Thursday, bloody Thursday ...

Private Gläubiger sollen bei Bankensanierung in Irland doch noch bluten. Allerdings nur ganz am Ende des Prozesses und nur ganz bescheiden.

Die erstrangigen Gläubiger und besicherten Anleihen kommen ja bekanntlich ungeschoren davon (bei ersterem sicher, bei zweiterem wahrscheinlich, die schlechten Assets wurden ja massenhaft in der Bad Bank abgelagert). Übrig bleiben nur noch die nachrangigen und unbesicherten Gläubiger, die sich eigentlich auch von Anfang an des Risikos bewusst gewesen sein sollten. Sollte man zumindest meinen ...

Die unbesicherten und nachrangigen Gläubiger sollen jetzt bei der Zusammenlegung der Anglo Irish Bank und Irish Nationwide doch noch einen Sanierungsbeitrag leisten und auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Das hat gestern der irische Finanzminister Noonan angekündigt. Die EZB (die irgendwie gegen jede Art von Haircut zu sein scheint) hat direkt wieder ein Veto eingelegt.

Zwar wäre das schon ein grundsätzlicher Schwenk bei der irischen Bankensanierung (und daher durchaus bemerkenswert), allerdings ein eher bescheidener. Erstens ist es einer der letzten Schritte bei der Sanierung (Abwicklung) des irischen Bankensektors, der überwiegende Großteil der Gläubiger hat seine Schäfchen bereits ins Trockene gebracht. Zweitens ist die Gesamtsumme der ausstehenden unbesicherten Anleihen beider Firmen von 3,8 Milliarden Euro nicht so wahnsinnig groß (obwohl der Daumenregel-Mal-100-Nehmen-Vergleich mit den USA 380 Milliarden Dollar die Dimension für irische Verhältnisse verdeutlicht). Und drittens wird ein Haircut angestrebt, der in der Höhe des Marktwerts liegt. Und dieser Abschlag ist nicht so wahnsinnig hoch.

Eine der Anleihen hört auf die wunderschöne ISIN XS0283695228 und den Namen ANGLO IRISH BANK CORP. LTD. EO-FLR MED.-TERM NTS 200712. Diese kostete vorgestern vor der Nachricht noch 82 Euro (also 18 Prozent Abschlag). Nach dem Kurseinbruch, den die Nachricht auslöste, sackte der Kurs unter 70 und scheint sich heute wieder auf etwa 75 zu erholen (Chart). Bei den etwas länger laufenden Anleihen der Irish Nationwide ist der Abschlag von knapp 30% auf etwa 40% gestiegen.

Rechnet man das mal alles durch, kommt man kaum auf mehr als 1 bis 1,5 Milliarden Euro, die die privaten Gläubiger beisteuern sollen. Zum Vergleich: Die Bankenrettung durch den irischen Staat hat nach den letzten Schätzungen des IWF 30% des irischen BIPs, also etwa 50 Mrd. Euro gekostet. Die private Beteiligung liegt also bei zwei bis drei Prozent der Gesamtsumme. Die Beteiligung der privaten Gläubiger ist kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.

Ähnlich wie die 30 Mrd. Bankenbeteiligung, die Schäuble bei der Restrukturierung der griechischen Anleihen anstrebt. Die gesamte Beteiligung würde bei Gesamtschulden Griechenlands von 350 Milliarden und einem Haircut von 50% 175 Milliarden ausmachen. Die 30 Milliarden wären also 17% Gläubigerbeteiligung. Allerdings wehren sich die Banken ja schon und erhalten Unterstützung von der EZB, die scheinbar nie einen Haircut will.

Die Banken werden fleissig verhandeln, drohen und die große Lobbymaschinerie anwerfen. Und am Ende wird die Beteiligung der Banken an den Kosten zur Sanierung Griechenlands wohl auf einem ähnlich lächerlichen, sprich symbolischen Niveau landen wie in Irland: Irgendwo im niedrigen einstelligen Bereich. Und den Rest bezahlen die europäischen Steuerzahler (und die griechische Bevölkerung über Sparmaßnahmen). Und mal wieder kommen die Kapitalanleger ungeschoren davon, die mit ihrer zügellosen Kreditvergabe zumindest eine Mitschuld tragen ...

(Alles zu Irland unter dem Vorbehalt, dass die irische Regierung den Plan dieses Mal durchsetzen kann. Die Idee ist ja nicht ganz neu, allerdings scheiterte die Durchführung bisher am Veto der EZB und der EU).

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