Auch Microsoft zahlt (fast) keine Steuern ...

Das ist doch komplett irre!

Microsoft und Google sind hochprofitabel, aber zahlen kaum Steuern.

Bei Google hat ich es schonmal verbloggt (siehe Googles Steuerquote (ex-USA): 2,4% - egghat's not so micro blog). Der Steuersatz aus den internationalen (sprich Nicht-US-) Aktivitäten liegt bei Google nur bei 2,4%.

Microsoft dürfte einem ähnlichen internationalen Steuersatz entgegenstreben. Über den gesamten Konzern wurden im letzten Quartal 2010/2011 nur Steuern in Höhe von


7%

des Gewinns bezahlt. Grund waren nach offizieller Aussage höhere internationale Umsätze, die über die Länder Irland, Singapur und Puerto Rico abgewickelt wurden. Man könnte statt "Länder" auch "Steueroasen" schreiben ...

Im gesamten Jahr lag der Steuersatz von Microsoft noch bei 17%, im Vorjahr bei 25%. Eine solche kräftige Änderung lässt sich durch "ein wenig mehr Umsatz im Ausland" wohl kaum erklären. So kräftig können sich die Umsätze gar nicht verschoben haben, dazu ist das Geschäft von Microsoft viel zu stabil und langweilig. Das sieht viel mehr nach einer (ziemlich) erfolgreichen Implementierung einer Steuervermeidungsstrategie aus ...

Ich bin gespannt, wie lange Irland diese Nummer noch fahren darf. Immerhin mussten die Iren im Rahmen des zweiten Euro-Rettungspakets als Ausgleich für den niedrigeren Zinssatz Verhandlungen über eine Steuerharmonisierung zustimmen. Denn die mit dem Umweg Irland/Niederlande durchgeführten Geschäfte (für die Details siehe den Artikel über Google) mit einem durchschnittlichen Steuersatz von knapp 3% kann Europa einfach nicht akzeptieren.
Internationale Besteuerung ist sicherlich kein einfaches Thema, aber eine Steueroase mitten in der EU kann die EU unmöglich hinnehmen, erst recht nicht, wenn dieses Land die Steuersätze mit externer Hilfe subventioniert. Dabei sind die Steuersätze für Unternehmen, die in vielen Mitgliedsstaaten gezahlt werden müssen, keinesfalls zu hoch. Vielfach haben Unternehmen bereits Steuersätze, die nur die Hälfte der privaten Steuern (Lohnsteuer) ausmachen, in Skandinavien und einigen anderen Ländern ist der Abstand noch größer.

Microsoft Investor Relations - Press Releases
gefunden über
MSFT FYQ4 Beats: Tax Rate Grumbling On The Street - Tech Trader Daily - Barrons.com

Apple fällt übrigens etwas aus dem Rahmen. Im letzten Bombenquartal (siehe Apple mit Monsterquartal, Aktie sprint über 400$ - egghat's not so micro blog) wurden auf 9,5 Mrd. Dollar Rohgewinn 2,243 Mrd. Dollar Steuern bezahlt. Das macht eine Steuerquote von 23,5%, in den ersten drei Quartalen lag sie bei 24%.
Interessant, dass Apple solche Steuersparmodelle nicht nutzt. Vielleicht kann Apple diese Modelle auch nicht nutzen kann, weil sie für "harte" Ware nicht anwendbar sind, sondern nur für weiche oder virtuelle wie Softwarelizenzen (Microsoft) und Werbeplätze (Google). Weiss das zufällig jemand genauer?

Apple - Press Info - Apple Reports Third Quarter Results

Kommentare :

  1. Das Problem, die Länder wie Irland und Luxemburg leben vom Steuerdumping. Dank dieser Steuerprivelegien siedeln sich dort die Firmen und vor allem die Finanzindustrie an. Wenn Irland seine Steuern erhöhen will, drohen die mit einen Exodus. Ein Teil würde einfach nach Luxemburg wandern. Die Lobby hat den Iren klar gemacht, 3% ist mehr als 0%.

    Ausserdem wird Luxemburg jeden Versuch des Schließens von Steuerschlupflöcher verhindern. Luxemburg lebt nur noch von der Finanzindustrie. Die Industrie haben die sich durch einen zu hohen Mindestlohn kaputt gemacht. Genauso wie die Griechen, mit den Lohnsteigerungen der Staatsbeschäftigten.

    Das mit der Steuerharmonisierung wird eine reine Laberrunde. Selbst in einer Fiskalunion werden die Steueroasen ihre Vorteile mit nehmen.

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  2. Die Schweizer haben auch einer gewissen Steuerharmonisierung zugestimmt. Die Abgeltungssteuer auf anonyme Kapitaleinkünfte, die aber auf Deutsche zurückzuführen sind, liegt bei 30%. Das ist *mehr* als ein Deutscher in Deutschland zahlen müsste.

    Das geht schon, wenn man will. Innerhalb der EU noch viel eher als extern.

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  3. Apple nutzt das Steuerdumping auch. Der iTunes Store ist zB in Luxemburg angesiedelt & kriegt die günstigen Konditionen da ab. In den USA gibts auf Online-käufe praktisch keine Mehrwertsteuer, auch eine eigentlich infame Subvention von Hightec und sonstigen Internetunternehmen.

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  4. Gar nicht nutzen hätte ich auch nicht erwartet. Amazon sitzt ja auch in Luxemburg. Allerdings wundert mich der vergleichsweise hohe Steuersatz von Apple im Vergleich zu den beiden anderen schon ...

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  5. Off topic

    Italy Cancels August Bond Auction


    http://www.zerohedge.com/news/italy-cancels-august-bond-auction?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+zerohedge%2Ffeed+%28zero+hedge+-+on+a+long+enough+timeline%2C+the+survival+rate+for+everyone+drops+to+zero%29

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  6. Unrelated:

    Kunde und Komplize - Oder: Wem nützt meine Geldanlage?
    http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/zeitfragen/1508086/

    Könnte dich interessieren egghat.

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  7. @ Stefan

    Ist in Amerika Mehrwertsteuer nicht Sache der Bundesstaaten? Eine landesweit einheitliche MWSt., die Washington zusteht, gibt es doch gar nicht.

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  8. Egghat was hälst du hiervon?
    http://crooksandliars.com/jon-perr/10-inconvenient-truths-about-debt-ceiling

    Besonders von der ersten Grafik als Zusammenfassung?

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  9. @Stefan: So ein Blödsinn, natürlich fällt für alle Käufe bei Apple, sei es im Retail oder Online Store die VAT (Mwst) an. Die Steuersätze unterscheiden sich jedoch nach Bundestatten.

    Ich lebe selbst in den Miami und kaufe häufig bei Apple. Es gibt nur einige Ausnahmen wie Amazon.com, die keine Sales Tax abführen, Sie genießen eine Ausnahme.

    @Egghat: Mit deiner Vermutung liegst du richtig, immaterielle Güter wie Online Werbung, Lizenzen etc lassen sich sehr gut ins Ausland verschieben. So funktionieren auch klassische "Steuersparmodelle", die selbst Berlusconi anwendet.

    Man verkauft von der Nicht-Offshore Firma Lizenzen in gewünschtem Wert an die Offshorefirma, um das Kapital zu bewegen. Ob und wie diese Lizenzen bewertet werden, ist natürlich den Firmen selbst überlassen.

    Da Google sein Hauptgeschäft in der Online Werbung hat, wurde der Sitz für die Werbung sehr schnell nach Irland verlegt, überhaupt kein Problem. Bei Microsoft ist es der Handel mit Softwarelizenzen, genau dasselbe.

    Bei Retailhändlern mit Verkaufslocations wie Apple ist das natürlich nicht möglich. Sie arbeiten beispielsweise innerhalb der USA, der Gewinn wird dort erwirtschaftet und muss natürlich auch versteuert werden.

    Der wichtigste Satz zum Double-Irish ist übrigens, dass die IRS (US-Steuerbehörde) Google sowie den anderen Unternehmen diese Struktur ausdrücklich nach Prüfung erlaubt hat.

    mfg
    Dodo

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  10. @Dodo

    Übrigens Danke für den hilfreichen Kommentar!

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  11. Wieso tanzen dann die Behörden nach der Pfeife von Microsoft?! Man denke nur einmal an die glücklose Staatsanwältin Margrit Lichtinghagen aus dem Bochumer Landgericht, die sich mehr als auffällig für den Konzern und den Frankfurter Anwalt Dr. Görling ein Jahrzehnt lang bemühte. Als einmal ein Zugticket vom Landgericht nach Frankfurt nicht bezahlt wurde, wo Lichtinghagen in Microsoft-Recht geschult wurde, bemühte Sie das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen. Ausgehandelte Strafzahlungen angeblicher Straftäter wurden in die USA überwiesen und der deutsche Stuerzahler ging leer aus -wie immer. Für Microsoft ideal, keine Steuern zahlen, Staatsanwälte mit Unterlagen füttern und deren Pressegier ausnutzen und ohne jede Zahlung an Unterlagen und Durchsuchungen kommen -ein Deutsches Paradies, objektive Justiz gibt es hier schon lange nicht mehr. Ein Jahrzehnt lang die wichtigen Behördenvertreter schulen und BGH-Urteile unterlaufen...., so ein Land muss man erstmal finden

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  12. Bei Microsoft ist das eine raffinierte Konzernstrategie, bei einem deutschen Mittelständler würde dies als Steuerhinterziehung ausgelegt die Behörden würden alles tun, um das auch zu beweisen. Recht gilt nur für die grossen Konzerne in Deutschland, traurig aber wahr...

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