Wirtschaftsbosse fordern Euro-Hilfe

"Der Euro ist notwendig" schrieben die Chefs von 50 großen deutschen und französischen Unternehmen in einer Anzeige u.a. in der FAZ.

Damit wissen wir immerhin schon einmal, dass die Konzernchefs die Vorteile des Euros durchaus zu schätzen wissen. Immerhin sichert der Euro Absatzmärkte ...

Die FAZ stellt auch direkt die richtige Frage: Tja, warum kaufen die Konzerne nicht einfach ein paar griechische Staatsanleihen? Eine solche Aktion hatten wir schonmal: "Wir kaufen griechische Staatsanleihen" (gut, das Timing war so schlecht, dass ich mich ein Jahr später darüber lustig gemacht habe). Genug Geld (138,54 Mrd. Euro) haben die DAX-Konzerne auch (Cash-Polster der DAX Unternehmen bei 138 Milliarden Euro | Pressemitteilungen-online.de). Damit könnte man mehr als ein Drittel der griechischen Staatsschulden kaufen. Dann steigen die Franzosen noch mit ein und die albernen 56% der griechischen Staatsanleihen, die noch nicht beim Staat liegen (siehe Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Wer hält wie viel der Griechenlandschulden?), sind in sichere Hände gewandert. Teuer sind die griechischen Anleihen eh nicht mehr. Wenn man 10jährige bei 50% des Nennwerts kauft, sollte da nicht mehr allzuviel Risiko drinstecken.
 
Also, wo hakt's liebe Bosse?

Ach so, zu viel Geld, zu hohes Risiko. OK, ein Vorschlag in Güte: Ihr kauft nur den Banken in Eurem Land die griechischen Anleihen ab, damit die endlich aufhören zu jammern (mimimimi, sinng.). Dann haben wir 45% der griechischen Staatsschulden beim Steuerzahler (übrigens auch in Griechenland, die sollen ja auch einen Teil beitragen) und den Rest liegt verteilt bei den Kapitalanlegern und den Unternehmern. Und die Banken haben dann wieder so saubere Bilanzen, dass die wieder fleissig Kredite an Euch Unternehmer vergeben können.

Alle leisten ihren Beitrag:

Die Kapitalanleger, die zu viel Geld nach Griechenland verliehen haben,
die Unternehmen, die von diesem zu viel an Geld in Griechenland profitiert haben,
und die Politiker, die die Griechen in den Euro geholt haben und die erlogenen Statistiken akzeptiert haben.

Halt Stop. Die Politiker haften ja gar nicht. Bezahlen müssen die Steuerzahler.

Aber so ist das halt in einer Demokratie: Wir haften für die Idioten, die wir gewählt haben. Beziehungsweise für die Idioten, die die anderen Idioten (=Wähler der anderen Partei) gewählt haben. Demokratie halt. Mitgefangen, mitgehangen. Ist in anderen Regierungsformen wie der von manchem (hüstel) bevorzugten temporären Militärdiktatur auch nicht besser ...

Anzeigenkampagne: Guter Rat - Der Kommentar - Wirtschaft - FAZ.NET

Kommentare :

  1. Hätte für die "Bosse", also die leitenden Angestellten der Konzerne noch eine Vorteil: bis die Papiere fällig werden, sind sie längst über alle Berge.

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  2. Immerhin sichert der Euro Absatzmärkte ...

    Genau, denn keine Firma exportiert auch nur ein Produkt in Nicht-Euro-Länder wie Polen, Tschechien, Schweden, Dänemark, Norwegen, die Schweiz, etc..

    Warum nochmal genau sichert der Euro Absatzmärkte?

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  3. @Anonym:

    Du willst mit Gegenbeispielen zeigen, dass ein anderes Beispiel nicht gilt? Grundkurs Logik nochmal belegen.

    Dass *auch* nach Norwegen verkauft wird, schließt doch nicht aus, dass Griechenland dank des Euros ein stabiler Absatzmarkt für deutsche Produkte war. Sogar in vierfacher Hinsicht:
    a) Griechenland bekam Zugriff auf billige Kredite
    b) Griechenland bekam Zugriff auf viel Kredite
    c) Griechenland bekam hohes Lohnniveau (mehr Konsum)
    d) Griechenland bekam hohes Lohnniveau (mangelnde Wettbewerbsfähigkeit gleich keine Konkurrenz zu Deutschland)

    Mit einer Weichwährung hätten die Griechen nie so viel Kredit aufnehmen und so viel konsumieren können und wären außerdem wettbewerbsfähiger geblieben.

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  4. @Rob:

    Das stimmt natürlich auch. Die sind genauso wenig in der Haftung wie die Politiker auch ...

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  5. Das mit den Idioten könnte ich bei mir eigentlich zum Spruch der Woche machen. ;-)

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  6. @egghat:

    Dass *auch* nach Norwegen verkauft wird, schließt doch nicht aus, dass Griechenland dank des Euros ein stabiler Absatzmarkt für deutsche Produkte war.

    Na ja.
    Im Vorkrisenjahr 2007 exportierte Deutschland Waren im Wert von 8 Milliarden nach Griechenland. Gesamte deutsche Exporte weltweit in dem Jahr 969 Milliarden.

    Also vielleicht stabil, aber "winzig".
    Zum Vergleich: nach Luxemburg 4,6 MIlliarden, nach Slowenien 4,2 Milliarden Exporte.

    Das Problem ist jetzt nur, dass die Bail-out Risiken - die jetzt der Steuerzahler trägt - im schlimmsten Fall ein Vielfaches von 8 Milliarden Euro pro Jahr erreichen könnten.
    Dann hätten wir praktisch "Absatzmärkte gesichert" durch "kostenlose" Lieferung.
    (Natürlich nicht ganz richtig. Die Kosten tragen jetzt nur andere.)

    Und meine zynische Antwort zum Artikel:
    Deutsche Banken (und Unternehmen) werden sich vielleicht freiwillig an der Griechenland "Rettung" beteiligen. Vorausgesetzt, der deutsche Staat sichert ihre Risiken ab. :)

    Sie haben so oft von deutschen und EU Politikern gehört, dass die Rettung alternativlos ist. Warum also nicht die bestmöglichsten Bedingungen verlangen?
    Und Bürgschaften brauchen ja keine Geldüberweisung "heute". Problem (und Kritik) vertagt.

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