Wer hält wie viel der Griechenlandschulden?

Über die Länderverteilung wurde schon einiges geschrieben und auch eine Menge von mir hier (oder im Zweitblog oder auf Twitter) verlinkt. Heute bringt FT Alphaville eine neue Berechnung, die von einem Barclays-Analysten erstellt wurde. Diese ist interessant, weil versucht wird, die Aufteilung sogar bis auf die Ebene von einzelnen Banken herunterzubrechen.

Der Einfachheit halber unterscheide ich nicht zwischen Staatsanleihen und direkten Krediten (sind eh alles Schulden).

Die Top 20:

1. Eurosystem: 49 Mrd. Euro
2. EU: 38 Mrd. Euro
3. Öffentliche Fonds in Griechenland (Pensionskassen, etc.): 30 Mrd.
4. RoW (muss passen, was ist das? Sovereign Wealth Fonds aus Asien? UPDATE: Rest of World): 25 Mrd.
5. IWF: 15 Mrd. 
6. National Bank of Greece: 13,7 Mrd.
7. Europäische Nationalbanken (Bundesbank, etc.): 13,1 Mrd.
8. Piräus Bank: 9,4 Mrd.
9. EFG: 9,0 Mrd.
10. FMS (das ist die Bad Bank der HypoRealEstate): 6,3 Mrd.
11. Bank of Greece: 6,0 Mrd.
12. BNP: 5,0 Mrd.
13. ATE: 4,6 Mrd.
14. AlphaBank: 3,7 Mrd.
15. Dexia: 3,5 Mrd.
16. Hellenic Postbank: 3,1 Mrd.
17. Generali: 3,0 Mrd.
18. Commerzbank: 2,9 Mrd.
19. Société Générale: 2,9 Mrd.
20. Marfin: 2,3 Mrd.

Man sieht, dass ab hier die Größenordnungen überschaubar werden und sich eine weitere Auflistung nicht lohnt.

Insgesamt sind es 285 Mrd. Staatsanleihen zzgl. 75 Mrd. Kredite an den Staat, ergo 360 Mrd. Euro.

Auffällig sind zwei Sachen, die allerdings keinen regelmäßigen Leser hier überraschen dürften.

a) Wirklich gefährlich sind die Mengen griechischer Staatsanleihen nur in den Bilanzen der griechischen Banken (kursiv markiert). Die erste private nicht griechische Bank ist die BNP auf Platz 10 mit 5 Mrd, danach folgt die Dexia auf Platz 15 mit 3,5 Mrd. (wobei die Dexia nicht einmal mehr voll privat ist, da musste der Staat in der Krise ziemlich groß einsteigen. Den aktuellen Stand kenne ich nicht). Bei den noch folgenden Banken sind die Summen angesichts der Firmengrößen überschaubar. Zu den griechischen Banken und der Frage, ob diese einen Haircut überleben können, siehe auch: Kippt das Land, kippen die Banken.

b) Fast noch interessanter ist es, die von mir schon länger beobachtete Verschiebung der Schulden vom privaten in den öffentlichen Sektor (fett markiert), mal in Zahlen zusammengefasst zu sehen. Das sind in der Rechnung oben satte 158,4 Mrd. Euro, die beim Staat, der EU, den Zentralbanken und staatlichen Fonds liegen, der überwiegende Teil davon außerhalb von Griechenland.

Damit liegen also aktuell bereits

44%

der griechischen Staatsschulden beim Staat. Und das wird mit jedem Tag mehr, denn Griechenland tilgt ja seine Staatsanleihen und nimmt im Gegenzug zur Refinanzierung Kredite bei der EU und dem IWF auf.

Wirklich neu ist das alles nicht, allerdings scheint der Prozess schon etwas weiter fortgeschritten zu sein als ich geschätzt hätte. 45 bis 50% Staatsanteil hätte ich eher am Ende des Jahres erwartet, aber das haben wir jetzt schon fast erreicht. Aus dem Rettungsfonds kann Griechenland bis Ende des Jahres nochmal etwa 50 Mrd. abrufen und wird einen Teil davon zur Tilgung von Altschulden einsetzen. Dadurch wird der Anteil des Staats an den griechischen Staatschulden wohl nah an die 60% Marke herangehen.

Man muss die Zahlen leicht "disclaimen", denn sie stammen aus vielen unterschiedlichen Quellen (BIS, Geschäftsberichte, ...). Ein Teil davon ist nicht aktuell und vor allem sind die Zahlen nicht vergleichbar. Aber immerhin ergeben sie eine Idee, wo die griechischen Schulden stecken.

FT Alphaville » Top of the Greek bond exposure pops [updated]

Update (18.06.11):

a) RoW = Rest of World. Leider ohne genauere Aufschlüsselung in privat oder staatlich. Danke für den Hinweis in den Kommentaren.

b) So hat die FTD die Daten aufbereitet: Euro-Krise: Die größten Griechenland-Gläubiger | FTD.de.
Finde meine Version übersichtlicher ...

Update 2 (29.06.11):

Noch eine andere Berechnung der Verteilung der Schulden habe ich soeben bei FT Alphaville gefunden. Sie stammt von der UBS und weil sie das so schön in zwei Tortengrafiken zusammenfasst, schiebe ich die in diesen Artikel nochmal nach:

Wer hält jetzt die griechischen Staatsanleihen?

Blau: EU (37% jetzt, nach 49%),
Gelb: Griechenland (Banken, Pensionsfonds, ...) (jetzt 30%, nachher 24%)
Grün: restlicher Markt (also die viel diskutierten deutschen und französischen Banken): Jetzt 33%, danach 27%.

Die Zahlen der UBS unterscheiden sich um etwa 7 Prozentpunkte von den Zahlen von Barclays, die oben im Artikel stehen. Welche richtiger sind, kann man kaum sagen.






Und so soll das in einem Jahr aussehen: Dann ist die EU auf fast 50% gekommen,



Quelle: FT Alphaville » Restructuring the Greek pie

Kommentare :

  1. RoW: Rest of World

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  2. So wie ich das verstehe, steht RoW (official institutions) für Rest of the World, wahrscheinlich die Chinesen oder wer sonst noch griechische Anleihen kauft.^^

    Also zumindest bei den nichtgriechischen Privatbanken dürfte da doch eigentlich eine (kleinere) Umschuldung kaum ins Gewicht fallen oder irre ich mich?

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  3. "Unser Geld bedingt den Kapitalismus, den Zins, die Massenarmut, die Revolte und schließlich den Bürgerkrieg, der erfahrungsgemäß mit unheimlicher Schnelligkeit zur Barbarei zurückführt. ...Wer es aber vorzieht, seinen eigenen Kopf etwas anzustrengen, statt fremde Köpfe einzuschlagen, der studiere das Geldwesen..."

    Silvio Gesell (Geld oder Krieg)

    Es ist irrelevant, was die "hohe Politik" beschließt oder nicht beschließt. Wenn das Geld selbst fehlerhaft ist, gibt es keine wie auch immer geartete "Finanzpolitik", um den bevorstehenden Zusammenbruch des Zinsgeld-Kreislaufs aufzuhalten. Seit Herbst 2008 verbleiben genau drei Möglichkeiten:

    Das Ende mit Schrecken (finaler Atomkrieg)
    Der Schrecken ohne Ende (globale Liquiditätsfalle)
    Die Natürliche Wirtschaftsordnung (echte Soziale Marktwirtschaft)

    "Genau drei Möglichkeiten" heißt: eine vierte gibt es nicht. Über die erste Möglichkeit gibt es nichts zu sagen, die zweite ist das Lieblingsthema aller Crash-Phantasten und die dritte ist wahrscheinlich. Der Crash-Phantast, der "zur Sicherheit" noch ein paar Goldklötzchen bunkert, weiß nicht, was es bedeutet, wenn in einer globalisierten Zinsgeld-Ökonomie mit über 6.500.000.000 Menschen der Geldkreislauf - und damit die Arbeitsteilung - mitgekoppelt zusammenbricht. Die Heilige Schrift bezeichnet dieses Ereignis als "Armageddon".

    Für die Beendigung der "Finanzkrise" und den anschließenden, eigentlichen Beginn der menschlichen Zivilisation bedarf es der "Auferstehung der Toten". Als geistig Tote sind alle Existenzen zu bezeichnen, die vor lauter Vorurteilen nicht mehr denken können. Die Basis aller Vorurteile war (und ist noch) die Religion.

    "Man bedenke, es handelt sich nur um einen Roman. Die Wahrheit wird - wie stets - weit erstaunlicher sein."

    Arthur C. Clarke (Vorwort zu "2001")

    Herzlich Willkommen im 21. Jahrhundert:
    http://www.deweles.de/willkommen.html

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  4. Rest of World. Hätte ich auch drauf kommen können ... (ist ja nicht so, dass ich das noch nie gehört hätte).

    Leider keine weitere Aufschlüsselung, ob staatlich, privat oder halbstaatlich. Naja, so entscheidend ist der Teil eh nicht.

    @Ariane:

    Ich schätze auch, dass die meisten nichtgriechischen Banken problemlos durch die Krise kommen. Die Postbank ist nicht ganz unkritisch, denn dort ist die 1 Milliarden auf die wesentlich kleinere Bilanzsumme gesehen wahrscheinlich mehr als die 3 Milliarden bei anderen, wesentlich größeren Banken.

    Ich habe im Artikel übrigens auch einen weiteren Artikel verlinkt, der die auswirkungen eines 50%igen Haircuts auf die griechischen Banken untersucht. Selbst die sind (für mich überraschend) nicht sofort und komplett überschuldet, sondern nur eine. OK, der Rest hat (teilweise deutlich) zu wenig Eigenkapital, aber immerhin bleibt noch was übrig ...

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  5. Hallo Egghat,

    Sehr schoene Aufstellung. Da steht ja alles was wir wissen muessen. Die groessten Glaeubiger sind wir - die Steuerzahler.

    Also warum genau das Gezetere um Umschuldung, wenn wir, die Steuerzahler blechen muessen. Du kennst ja meine Argumentation - aber dem weissgarnix wurde es anscheinend zu viel. Ich darf da nicht mehr mitmischen -interessant, nicht wahr?

    So kommt man auch mal an sein eigenes Blog. Hier gibt es naeheres:

    http://eurogate101.com/

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  6. @matt_us:

    Weil die 44% noch nicht genug sind ... Wir schulden erst um, wenn bei den Kapitalanlegern nur noch Griechenbonds liegen, die max 50% gekostet haben. Dann schneiden wir auf Kosten der Steuerzahler und die Hedgefonds (die die Dinger dann wahrscheinlich noch halten) fahren sogar Gewinne ein ;-)

    OK ich übertreibe vielleicht. Aber ich befürchte nicht sehr viel ...

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  7. Die eigentliche Frage ist, wie häufig sind die 360 Mrd. durch CDS abgesichert? und Warum werden die CDS nicht gezogen?

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  8. Über CDS dürfte nicht mehr viel abgesichert sein. Die EZB wird das kaum kaufen. Und der Rest hält a) nicht mehr so wahnsinnig viel und b) vertraut den CDS niemand mehr, weil diese bei "Freiwilligkeit" nicht mehr triggern ... Zumindest ist eine Versicherung ziemlich sinnlos, wenn sie nur manchmal zahlt (und man vor allem vorher nicht weiss, wie dieses "manchmal" aussieht)

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