Bei optimalem Verlauf prügelt man sich anschließend über Bande mit anderen Medien. Man glaubt scheinbar, das sei Meinungsstärke. Mir wäre aber lieber, die Journalisten würden sich mehr um's Erklären kümmern als ums Recht haben und behalten ....

Update 2 (24.06.11):

Die von der Leyens passen auch, allerdings nicht zum Thema Griechenland, sondern zum Thema "leere Party" ...

WDR 2: Die von der Leyens

Kommentare :

  1. Interessante Grafiken. Was sagt es über einen Staat aus, wenn das effektive Rentenalter höher ist als das gesetzliche Renternalter? Dass man von der Rente nicht leben kann? Oder dass die Menschen dort einfach gerne arbeiten.

    Bemerkenswert auch, dass z.B. in der Türkei und auch in Japan das effektive Rentenalter der Frauen höher ist, als das der Männer.

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  2. Vielleicht macht arbeiten da so viel Spaß ;-)

    Nee, dürfte natürlich ersteres sein: Rente reicht nicht zum Leben.

    Und in der Türkei sitzen die Männer bekanntlich nur in der Teestube und diskutieren während die Frauen arbeiten ;-) Aber vielleicht ist an diesem Klischee mehr dran als man denkt ...

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  3. Vielen Dank, dass mal etwas der Dauer-Hetze gegen "die Griechen" entgegengesetzt wird. Die Grafiken sind hochinteressant.
    Es ginge jetzt eigentlich darum, Wege zu finden, dass diejenigen, die von der Entwicklung der letzten Jahrzehnte profitiert haben, auch zur Kasse gebeten werden und nicht die "die Griechen" oder "die Deutschen". Es soll ja gar nicht Griechenland (oder Irland, oder Portugal ...) gerettet werden, sondern die Kreditspirale soll zum Nutzen der Finanzindustrie noch eine Weile aufrechterhalten werden. Dass sie irgendwann zusammenbrechen muss, weiss eigentlich jeder, aber vorher wollen sich möglichst viele noch möglichst lange daran bereichern.

    derast

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  4. Ich fand den Spiegel Artikel eigentlich ganz gut. Er ist nicht ansatzweise so tendenziös, wie das Titelbild suggeriert.

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  5. "grob vereinfachend" trifft es wahrscheinlich besser.

    Es wird halt die andere Seite nicht wirklich beleuchtet, zum Beispiel die Tatsache, dass die Griechen mit dem Geld, das wir den Griechen geliehen haben, wiederum deutsche Produkte gekauft haben. Wir sind also mindestens zweifach beteiligt: Wir haben den Griechen zu viel Geld mit zu niedrigen Zinsen geliehen, die damit unsere Produkte gekauft haben.

    Damit sind wir halt auch irgendwie Schuld ... Nein, nicht der Durchschnittsdeutsche, der hat nur seinen Job gemacht. Deshalb sollte der auch nicht vorrangig bluten. Sondern die Leute, die direkt daran beteiligt waren: Die Banken (allgemeiner Kapitalanleger), die zu viel Geld verliehen haben und die Industrie, die die Produkte verkauft haben. Zum letzteren: WIRTSCHAFTSBOSSE FORDERN EURO-HILFE

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