Die Kosten der Griechenlandbeteiligung für deutsche Banken liegen bei Null. Niente. Zero.

Die FAS dröselt Griechenrettung durch Banken auseinander ... und kommt zum selben Ergebnis wie ich, nur noch etwas genauer. Schade, dass diese Analyse erst jetzt kommt und die Anzahl der Leser dieses Artikels deutlich geringer sein dürfte als am Tag der Bekanntgabe der deutschen Bankenbeteiligung, als alle noch fälschlicherweise von 3,2 Milliarden Hilfe gesprochen haben.

Nett, dass die FAZ (gute Vernetzung ist halt was wert) auch Analysten zitieren kann, die den Plan genau durchgerechnet haben, vor allem den Teil, den ich nur über den Daumen peilen konnte. Wo ich bisher 20% (oder in einem FR Kommentar 25-30%) durchschnittlichen Abschlag der bis 2014 auslaufenden griechischen Papiere angenommen habe, nennt die FAZ 74,7%. Die Differenz von 74,7% zu den 100% Nennwert ist der Teil, den die Banken überhaupt erst bekommen, weil der europäische Steuerzahler für die Refinanzierung Griechenlands gerade steht.

Nun kommt aber der eigentliche Hammer: Der Barwert der neuen Anleihen (30 Jahre Laufzeit, 5,5% Zinsen) liegt bei

74,6%.

Die Banken tauschen also Papiere, die an der Börse mit durchschnittlich 74,7% gehandelt werden, in Papiere um, die einen Barwert von 74,6% haben.

Wow! Was für eine Riesenbeteiligung der deutschen Banken!

Jetzt muss man noch berücksichtigen, dass auf die 5,5% Festzinsen noch weitere Zinsen in Höhe des BIP-Wachstums kommen. Maximal 2,5 Prozentpunkte höhere Zinsen kann es bei einem guten Wachstum geben, also bis zu 8% (5,5+2,5). Bei Wirtschaftsschrumpfung wird übrigens nichts abgezogen. Durch diesen variablen Teil kann der Barwert bis auf 85% steigen.

Damit wisst ihr jetzt auch, was das Hilfsangebot an Griechenland die deutschen Banken kostet.

Nichts. Niente. Zero. 

(OK, 0,1% der Summe könnten es werden, wenn die Griechen kein einziges Jahr Wirtschaftswachstum hinbekommen. Was aber ziemlich unwahrscheinlich ist, 30 Jahre Rezession in Folge gab es noch nie ... Außer natürlich Griechenland macht Pleite ...)

Ich lach mich scheckig über meine eigene Naivität. Da hatte ich doch glatt gewettet, dass sich die deutschen Banken nie im Leben mit mehr als 10 Milliarden an der Rettung Griechenlands beteiligen. Eine Wette, die natürlich niemand angenommen hat. Aber dass die Banken bei der Nummer mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar noch mit Gewinn herauskommen ... Da bin ich echt sprachlos.

Wenn nur der Staat auch meine Investments so einschätzen würde, also als Hilfe ... Ich werde demnächst auch mal meine alten Bundesanleihen in neue umtauschen und versuchen, dass dann als Hilfe, sprich Spende, von der Steuer abzusetzen ...

Das dümmste an der ganzen Geschichte ist, dass die Medien in die Köpfe der Leute eine 3,2 Milliarden Euro schwere Hilfe der deutschen Banken gepflanzt haben und weder meine Analyse (die übrigens scheinbar einige nicht verstanden haben) noch der Artikel in der FAZ genügend Leser finden wird, um dieses falsche Bild noch zu korrigieren :-( Das hat der Wirtschaftswurm schon richtig vorhergesagt ... Die Einflüsterer, die Spindoktoren haben wieder einmal volle Arbeit geleistet :-(

Die gute und detaillierte Beschreibung in der FAS:
Europas Schuldenkrise: Die Mogelpackung der deutschen Banken - Europas Schuldenkrise - Wirtschaft - FAZ.NET

Meine ersten Überlegungen zum Thema am 28.6:
GERÜCHTE: DEUTSCHE BANKEN UNTERSTÜTZEN FRANZ. PLAN FÜR GRIECHENSCHULDEN

Weitere Überlegungen (ziemlich "rantig") am 30.6.:
Zahl des Tages (30.06.2011): 3.200.000.000 - egghat's not so micro blog

Update (04.07.11):

Das Thema macht die Runde und es gibt inzwischen mindestens zwei weitere aufschlussreiche Rechnungen:

Eine im Wirtschaftswunderblog bei der FTD von André Kühnlenz, der das Modell mal mit einem Haircut von 60% (also mehr als einer Halbierung der griechischen Schulden) und das schon im Jahr 2014 (also relativ zügig) durchgerechnet hat: Selbst bei solch harten Annahmen ist der Barwert über die nächsten 30 Jahre höher (etwa 85 Euro) als der Barwert der abgelösten Anleihen (etwa 75 Euro, siehe oben).

FTD - Wirtschaftswunder: Was die Banken an der Griechenrettung verdienen?

Die zweite Rechnung gibt's im Blicklog. Auch dort gibt es bei genauer Berechnung der zukünftigen Zahlungsströme ein Plus für die Banken:

Nach Notkrediten für Griechenland: Warum die Banken von der Beteiligung gem. des französischen Modells profitieren

Update 2:

Ein Detail muss ich noch nachtragen. Ich bin nach der Lektüre des französischen Vorschlags davon ausgegangen, dass die Banken 30% behalten, 20% in ESM-Fonds investieren und 50% in Griechenlandanleihen stecken. Der Deal sieht in der Praxis aber anders aus: Die Banken behalten die 30%, es fließen aber 70% nach Griechenland, das davon dann 30% in ESM Anleihen investieren und als Sicherheit bereithalten muss. Das läuft dann auf 21% in ESM und 49% an Griechenland hinaus, an meinen grundsätzlichen Überlegungen ändert sich also nichts.

Im Detail aber schon: Denn die Griechen müssen für 70% der Summe Zinsen bezahlen (und bekommen für 30% der Summe selber deutlich niedrigere Zinsen, Geldvernichtung par excellence also). Auch kann es jetzt gut sein, dass die Ratingagenturen diese neue Spezialanleihe für die Banken als (teil-)besicherte Anleihe bewerten; es liegt ja immerhin ein Teil der Summe als ESM-Anleihen vor. Damit wäre diese Anleihe sicherer als die abgelösten Anleihen und auch sicherer als alle anderen Anleihen. Es wären also alle anderen Gläubiger herabgestuft. Das sehen die Ratingagenturen nicht gerne. Für sie zählt nur ein freiwilliger Umtausch in Anleihen mit gleichen Bedingungen nicht als Zahlungsausfall. Am gleichen Problem sind übrigens auch Vorschläge gescheitert, Griechenland solle andere besicherte Anleihen (z.B. mit Grund und Boden oder Infrastruktur) emittieren.

Zerohedge: Wolfgang Munchau On How The Greek Rollover "Deal" Is A Toxic CDO
FAZ: Ratingagentur zweifelt an Lösung für Griechenland

Update 3:

Die FTD zitiert eine Analyse der Commerzbank zum Thema:
"Der Stein der Weisen - eine signifikante Einbeziehung privater Investoren ohne das Risiko von Ausfallratings - scheint nicht gefunden zu sein. Wir vermuten: es gibt ihn nicht."
Tja, so schaut's aus.

Schuldenkrise: Was S&P am Pariser Modell für Griechenland stört | FTD.de

Die einzige Möglichkeit, die Probleme eines Defaults zu vermeiden, ist es, diesen einfach zu ignorieren. Das oft genannte Problem, dass die EZB keine Griechenland Anleihen mehr akzeptieren kann, wenn das "D" (Default) drauf steht, ist ein Scheinproblem. Denn die EZB kann akzeptieren was sie will. Im Notfall auch Murmeln ...

Auch die CDS (Kreditausfallversicherungen) sind  mglw. gar kein Problem. Es kreisen zwar auch Summen von 80 Milliarden durch die Medien, die Danske Bank hingegen sieht nur ein maximales *Netto*risiko von 5,5 Milliarden. Und das wäre mehr als verkraftbar.

FT Alphaville » Greek credit event? Default? Who cares? Danske Bank doesn’t

Wenn da nicht das Ansteckungsrisiko wäre ... Aber wohin eigentlich noch? Wenn die Spanier ihr Sparprogamm umsetzen und Erfolge vorzeigen können, werden die keine Probleme bekommen. Wenn sie die nicht vorzeigen können, werden sie Probleme bekommen. Egal ob Griechenland umschuldet oder nicht ...

Update 5 (05.07.11)

Weil dieser Artikel bei rivva verlinkt ist, bringe ich nochmal eine Kurzversion der Rechnung, wie ich sie schon vor ein paar Tagen gemacht habe. Ich verwende dabei jeweils Marktpreise, sowohl für den Zustand jetzt, wie den Zustand nach dem möglichen Umtausch.

Den durchschnittlichen Preis der aktuellen Papiere hat der Analyst der Deutschen Banken mit 74,7% berechnet (siehe oben). Dieser Kurs wird vom Steuerzahler auf 100 aufgestockt, weil die griechischen Anleihen ja zu 100% getilgt werden sollen, es also keinen Haircut geben soll. Das effektive Volumen der Anleihen für die Geschäftsbanken (die nicht im Staatsbesitz sind) liegt bei 2 Milliarden (Nennwert). Der Steuerzahler stockt also den Marktwert von 1,5 Mrd. (75% von 2 Mrd.) auf 2 Milliarden auf, ergo fliessen 500 Millionen von der EU an die Banken. Man kann das durchaus einen Bail-Out nennen.

Von diesen 2 Milliarden stecken die Banken jetzt effektiv wieder 1 Milliarde in griechische Staatsanleihen. Der aktuelle Marktzins für 30jährige Papiere liegt bei gut 11%. Beim angestrebten Nominalzins von 5,5% würde sich damit ein Kurs von etwa 50% errechnen. Bei einem Zins von 6,5% (was realistischer wäre, denn 1% BIP-Wachstum erzielt ja irgendwie jedes Land) würde sich der Kurs der neuen Anleihe bei etwa 60% einpendeln.

Genau in diesem Abschlag steckt jetzt die Beteiligung der Banken. Bei einem Zins von 5,5% sind es 50% von 1 Milliarde, also 500 Millionen, bei einem Zins von 6,5% wären es nur 40%, ergo 400 Millionen.

Nun stecken die Banken aber natürlich weiter im Risiko. Denn auch die restlichen 500 Millionen könnten ja noch bei einem Haircut geschnitten werden. Nun will ich mir hierüber aber keine weiteren Gedanken machen, denn bei einem Kurs von 50% preist der Markt schon verdammt viel Ausfall ein, und zwar nicht nur einen hohen Haircut, sondern auch einen relativ schnellen. Das mag falsch sein, ist aber relativ egal, denn in der Rechnung oben beeinflusst eine Änderung der Risikoeinschätzung beide Seiten der Rechnung. Sollte sich die Markteinschätzung bessern, sinkt sowohl der Abschlag der alten Papiere als auch der Abschlag für die neuen Papiere. Das Ergebnis bleibt aber gleich! Die beiden Summen heben sich in etwa auf.

Diese Rechnung ist nur einen "Daumenpeil"-Rechnung. Da müsste man finanzmathematisch einiges viel viel detaillierter machen. Wenn man das Ganze dann noch mit Haircuts in unterschiedlicher Höhe und zu unterschiedlichen Zeitpunkten modelliert, gibt's dafür einen Doktortitel ;-) Der Nachteil ist dann aber, dass das niemand mehr versteht (außer den Experten). Und genau das erhoffe ich mir von meiner Simpel-Rechnung auf der simplen Basis der aktuellen Marktpreise: Dass man sieht, wo den Banken Geld zufließt und wo die Banken zuzahlen. Und dass man sieht, das dabei eigentlich keine Beteiligung entsteht.

Kommentare :

  1. Hmm, die Barwertvergleiche verstehe ich nicht.

    Mit welchem Kurs die Griechlandanleihe heute notiert, spielt lediglich hinsichtlich der Opportunitätskosten eine Rolle: In Relation zum Risiko wirft diese derzeit zu wenig Rendite/Zinsen ab. Deshalb die niedrige Notierung. Da die Banken jedoch ohnehin bis Fälligkeit halten und Rückzahlung zu 100 erfolgt, wenn kümmert der Barwert?

    Die Berechnung des Barwerts der neuen 30-jährigen erschließt sich mir auch nicht. Ich komme bei einem Marktzins von etwa 8% und einem Anleihenzins von 5,5% auf einen Barwert von etwa 75. Sind 8% Marktzins normal? Sind diese Anleihen auf Grund der unterschiedlichen Risikoabsicherung überhaupt vergleichbar? Und was sagt mir der Vergleich?

    Keine Frage, der Deal ist für die Banken außerordentlich lukrativ, und kein 'Rettungsbeitrag' o.ä. Die Staatengemeinschaft garnatiert die griechischen Staatsanleihen. Die Argumentation der FAZ über den Barwert, bzw. von Dir im Herdentrieb über den Kurswert kann ich jedoch nicht nachvollziehen.

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  2. @HxG

    Wie die FAZ die Barwerte berechnet hat, weiss ich auch nicht. Ich gehe auch davon aus, dass es die FAZ nicht selber war, sondern die Zahlen aus irgendeiner Analyse von einer Bank (o.ä.) stammen. Ich habe versucht, was zu finden, war aber nicht erfolgreich. Daher kann ich da leider nicht weiterhelfen.

    Aber was meine Rechnung angeht, könnte ich das (hoffentlich).

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  3. Spenden kann die Bank vielleicht einen Tausender...

    Solche Summen kann kein Vorstand sehenden Auges in den Sand setzen. Da käme nämlich sofort der Straftatbestand der Untreue (heißt zumindest bei uns in Österreich so) ins Spiel. Von daher war von Anfang an klar, dass es da keine "Rettungsbeiträge" geben kann und nur ein (Schein-)Argument für die Politiker her musste: "Sehr her, heute zahlen auch die Privaten!"

    lg - urriegel

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  4. Hm, ich glaube, das Wirtschaftswunder der FTD hat zu niedrige Abzinsungsfaktoren verwendet. Für die Abzinsung des EFSF garantierten Kapitalbetrags muss man m.E. eine höheren Zinssatz nehmen, nämlich eine 30-Jahres Spotrate. Die unterscheidet sich methodisch von der Rendite einer 30-jährigen Anleihe.
    Ich habe hier mit 5,2% gerechnet.

    Aber wie immer man auch rechnet. Der Vorteil der Lösung bleibt. Und es wird Zeit, dass die Details offen gelegt werden.

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  5. @egghat

    Verstehe leider immer noch nicht, welche Erkenntnisse ein Vergleich des Barwertes der neuen Anleihe mit dem Kurs der heutigen Anleihen liefern könnte. Wie auch immer.

    In der Zischenzeit hat S&P in einer Pressemitteilung klargestellt, dass sie den Vorschlag als Ausfall werten würden. In der Begründung wird auf hauptsächlich zwei Gründe verwiesen. Erstens erwarten sie, dass der Markt die Zinsen von 5,5% - 8% trotz Risikoabsicherung als zu niedrig bewertet, weshalb die Papiere nach Ausgabe unter 100 notieren und damit unhandelbar werden:

    "But unlike other investments investors would have been likely to make with the proceeds of maturing Greek debt, the New Five-Year Bonds and the New Thirty-Year Bonds would have restricted transferability for extended periods--in our view because, given current market conditions, both the New Five-Year Bonds and the New Thirty-Year Bonds would likely trade at a price significantly below par."

    Damit erhielten die Banken bei Ausgabe der 30 jährigen weniger Wert, als sie dafür bezahlen müssen. Trifft dies zu, wäre das in der Tat ein Rettungsbeitrag und ein teilweiser default.

    Der zweite Grund betrifft die lange Laufzeit und die realistische Möglichkeit eines Defaults.

    alphaville hat auch was dazu.

    Wie die Quadratur des Kreises gelingen soll, dass ein Rettungsbeitrag kein Ausfall ist, müssen schlauere Leute als ich beurteilen.

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  6. Das beweist mal wieder, dass eigentlich niemand genau versteht bzw. verstehen kann was da genau passiert.

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  7. @HxG:

    Die neuen Anleihen dürften wahrscheinlich direkt mit 50% oder 60% Nennwert (oder so, Annahme 11% Rendite wie die aktuelle Anleihe, mittlerer Nominalzinssatz der neuen Anleihe 5,5 bis 6,5%) notieren (übrigens ohne Berücksichtigung des 30%igen Sicherheitspuffer, aber ich rechne ja mit 1 Mrd (also dem netto Wert) und nicht mit den 1,4 Mrd, die brutto fließen). Das wäre dann der Rettungsbeitrag der Banken.

    Man muss aber immer bedenken, dass vorher von 74,xx Euro auf 100 aufgestockt wird.

    Also bekommen die Banken erst einmal für die 2 Milliarden, die zurückgezahlt werden und bei 74,xx notieren, 500 Millionen vom Steuerzahler (denn der sorgt ja für die Rückzahlung zu 100%). Von den 2 Mrd. wird dann 1 Mrd. wieder investiert, von denen zu Marktpreisen direkt wieder die Hälfte weg ist. Die hat der Steuerzahler aber vorher aufgefüllt.

    Gegenüber einem Haircut zu Marktpreisen investieren die Banken also gar nichts ... Irrt der Markt und überschätzt das Ausfallrisiko, verdienen die Banken sogar gut. Irrt der Markt und sieht das Ausfallrisiko zu niedrig, müssten die Banken was nachzahlen. Aber die Märkte sind gerade soooo negativ eingestellt, dass in den Kursen eine Wahrscheinlichkeit von 90% (oder so) für einen Haircut von mindestens 50% in den nächsten 4 Jahren steckt. Mal ernsthaft: Die Politiker bekommen nicht einmal einen Haircut im Promillebereich hin, wer will da erwarten, dass die Griechen 80% wegschneiden?!?

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  8. @egghat

    Danke für Deine ergänzenden Erläuterungen. Ich verstehe was Du meinst, allerdings teile ich Deine Sicht nicht ganz.

    Meines Erachtens muss die Bezugsgröße eines Rettungsbeitrags die Rückzahlung der alten Anleihen zu 100 sein.

    Bei einem Haircut zu Marktpreisen ergäbe sich ein Rettungsbeitrag von ca. 25% (aktueller Kurs) des gesamten Investments der bis 2014 fälligen Anleihen.

    Beim französischen Modell ergibt sich der Rettungsbeitrag aus der Abweichung des Kurses/Marktpreises der neuen Anleihe von 100 (gemäß Deiner Schätzung 40-50%) auf 70% der bis 2014 fälligen alten Anleihen, also ca. 28-35% vom gesamten Investment.

    Wenn Deine Einschätzung stimmt, dann entspricht das französische Modell einem Haircut zu Marktpreisen auf die alten Anleihen.

    Du schreibst:

    >Die hat der Steuerzahler aber vorher aufgefüllt.

    Diese Aufrechnung ist daher mAn nicht geeignet, den Rettungsbeitrag zu quantifizieren.

    Ich vermute jedoch, die neuen Anleihen werden nicht unter 100 notieren. Deine Berechnung basiert auf 11% Marktzins. Das halte ich angesichts der mit der Laufzeit steigenden Risikoabsicherung für zu hoch. Ich könnte mir vorstellen, dass, unter Berücksichtigung der Risikoabsicherung, die 5,5-8% ganz gut den Marktzins reflektieren. Sollte diese Ansicht zutreffen, kämen die Banken um einen Rettungsbeitrag herum.

    Long story short: Wenn Du davon ausgehst, dass der Kurs der neuen Anleihe so deutlich unter 100 notieren wird, dann haben die Banken einen nicht unerheblichen Rettungsbeitrag geleistet. Dann wäre allerdings auch das 'D' von S&P gerechtfertigt. Sollte meine Ansicht zutreffen, dass der Kurs der neuen Anleihe bei 100 notieren wird, ist der Vorschlag für die Banken neutral, da die Papiere, nach einer Sperrfrist(?) gehandelt werden können. Wenn alle Welt diese Papiere haben will und der Kurs über 100 liegt, kann von einer Subvention gesprochen werden.

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  9. Das kann man (ist ja kompliziert genug) durchaus anders sehen. Ich komme damit gut klar.

    Klar: Man kann davon ausgehen, dass die Anleihen eh zu 100 getilgt werden, weil die EU einen Default ja verhindern will. Dann muss man meiner Meinung nach aber davon ausgehen, dass die neuen Anleihen eben auch zu 100% getilgt werden, jedweder Abschlag also eine "Marktineffizienz".

    Mir erscheint diese Betrachtungsweise konsequent. Genauso konsequent wie meine, bei der ich nicht zweimal "Nennwerte" angenommen habe, sondern zweimal Marktwerte (einen musste ich natürlich schätzen, den gibt es ja (noch) nicht).

    Ich hab mir den Zins aber nicht ausgedacht, sondern den habe ich bei Bloomberg aus einer generischen 30jährigen abgegriffen GGGB30YR:IND. Das scheint also der aktuelle Zins zu sein, den der Markt sehen will. Daraus gibt es dann bei 5,5% Nominalzinsen einen Kurs von etwa 50, bei 6,5% etwa 60.

    Was ich jetzt nicht logisch finde, ist dein Vorgehen: Denn auf der einen Seite einen "Nicht-Marktwert" für die Rückzahlung zu nehmen (der am Ende durchaus kommen kann, aber der Markt diesen nicht sieht), bei den neuen Anleihen diesen Risikoabschlag auf den Marktwert aber wieder anzusetzen, ist doch ein Widerspruch.

    Ich weiss, dass deine Annahme, dass doch eh zu 100 getilgt wird, plausibel und wahrscheinlich ist. Man kann also so rechnen. Aber trotzdem fließen an der Stelle doch noch 25% Geld, das vom Steuerzahler (EU) kommt. Und das kann man meiner Meinung nach nicht unter den Tisch fallen lassen.

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  10. @egghat

    >Dann muss man meiner Meinung nach aber davon ausgehen, dass die neuen Anleihen eben auch zu 100% getilgt werden

    Davon gehe ich bei meinen Betrachtungen tatsächlich aus, d.h. ich unterstelle, dass die neuen Anleihen voll zurückgezahlt werden (und sei es über die Risikoabsicherung).

    >Ich hab mir den Zins aber nicht ausgedacht, sondern den habe ich bei Bloomberg aus einer generischen 30jährigen abgegriffen

    Klar, nur ist die generische Anleihe auf Grund der exponentiell steigenden Risikoabsicherung durch die Staatengemeinschaft nicht mit der neuen Anleihe (franz. Vorschlag) vergleichbar. Der franz. Vorschlag sieht vor, dass von Anfang an etwa 30% Haircut auf das gesamte Investment (70% der auslaufenden alten Anleihen) erfolgen kann und die Banken dennoch ihr Investment voll zurückgezahlt bekommen.

    >Was ich jetzt nicht logisch finde

    Das Vorgehen scheint mir schon schlüssig. Ich gehe, wie gesagt, tatsächlich von 100 Rückzahlung aus und bemesse den Rettungsbeitrag als Abweichung der ersten Notierung von 100 unmittelbar nach Ausgabe. Die Abweichung reflektiert die Markteinschätzung, dass die Banken, bei Abweichung nach unten, für ihr Investment gemessen am Risiko zu wenig Zinsen kommen. Der Rettungbeitrag resultiert dann darin, dass die Banken zu niedrigeren Zinsen verleihen, als der Makrt denkt, dass sie bekommen müssten. Diese Opportunitätskosten stellen den Rettungsbeitrag dar. Am Ende bekommen sie zwar 100 ausbezahlt, sie hätten in den 30 Jahren aber in einer alternativen Anlage bei gleichem Risiko höhere Zinserträge erwirtschaften können.

    Dann wäre auch die Einschätzung von S&P korrekt, dass faktisch eine Umstrukturierung statt gefunden hat, da die Banken dann auf Zins verzichten (wenn sie bis Fälligkeit halten) bzw. Verluste realisieren, wenn sie die Anleihen zum Kurs unter 100 verkaufen.

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  11. Ergänzung:

    >Genauso konsequent wie meine,

    Ja, kann man machen, dass man beide Papiere zu Kurswerten nimmt, aber ein Vergleich der beiden Kurswerte (Kurs alter Anleihe vs. Kurs neuer Anleihe nach Ausgabe) quantifiziert nicht den Rettungsbeitrag. Meiner Meinung nach müsste der Vergleich beider Kurse zu 100 erfolgen (nicht miteinander), um den Rettungsbeitrag zu quantifizieren und ist im Falle des Haircuts zu Marktpreisen nur gerechtfertigt, wenn ein Haircut zu Marktpreisen zur Debatte steht. Genausogut könnte man aber auch einen 80% Haircut in die Debatte bringen. Was bringt es dann, angesichts eines, sagen wir mal 25% Haircut beim französischen Vorschlag, zu sagen, im Vergleich zu 80% verdienen sich die Banken eine goldene Nase?

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