Versicherer wollen auch mal EZB sein ...

Träumen also davon, Schrott in der Bilanz haben, diesen aber nicht so bewerten müssen.

Das Problem: Die griechischen Bonds sind nach der erneuten Ratingabstufung aus dem Bereich gefallen, in den die ach so konservativen deutschen Versicherer investieren dürfen. Alles unter B- ist da (eigentlich) tabu.

Die Versicherer müssten die Papiere nun aus dem Deckungsstock nehmen. Damit würden die Papiere defakto vom Vermögen der Versicherten in das Firmenvermögen wandern und unter Umständen für Verluste für die Aktionäre sorgen (kann ich aber nicht sicher sagen, denn das hängt ja vom Kurs bei der Umbuchung ab. Wird erst umgebucht und dann abgeschrieben, ist der Verlust bei den Aktionären, wird erst abgeschrieben und dann umgebucht, fehlt das Geld den Versicherten). Die Versicherer schlagen eine Ausnahme vor und wollen die griechischen Staatsanleihen gerne so bilanzieren wie vorher also auch nicht umbuchen.

Das Argument der Versicherer für eine Ausnahmeregel ist relativ putzig: Man wolle die Papiere gerne bilanzieren wie bisher, es handle sich schließlich nur um weniger als 0,5% der gesamten Kapitalanlagen. Daher könne das ja nicht so schlimm sein. Allerdings kann man dieses Argument leicht umdrehen: Eine Umbuchung kann dann auch nicht so schlimm sein ...

Nett auch die Drohung: Andernfalls müsse man halt verkaufen und die Kurse der griechischen Staatsanleihen würden noch weiter unter Druck kommen. Nur liebe Versicherer: Wen interessiert das eigentlich noch? Kann man mit noch niedrigeren Kursen ernsthaft drohen?

Der Kurs an sich interessiert doch scheinbar sowieso niemanden. Der Griechenramsch steckt in den
Büchern von Banken und Versicherungen. So wie es aussieht, ist nur eine Ratingabstufung unter ein bestimmtes Niveau kritisch. Nicht weil diese an sich kritisch wäre, sondern weil man sich dann - und scheinbar NUR dann - Gedanken über die Bewertung machen muss. Vorher bilanziert man das ganze Zeug einfach zu Mondkursen weiter ...

Sobald diese Mondkurse nicht mehr angewendet werden dürfen (bzw. das droht), wird die Lobbymaschine angeworfen und die Politik weich geklopft bis erpresst. Gute Gegenargumente hat die Politik natürlich auch nicht, weil sie ja selber die Gesetze "offensiv" auslegt bzw. ändert. Man schaue sich nur die Hinterlegungsrichtlinien bei der EZB an: Da ist inzwischen auch jeder erdenkliche Schrott möglich. Früher wurden nur Wertpapiere akzeptiert, die mindestens ein Rating von A- hatten, heute liegen die griechischen Staatsanleihen 11(!) Ratingstufen darunter und werden immer noch akzeptiert ...

Wenn ich heute einen Bilanzierungsprofi, der in den 80er Jahren Konzernbilanzen gemacht hat, aus dem Grab holen und wiederbeleben könnte, würde der beim ersten Blick auf eine aktuelle Bank- oder Versicherungsbilanz direkt wieder tot umfallen. So viel heiße Luft und notdürftig zugekleisterteter Löcher wird der nicht verkraften.

Und das ganze Drama hoch bis zur EZB. Ich frag mich, wann die EZB beginnt, immaterielle Güter oder Goodwill als Sicherheit zu akzeptieren. Dann würde die EZB endgültig so bilanzieren, wie die Klitschen in der Internetblase vor 10 Jahren ...

Euro-Krise: Versicherer wollen Ausnahme für ihren Griechenramsch | FTD.de

Kommentare :

  1. Danke; sehr interessant!

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  2. auch danke egghat. Wunderbar auf einen griffigen Punkt gebracht, insbesondere das mit den abenteuerlichen Bilanzierungspraktiken bis hoch in die EZB, die man vor 5 Jahren noch für völlig unvorstellbar hielt. Und jetzt kann fast die gesamte schreibende deutsche Journalistenzunft, FTD und HANDELSBLATT an vorderster Front, nichts außerordentlich besonderes darin erkennen, schreiben Tag für Tag wie schön des Kaisers Kleider sind ...

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  3. Das ist halt unkonvetionell. Konventionell wäre die Pleite.

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  4. Die Versicherungen würden es überleben. 0,5% (oder 0,2% wie die Welt schreibt) verkraften die allemal.

    Und die EZB hat einen goldenen Esel im Keller ...

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