Nur *eine* Zahl zur irischen Immobilienblase

Die Analysten von HSBC Trinkaus haben eine schöne Zahl ausgegraben, die das Ausmaß der irischen Immobilienblase verdeutlicht.

In einem Covered Bond Warrant (also einem Pfandbrief) der Anglo Irish Bank, der mit 690 Hypotheken (genauer den Immobilien dahinter) besichert war, mussten allein im Jahrt 2010 270 ausgebucht werden, weil diese nicht mehr bedient wurden, spricht es gab keine Zinszahlungen mehr. Das ist eine Ausfallquote von nahezu unglaublichen


39,1%!

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich dauernd den Anteil der überfälligen Hypotheken in den USA verbloggt habe. Deutlich über 10% ging es in den USA aber nie.

Neben den 39,1% der Hypotheken, die ausgebucht wurden, blieben noch 8% der Hypotheken in der Deckungsmasse, obwohl sie als "überfällig" galten und es kamen noch weitere hinzu, die ebenfalls - wenn auch nur kurz - überfällig waren.

Rechnet man das alles zusammen, sind weit über die Hälfte der Hypotheken, die ursprünglich hinter diesem Pfandbrief lagen, kritisch. Bei einer solchen Performance der Kredite ist es kein Wunder, dass sich die irischen Banken alle zerlegen, besser gesagt zerlegt haben ...

Leider gibt es die dritte Seite nur im PDF und nicht auf der Seite (das PDF ist aber oben verlinkt)
HSBC Trinkaus: Der Markt Heute (08.06.11)

Update (15.06.11):

Das Papier ist natürlich ein Covered Bond, nicht ein Covered Warrant (das wäre in Optionsschein). Zum Glück habe ich die deutsche Entsprechung Pfandbrief dahinter geschrieben, damit war der Fehler leicht ersichtlich. Danke an alex13wetterau für den Hinweis.

Kommentare :

  1. Kennt jemand Details zur Situation?

    Wie kann sowas rechtlich möglich sein?
    Wer zahlt da welche Immobilien nicht mehr?
    Welche Auswirkungen hat das konkret in Irland?

    Aus den USA hat man ja einiges mitbekommen durch Blogs und die Statistikenfetischismus der Amerikaner.

    Danke!

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  2. solche Exzesse kann man sich nur erklären, wenn die Kreditgeber nicht ihr eigenes Geld verleihen und die Kreditnehmer letztlich nicht für ihre Schulden zu haften brauchen, wie z.B. Manager (=Angestellte) mit doppelten Fallschirmen falls irgendwas schief gehen sollte und Kreditnehmer, die einfach nur die Hausschlüssel in den Briefkasten der Bank zu werfen brauchen.
    Keine Exzesse eines aus den Fugen geratenen "Kapitalismus", weil mit Kapitalismus (bzw. Marktwirtschaft) hat das gar nix zu tun.

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  3. @matsch:

    In Irland können die Iren ihren Schlüssel (wenn ich mich richtig erinnere) nicht einfach zurückgeben. Die Rechtslage ist also eher wie in Deutschland. Die sitzen jetzt alle in Immobilien, die nur noch die Hälfte wert sind. Und kommen auch im Gegensatz zu den USA nicht raus. Diese Schlüsselabgebenummer in den USA könnte immerhin dafür sorgen, dass die Krise schneller vorbei geht. Der Schuldner ist ja raus und die Bank hat ein Problem und die wird vom Staat gerettet. In Irland zahlen die Armen jetzt weiter ihre Raten und das ihr Leben lang .... (bin mir aber nicht ganz sicher, ob das in Irland wirklich anders als in den USA ist)

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  4. @anonym:

    Auswirkungen? Viele natürlich, aber die zwei wichtigsten: Der gesamte Bankensektor in Irland ist Pleite und hat sich komplett zerlegt. Der Staat hat die Banken nach und nach alle übernommen und sich dabei dermaßen übernommen, dass die EU ein Rettungspaket schnüren musste.

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  5. "Die Ursache für das Sinken des Zinsfußes wird vorzüglich darin gefunden, daß die besonders rentablen Kapitalanlagen großen Maßstabes heute erschöpft sind und nur Unternehmungen von geringer Ergiebigkeit übrig bleiben. …Nur ein allgemeiner europäischer Krieg könnte dieser Entwicklung Halt gebieten durch die ungeheure Kapitalzerstörung, welche er bedeutet."

    (Aus der Zeitschrift des Sparkassenverbandes, 1891)

    "Trotz der heiligen Versprechen der Völker, den Krieg für alle Zeiten zu ächten, trotz der Rufe der Millionen: 'Nie wieder Krieg', entgegen all den Hoffnungen auf eine schönere Zukunft muß ich sagen: Wenn das heutige Geldsystem, die Zinswirtschaft, beibehalten wird, so wage ich es, heute schon zu behaupten, daß es keine 25 Jahre dauern wird, bis wir vor einem neuen, noch furchtbareren Krieg stehen.
    Ich sehe die kommende Entwicklung klar vor mir. Der heutige Stand der Technik läßt die Wirtschaft rasch zu einer Höchstleistung steigern. Die Kapitalbildung wird trotz der großen Kriegsverluste rasch erfolgen und durch Überangebot den Zins drücken. Das Geld wird dann gehamstert werden. Der Wirtschaftsraum wird einschrumpfen, und große Heere von Arbeitslosen werden auf der Straße stehen. An vielen Grenzpfählen wird man dann eine Tafel mit der Aufschrift finden können: 'Arbeitssuchende haben keinen Zutritt ins Land, nur die Faulenzer mit vollgestopftem Geldbeutel sind willkommen.'
    Wie zu alten Zeiten wird man dann nach dem Länderraub trachten und wird dazu wieder Kanonen fabrizieren müssen, man hat dann wenigstens für die Arbeitslosen wieder Arbeit. In den unzufriedenen Massen werden wilde, revolutionäre Strömungen wach werden, und auch die Giftpflanze Übernationalismus wird wieder wuchern. Kein Land wird das andere mehr verstehen, und das Ende kann nur wieder Krieg sein."

    Silvio Gesell, 1918

    Es dauerte tatsächlich "keine 25 Jahre" vom Ende des ersten bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges. Der dritte Weltkrieg wäre in den 1980er Jahren fällig gewesen und wurde nur durch die atomare Abschreckung bis in die Gegenwart verhindert. Durch das Ausbleiben dieser "überfälligen Sachkapitalzerstörung" hat die Zinsumverteilung - sowohl innerhalb der Nationalstaaten als auch zwischen den Staaten - heute ein nie dagewesenes Ausmaß erreicht, sodass die Weltwirtschaft auf ein Phänomen zusteuert, das der "Jahrhundertökonom" John Maynard Keynes als "Liquiditätsfalle" bezeichnete: der mitgekoppelte - also sich selbst beschleunigende - Zusammenbruch des Geldkreislaufs und damit der - irreversible - Zusammenbruch der gesamten Arbeitsteilung – das Ende jeglicher Kultur.

    Liquiditätsfallen hat es in der Geschichte der halbwegs zivilisierten Menschheit viele gegeben (schon solange der Mensch Zinsgeld, anfangs Edelmetallgeld, benutzt) und alle Kulturen und Weltreiche sind an der Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz zugrunde gegangen. Heute stehen wir vor der absoluten Steigerung dieses Phänomens: die globale Liquiditätsfalle! Die Heilige Schrift bezeichnet dieses Ereignis als "Armageddon".

    Um die größte anzunehmende Katastrophe der Kulturgeschichte rechtzeitig abzuwenden, bedarf es der "Auferstehung der Toten". Als geistig Tote sind alle Existenzen zu bezeichnen, die vor lauter Vorurteilen nicht mehr denken können. Es folgt der eigentliche Beginn der menschlichen Zivilisation. Herzlich Willkommen im 21. Jahrhundert: http://www.deweles.de

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  6. wenn jeder sein Risiko selbst tragen muss, für die Verluste selbst einstehen muss, dann kann ich mir solche kollektiven Exzesse, wo 40% aller Hypotheken notleidend werden, nur in einem Anfall von Massenpsychose vorstellen. Aber selbst im NeuerMarkt- und Dotcom-Wahn mussten die Leute für ihre Verluste selber gerade stehen.

    2002/2003, Dax auf 2000 Punkten herunter, saßen viele auf immensen Verlusten. Kein Mensch schrie danach, der Staat müsse den Dax stützen und Aktien in die eigenen Bücher nehmen. Wäre übrigens ein Bombengeschäft gewesen, man hätte Sachwerte gehabt und keine Papierschnipsel des griechischen Staates in den Tresoren der EZB. Und es wäre der feuchte Traum eines jeden echten SED/PDS/Linken wahr geworden: produktivkapital in Staatshand :-/

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  7. @matsch:

    Auf Seite der Kreditgeber hast du völlig recht (und natürlich auch bei den Hauskäufern, die auch nur mit immer weiter steigenden Preisen gerechnet haben). Nur mit der Schlüsselrückgabe hat das nichts zu, denn selbst wenn man sein Leben lang für die Immobilie (bzw. die Hypothek) haftet, verhindert das die Spekulationsblase scheinbar nicht.

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  8. kollektive Wahnvorstellungen gibt es immer wieder, ob Tulpenzwiebel oder Dotcom.
    Schmerzhafte Verluste, in vielen Fällen auch persönlich sehr dramatisch, aber immer noch tragbar und immer nur individuelle Tragödien.

    Jetzt erleben wir den Fall, dass dadurch reihum gesamte Staatswesen und die Wirtschaft eines Landes an oder in den Abgrund gezockt wurden. Hier muss was anderes gewaltig schief gelaufen sein als einfach nur eine neue Tulpenzwiebelmanie. Meines Erachtens, weil das Wesen der Marktwirtschaft - der Belohnungs- und Bestrafungsmechanismus für richtige bzw. falsche Entscheidungen - schon lange keine Geltung mehr hat. Nicht mehr Staat ist gefordert, sondern mehr Marktwirtschaft.

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  9. OT: USA auf AA heruntergestuft:

    http://www.zerohedge.com/article/german-rating-agency-feri-downgrades-us-government-bonds-aaa-aa

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  10. @Anonym:

    Hatte ich schon früher :-)

    hier

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  11. Alex13wetterau14 Juni, 2011 10:49

    @ Egghat: Du meintest sicher Covered Bond nicht Covered Warrant ;-)
    *Klugscheisser Modus off*

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  12. @Alex:

    Klar. Hab's verbessert. Danke für den Hinweis!

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